{"id":23123,"date":"2016-09-30T06:00:15","date_gmt":"2016-09-30T04:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/09\/30\/eau-de-buch\/"},"modified":"2025-05-14T16:17:52","modified_gmt":"2025-05-14T14:17:52","slug":"eau-de-buch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/09\/30\/eau-de-buch\/","title":{"rendered":"Eau de Buch"},"content":{"rendered":"<p><i><b>Hinweis: <\/b>Dieser Artikel ist ein Beitrag zum <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2016\/07\/19\/der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb-2016\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2016<\/a>. Hinweise zum Ablauf des Bewerbs und wie ihr dabei Abstimmen k\u00f6nnt <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=22936\">findet ihr hier<\/a>.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\" alt=\"sb-wettbewerb\" width=\"500\" height=\"172\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15702\" \/><\/a><\/i><\/p>\n<p><b>Das sagt der Autor des Artikels, <b>Michael<\/b> \u00fcber sich:<\/b><\/p>\n<p>Ich bin Ausbildner im Bereich Chemieverfahrenstechniker und arbeite mit Lehrlingen und Erwachsenen. Hierbei befasse ich mich mit verfahrenstechnischen, prozessleittechnischen und chemischen Grundlagen. Eines meiner erkl\u00e4rten Ziele ist es, meine eigene Faszination an der Chemie in m\u00f6glichst vielen anderen Menschen zu wecken. Teil dieses Bestrebens ist auch mein seit kurzem aktiver Podcast unter www.orbitalwelten.at .<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\nEau de Buch<\/p>\n<p>STOPP! Bevor es weitergeht, steh bitte auf, begib dich zum B\u00fccherregal, greif dir dein Lieblingsbuch (falls nicht m\u00f6glich, eine Alternative aus deiner Umgebung) und schlag es auf. F\u00fchre das Buch langsam zu deiner Nase, schlie\u00dfe die Augen und nimm einen tiefen Zug. Konzentriere dich auf jede Nuance, die du wahrnimmst.<br \/>\nF\u00fcr bibliophile Menschen, zu denen ich mich ebenfalls z\u00e4hle, ist der Geruch vertraut und ich muss gestehen, dass ich mir schon des \u00d6fteren einen tiefen Zug geg\u00f6nnt habe. Ein Serum, das Erinnerungen wieder zum Leben erweckt. Erinnerungen an Schicksale, die man geteilt hat, Welten, die durchstreift, Tr\u00e4nen die vergossen wurden. Aber durchaus auch Szenen der eigenen Vergangenheit erwachen vor dem geistigen Auge zu neuem Leben.<br \/>\nIch liebe den Geruch von B\u00fcchern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_23246\" aria-describedby=\"caption-attachment-23246\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/book.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/book.jpg\" alt=\"B\u00fccherrausch \/ CC0 Public Domain Freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis n\u00f6tig, Pixabay.com)\" width=\"500\" height=\"313\" class=\"size-medium wp-image-23246\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23246\" class=\"wp-caption-text\">B\u00fccherrausch \/ CC0 Public Domain Freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis n\u00f6tig, Pixabay.com)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber halt!<br \/>\nIn diesem Moment regt sich nicht nur der B\u00fcchernarr in mir, sondern auch der Chemie-Fan tritt hinter dem Vorhang hervor.<br \/>\nUnd er stellt zwei interessante Fragen:<br \/>\n1. Wie funktioniert riechen?<br \/>\n2. Was rieche ich da eigentlich?<br \/>\nLegen wir los!<\/p>\n<p>1. Wie?<\/p>\n<figure id=\"attachment_23256\" aria-describedby=\"caption-attachment-23256\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/riechen1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/riechen1.png\" alt=\"Wie das riechen funktioniert \/ CC0 Public Domain Freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis n\u00f6tig , Pixabay.com\" width=\"500\" height=\"458\" class=\"size-medium wp-image-23256\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23256\" class=\"wp-caption-text\">Wie das riechen funktioniert \/ CC0 Public Domain Freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis n\u00f6tig , Pixabay.com<\/figcaption><\/figure>\n<p>Riechen ist, wer h\u00e4tte das gedacht, ein sehr komplexer Vorgang.