{"id":23153,"date":"2016-10-07T06:00:01","date_gmt":"2016-10-07T04:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/10\/07\/die-sternentstehung-eine-nebuloese-angelegenheit\/"},"modified":"2025-05-14T16:17:56","modified_gmt":"2025-05-14T14:17:56","slug":"die-sternentstehung-eine-nebuloese-angelegenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/10\/07\/die-sternentstehung-eine-nebuloese-angelegenheit\/","title":{"rendered":"Die Sternentstehung \u2013 Eine nebul\u00f6se Angelegenheit"},"content":{"rendered":"<p><i><b>Hinweis: <\/b>Dieser Artikel ist ein Beitrag zum <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2016\/07\/19\/der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb-2016\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2016<\/a>. Hinweise zum Ablauf des Bewerbs und wie ihr dabei Abstimmen k\u00f6nnt <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=22936\">findet ihr hier<\/a>.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\" alt=\"sb-wettbewerb\" width=\"500\" height=\"172\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15702\" \/><\/a><\/i><\/p>\n<p><b>Das sagt die Autorin des Artikels, <b>Selina<\/b> \u00fcber sich:<\/b><br \/>\nHallo, ich bin Selina. Ich bin 17 Jahre alt und gehe derzeit noch zur Schule. Dies ist mein aller erster Blogeintrag, also hoffe ich, dass er euch gefallen wird.<br \/>\nMit meinem Blogeintragsthema besch\u00e4ftige ich mich eigentlich schon seit Ende 2015, als ich zu Besuch im Science Museum in London einen imax Film \u00fcber unter anderem Nebel gesehen hab. Ich war fasziniert von der Theorie der Sternentstehung in Nebeln und begann mich damit weiter zu besch\u00e4ftigen<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\nDie Sternentstehung \u2013 Eine nebul\u00f6se Angelegenheit<\/p>\n<p>Der Nachthimmel ist voll von ihnen: Sterne. Es gibt sie in allen Gr\u00f6\u00dfen, Farben und Helligkeiten. Doch woher kommen sie eigentlich?<\/p>\n<p>Die einfachste Antwort zu der Frage, woher Sterne eigentlich kommen, ist Nebel.<br \/>\nIhr denkt euch jetzt wahrscheinlich: Nebel? Was haben Nebel denn mit Sternen zu tun? <\/p>\n<p>Nebel m\u00fcsst ihr euch als riesige Wolken aus Gas (gr\u00f6\u00dftenteils Wasserstoff und Helium, aber auch Spuren von Sauerstoff, Stickstoff und anderen Gasen) und Staub, also kleinsten festen Partikeln (wie zum Beispiel Eisen-Magnesium-Silikate, Kohlenstoff und Eis) vorstellen. Diese Nebel haben Durchmesser von bis zu mehreren hundert Lichtjahren und befinden sich im Raum zwischen Sternen und Galaxien. Sie gelten zu Recht als \u201eSternfabriken\u201c, denn aus ihnen entstehen mehrere tausend Sterne oder sogar Galaxien.<br \/>\nDie Materie (also das Gas und die kleinen festen Partikel, von denen ich eben schon gesprochen habe) zwischen den Sternen bezeichnet man im Allgemeinen als interstellare Materie (lat. inter: inmitten, zwischen; lat. stella: Stern), die nicht gleichm\u00e4\u00dfig verteilt ist, in Nebeln aber in konzentrierter Form vorliegt. <\/p>\n<p>Je nach Gr\u00f6\u00dfe und Erscheinungsform des Nebels unterschiedet man zwischen verschiedenen Nebelarten (Emissionsnebel, Planetarische Nebel, Reflexionsnebel, Dunkelnebel, Supernovareste und Molek\u00fclwolken). Einige dieser Nebel spielen nicht nur eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Sternen, sondern auch bei der Entstehung von ganzen Planetensystemen. Andere Nebel wiederum entstehen erst, wenn ein Stern \u201estirbt\u201c.  Ich werde mich in diesem Blogpost ausschlie\u00dflich mit Emissionsnebel am Beispiel von dem Carina-Nebel besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich wurden alle leuchtenden Fl\u00e4chen am Himmel als Nebel bezeichnet. Jedoch konnte sp\u00e4ter Edwin Hubble beweisen, dass einige dieser \u201eNebel\u201c gar keine kosmischen Nebel in dem heutigen Sinne sind. Es stellte sich vielmehr heraus, dass er sich bei den \u201eNebeln\u201c um Galaxien oder Sternhaufen handelte, die bei den fr\u00fcheren Teleskopen oder mit dem blo\u00dfen Auge nebelartig aussahen. Heute kann man sich aus genauen Beobachtungen von Nebelgebieten Hinweise \u00fcber die Entwicklung unseres Universums herleiten. <\/p>\n<p><strong>Emissionsnebel<\/strong><\/p>\n<p>Eine sehr bekannte und \u201eleicht\u201c zu beobachtende Nebelart (jedenfalls in einigen F\u00e4llen), aus denen Sterne entstehen, sind die Emissionsnebel. Emissionsnebel (lat. emittere: aussenden) sind Nebel, die selbst Licht aussenden. Sie bestehen aus ionisiertem Wasserstoffgas