{"id":23396,"date":"2017-01-12T08:13:31","date_gmt":"2017-01-12T07:13:31","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/01\/12\/rettendes-schwein-poekelfleisch-gegen-nasenbluten\/"},"modified":"2025-05-14T16:28:47","modified_gmt":"2025-05-14T14:28:47","slug":"rettendes-schwein-poekelfleisch-gegen-nasenbluten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2017\/01\/12\/rettendes-schwein-poekelfleisch-gegen-nasenbluten\/","title":{"rendered":"Rettendes Schwein: P\u00f6kelfleisch gegen Nasenbluten"},"content":{"rendered":"<p><i>Dieser Artikel ist Teil eines Projekts einer <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2017\/01\/11\/wissenschaftsbloggen-fuer-studenten-eine-einfuehrung-mit-live-feedback\/\">Lehrveranstaltung an der Universit\u00e4t Graz<\/a>. Studierende sollten einen Blogartikel \u00fcber eine wissenschaftliche Facharbeit schreiben. Um die Vielfalt an M\u00f6glichkeiten zu demonstrieren, mit der man \u00fcber Forschung schreiben kann, habe ich ebenfalls einen Artikel zum gleichen Thema verfasst. Ich w\u00fcrde euch bitten, auch (und vor allem) den Artikel der Studierenden zu lesen und zu kommentieren. Je mehr Feedback, desto besser! Der zu diesem Text geh\u00f6rende Artikel der Studierenden ist <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=24000\">hier zu finden<\/a>.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>So wie kaum eine andere Wissenschaft hat die Medizin das Problem das man zwar sehr oft nachweisen kann, <i>das<\/i> etwas wirkt ohne das man wei\u00df, <i>warum<\/i> es wirkt. Das f\u00fchrt dazu, dass man manchmal zu Therapien greift die etwas seltsam wirken k\u00f6nnen. Und die Idee, auf die <i>Ian Humphreys<\/i> von der Michigan State University und seine Kollegen gekommen sind, steht auf der Liste der seltsamen Behandlungen vermutlich ganz weit oben. Sie haben lebensbedrohliches Nasenbluten mit einem Nasenstopfen aus gep\u00f6keltem Schweinefleisch kuriert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_23993\" aria-describedby=\"caption-attachment-23993\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/ProsciuttoSeaSalt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/ProsciuttoSeaSalt.jpg\" alt=\"Demn\u00e4chst in der Apotheke? (Bild: Deathworm, public domain)\" width=\"500\" height=\"667\" class=\"size-medium wp-image-23993\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23993\" class=\"wp-caption-text\">Demn\u00e4chst in der Apotheke? (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:ProsciuttoSeaSalt.JPG\">Bild: Deathworm, public domain<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nachlesen kann man die Geschichte im Fachartikel mit dem packenden Titel <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/22224315\">&#8222;Nasal packing with strips of cured pork as treatment for uncontrollable epistaxis in a patient with Glanzmann thrombasthenia.&#8220;<\/a> (<a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/22224315\">pdf<\/a>). Sie handelt von einem vier Jahre alten Kind, das unter einer sehr seltenen Erbkrankheit leidet, der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glanzmann-Thrombasthenie\">Glanzmann-Thrombasthenie<\/a>, die dazu f\u00fchrt das man oft und stark und unkontrolliert blutet. Die Patientin kam immer wieder ins Krankenhaus und dort wendete man verschiedenste Therapien an, um ihre Blutungen zu stillen. Aber egal ob man dem Kind Medikamente gab, Bluttransfusionen legte, die Wunden in der Nase mit Laserstrahlen beschoss oder medizinische Nasenstopfen applizierte: Am Ende fing die Nase immer wieder zu bluten an.