{"id":23187,"date":"2016-10-07T06:02:36","date_gmt":"2016-10-07T04:02:36","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/10\/07\/sternengeschichten-folge-202-raumstationen-die-realisierung-eines-alten-traums\/"},"modified":"2025-05-14T16:18:02","modified_gmt":"2025-05-14T14:18:02","slug":"sternengeschichten-folge-202-raumstationen-die-realisierung-eines-alten-traums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/10\/07\/sternengeschichten-folge-202-raumstationen-die-realisierung-eines-alten-traums\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 202: Raumstationen &#8211; Die Realisierung eines alten Traums"},"content":{"rendered":"<p>Von den ersten Visionen im 19. Jahrhundert bis hin zur Realisierung hat es lange gedauert. Die erste echte Raumstation flog erst in den 1970er Jahren ins Weltall. Aber seitdem haben immer Menschen den Weltraum nicht nur besucht sondern dort auch zumindest zeitweilig gelebt. Der Bau der ersten sowjetischen und amerikanischen Raumstationen ist das Thema der heutigen Folge des Sternengeschichten-Podcasts.<\/p>\n<p>Und wie immer gibt es weiter unten eine Transkription des Podcasts.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-12938\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Folge k\u00f6nnt ihr euch hier direkt als <a href=\"https:\/\/youtu.be\/DkFSKhsSaQI\">YouTube-Video<\/a> ansehen oder <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podspot.de\/files\/202-SternengeschichtenFolge202.mp3\">direkt runterladen<\/a>. <\/p>\n<p>Den Podcast k\u00f6nnt ihr unter <\/p>\n<p><center><a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten<\/a><\/center><\/p>\n<p>abonnieren beziehungsweise auch bei <a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a> via Torrent beziehen.<\/p>\n<p>Am einfachsten ist es, wenn ihr euch <a href=\"https:\/\/play.google.com\/store\/apps\/details?id=de.danoeh.antennapodsp.sternengeschichten\">die &#8222;Sternengeschichten-App&#8220; f\u00fcrs Handy<\/a> runterladet und den Podcast damit anh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Sternengeschichten gibts nat\u00fcrlich auch bei iTunes (wo ich mich immer \u00fcber Rezensionen und Bewertungen freue) und alle Infos und Links zu den vergangenen Folgen findet ihr unter <a href=\"https:\/\/www.sternengeschichten.org\">https:\/\/www.sternengeschichten.org<\/a>.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es die Sternengeschichten auch <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">bei Facebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">bei Twitter<\/a>.<\/p>\n<p><center><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/WLvWEiNH-Eg?showinfo=0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<\/center><\/p>\n<p><b>Transkription<\/b><\/p>\n<p>Sternengeschichten Folge 202: Raumstationen &#8211; Die Realisierung eines alten Traums<\/p>\n<p>In der letzten Folge der Sternengeschichten habe ich \u00fcber die ersten Ideen und Visionen von Raumstationen gesprochen. Die Pioniere der Raumfahrt aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert hatten jede Menge gro\u00dfe Vorstellungen davon, wie Menschen in der Zukunft im Weltall leben k\u00f6nnen. Ich m\u00f6chte noch einmal Hermann Potocnik zitieren, der besonders intensiv dar\u00fcber nachgedacht hat, wie man so eine Station bauen m\u00fcsste und sich am Ende seines Buches &#8222;Problem der Befahrung des Weltraums&#8220; realistisch und optimistisch zugleich gibt:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Doch der Zweck der vorliegenden Betrachtungen ist auch nicht der, glaubhaft machen zu wollen, da\u00df man schon morgen wird zu fremden Himmelsk\u00f6rpern reisen k\u00f6nnen. Es soll damit nur versucht sein zu zeigen, da\u00df die Befahrung des Weltraums nicht mehr als etwas f\u00fcr den Menschen Unm\u00f6gliches angesehen werden darf, sondern ein Problem darstellt, welches sehr wohl technisch gel\u00f6st werden kann und &#8211; ein Problem, das all die Hindernisse, die seiner endg\u00fcltigen Bemeisterung auch noch im Wege stehen m\u00f6gen, nur nichtig erscheinen lassen mu\u00df ob der \u00fcberw\u00e4ltigenden Gro\u00dfartigkeit des dabei Erstrebten.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Ja, eine Raumstation ist tats\u00e4chlich etwas Gro\u00dfartiges. Und dass die Sache nicht unm\u00f6glich ist sondern technisch gel\u00f6st werden kann, stellte man auch bald fest. <\/p>\n<figure id=\"attachment_23455\" aria-describedby=\"caption-attachment-23455\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Salyut_1_and_Soyuz_drawing.