und befinden sich in der N\u00e4he von jungen und hei\u00dfen Sternen. Meist sind sie ein Teil von riesigen Molek\u00fclwolken. <\/p>\n<p>Diese Molek\u00fclwolken bestehen gr\u00f6\u00dftenteils aus molekularem Wasserstoffgas (H2) und sind normalerweise eine lange Zeit stabil. Damit ein Stern entstehen kann, muss in einer kalten und dichten Nebelregion die Schwerkraftkontraktion einsetzten. Diese kann z.B. durch eine Sternexplosion am Ende des Lebens eines nahe liegenden Sternes (Supernova) ausgel\u00f6st werden, durch die sich Verdichtungswellen im Nebel ausbreiten. W\u00e4hrend der Nebel immer weiter schrumpft, steigt die Temperatur im Inneren des Nebels und es entstehen Protosterne. Setzt die Kernfusion ein, gehen die Sterne in die Hauptreihenphase \u00fcber. <\/p>\n<p>Das Leuchten des Nebels entsteht erst, wenn die neu entstandenen Sterne energiereiche UV-Strahlung aussenden. Dabei wird das sie umgebende Gas ionisiert, d.h. es werden Elektronen den Wasserstoffatomen entrissen, sodass die geladenen Kerne im Nebel umherschwirren. Diese sto\u00dfen dann mit anderen, noch neutralen Atomen zusammen und rei\u00dfen diese mit sich. Da sich immer wieder Protonen und Elektronen zusammenfinden und dabei Strahlung freisetzen, f\u00e4ngt der jetzt hei\u00dfe und gl\u00fchende Nebel an zu leuchten.  Diesen leuchtenden Teil des Emissionsnebels bezeichnet man als H-II-Region (H-II beschreibt den Ionisierungszustand des Wasserstoffs).  <\/p>\n<p><strong>Carinanebel<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_23328\" aria-describedby=\"caption-attachment-23328\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild1.jpg\" alt=\"Der Carinanebel, CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported by Fernando da Rosa Santiago Roland, Link: https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Nebulosa_de_Eta_Carinae_o_NGC_3372.jpg\" width=\"500\" height=\"515\" class=\"size-medium wp-image-23328\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23328\" class=\"wp-caption-text\">Der Carinanebel, CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported by Fernando da Rosa Santiago Roland, Link: https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Nebulosa_de_Eta_Carinae_o_NGC_3372.jpg<\/figcaption><\/figure>\n<p>Lasst uns doch mal so einen Emissionsnebel ansehen. Wie w\u00e4re es denn mit dem Carinanebel?<br \/>\nDer Carinanebel oder auch Eta-Carinae-Nebel (NGC 3372) im Sternbild Kiel des Schiffes ist viel weniger bekannt als andere Nebel, da er sich im S\u00fcden des Himmels befindet und somit von Mitteleuropa aus nicht gesehen werden kann. Er ist aber dennoch nicht weniger interessant:  Mit einer scheinbaren Helligkeit von 3,00 mag (Magnituden) ist er deutlich heller als der Orionnebel und geh\u00f6rt damit zu den hellsten Objekten am Nachthimmel. Au\u00dferdem geh\u00f6rt der ca. 7.500 Lichtjahre entfernte Nebel zu einer der gr\u00f6\u00dften H-II-Regionen (und ist somit ein riesiges Sternentstehungsgebiet) im Universum mit einem Durchmesser von 200 Lichtjahren.<\/p>\n<p>Genau wie bei allen anderen Emissionsnebeln entstand der Carinanebel so wie er heute aussieht aus einer kalten Molek\u00fclwolke. In dieser kalten Molek\u00fclwolke befanden sich vor etwa drei Millionen Jahren die erste Generation von Sternen. Als diese Sterne starben, verdichteten sie sich und es setzte bei ihnen die Kernfusion ein. Die abgegebene UV-Strahlung dieser Sterne sorgte daf\u00fcr, dass sich eine expandierende Blase aus hei\u00dfem Gas bildete. Die stellaren Winde der Sterne (Str\u00f6me aus geladenen Teilchen) im Carinanebel und die UV-Strahlung, die diese abgeben, dr\u00fccken die sie umgebenden W\u00e4nde aus kaltem Wasserstoff (die die hei\u00dfe Blase umgeben) zusammen und l\u00f6sen somit eine zweite Sternentstehung aus. Unsere Sonne und unser Sonnensystem k\u00f6nnten ebenfalls aus so einem zweiten Sternentstehungsprozess entstanden sein. <\/p>\n<figure id=\"attachment_23329\" aria-describedby=\"caption-attachment-23329\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild2-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild2-1.jpg\" alt=\"Eine \u00dcbersicht \u00fcber den Carinanebel, Public domain by NASA, STScl and ESA, Link: https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:NGC_3372d.jpg\" width=\"500\" height=\"242\" class=\"size-medium wp-image-23329\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23329\" class=\"wp-caption-text\">Eine \u00dcbersicht \u00fcber den Carinanebel, Public