<br \/>\nUnterscheiden k\u00f6nnen wir \u00fcber 1000 Ger\u00fcche, was grunds\u00e4tzlich nicht schlecht ist, uns aber zu Low-Performern in der Geruchswelt macht.<br \/>\nGer\u00fcche selbst werden durch chemische Verbindungen hervorgerufen, die leicht genug sind, um in der Luft zu schweben.<br \/>\nAb einer stoffspezifischen Konzentration k\u00f6nnen wir diese Verbindungen in Form eines Geruchs wahrnehmen, jedoch erst mit steigender Konzentration wird der Geruch immer besser einem im Gehirn gespeicherten Vergleichsgeruch zuordbar.<br \/>\nIgitt, das riecht nach Katzenklo, w\u00e4re ein derartiger Vergleich (und \u00fcbrigens ein Hinweis auf Ammoniak, NH3)<br \/>\nEinzelne Ger\u00fcche haben keinen eigenen Namen, sondern werden mit typischen Vergleichen beschrieben.<br \/>\nEs gibt verschieden Unterteilungen, z.B. in die Grundger\u00fcche blumig (Veilchen), \u00e4therisch (Chloroform), moschusartig (Moschus, Engelwurz), kampherartig (Eukalyptus), schwei\u00dfig (Kollege aus dem Lift), faulig (faule Eier) und stechend (Essig). Die \u00fcbrigen Ger\u00fcche bestehen aus Mischungen dieser Grundger\u00fcche.<br \/>\nOft f\u00fchrt die Wahrnehmung eines Geruchs sogar zur \u00c4nderung der Gem\u00fctslage eines Menschen. Je nachdem, ob ein Geruch als angenehm oder absto\u00dfend empfunden wird. Diese Gef\u00fchlskomponente ist nicht angeboren, sondern durch Erfahrungen in der Vergangenheit erworben, sowie vom aktuellen Zustand des Organismus abh\u00e4ngig.<br \/>\nWow, wie das neue Auto gut riecht! (beim ersten Mal mit dem Neuen)<br \/>\nImmer, wenn ich diesen Geruch in der Nase habe, muss ich an die Buchteln bei Oma denken. (positive Verkn\u00fcpfung)<br \/>\nIgitt, hier riecht\u2018s nach Katzenklo! (pers\u00f6nliches Trauma)<br \/>\nMmmh, riecht es hier lecker nach Pommes. (Hunger)<br \/>\nArrrggghhh, wenn ich noch ein Pommes rieche, muss ich mich \u00fcbergeben. (nach 4kg Pommes)<br \/>\nEs sind aber nicht alle Molek\u00fcle, die in der Luft herumschwirren, riechbar. Methan (CH4), Kohlenmonoxid (CO), Sauerstoff (O2) oder Stickstoff (N2) befinden sich aktuell ungerochen in der Luft.<br \/>\nWir riechen n\u00e4mlich nur Stoffe f\u00fcr die wir sogenannte Rezeptoren in der Nase haben. Warum f\u00fcr gewisse Verbindungen Rezeptoren besitzen und f\u00fcr viele anderen nicht, ist nicht gekl\u00e4rt, aber irgendein \u201eWar zum \u00dcberleben nicht notwendig\/ Evolution \u2013 Ding\u201c wird sicher eine gro\u00dfe Rolle spielen. (Zitat Darwin)<br \/>\nDiese sogenannten Rezeptoren sind Andockstellen f\u00fcr Molek\u00fcle. Nur Molek\u00fcle mit einer gewissen Form k\u00f6nnen an den Rezeptoren andocken und setzten einen biochemischen Prozess der Signalvermittlung in Gang, der dazu f\u00fchrt, dass wir den Geruch zuordnen oder wahrnehmen k\u00f6nnen. (Schl\u00fcssel\/Schloss-Prinzip) Dabei gibt es aber noch keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen der Struktur eines Molek\u00fcls und dem damit verbundenen Geruch. Molek\u00fcle mit einem \u00e4hnlichen Aufbau weisen oft v\u00f6llig unterschiedliche Ger\u00fcche auf und manchmal l\u00f6sen Molek\u00fcle, die v\u00f6llig unterschiedlich aufgebaut sind, einen \u00e4hnlichen Geruch aus.