<\/p>\n<p>Bis einer der \u00c4rzte auf die &#8211; nicht unbedingt nachvollziehbare &#8211; Idee kam, es mit Nasenstopfen aus P\u00f6kelfleisch zu versuchen. Das stoppte die Blutung nicht nur sofort, sondern auch dauerhaft. Die Patientin ging zufrieden nach Hause (oder hat sich vielleicht auch nur andere \u00c4rzte gesucht). <\/p>\n<p>Ein interessanter Befund. Ein obskurer Befund und einer der zu jeder Menge Resonanz in den Medien gef\u00fchrt hat (Ich hab jetzt nicht nachgesehen, aber ich bin mir sicher, dass irgendwo die Schlagzeile &#8222;Schwein gehabt&#8220; verwendet worden ist). Und zu einem <a href=\"https:\/\/www.improbable.com\/2014\/09\/21\/up-the-nose-press-reports-about-the-ig-nobel-prizes\/\">Ig Nobelpreis f\u00fcr Medizin<\/a>. Ich bezweifle aber, ob die Technik wirklich so bald als sinnvolle Therapie eingesetzt werden kann. Immerhin handelt es sich nur um einen einzigen Fall, in dem sie tats\u00e4chlich angewandt worden ist. Und aus Einzelf\u00e4llen kann man immer nur bedingt lernen bzw. allgemeine Schl\u00fcsse ziehen.<\/p>\n<p>Die Autoren des Fachartikels verweisen zwar auch auf historische Berichte eines Arztes aus den 1940er Jahren, der ebenfalls Schweinefleisch gegen Nasenblutungen angewandt hatte. Bemerken aber auch selbst gleich, dass man ein wenig vorsichtig sein sollte. Bevor man aus der Sache ein neues Hausmittel macht, muss man bedenken, dass die Nase voll mit Schleimh\u00e4uten ist und Schweinefleisch nicht unbedingt steril. Das eine in das andere zu stecken kann im Zweifelsfall mehr Schaden anrichten als Nutzen. Vor allem, weil ja immer noch nicht nur nicht klar ist, ob das ganze \u00fcberhaupt abseits des dokumentierten Einzelfalls funktioniert. Sondern auch, weil nichtmal klar ist, warum es funktionieren sollte, wenn es funktioniert. Ian Humphreys und seine Kollegen vermuten, dass der hohe Salzgehalt des P\u00f6kelfleisches etwas mit der verbesserten Blutstockung zu tun hat. Aber selbst wenn das der Fall ist: Ich bin mir sicher, es gibt simplere Methoden um das Salz in die Nase zu kriegen, als sich Schweinefleisch in die Nasenl\u00f6cher zu stopfen!<\/p>\n<figure id=\"attachment_23992\" aria-describedby=\"caption-attachment-23992\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Poekelsalz_Packung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Poekelsalz_Packung.jpg\" alt=\"Es geht auch ohne Schwein! (Bild: AlMare, CC-BY-SA 3.0)\" width=\"500\" height=\"441\" class=\"size-medium wp-image-23992\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23992\" class=\"wp-caption-text\">Es geht auch ohne Schwein! (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Poekelsalz_Packung.jpg\">Bild: AlMare<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.de\">CC-BY-SA 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Sache k\u00f6nnte auf jeden Fall ein Anreiz sein, sich mit neuen, nicht-invasiven Therapien zur Behandlung von starken Nasenbluten zu besch\u00e4ftigen (und vielleicht machen die Mediziner das ja auch; ich bin auf dem Gebiet kein Experte und dankbar f\u00fcr Hinweise). Ansonsten l\u00e4sst sich daraus aber mit Sicherheit eine wunderbar neue Pseudomedizinrichtung basteln: &#8222;Fleischenergethik&#8220; vielleicht? Oder &#8222;Schnitzelreiki&#8220;? Ach, den Esoterikern f\u00e4llt da sicherlich etwas ein! \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/48ad9c94585c47c5bed7548b4a41974a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist Teil eines Projekts einer Lehrveranstaltung an der Universit\u00e4t Graz. Studierende sollten einen Blogartikel \u00fcber eine wissenschaftliche Facharbeit schreiben. Um die Vielfalt an M\u00f6glichkeiten zu demonstrieren, mit der man \u00fcber Forschung schreiben kann, habe ich ebenfalls einen Artikel zum gleichen Thema verfasst. 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