{"id":23398,"date":"2017-01-12T08:13:29","date_gmt":"2017-01-12T07:13:29","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/01\/12\/vitamine-in-der-biene-esst-insekten\/"},"modified":"2025-05-14T16:28:48","modified_gmt":"2025-05-14T14:28:48","slug":"vitamine-in-der-biene-esst-insekten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/01\/12\/vitamine-in-der-biene-esst-insekten\/","title":{"rendered":"Vitamine in der Biene: Esst Insekten!"},"content":{"rendered":"<p><i>Dieser Artikel ist Teil eines Projekts einer <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2017\/01\/11\/wissenschaftsbloggen-fuer-studenten-eine-einfuehrung-mit-live-feedback\/\">Lehrveranstaltung an der Universit\u00e4t Graz<\/a>. Studierende sollten einen Blogartikel \u00fcber eine wissenschaftliche Facharbeit schreiben. Um die Vielfalt an M\u00f6glichkeiten zu demonstrieren, mit der man \u00fcber Forschung schreiben kann, habe ich ebenfalls einen Artikel zum gleichen Thema verfasst. Ich w\u00fcrde euch bitten, auch (und vor allem) den Artikel der Studierenden zu lesen und zu kommentieren. Je mehr Feedback, desto besser! Der zu diesem Text geh\u00f6rende Artikel der Studierenden ist <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=24004\">hier zu finden<\/a>.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Im Sommer 2014 habe ich das erste Mal Insekten gegessen. Zumindest bewusst gegessen; verschluckt habe ich mit Sicherheit auch schon davor das eine oder andere Tier das ich eigentlich gar nicht verschlucken wollte (und bevor jetzt jemand damit kommt: Nein, die <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2015\/47\/spinnen-schlucken-schlaf-stimmts\">Story von den vielen Spinnen die wir im Schlaf verschlucken<\/a> ist Unsinn). Ich war damals bei der Aufzeichnung einer Wissenschaftssendung im Publikum und zwei Designerinnen haben in der Show ein Ger\u00e4t pr\u00e4sentiert, mit dem man schnell und einfach frische Larven f\u00fcr den menschlichen Konsum produzieren kann. Daraus haben sie dann eine <i>Larven-Quiche<\/i> gebacken und dem Publikum angeboten. Ich hab mich nat\u00fcrlich sofort darauf gest\u00fcrzt und konnte feststellen: Insektenquiche schmeckt wie normale Quiche. <\/p>\n<p>Das zweite Mal habe ich Insekten am <a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000027620727\/Insekten-Buffet-am-Ball-der-Wissenschaften\">zweiten Wiener Ball der Wissenschaften<\/a> gegessen. Da gab es sie pur; wie Pommes Frites fritiert aus der T\u00fcte und sie haben tats\u00e4chlich hervorragend geschmeckt. Wenn sie nicht so teuer gewesen w\u00e4ren, h\u00e4tte ich noch viel mehr davon gegessen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_23996\" aria-describedby=\"caption-attachment-23996\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Escamoles.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Escamoles.jpg\" alt=\"Die Ameisenlarven sieht man doch gar nicht! (Bild: cvmontuy, gemeinfrei)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-23996\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23996\" class=\"wp-caption-text\">Die Ameisenlarven sieht man doch gar nicht! (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Escamoles.jpg\">Bild: cvmontuy, gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber normalerweise geh\u00f6ren Insekten nicht zum Speiseplan einer durchschnittlichen europ\u00e4ischen Mahlzeit. Was seltsam ist, denn wir sind ja nicht unbedingt zimperlich, was das Essen von Tieren angeht. Kaum ein Lebewesen, das wir nicht im Laufe der Zeit auf die eine oder andere Weise verzehrt haben. Aber vor Insekten graust uns; diese Tiere geh\u00f6ren nicht zu unserem Speiseplan. Daran sollte man etwas \u00e4ndern &#8211; meinen auf jeden Fall <i>Jiri Mlcek<\/i> von der Universit\u00e4t Zlin in Polen und seine Kollegen. Sie haben einen wissenschaftlichen Artikel publiziert in dem sie Argumente f\u00fcr und gegen den Insektenkonsum in Europa sammeln (<a href=\"https:\/\/www.degruyter.com\/view\/j\/pjfns.2014.64.issue-3\/v10222-012-0099-8\/v10222-012-0099-8.xml?format=INT\">&#8222;A Comprehensive Look at the Possibilities of Edible Insects as Food in Europe \u2013 a Review&#8220;<\/a>).<\/p>\n<p>Denn was wir in Europa grauslich finden ist anderswo ganz normal, wie die Wissenschaftler gleich in der Einleitung feststellen. Mehr als 1500 essbare Insektenspezies werden von 300 ethnischen Gruppen in 113 L\u00e4ndern verzehrt. Warum gerade wir uns so anstellen, wenn es um die Krabbelviecher am Teller geht, ist angesichts dieser Zahlen nicht sofort verst\u00e4ndlich. Es sind vor allem kulturelle Gr\u00fcnde, erkl\u00e4ren Mlcek und seine Kollegen. Wir haben schon als Kinder gelernt, dass Insekten nichts sind, was man isst. Und als Erwachsene haben wir dann eben Probleme, Dinge zu essen die wir nicht als Nahrung in Betracht ziehen. Das gilt ja nicht nur f\u00fcr Insekten: Wer k\u00e4me schon auf die Idee, sich einen Hund oder eine Katze zu braten? Wer das ernsthaft in Betracht zieht, muss nicht nur mit dem Ekel sondern zus\u00e4tzlich auch noch mit dem Hass vieler Mitmenschen rechnen. Diese Tiere sind bei uns <i>Haustiere<\/i> und keine Nahrung. Anderswo ist das anders &#8211; und genau so ist es auch mit den Insekten.