<\/p>\n<figure id=\"attachment_23252\" aria-describedby=\"caption-attachment-23252\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/geruchsnerv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/geruchsnerv.jpg\" alt=\"Sitz des Geruchsnervs (gelb) (CC BY 2.5,  Patrick J. Lynch, medical illustrator , https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Riechkolben#\/media\/File:Head_olfactory_nerve.jpg)\" width=\"500\" height=\"569\" class=\"size-medium wp-image-23252\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23252\" class=\"wp-caption-text\">Sitz des Geruchsnervs (gelb) (CC BY 2.5,  Patrick J. Lynch, medical illustrator , https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Riechkolben#\/media\/File:Head_olfactory_nerve.jpg)<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_23257\" aria-describedby=\"caption-attachment-23257\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/riechschleimhaut.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/riechschleimhaut.png\" alt=\"Riechschleimhaut mit Geruchsrezeptore (CC BY-SA 3.0, Marian Sigler, https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Riechschleimhaut#\/media\/File:Riechschleimhaut.svg)\" width=\"500\" height=\"250\" class=\"size-medium wp-image-23257\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23257\" class=\"wp-caption-text\">Riechschleimhaut mit Geruchsrezeptore (CC BY-SA 3.0, Marian Sigler, https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Riechschleimhaut#\/media\/File:Riechschleimhaut.svg)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Geruchsrezeptoren (Riechsinneszellen), die \u00fcbrigens auch noch Chemorezeptoren genannt werden,  befinden sich in der sogenannten Riechschleimhaut. Um jetzt etwas zu riechen, diffundieren die Duft-Molek\u00fcle durch eine Schleimschicht und gelangen zu den Riechzellen. An deren Enden sitzen sogenannte Cilien, die Andockstellen der Rezeptoren.<br \/>\nRezeptoren haben grunds\u00e4tzlich die Aufgabe, Reize von au\u00dferhalb der Zelle aufzunehmen und damit Prozesse im Inneren der Zelle zu starten.<br \/>\nSinn der ganzen Aktion ist es ein spezifisches Signal (einen elektrischen Impuls) ans Gehirn zu senden, dass dann dort verarbeitet werden kann.<br \/>\nIn der Verfahrenstechnik oder Prozessleittechnik w\u00fcrde man so etwas als Transmitter bezeichnen. Transmitter sollen unterschiedliche Eingangssignale (thermische, mechanische, elektrische) von den verschiedenen Messungen in der Anlage (Druckmessung, Durchflussmessungen, Temperaturmessungen) umwandeln in Einheitssignale, die dann vom Steuersystem (Prozessleitsystem) verarbeitet werden k\u00f6nnen. (hierbei ist das am h\u00e4ufigsten Verwendete ebenfalls ein elektrisches und zwar im Bereich von 4-20mA)<br \/>\nGenauso ist es beim Mensch. Unterschiedliche Reize wirken laufend auf uns ein. Druck auf die Haut, Temperaturver\u00e4nderungen und eben auch Ger\u00fcche.<br \/>\nDamit unser Gehirn die dementsprechenden Reize erkennen und verarbeiten kann, muss der Reiz erfasst und anschlie\u00dfend in ein Signal umgewandelt werden. Und wie in der Verfahrenstechnik ist es auch hier ein elektrisches. Als Transmitter (Umformer) arbeiten hier die Rezeptoren. Zellbiologen w\u00fcrden nun von zellul\u00e4ren Signalvorg\u00e4ngen sprechen.<br \/>\nDas Innere von Zellen ist durch eine Membran gesch\u00fctzt. Damit sie aber Botschaften (Molek\u00fcle) erhalten, die nicht in das Innere der Zelle vordringen k\u00f6nnen (wie so manche Hormone es zum Beispiel k\u00f6nnen) gibt es drei grundlegende Arten von Rezeptoren, die auf der Zellau\u00dfenseite ein Signal registrieren und ins Zellinnere dolmetschen.<br \/>\nUnterschieden werden ionengekoppelte Rezeptoren, enzymgekoppelte Rezeptoren und die G-proteingekoppelte Rezeptoren, die unter anderem f\u00fcr unseren Geruchssinn verantwortlich sind, aber auch im Darm vorkommen und f\u00fcr die Verarbeitung von Licht- und Geschmacksreizen zust\u00e4ndig sind. Diese werden wir daher kurz genauer betrachten. <\/p>\n<figure id=\"attachment_23255\" aria-describedby=\"caption-attachment-23255\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Rezeptoren1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Rezeptoren1.jpg\" alt=\"Bild: Eigene Arbeit\" width=\"500\" height=\"441\" class=\"size-medium wp-image-23255\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23255\" class=\"wp-caption-text\">Bild: Eigene Arbeit<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_23253\" aria-describedby=\"caption-attachment-23253\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/gprotein-scaled.