{"id":23147,"date":"2016-10-06T06:00:08","date_gmt":"2016-10-06T04:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/10\/06\/the-unexpected-effect\/"},"modified":"2025-05-14T16:17:56","modified_gmt":"2025-05-14T14:17:56","slug":"the-unexpected-effect","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/10\/06\/the-unexpected-effect\/","title":{"rendered":"Die Zukunft der Wissenschaft ist angekommen"},"content":{"rendered":"<p><i><b>Hinweis: <\/b>Dieser Artikel ist ein Beitrag zum <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2016\/07\/19\/der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb-2016\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2016<\/a>. Hinweise zum Ablauf des Bewerbs und wie ihr dabei Abstimmen k\u00f6nnt <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=22936\">findet ihr hier<\/a>.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\" alt=\"sb-wettbewerb\" width=\"500\" height=\"172\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15702\" \/><\/a><\/i><\/p>\n<p><b>Das sagt die Autorin des Artikels, <b>The Unexpected Effect<\/b> \u00fcber sich:<\/b><br \/>\nIch bin promovierte Neurobiologin und m\u00f6chte nun Wissenschaftsjournalistin werden. Dies ist mein erster Blog-Beitrag, soll aber nicht der letzte sein.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\nDie Zukunft der Wissenschaft ist angekommen<\/p>\n<p>Wei\u00dfe Laborkittel, Sicherheitsbrillen, Latex-Handschuhe, Wissenschaftler, die konzentriert winzige Mengen an Fl\u00fcssigkeit von einem Beh\u00e4lter in den anderen pipettieren. So stellt man sich den Alltag in der Wissenschaft vor, oder? Vielleicht hat man auch schon mitbekommen, dass viele wichtige, leise vor sich hin schnurrende und blinkende Ger\u00e4tschaften dabei eine Rolle spielen. Und nat\u00fcrlich die Versuchstiere &#8211; wer hat nicht eine Maus vor Augen, wenn er an Forschung denkt?<br \/>\nDoch wie so viele Bereiche steht auch die Wissenschaft im Wandel. Schon lange gibt es nicht mehr &#8222;DAS&#8220; wissenschaftliche Labor. Mit der Diversifizierung der Techniken kam die Spezifizierung der Einrichtungen, und die Vielfalt ist mittlerweile enorm.<br \/>\nNat\u00fcrlich existiert die &#8222;klassische&#8220; biologische Forschung weiter, doch schon hier wird auf einer Vielzahl von Ebenen gearbeitet: von der DNA bis zu Verhalten, von Zellkulturen bis zu Versuchstieren.<br \/>\nImmer wieder gibt es kleine und gr\u00f6\u00dfere Durchbr\u00fcche, doch wenn man sich die Publikationen genauer betrachtet f\u00e4llt vor allem eins auf: Unser Wissen um die kleinsten Details w\u00e4chst immer weiter und weiter &#8211; doch das &#8222;Gro\u00dfe Ganze&#8220; bleibt unklar. So viele Puzzleteilchen werden entdeckt. Aber wenn man ein Bild erstellen m\u00f6chte, hilft es nicht, immer mehr und mehr Teilchen hinzuzuf\u00fcgen, sie m\u00fcssen auch zusammen passen.<br \/>\nMan kann keinem Labor vorwerfen, nicht umfassend genug zu forschen. Die technischen M\u00f6glichkeiten einer einzigen Einrichtung sind schlichtweg nicht daf\u00fcr ausgelegt. Und das f\u00fchrt uns zur Zukunft der Wissenschaft. Es reicht nicht, dass jeder eifrig vor sich hin forscht. Was wir brauchen ist eine interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit: Internationale Forscher, die ihr Wissen kombinieren, teilen, auf die Entdeckungen der anderen aufbauen, um gemeinsam eine gro\u00dfe Frage zu beantworten.