{"id":23247,"date":"2016-11-17T14:44:20","date_gmt":"2016-11-17T13:44:20","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/11\/17\/proxima-und-alpha-centauri-sind-ein-paar\/"},"modified":"2025-05-14T16:18:09","modified_gmt":"2025-05-14T14:18:09","slug":"proxima-und-alpha-centauri-sind-ein-paar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/11\/17\/proxima-und-alpha-centauri-sind-ein-paar\/","title":{"rendered":"Proxima und Alpha Centauri sind ein Paar"},"content":{"rendered":"<p><i>Proxima Centauri<\/i> ist ein ganz besonderer Stern. Lange Zeit war er das auf jeden Fall aus Sicht von uns Menschen, da es sich um <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2015\/01\/30\/sternengeschichten-folge-114-proxima-centauri-der-sonnennaechste-stern\/\">den Stern handelt, der unserer Sonne am n\u00e4chsten liegt<\/a>. Seit August 2016 wei\u00df man aber auch, <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2016\/08\/24\/der-planet-in-habitablen-zone-von-proxima-centauri-was-wir-wissen-und-was-nicht\/\">das es dort auch einen Planeten gibt<\/a>. Wenn wir Sterne und extrasolare Planeten studieren wollen, ist Proxima Centauri also ein System, das sich hervorragend daf\u00fcr eignet &#8211; wir werden auf jeden Fall keines finden, das uns noch n\u00e4her ist. Es lohnt sich also, so viel wie m\u00f6glich \u00fcber Proxima zu erfahren, denn je mehr wir wissen, desto besser k\u00f6nnen wir die Informationen einordnen. Und eine der wichtigen Fragen zu Proxima Centauri konnte nun endlich beantwortet werden!<\/p>\n<figure id=\"attachment_22901\" aria-describedby=\"caption-attachment-22901\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/eso1629b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/eso1629b.jpg\" alt=\"Der Himmel \u00fcber der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (oben) und der Stern Proxima Centauri (unten rechts). Unten links sind die beiden Sterne des Alpha-Centauri-Systems zu sehen, die nach Proxima unsere n\u00e4chsten Nachbarn sind (Bild: Y. Beletsky (LCO)\/ESO\/ESA\/NASA\/M. Zamani)\" width=\"500\" height=\"530\" class=\"size-medium wp-image-22901\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22901\" class=\"wp-caption-text\">Der Himmel \u00fcber der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (oben) und der Stern Proxima Centauri (unten rechts). Unten links sind die beiden Sterne des Alpha-Centauri-Systems zu sehen, die nach Proxima unsere n\u00e4chsten Nachbarn sind (<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/images\/eso1629b\/\">Bild: Y. Beletsky (LCO)\/ESO\/ESA\/NASA\/M. Zamani<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Proxima Centauri ist nur ein ganz klein wenig n\u00e4her an der Sonne als das Doppelsternsystem von <i>Alpha Centauri<\/i>. Deswegen, und auch weil sich sowohl Proxima als auch Alpha Centauri in die gleiche Richtung bewegen, vermutete man schon l\u00e4nger, dass es sich in Wahrheit um ein gemeinsames Dreifachsternsystem handelt. Aber eine Vermutung ist kein Wissen und die \u00e4hnlichen Entfernungen und Bewegungen k\u00f6nnten auch  Zufall sein.<\/p>\n<p>Astronomen aus Frankreich und Chile ist es nun aber gelangen, die Frage zu kl\u00e4ren (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1611.03495\">&#8222;Proxima&#8217;s orbit around Alpha Centauri&#8220;<\/a>. Eigentlich ist es ja nicht schwer: Man muss herausfinden, wie schnell sich Proxima Centauri und Alpha Centauri direkt auf uns zu bewegen. Das ist die sogenannte <i>Radialgeschwindigkeit<\/i>. Ist Proxima dabei wesentlich schneller als Alpha Centauri; \u00fcbersteigt also die Radialgeschwindigkeit eine gewisse Grenzgeschwindigkeit, dann k\u00f6nnen beide Systeme nicht gravitativ aneinander gebunden sein. Nur wenn die Radialgeschwindigkeit von Proxima unter dem Grenzwert liegt ist klar, dass er Alpha Centauri nicht entkommen kann sondern sich um das Doppelsternsystem herum bewegt.<\/p>\n<p>Nun ist Proxima aber zwar sehr nahe, aber sehr klein. Es handelt sich um einen <i>roten Zwergstern<\/i> und weil er so klein ist, leuchtet er auch sehr schwach. Das macht exakte Messungen der n\u00f6tigen Eigenschaften schwierig. Um die Radialgeschwindigkeit zu messen, muss man das Lichtspektrum von Proxima beobachten. So wie sich die Frequenz einer Schallwelle ver\u00e4ndert, je nachdem ob sich die Schallquelle auf uns zu oder von uns weg bewegt (den Effekt kennen alle von der Sirene eines vorbei fahrenden Einsatzfahrzeugs) \u00e4ndert sich auch die Frequenz einer Lichtquelle die von einer bewegten Lichtquelle ausgesandt wird. Diesen Effekt k\u00f6nnen wir normalerweise recht gut messen; vorausgesetzt die Lichtquelle ist hell genug. Denn das Licht eines Sterns wird nicht nur durch seine Radialgeschwindigkeit