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/gprotein-scaled.png\" alt=\"Bild: Eigene Arbeit\" width=\"500\" height=\"839\" class=\"size-medium wp-image-23253\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23253\" class=\"wp-caption-text\">Bild: Eigene Arbeit<\/figcaption><\/figure>\n<p>Beim G-proteingekoppelten Rezeptor steht der Rezeptor, wie der Name schon sagt, in Wechselwirkung mit einem sogenannten G-Protein. Diese G-Proteine bestehen aus drei Untereinheiten, die mit Alpha, Beta und Gamma bezeichnet werden.<br \/>\nZus\u00e4tzlich tr\u00e4gt die Alpha-Einheit ein GDP-Molek\u00fcl (Guanosin-di-phosphat) wie einen Rucksack mit sich herum. Diese drei h\u00e4ngen im inaktiven Zustand zusammen und sind vom Rezeptor getrennt. Nach dem Andocken des in unserem Fall, Geruchsmolek\u00fcls am Rezeptor klinkt sich das G-Protein am Rezeptor ein. Jetzt stockt die Alpha-Einheit seinen Rucksack auf und tauscht quasi das GDP-Molek\u00fcl gegen ein GTP, Guanosine-tri-phosphate (ein Phosphat mehr), und spaltet sich vom Rest der Truppe ab. Die beiden so entstandenen Gruppen wechselwirken jetzt in der Zelle und \u00fcbermitteln so weitere Signale. (sie k\u00f6nnen Beispielweise Ionenkan\u00e4le \u00f6ffnen, was zu Ladungsunterschieden f\u00fchrt = elektrische Aktivit\u00e4t). <\/p>\n<p>Je l\u00e4nger die Untereinheiten hierbei getrennt sind, umso st\u00e4rker f\u00e4llt das Signal aus. Die Zeit, wie lange die Kollegen getrennt sind, wird vom Verhalten der Alpha-Untereinheit bestimmt. Denn mit der Zeit wandelt sich das GTP wieder in ein GDP um und die Einheiten schlie\u00dfen sich wieder zusammen. Damit ist das Signal wieder beendet.<br \/>\nHierbei ist der Ausschaltmechanismus genauso wichtig wie der Anschaltmechanismus. Bei der Krankheit Cholera zum Beispiel verhindert ein Protein, das von einem Bakterium produzier wird, dass sich aktivierte G-Proteine wieder deaktivieren. Dies hat durch die dadurch verst\u00e4rkt weitergegebenen Signale zur Folge, dass der K\u00f6rper permanent Natrium-Ionen und Wasser in den Darm verliert. Ohne schnellen Ersatz f\u00fchrt dies zum Tod.<br \/>\nLange Rede kurzer Sinn. Wir riechen, weil Molek\u00fcle (nur die, die wir auch riechen) sogenannte Geruchsrezeptoren auf G-Proteingekoppelter-Rezeptoren-Basis aktivieren und diese Signale erzeugen, die unser Gehirn verarbeiten und mit bekannten Ger\u00fcchen vergleichen kann. Der Mensch besitzt \u00fcbrigens ungef\u00e4hr 350 unterschiedliche Geruchsrezeptoren. Elefanten verf\u00fcgen vergleichsweise \u00fcber 2000 dieser Geruchserkenner. (Notiz f\u00fcr mich \u2013 Tr\u00fcffelelefanten ausbilden!)<\/p>\n<p>2.  Was riechen wir jetzt eigentlich, wenn wir ein geliebtes Buch aufschlagen?<\/p>\n<figure id=\"attachment_23247\" aria-describedby=\"caption-attachment-23247\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/buch2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/buch2.jpg\" alt=\"Buchgeruch \/ CC0 Public Domain Freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis n\u00f6tig, Pixabay.com)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-23247\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23247\" class=\"wp-caption-text\">Buchgeruch \/ CC0 Public Domain Freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis n\u00f6tig, Pixabay.com)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nachdem anzunehmen ist, dass hier weder das Blut, der Schwei\u00df oder die Tr\u00e4nen der Protagonisten, noch das Parf\u00fcm der Herzdame erschnuppert wird, stellt sich doch die Frage, was hier eigentlich in der Luft herumschwirrt.