<br \/>\nSo einfach, wie es klingt, ist es nat\u00fcrlich nicht. Denn wenn Mathematiker, Physiker, Biologen, Mediziner und Computerspezialisten zusammenarbeiten, ist schon die Kommunikation untereinander ein Problem. <\/p>\n<figure id=\"attachment_23310\" aria-describedby=\"caption-attachment-23310\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild_1.jpg\" alt=\"(Bild: Eigene Arbeit)\" width=\"500\" height=\"324\" class=\"size-medium wp-image-23310\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23310\" class=\"wp-caption-text\">Wie die einzelnen Puzzleteile zusammen passen kann nicht ein einzelner Wissenschaftler herausfinden. (Bild: Eigene Arbeit)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie erkl\u00e4rt man einem Wissenschaftler, der sich gerade so notd\u00fcrftig mit Statistik herumschlagen kann, eine komplexe mathematische Simulation? Und wie macht man umgedreht einem Mathematiker oder Physiker bewusst, wie die kleinste Ver\u00e4nderung eines Molek\u00fcls das Verhalten eines Tieres oder die Wirkungsweise eines Medikamentes ver\u00e4ndern? Sicher, all diese Dinge k\u00f6nnten erkl\u00e4rt werden, und oft w\u00fcrde das jeweilige Gegen\u00fcber die Erkl\u00e4rung auch verstehen, doch wer hat in einer Welt, in der h\u00e4ufige und gute Publikationen gefragt sind, \u00fcberhaupt noch die Zeit f\u00fcr so etwas?<br \/>\nAuch die Abstimmung von Experimenten ist schwierig. Bei Tierversuchen und klinischen Studien m\u00fcssen langwierige Genehmigungsverfahren durchlaufen werden, bevor \u00fcberhaupt mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden kann. Bevor daraus keine Ergebnisse entstehen, k\u00f6nnen Simulationen nicht \u00fcberpr\u00fcft und neue Hypothese nicht entwickelt werden. In der Wissenschaft, wie auch in vielen anderen Bereichen, ist es schwierig, von anderen abh\u00e4ngig zu sein.<br \/>\nDennoch muss dieser sogenannte &#8222;Systems approach&#8220; unbedingt durchgesetzt werden, um sinnvolle, zusammenh\u00e4ngende Ergebnisse zu bekommen, die letztendlich zur Behandlung von Krankheiten f\u00fchren k\u00f6nnen.<br \/>\nEine Gruppe von Wissenschaftlern, die dies nun in einem neuen, von der EU finanzierten Projekt umsetzt, untersucht das Thema &#8222;Alkoholsucht&#8220;, um individualisierte Therapien zu entwickeln und die Fr\u00fcherkennung zu verbessern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_23311\" aria-describedby=\"caption-attachment-23311\" style=\"width: 406px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild_2.jpg\" alt=\"(Bild: Bernhard Schmidt Photography &amp; Design, mit der Genehmigung von Wolfgang Sommer (SyBil-AA Projekt Koordinator) und Sandra Helinski (SyBil-AA Projekt Manager))\" width=\"406\" height=\"113\" class=\"size-full wp-image-23311\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23311\" class=\"wp-caption-text\">SyBil-AA: unter diesem Namen startet das europaweite Forschungsnetz (Bild: Bernhard Schmidt Photography &#038; Design, mit der Genehmigung von Wolfgang Sommer (SyBil-AA Projekt Koordinator) und Sandra Helinski (SyBil-AA Projekt Manager))<\/figcaption><\/figure>\n<p>Unter dem Namen &#8222;SyBil-AA&#8220; (Systems Biology of Alcohol Addiction) wollen internationale Forscher unter der Leitung von Mannheimer Psychiater und Forscher, apl. Prof. Dr. Wolfgang Sommer, diese oft untersch\u00e4tzte Krankheit erforschen.<br \/>\nZun\u00e4chst ein kleiner Kommentar zur Alkoholsucht: Ich nenne sie &#8222;oft untersch\u00e4tzt&#8220;. In vielen Kulturen ist es ganz normal, Alkohol zu konsumieren &#8211; zum Essen ein Gl\u00e4schen Wein, ein Bier zur Erholung nach der Arbeit, Cocktails in der Bar mit Freunden. Das alles ist gar kein Problem, auch ich trinke gerne mal etwas. F\u00fcr viele Menschen h\u00f6rt es damit auch auf. Sie k\u00f6nnen ohne Probleme auf den Alkohol verzichten, auch wenn sie ihn oft genie\u00dfen. <\/p>\n<figure id=\"attachment_23312\" aria-describedby=\"caption-attachment-23312\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild_3-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild_3-scaled.jpg\" alt=\"(Bild: Eigene Arbeit)\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-23312\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23312\" class=\"wp-caption-text\">Alkohol als Teil der Kultur: In Ordnung, solange man es kontrollieren kann (Bild: Eigene Arbeit)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber bei anderen Menschen entwickelt sich nach und nach eine Sucht, bei der Alkohol