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Salyut_1_and_Soyuz_drawing.png\" alt=\"Zeichnung von Saljut 1 mit andockendem Sojus-Raumschiff (Bild: gemeinfrei)\" width=\"500\" height=\"353\" class=\"size-medium wp-image-23455\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23455\" class=\"wp-caption-text\">Zeichnung von Saljut 1 mit andockendem Sojus-Raumschiff (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Salyut_1_and_Soyuz_drawing.png\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zwischen der Zeit der gro\u00dfen Raumfahrtvisionen in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts und der Realisierung der Raketentechnik in der zweiten H\u00e4lfte lag aber der zweite Weltkrieg. Diese gro\u00dfe Katastrophe hat allerdings auch ma\u00dfgeblich dazu beigetragen, dass der Weltraum danach zumindest einigerma\u00dfen friedlich genutzt wurde. Die Raketen, die der deutsche Pionier Wernher von Braun als Kriegswaffe gebaut hatte, wurden sp\u00e4ter zur Grundlage des Weltraumprogramms der NASA. Es gab aber auch Ideen, Raumstationen als Waffe einsetzen. Basierend auf der Arbeit eines anderen Pioniers &#8211; Herman Oberth &#8211; arbeitete eine Gruppe deutscher Wissenschaftler zumindest kurzfristig daran, eine Raumstation zu planen die knapp 8200 Kilometer \u00fcber der Erde schweben w\u00fcrde. Dort sollte sich ein riesiger Spiegel mit einer Fl\u00e4che von 9 Quadratkilometern befinden mit dem Sonnenlicht wie bei einem Brennglas auf einen Punkt der Erdoberfl\u00e4che konzentriert werden k\u00f6nnte. Mit dieser Waffe h\u00e4tte man die ganze Welt bedrohen k\u00f6nnen; war sich aber auch dar\u00fcber im Klaren das es noch viele Jahrzehnte dauern w\u00fcrde bis man sie realisieren k\u00f6nnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck f\u00fcr die Welt kam es nicht dazu. Tats\u00e4chlich war es die Sowjetunion, die 1971 die erste echte Raumstation baute. Am 19. April 1971 wurde <i>Saljut 1<\/i> an Bord einer Proton-Rakete ins All gebraucht. Sie war 16 Meter lang und 19 Tonnen schwer. Platz bot sie nur f\u00fcr eine einzige Person. Kosmonauten hielten sich dort aber nur 23 Tage lang auf und die Station selbst kreiste nur 175 Tage lang um die Erde bevor sie planm\u00e4\u00dfig wieder abst\u00fcrzte und in der Atmosph\u00e4re der Erde vergl\u00fchte. <\/p>\n<p>Zwei Jahre sp\u00e4ter, am 3. April 1973 brachte die Sowjetunion Saljut 2 in eine Erdumlaufbahn. Allerdings gab es schon zwei Tage sp\u00e4ter einen Druckverlust und alle Instrumente fielen aus. Ende Mai st\u00fcrzte die Station ab, ohne dass jemals Kosmonauten an Bord gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Auch mit ihrer dritten Raumstation hatten die Sowjets kein Gl\u00fcck: Kosmos 557 konnte nicht einmal eine stabile Umlaufbahn erreichen und st\u00fcrzte 11 Tage nach dem Start im Mai 1973 wieder ab. Im gleichen Monat war dagegen die USA endlich erfolgreich. Am 14. Mai brachten sie erfolgreich das Skylab in eine Erdumlaufbahn wo die Station immerhin bis zum Juli 1979 blieb. Sie war 25 Meter lang, 17 Meter breit und bot Platz f\u00fcr drei Personen und in ihrer aktiven Zeit gab es drei Langzeitbesatzungen die am Ende fast drei Monate lang im Orbit lieben. Es gab ein Teleskop an Bord mit dem man UV- und R\u00f6ntgenstrahlung beobachten konnte, was vom Erdboden aus nicht m\u00f6glich war. Au\u00dferdem fotografierte man die Erde, testete jede Menge neue Technologien und f\u00fchrte eine Vielzahl an medizinischen Experimenten durch. <\/p>\n<figure id=\"attachment_23456\" aria-describedby=\"caption-attachment-23456\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Skylab_SL-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Skylab_SL-4.jpg\" alt=\"Skylab (Bild: NASA, gemeinfrei)\" width=\"500\" height=\"407\" class=\"size-medium wp-image-23456\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23456\" class=\"wp-caption-text\">Skylab (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:Skylab_(SL-4).jpg\">Bild: NASA, gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auf amerikanischer Seite folgte auf Skylab erstmal keine weitere Raumstation; in der Sowjetunion setzte man dagegen die Reihe der Saljut-Stationen fort und das immer erfolgreicher. Saljut 3, 4, 5, 6 und 7 waren alle von Menschen besetzt; Saljut 7 immerhin schon 816 Tage lang.