<br \/>\nUm hier eine zumindest rudiment\u00e4re Antwort zu erhalten, m\u00fcssen wir uns zuerst mit der Zusammensetzung der geliebten Freunde f\u00fcrs Leben besch\u00e4ftigen.<br \/>\nDer Geruch von B\u00fcchern, egal ob neu oder alt wird durch eine Vielzahl unterschiedlicher fl\u00fcchtiger organischer Verbindungen verursacht (VOC). Studien hierzu sind rar ges\u00e4t, doch gibt es welche, wie zum Beispiel diese \u201eMaterial Degradomics: On the Smell of Old Books\u201c, wobei sich diese mit alten B\u00fcchern besch\u00e4ftigt.<br \/>\nDer Kenner kann am Geruch bereits sagen, ob es sich um ein altes oder neues Buch handelt. Die Unterschiede hierbei liegen in der Qualit\u00e4t des Papiers und der verwendeten Bindetechnik. Hier hat sich in den letzten hundert Jahren viel ver\u00e4ndert. Unsere neuen B\u00fccher werden, wenn sie alt sind auch anders riechen als die heutigen Senioren.<br \/>\nAlte B\u00fccher<br \/>\nBetrachten wir also die beiden etwas getrennt und beginnen mit den ehrw\u00fcrdigen alten B\u00fcchern. Ich selbst bin seit fr\u00fchester Kindheit ein B\u00fccherwurm und war stets Besitzer eines gut gef\u00fcllten B\u00fccherregals. Gerne bediente ich mich aber auch bei den Sammlungen alter B\u00fccher meiner Tante und bei Irma, unserer 80 j\u00e4hrigen Nachbarin. Unter anderem kam ich so zu Karl May (alle verschlungen), Lederstrumpf aber auch James Clavell. Alle hatten diesen ganz speziellen Geruch eigen. Irgendwie wie Erde und Gras, etwas s\u00e4uerlich und ein Hauch Vanillepudding. Zudem hatten die Seiten alle einen erkennbaren Gelbstich.<br \/>\nAll dies, Farbe und Geruch, sind Spuren des Zerfalls. Denn B\u00fccher sind aus organischem Material und in Kombination mit aus der fr\u00fcheren Papierproduktion \u00fcbrig gebliebenen S\u00e4ureanteilen, kommt es zu chemischen Reaktionen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_23248\" aria-describedby=\"caption-attachment-23248\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Cellulose.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Cellulose.svg_.png\" alt=\"Cellulose-Molek\u00fcl (Bild: Public Domain)\" width=\"300\" height=\"139\" class=\"size-full wp-image-23248\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23248\" class=\"wp-caption-text\">Cellulose-Molek\u00fcl (Bild: Public Domain)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Hauptbestandteil von B\u00fcchern  ist Papier und der Hauptbestandteil von Papier ist Cellulose, ein sehr langes Molek\u00fcl aus vielen einzelnen Glucose-Bausteinen (= ein Makromolek\u00fcl, aus vielen einzelnen, zusammengesteckten, baugleichen Monomeren).<br \/>\nAusschlaggebend f\u00fcr den Zerfall sind hierbei der urspr\u00fcngliche Polymerisationsgrad der Cellulosemoel\u00fcle (aus wie vielen Bausteinen das ganze Ding besteht), der Ligningehalt (komplexe Verbindung die dem Holz seine H\u00e4rte gibt), pH-Wert, der Anteil an \u201eBaumharz\u201c (Kolophonium) und Alaun (Kalium-Aluminiumsulfat).<br \/>\nFr\u00fcher wurde Papier oftmals aus Lumpen, dann seit Mitte des 19.Jahrhunderts aus Holzschliff (feiner Holzstaub) und danach aus anfangs minderqualitativem Zellstoff hergestellt. Ziel war es immer die Cellulose der einzelnen Ausgangsstoffe zu nutzen. Hierf\u00fcr wird der Rohstoff immer in eine Art Brei \u00fcberf\u00fchrt (hoher Wasseranteil) und anschlie\u00dfend erfolgt die Blattbildung. Bereits hier werden viele zus\u00e4tzliche Bestandteile zugegeben. So m\u00fcssen unter anderem unterschiedliche Stoffe zugegeben werden um zu verhindern, dass das fertige Papier die Tinte aufsaugt. Man nennt diesen Vorgang Verleimung.<br \/>\nDem, aus den Ausgangsmaterialien hergestellten fl\u00fcssigen Papierbrei, wurde Baumharz (Kolophonium) mit Aluminiumsulfat zugesetzt, um die Verleimung zu erreichen. Die beste Verleimung erreichte man bei einem pH-Wert von ca. 4 (also sauer). Hierbei bleiben aber S\u00e4urereste im Papier zur\u00fcck, die sogenannten Harzs\u00e4uren. Hierzu z\u00e4hlen unter anderem Di-Terpene, wie die Abietins\u00e4ure oder Pimars\u00e4ure aber auch sogenannte Tri-Terpene, wie die Elemols\u00e4ure, Oleanol oder Lupeols\u00e4uren. Also unterschiedlichste, komplexe, organische S\u00e4uren. Manche Harze enthalten zudem aromatische S\u00e4uren, wie Zimts\u00e4ure  und Benzoes\u00e4ure.