<\/p>\n<p>Dabei w\u00fcrde es sich lohnen, sie f\u00fcr unseren europ\u00e4ischen Speisezettel in Betracht zu ziehen. Mlcek und seine Kollegen haben sich angesehen, was bei uns f\u00fcr M\u00f6glichkeiten bestehen. Sie haben all die essbaren Insekten untersucht, die in Europa heimisch sind. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnten wir auch Insekten aus anderen L\u00e4ndern importieren, aber es geht ja gerade darum, eine <i>Alternative<\/i> zur bisherigen Nahrungsmittelproduktion zu finden. Wenn wir dann erst wieder Essen von weit her nach Europa schaffen und f\u00fcr unsere Nahrung fremde \u00d6kologien durcheinanderbringen und die Energiebilanz durch komplexe Transportwege verpfuschen, dann bringt uns das auch nicht weiter.<\/p>\n<figure id=\"attachment_23997\" aria-describedby=\"caption-attachment-23997\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Giant_water_bugs_on_plate.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Giant_water_bugs_on_plate.png\" alt=\"Auch nicht schlimmer als Garnelen! (Bild: Takoradee, CC-BY-SA 3.0)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-23997\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23997\" class=\"wp-caption-text\">Auch nicht schlimmer als Garnelen! (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Giant_water_bugs_on_plate.png\">Bild: Takoradee<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.de\">CC-BY-SA 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist teilweise sehr \u00fcberraschend zu lesen, was in den Insekten so an N\u00e4hrwert steckt. Wenn wir eine ganze (getrocknete) Biene essen, dann k\u00f6nnen wir 94,3 Prozent der in ihr enthaltenen Proteine verdauen; das ist nur minimal weniger als beispielsweise bei Eiern. Der Fettgehalt von Insekten kann bis zu 50 Prozent betragen &#8211; was nat\u00fcrlich bl\u00f6d ist, wenn man gerade auf Di\u00e4t ist aber hervorragend, wenn es darum geht viele Kalorien zu sich zu nehmen. Der Anteil von Kohlenhydraten kann stark variieren bis zu knapp 16 Prozent bei Zikaden &#8211; was jetzt aber verglichen mit anderen &#8222;normalen&#8220; Lebensmitteln trotzdem nicht so wahnsinnig viel ist: Wer also meint sich <i>low carb<\/i> ern\u00e4hren zu m\u00fcssen, der liegt mit Insekten richtig!<\/p>\n<p>Vitamine und Spurenelemente findet man nat\u00fcrlich auch. Wer Zink braucht, sollte sich ein paar Grillenlarven \u00fcbers Morgenm\u00fcsli streuen; wer Mangan braucht, ist mit den erwachsenen Grillen besser dran. Und was die Vitamine der B-Gruppe angeht, liegt man bei Insekten auch nicht schlecht.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man jetzt nicht einfach auf die Wiese gehen und sich mit den dortgefundenen Krabbeltieren den Bauch vollschlagen. Insekten k\u00f6nnen giftig sein; selbst essbare Insekten k\u00f6nnen ungesunde Mengen an durch deren Nahrung aufgenommenen Schadstoffen enthalten; man kann Allergien gegen Insekten haben. Insekten muss man genau so wenig roh (oder gar lebendig) essen wie wir das mit dem Gro\u00dfteil unserer Nahrung machen. Eine entsprechende Zubereitung verbessert den Geschmack und kann auch helfen den Ekel zu \u00fcberkommen, den manche haben. Man kann die Insekten auch einfach nur als Grundstoff f\u00fcr weitere Nahrungsmittel leben, in dem man zum Beispiel die Proteine extrahiert und dann weiter verarbeitet. <\/p>\n<p>Auf jeden Fall aber gilt: Es gibt &#8211; abgesehen von kulturellen Traditionen &#8211; keinen zwingenden Grund Insekten nicht so zu behandeln wie wir es mit dem Rest der uns theoretisch zur Verf\u00fcgung stehenden Nahrungsmittelpalette tun. Klar, es gibt die gleichen <i>ethischen<\/i> und <i>\u00f6kologischen<\/i> Bedenken, die es immer gibt, wenn man Tiere isst. Aber wenn man bereit ist, S\u00e4ugetiere wie K\u00fche oder Schweine aufzuessen, dann gibt es keinen Grund, warum nicht auch Insekten essen sollte. Und aus \u00f6kologischer Sicht &#8211; zu dem Schluss kommen auch Mlcek und seine Kollegen &#8211; sind Insekten durchaus besser als der Rest unserer Nahrung. Um Insekten zu z\u00fcchten braucht man weniger Wasser, weniger Energie und generell weniger Aufwand. <\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich habe kein Problem, was den Konsum von Insekten angeht und w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass man sie auch hier bei uns nicht nur als exotische Kuriosit\u00e4t ab und zu mal bekommt sondern<br \/>\nstandardm\u00e4\u00dfig kaufen und konsumieren kann. Und w\u00fcrde mich \u00fcber eure Erfahrungen freuen: Wo kann man Insekten vern\u00fcnftig beziehen? Und welche Rezepte kennt ihr? \t<\/p>\n<p><i>P.S. Ja, ok &#8211; ich entschuldige mich f\u00fcr die \u00dcberschrift<\/i><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/e6c0254169874715b53ed9a30b4004e4\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist Teil eines Projekts einer Lehrveranstaltung an der Universit\u00e4t Graz. Studierende sollten einen Blogartikel \u00fcber eine wissenschaftliche Facharbeit schreiben. Um die Vielfalt an M\u00f6glichkeiten zu demonstrieren, mit der man \u00fcber Forschung schreiben kann, habe ich ebenfalls einen Artikel zum gleichen Thema verfasst. 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