domain by NASA, STScl and ESA, Link: https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:NGC_3372d.jpg<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Carinanebel ist ein riesiges komplexes Gebiet aus sowohl sehr hellen als auch dunklen Nebeln (zu denen z.B. der Schl\u00fcsselloch-Nebel, der Homunkulus-Nebel und der Horse-Shoe-Nebel geh\u00f6ren) und ein sehr guter N\u00e4hrboden f\u00fcr einige der hei\u00dfesten und gr\u00f6\u00dften Sterne, die uns bekannt sind. Jeder der neuen Sterne, die hier entstehen, hat eine Masse von 10 bis 100 Sonnenmassen und l\u00f6st mit seinen stellaren Winden und seiner starken ultravioletten Strahlung den Nebel langsam auf. Der Doppelstern Eta Carinae, der den Nebel erleuchtet, ist auch einer dieser Sterne.<br \/>\nEs entstehen aber nicht nur Sterne in ihm, sondern auch andere junge stellare Objekte, die typisch f\u00fcr Sternentstehungsgebiete sind. Hierzu z\u00e4hlen z.B. kleine Globulen, also dunkle Teile von Molek\u00fclwolken, die sich vor dem hellen Hintergrund eines Emissionsnebels oder Sternen hervorhebt und aus denen Sterne entstehen k\u00f6nnen. Selbst in sehr kleinen Globulen des Carinanebels scheinen sich, laut Beobachtungen, Sterne zu entwickeln. Diese Globulen k\u00f6nnten Gegenst\u00fccke zu der Wolke sein, aus der unsere Sonne und unser Sonnensystem entstanden sind.  Es wird vermutet, dass einige dieser Globulen zu klein f\u00fcr die Sternentstehung seien, jedoch ist es auch m\u00f6glich, dass diese kleinen Globulen freischwebende Planeten, die keinen Stern umkreisen, bilden k\u00f6nnten (es gibt noch keine stichhaltigen Beweise hierf\u00fcr). <\/p>\n<p><strong>Eta Carinae<\/strong><\/p>\n<p>Eta Carinae ist ein riesiger, instabiler Doppelstern, der etwa 4 Millionen Mal so hell ist wie die Sonne und 5 Millionen Mal mehr Energie abgibt als diese. Somit geh\u00f6rt er zu den gr\u00f6\u00dften und hellsten Sternen in unserer Galaxie. Dieser Doppelstern, der rasant Material von seiner Oberfl\u00e4che abst\u00f6\u00dft, ist bekannt f\u00fcr seine spektakul\u00e4ren und periodischen Ausbr\u00fcche und wird wahrscheinlich \u201ebald\u201c (innerhalb der n\u00e4chsten 100.000 Jahre) in einer Supernova explodieren. Zwischen 1837 und 1856 kam es zu der Gro\u00dfen Eruption, einer dieser eben genannten gro\u00dfen Ausbr\u00fcche, der ein Ausma\u00df einer Supernova hatte, ohne dabei den Stern zu zerst\u00f6ren. Eta Carinae war nach dem Ausbruch, auf den auch die Entstehung des Homunkulusnebel zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, f\u00fcr kurze Zeit der zweithellste Stern am Himmel, jedoch wurde das Licht des Sterns nach dem Ausbruch sehr stark schw\u00e4cher. Das Echo dieses Lichtes, das beim Ausbruch ausgesendet wurde, bietet Einblicke in das Verhalten von gewaltigen Riesensternen, die kurz vor dem explodieren stehen. <\/p>\n<figure id=\"attachment_23330\" aria-describedby=\"caption-attachment-23330\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild3-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild3-1.jpg\" alt=\"Der Homunkulusnebel, Public domain by NASA, Link: https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:EtaCarinae-HST-1995-09.jpg\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"size-medium wp-image-23330\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23330\" class=\"wp-caption-text\">Der Homunkulusnebel, Public domain by NASA, Link: https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:EtaCarinae-HST-1995-09.jpg<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber nicht nur der Homunkulusnebel ist auf einen Ausbruch Eta Carinaes zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern ebenfalls die Entstehung des Horse-Shoe-Nebels, der aus einem Ausbruch vor mehr als tausend Jahren hervorgegangen ist. <\/p>\n<p>Fazit:<br \/>\nWie man eben gesehen hat, erm\u00f6glichen Nebel sehr aufschlussreiche Einblicke in die Geschichte und Zukunft unseres Universums. Je bessere Teleskope und andere Forschungsger\u00e4te zur Untersuchung des Weltalls entwickelt werden, desto mehr werden wir \u00fcber das Universum erfahren, also auch \u00fcber Nebel und die Sternentstehung in ihnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2016. Hinweise zum Ablauf des Bewerbs und wie ihr dabei Abstimmen k\u00f6nnt findet ihr hier. Das sagt die Autorin des Artikels, Selina \u00fcber sich: Hallo, ich bin Selina. Ich bin 17 Jahre alt und gehe derzeit noch zur Schule. 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