<\/p>\n<figure id=\"attachment_23254\" aria-describedby=\"caption-attachment-23254\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Oleanolic_acid.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Oleanolic_acid.png\" alt=\"Oleanols\u00e4ure (Bild: Public Domain)\" width=\"500\" height=\"334\" class=\"size-medium wp-image-23254\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23254\" class=\"wp-caption-text\">Oleanols\u00e4ure (Bild: Public Domain)<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_23245\" aria-describedby=\"caption-attachment-23245\" style=\"width: 334px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Abietinsaeure.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Abietinsaeure.png\" alt=\"Abietins\u00e4ure (Bild: Public Domain)\" width=\"334\" height=\"275\" class=\"size-full wp-image-23245\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23245\" class=\"wp-caption-text\">Abietins\u00e4ure (Bild: Public Domain)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Durch das saure Milieu kommt es \u00fcber die Jahre zum Zerfall der Cellulose-Molek\u00fcle. Die Kettenl\u00e4nge verk\u00fcrzt sich und das Papier wird br\u00fcchig.<br \/>\nMit der Entdeckung und dem Einsatz des Holzschliffs kam es bez\u00fcglich Alterung zu einer weiteren Verschlechterung, denn im mechanisch zerkleinerten Holzschliff  war nicht nur Cellulose sondern auch Lignin enthalten. Diese Verbindung ist verantwortlich f\u00fcr die Gelbverf\u00e4rbung, besonders unter Licht. Dem wurde das Bleichen mit Chlor entgegengesetzt.<br \/>\nMan sieht also schon an diesem kurzen Querschnitt, welche komplexen Vorg\u00e4nge in Papier ablaufen.<br \/>\nAber was f\u00fchrt jetzt zum typischen Geruch alter B\u00fccher?<br \/>\nEine gro\u00dfe Rolle spielen hierbei die erw\u00e4hnten Harzs\u00e4uren. Durch den Einsatz von Aluminiumsulfat entstehen \u00fcber die Zeit fl\u00fcchtige Abbauprodukte dieser S\u00e4uren. Hierbei handelt es sich um verschiedene Aldehyde (unter anderem Benzaldehyde), Ketone, Ethylbenzene und 2-Ethylhexanol. Ein weiteres Produkt entsteht durch den Zerfall der Cellulose und zwar Furfural, das in einer Reihe von s\u00e4urebedingten (s\u00e4urekatalytischen) Vorg\u00e4ngen entsteht. Je h\u00f6her der S\u00e4uregehalt, umso mehr Furfural. Auch Essigs\u00e4ure, Vanillin und Hexanal entstehen hierbei als fl\u00fcchtige Verbindungen<br \/>\nAbschlie\u00dfend ist nun zu sagen, dass der Gesamtgeruch eines alten Buches abh\u00e4ngig von der Produktion des Papiers und der Konzentration der enthaltenen Stoffe ist. Es handelt sich um einen Mix aus sehr, sehr vielen unterschiedlichen Verbindungen.<br \/>\nHauptanteil am Geruch alter B\u00fccher d\u00fcrften jedoch folgende Verbindungen tragen:<br \/>\nFurfural (bittermandelartiger Geruch), Benzaldehyde (bittermandel), 2-Ethylhexanol (erdig, blumig, s\u00fc\u00df), Essigs\u00e4ure (saurer, typischer Essiggeruch), Di-Acetyl (butterartig), lange Aldehyde wie Octanal (fruchtig-s\u00fc\u00df) und Vanillin.