ver\u00e4ndert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22902\" aria-describedby=\"caption-attachment-22902\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/proximab1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/proximab1.jpg\" alt=\"So k\u00f6nnte Proxima Centauri von der Oberfl\u00e4che seines Planeten aus aussehen (K\u00fcnstlerische Darstellung: ESO\/M. Kornmesser)\" width=\"500\" height=\"325\" class=\"size-medium wp-image-22902\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22902\" class=\"wp-caption-text\">So k\u00f6nnte Proxima Centauri von der Oberfl\u00e4che seines Planeten aus aussehen (<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/images\/eso1629a\/\">K\u00fcnstlerische Darstellung: ESO\/M. Kornmesser<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Licht \u00e4ndert sich, je nachdem wie schnell sich der Stern auf uns zu (oder von uns weg) bewegt. Es bewegt sich aber nicht nur der Stern als ganzes: Auch <i>Teile<\/i> des Sterns bewegen sich auf uns bzw. von uns weg. An der Oberfl\u00e4che eines Sterns steigt hei\u00dfes Material aus seinem Inneren auf; k\u00fchlt dort ab und sinkt wieder nach unten. Ein Stern ist also mit jeder Menge sogenannter &#8222;Konvektionszellen&#8220; bedeckt; wie die blubbernden Blasen einer kochenden Fl\u00fcssigkeit. Das Licht aus den Regionen in denen Material aufsteigt, sieht so aus wie Licht aus einer Quelle die sich auf uns zu bewegt. Sinkt das k\u00fchle Material wieder ab, entspricht das einer Lichtquelle, die sich von uns entfernt. Dieser Effekt verf\u00e4lscht die Radialgeschwindigkeitsmessung und das muss man ber\u00fccksichtigen. Das Licht wird zus\u00e4tzlich noch durch die Gravitationskraft des Sterns ver\u00e4ndert; diese <i>gravitative Rotverschiebung<\/i> folgt aus Albert Einsteins allgemeiner Relativit\u00e4tstheorie.<\/p>\n<p>Man muss also die Eigenschaften &#8211; Gr\u00f6\u00dfe, Masse, Temperatur, Schwerkraft an der Oberfl\u00e4che, etc &#8211; der beteiligten Sterne sehr gut kennen um all diese st\u00f6renden Effekte absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Nur dann kann man die Radialgeschwindigkeit ausreichend genau messen. Bei Proxima Centauri war das lange Zeit nicht m\u00f6glich. Bis jetzt!<\/p>\n<figure id=\"attachment_23653\" aria-describedby=\"caption-attachment-23653\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/proxorbit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/proxorbit.jpg\" alt=\"Die Umlaufbahn von Proxima um Alpha Centauri. Der Pfeil zeigt die aktuelle Position und Bewegungsrichtung an; die blauen Punkte die zuk\u00fcnftige Position in Abst\u00e4nden von 40.000 Jahren (Bild: Kervella &amp; Th\u00e9venin, 2016) \" width=\"500\" height=\"451\" class=\"size-medium wp-image-23653\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23653\" class=\"wp-caption-text\">Die Umlaufbahn von Proxima um Alpha Centauri. Der Pfeil zeigt die aktuelle Position und Bewegungsrichtung an; die blauen Punkte die zuk\u00fcnftige Position in Abst\u00e4nden von 40.000 Jahren (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1611.03495\">Bild: Kervella &#038; Th\u00e9venin, 2016<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und jetzt wissen wir, das sich Alpha und Proxima Centauri mit einer Geschwindigkeit von 293 Metern pro Sekunde voneinander entfernen. W\u00fcrde die Geschwindigkeit 545 Meter pro Sekunde \u00fcberschreiten, dann k\u00f6nnte Proxima nicht an Alpha Centauri gebunden sein. Da die Geschwindigkeit aber deutlich darunter liegt, wird sich Proxima nicht ewig von Alpha entfernen, sondern einer Umlaufbahn um das Alpha-Centauri-System herum folgen. Einer Umlaufbahn, die ziemlich lang ist: F\u00fcr eine Runde um das Doppelsternsystem von Alpha Centauri braucht Proxima knapp 600.000 Jahre. Wenn Proxima Alpha Centauri am n\u00e4chsten kommt, dann ist der Abstand immer noch 5300 Mal gr\u00f6\u00dfer als die Distanz zwischen Sonne und Erde! Und am fernsten Punkt seiner Bahn ist Proxima 12.900 Mal weiter von Alpha entfernt als die Erde von der Sonne.<\/p>\n<p>Die Bindung zwischen Proxima und Alpha ist also nicht sehr eng. Aber es IST eine gravitative Bindung und die drei Sterne bilden ein gemeinsames System. Das ist gut zu wissen und es ist wichtig, das wir es wissen. Jetzt k\u00f6nnen wir die Entstehung des Dreifachsystems besser verstehen und damit auch die Entstehung des Planetensystems von Proxima Centauri. Und es gibt ein ungel\u00f6stes Problem weniger in der Astronomie! \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/3cc07b717abd440a8eaca7d65a957064\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Proxima Centauri ist ein ganz besonderer Stern. 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