einen immer gr\u00f6\u00dferen Stellenwert einnimmt, bis ohne ihn gar nichts mehr funktioniert. Zu diesen Menschen sagt man gerne, &#8222;Rei\u00df dich doch zusammen, du musst nur den Willen haben, mit dem Trinken aufzuh\u00f6ren&#8220;. F\u00fcr Nicht-Alkoholiker ist es oft schwer vorzustellen, dass es nicht einfach nur am Willen liegt. Doch Alkoholsucht ist eine Erkrankung des Gehirns, mit weitreichenden neurologischen Ver\u00e4nderungen. Ohne geeignete Therapien und Medikamente sind die Betroffenen h\u00e4ufig nicht in der Lage, sich von der Sucht zu l\u00f6sen. Selbst, wenn sie es f\u00fcr eine lange Zeit schaffen, kann durch winzige Kleinigkeiten ein R\u00fcckfall noch nach Jahren hervorgerufen werden.<br \/>\nDie existierenden Medikamente sind nicht effektiv genug, dar\u00fcber sind sich die Forscher des SyBil-AA einig. Und so nehmen sie nun die Herausforderung an, gemeinsam an dem Projekt zu arbeiten.<br \/>\nDas Konzept ist logisch: In verschiedenen Labors werden Daten generiert, die dann zu einem Modell zusammengef\u00fcgt werden. Damit sollen Vorhersagen z.B. \u00fcber die Wirksamkeit von Medikamenten gemacht werden, die dann wiederum in Experimenten \u00fcberpr\u00fcft werden. Und so weiter.<br \/>\nEinen Vorteil bei der Zusammenarbeit hat das Team, wie Prof. Dr. Rainer Spanagel, Leiter des Instituts f\u00fcr Psychopharmakologie in Mannheim, feststellt: Die Forscher kennen sich zum Gro\u00dfteil bereits gut. Auf Konferenzen haben sie gegenseitig ihre Vortr\u00e4ge besucht, und nat\u00fcrlich liest man mit gro\u00dfem Interesse und kritischem Blick die Publikationen der anderen. Auch &#8222;kleinere&#8220; Kollaborationen gab es schon, doch noch nie mussten sich die Alkoholforscher mit so vielen Kollegen absprechen, Experimente koordinieren, Ergebnisse diskutieren, und einheitliche Meinungen bilden. <\/p>\n<figure id=\"attachment_23314\" aria-describedby=\"caption-attachment-23314\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild_4-Large.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Bild_4-Large.jpg\" alt=\"(Bild: C-Quadrat-Studio, mit der Genehmigung von Wolfgang Sommer (SyBil-AA Projekt Koordinator) und Sandra Helinski (SyBil-AA Projekt Manager))\" width=\"500\" height=\"313\" class=\"size-medium wp-image-23314\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23314\" class=\"wp-caption-text\">Hochkar\u00e4tige Forscher aus ganz Europa suchen nach der gro\u00dfen L\u00f6sung (Bild: C-Quadrat-Studio, mit der Genehmigung von Wolfgang Sommer (SyBil-AA Projekt Koordinator) und Sandra Helinski (SyBil-AA Projekt Manager))<\/figcaption><\/figure>\n<p>Alle diese Menschen sind erfahrene Forscher &#8211; und wer jemals in einem Labor gearbeitet hat wei\u00df, dass dies auch eine gewisse Dickk\u00f6pfigkeit voraussetzt. Nicht im negativen Sinne (jedenfalls nicht beim Gro\u00dfteil der Forscher), doch man muss sich seiner Expertise durchaus bewusst sein, um sich in einem solch kompetitiven Feld durchzusetzen. In jedem Fall wird es kein Kinderspiel, all dies zu koordinieren und die unvermeidlichen Meinungsverschiedenheiten produktiv und positiv zu nutzen.<br \/>\nIch jedenfalls werde das Projekt mit Spannung verfolgen und hoffe, dass nach vier Jahren harter Arbeit die Behandlung und Fr\u00fcherkennung von Alkoholsucht einen gro\u00dfen Sprung machen wird!<br \/>\n(Ich muss jedoch zugeben, dass ich hier nicht objektiv sein kann, denn ich habe im Institut f\u00fcr Psychopharmakologie meine Masterarbeit und Dissertation geschrieben und bin auch jetzt noch als Hiwi dort t\u00e4tig.)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/sybil-aa.eu\" target=\"new\" rel=\"noopener\">Hier<\/a> gibt es weitere Informationen, falls ihr durch meinen Beitrag neugierig geworden seid.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2016. Hinweise zum Ablauf des Bewerbs und wie ihr dabei Abstimmen k\u00f6nnt findet ihr hier. 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