<br \/>\nSinn der oben erw\u00e4hnten Studie ist \u00fcbrigens der,  anhand des Geruchs (Konzentration der daf\u00fcr verantwortlichen Verbindungen) alter B\u00fccher und Dokumente, Auskunft \u00fcber ihren aktuellen Zustand zu erhalten, um rechtzeitig Schutzma\u00dfnahmen bez\u00fcglich ihres Zerfalls treffen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_23250\" aria-describedby=\"caption-attachment-23250\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/geruch1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/geruch1.jpg\" alt=\"Geruchs-Verbindungen alter B\u00fccher (Bild: Eigene Arbeit)\" width=\"500\" height=\"510\" class=\"size-medium wp-image-23250\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23250\" class=\"wp-caption-text\">Geruchs-Verbindungen alter B\u00fccher (Bild: Eigene Arbeit)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Neue B\u00fccher<\/p>\n<p>Soweit also zu den alten Frauen\/Herren der B\u00fccherwelt. Bei den neuen Exemplaren verringert sich die Konzentration und Vielfalt unserer Geruchs-Verbindungen, aufgrund der saubereren Rohstoffe. Dies wirkt sich auf den Geruch aus. Heutzutage wird bei der Papierherstellung mit Holzschliff, Zellstoff und Altpapier gearbeitet. Bei Holzschliff handelt es sich, wie der Name schon sagt, um geschliffenes Holz, das anschlie\u00dfend mit, zum Beispiel Wasserstoffperoxid gebleicht wird.<br \/>\nZellstoff wird mittels Sulfat- oder Sulfit-Verfahren aus Holzchips durch Einkochen mit z. B. S\u00e4uren und anschlie\u00dfendem Abtrennen der gel\u00f6sten Begleitstoffe wie Lignine, Harze, usw. gewonnen und ebenfalls anschlie\u00dfend mit Chlorverbindungen, Wasserstoffperoxid oder Ozon gebleicht.<br \/>\nJe nach Qualit\u00e4t und Anforderung wird heutzutage auch Altpapier in unterschiedlichen Mengenverh\u00e4ltnissen eingesetzt.<br \/>\nWeitere Rohstoffe zur Papierherstellung sind Hilfsstoffe wie F\u00fcllstoffe, Bindemittel, Leim und Farbstoffe.<br \/>\nF\u00fcllstoffe sind meist wei\u00dfe, mineralische und wasserunl\u00f6sliche Pigmentteilchen, die das Papier glatter und wei\u00dfer machen sollen.<br \/>\nLeimstoffe sollen nach wie vor die Saugwirkung herabsetzen und das Papier so beschreibbar machen. Auch heute noch spielt hier Kolophonium eine gro\u00dfe Rolle, dessen Hauptbestandteil die bereits erw\u00e4hnte Abietins\u00e4ure ist. Diese wird in ihr Salz umgewandelt. Dieses Salz nennt man Harzseife. Diese Harzseife wird mit Aluminium auf den Zellstofffasern fixiert. Hierbei tritt nach wie vor das Problem der Umwandlung einzelner Stoffe zu S\u00e4uren auf. Und schon haben wir wieder den leicht s\u00e4uerlichen Teil des Buch-Geruchs.<br \/>\nAllerdings gibt es auch Neulinge in der Geruchswelt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_23249\" aria-describedby=\"caption-attachment-23249\" style=\"width: 248px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Diketen_Strukturformel_v1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Diketen_Strukturformel_v1.png\" alt=\"Diketen (Bild: Public Domain)\" width=\"248\" height=\"97\" class=\"size-full wp-image-23249\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23249\" class=\"wp-caption-text\">Diketen (Bild: Public Domain)<\/figcaption><\/figure>\n<p> Diketene, die jetzt ebenfalls zur Verleimung verwendet werden, allen voran beispielweise Alkyl-keten-di-mer, das einen stechenden Geruch sein eigen nennt.<br \/>\nLignin wird heute \u00fcbrigens  weitestgehend entfernt. Es wird daher auch nur mehr selten oder in sehr geringem Ausma\u00df, abgesehen von akutem Kaffeekontakt , dazu kommen, dass neue B\u00fccher vergilben. Bezogen auf das Papier findet auch bei neuen B\u00fcchern ein Zerfall der Zellulosemolek\u00fcle statt, wenn auch in stark verringerter Form, was zur Konsequenz hat, dass einige Verbindungen alter B\u00fccher auch bei Neuen wiederzufinden sind, wenn auch in viel niedriger Konzentration.<br \/>\nDamit haben wir schon einige alte Verd\u00e4chtige, aber auch neue Geruchsmolek\u00fcle lokalisiert. Doch Papier alleine macht noch kein Buch. Es fehlt auf alle F\u00e4lle noch die Schrift. Und hierf\u00fcr ben\u00f6tigen wir Druckfarbe.