<\/p>\n<p>Am 19. Februar 1986 startet dann aber die bisher erfolgreichste Raumstation der Sowjetunion: Mir. Der Name bedeutet &#8222;Friede&#8220;; vorerst war es aber ein reines Projekt des Ostblocks &#8211; erst sp\u00e4ter entstanden tats\u00e4chlich viele Kooperationen zwischen Ost und West. Mir hatte immerhin schon ein bewohnbares Volumen von 350 Kubikmetern. <\/p>\n<p>Den Anfang machte ein 13 Meter langes und 4 Meter durchmessendes Basismodul. 1987 wurde das Wissenschaftsmodul Kwant an die Station gedockt; im November 1989 folgte das zweite Wissenschaftsmodul Kwant 2  und schlie\u00dflich im Mai 1990 das dritte wissenschaftliche Modul &#8222;Kristall&#8220;. Das bot dann auch die Andockm\u00f6glichkeiten f\u00fcr amerikanische Shuttles &#8211; was am 29. Juni 1995 vom Space Shuttle Atlantis genutzt wurde. In den n\u00e4chsten Jahren folgten weitere Module: Spektr, mit dem man die Erdatmosph\u00e4re und kosmische Strahlung erforschen konnte. Ein spezielles Andockmodul f\u00fcr Space Shuttles. Und das zur Erforschung der Mikrogravitation genutzte Modul Priroda.<\/p>\n<p>Am Ende hatte die Mir eine Masse von 135 Tonnen, eine Spannweite von 31 Metern und eine L\u00e4nge von 33 Metern. Insgesamt haben 96 Kosmonauten die Station besucht, darunter auch der Russe Waleri Poljakow, der zwischen Januar 1994 und Mai 1995 dauerhaft auf der Mir war und mit 438 Tagen den damals aktuellen Rekord f\u00fcr einen Langzeitaufenthalt im All aufstellte. <\/p>\n<p>In den ersten zwei Jahren besuchten ausschlie\u00dflich sowjetische Kosmonauten die Station. Aber schon im April 1989 flogen auch der Syrer Muhammed Achmed Faris, der Afghane Abdul Ahad Mohmand und der Franzose Jean-Loup Chr\u00e9tien die Mir. 1991 war die Mir das Ziel der ersten Britin, Helen Sharman und auch des ersten \u00d6sterreichers im All: Franz Viehb\u00f6ck. Der erste Deutsche an Bord der Mir war 1992 Klaus-Dietrich Flade; danach folgten Thomas Reiter, Reinhold Ewald und Ulf Merbold. <\/p>\n<figure id=\"attachment_23454\" aria-describedby=\"caption-attachment-23454\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1200px-Mir_sts89_big.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1200px-Mir_sts89_big.jpg\" alt=\"Die Raumstation Mir (Bild: NASA, gemeinfrei)\" width=\"500\" height=\"332\" class=\"size-medium wp-image-23454\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23454\" class=\"wp-caption-text\">Die Raumstation Mir (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Mir_sts89_big.jpg\">Bild: NASA, gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Mir verbrachte 15 Jahre in einer Erdumlaufbahn und das, obwohl sie nur f\u00fcr 7 Jahre Aufenthalt im All konstruiert war. Sie umkreiste die Erde 86.325 Mal und am Ende war sie nicht mehr so zuverl\u00e4ssig wie zu Beginn. Im Februar 1997 gab es einen Brand an Bord; zwei Wochen danach fiel die Sauerstoffversorgung aus. Die Solarpaneele waren besch\u00e4digt, die Kommunikation mit der Bodenstation funktionierte nur sporadisch und im Juni 1997 kollidierte ein Versorgungsschiff mit der Station und besch\u00e4digte das Spektr-Modul so sehr, dass es nicht mehr benutzt werden konnte.<\/p>\n<p>Und trotzdem konnten alle Probleme immer irgendwie behoben und zumindest notd\u00fcrftig beseitigt werden. Im Juni 2000 verlie\u00df die letzte Besatzung die Mir und am 23. M\u00e4rz 2001 wurde sie kontrolliert zum Absturz gebracht. Die alte, gro\u00dfartige Raumstation vergl\u00fchte in der Atmosph\u00e4re \u00fcber dem Pazifischen Ozean.<\/p>\n<p>Aber da schwebte schon eine andere Raumstation \u00fcber der Erde: DIE Raumstation, die gr\u00f6\u00dfte Raumstation die wir Menschen bisher gebaut haben. Die ISS oder International Space Station, deren erstes Modul am 20. November 1998 in eine Umlaufbahn gebracht wurde. Sie sollte zur bisher erfolgreichsten Raumstation werden und zum bisher gr\u00f6\u00dften Habitat der Menschheit au\u00dferhalb der Erde. Aber das ist ein Thema f\u00fcr eine eigene Folge der Sternengeschichten&#8230;<br \/>\n \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/a2b3a1146dcb463a968f1c030a9abd7a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den ersten Visionen im 19. Jahrhundert bis hin zur Realisierung hat es lange gedauert. Die erste echte Raumstation flog erst in den 1970er Jahren ins Weltall. Aber seitdem haben immer Menschen den Weltraum nicht nur besucht sondern dort auch zumindest zeitweilig gelebt. 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