<br \/>\nDruckfarbe besteht aus Farbmittel (die visuell wahrgenommene Farbe), Bindemittel (verbinden Farbe und Papier), L\u00f6semittel (darin schwimmen die unterschiedlichen Bestandteile und es macht die Farbe fl\u00fcssig und \u00fcbertragbar) sowie diversen Hilfsmitteln. W\u00e4hrend die Farbe selbst meist aus Pigmenten besteht, enth\u00e4lt das Bindemittel Harze, welche die Pigmente umh\u00fcllen und am Papier binden sollen. Hier treffen wir wieder auf unseren alten Freund, dass Baumharz mit all seinen Verbindungen, die mitunter wieder f\u00fcr einen Teil des Geruchs verantwortlich sein k\u00f6nnten.  Aber auch viele andere Verbindungen finden hier Anwendung, die von nat\u00fcrlichen \u00d6len (Lein\u00f6l, Holz\u00f6l, \u2026) bis zu Kunstharzen aus Erd\u00f6l reichen. Oft wird als L\u00f6sungsmittel auch Toluol verwendet. Dieser Bestandteil w\u00e4re wohl der Hauptverd\u00e4chtige, der f\u00fcr eventuelle Ger\u00fcche in Bezug auf die Druckfarbe verantwortlich sein k\u00f6nnte. Toluol hat einen angenehmen, aber auch leicht stechenden Geruch (konzentrationsabh\u00e4ngig).<br \/>\nZum Abschluss muss das ganze Buch noch zusammenhalten und daf\u00fcr werden Kleber ben\u00f6tigt. H\u00e4ufig wird auf Schmelzklebstoff oder Polyurethane zur\u00fcckgegriffen. Schmelzklebstoffe, die hier Anwendung finden sind vielf\u00e4ltig in ihrem Aufbau und reichen von Polyamiden \u00fcber Polyethylen bis zum in der Buchbranche ebenfalls verwendeten Ethylen-vinyl-acetat. Diese Verbindungen \u00fcben zwar grunds\u00e4tzlich nur geringe Ger\u00fcche aus,  dies ist bei so manchem Kleber jedoch stark temperaturabh\u00e4ngig. Bei dem bereits erw\u00e4hnten PUR (Polyurethan), kommt es bei Temperaturen ab 40-50\u00b0C (wenn das Buch mal im Sommer drau\u00dfen liegen bleibt) zur Bildung von Amino-Verbindungen, die wiederum ein fischartiger Geruch auszeichnet.<br \/>\nZusammenfassend ist zu sagen, dass wir bei neuen B\u00fcchern, wenn auch in geringerem Ausma\u00df, alte Verd\u00e4chtige gepaart mit  neuen Freunden vorfinden. Wir kennen bereits einige Zerfallsprodukte des Zellstoffs, die wir auch hier wieder finden werden, wie Furfural (bittermandel) und wahrscheinlich 2-Ethylhexanol (fruchtig-s\u00fc\u00df). Neu und erw\u00e4hnenswert w\u00e4re beispielweise Alkyl-Keten-di-mer (stechend) aus der Verleimungsecke, Toluol (blumig, stechend) von Seiten der Farbenpracht und schlussendlich einige Amine (fischartig) des verwendeten Klebers, welche das Bouquet abrunden. <\/p>\n<figure id=\"attachment_23251\" aria-describedby=\"caption-attachment-23251\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/geruch2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/geruch2.jpg\" alt=\"Ger\u00fcche neuer B\u00fccher (Bild: Eigene Arbeit)\" width=\"500\" height=\"478\" class=\"size-medium wp-image-23251\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23251\" class=\"wp-caption-text\">Ger\u00fcche neuer B\u00fccher (Bild: Eigene Arbeit)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nicht zu vergessen seien hierbei die mitunter sehr geringen Konzentrationen, die uns nur eine Vermutung anstellen lassen bzw. keine eindeutige Zuordnung erm\u00f6glichen, ohne chemische Analyseverfahren anzuwenden. Der Rest des Geruchs ist Wohl oder \u00dcbel der Magie der enthaltenen Geschichte geschuldet.<br \/>\nWer \u00fcbrigens nicht genug vom Geruch der B\u00fccher bekommt, kann sich ein Parfum mit eben diesem Geruch ordern. Denn inzwischen hat sich schon jemand die M\u00fche gemacht und ein Parfum mit Buchgeruch entwickelt. F\u00fcr mich, als inzwischen ebenso begeisterter E-Book-Leser w\u00e4re dies eine Option, doch noch zu meinem Schuss zu kommen und den Reader einfach damit einzuspr\u00fchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2016. Hinweise zum Ablauf des Bewerbs und wie ihr dabei Abstimmen k\u00f6nnt findet ihr hier. Das sagt der Autor des Artikels, Michael \u00fcber sich: Ich bin Ausbildner im Bereich Chemieverfahrenstechniker und arbeite mit Lehrlingen und Erwachsenen. Hierbei befasse ich mich mit verfahrenstechnischen, prozessleittechnischen und chemischen Grundlagen. 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