{"id":23091,"date":"2016-09-21T11:00:55","date_gmt":"2016-09-21T09:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/09\/21\/sind-fitnessarmbaender-sinnvoll-und-wenn-ja-fuer-wen\/"},"modified":"2025-05-14T16:17:48","modified_gmt":"2025-05-14T14:17:48","slug":"sind-fitnessarmbaender-sinnvoll-und-wenn-ja-fuer-wen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/09\/21\/sind-fitnessarmbaender-sinnvoll-und-wenn-ja-fuer-wen\/","title":{"rendered":"Sind Fitnessarmb\u00e4nder sinnvoll &#8211; und wenn ja, f\u00fcr wen?"},"content":{"rendered":"<p><i><b>Hinweis: <\/b>Dieser Artikel ist ein Beitrag zum <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2016\/07\/19\/der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb-2016\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2016<\/a>. Hinweise zum Ablauf des Bewerbs und wie ihr dabei Abstimmen k\u00f6nnt <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=22936\">findet ihr hier<\/a>.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\" alt=\"sb-wettbewerb\" width=\"500\" height=\"172\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15702\" \/><\/a><\/i><\/p>\n<p><b>Das sagt der Autor des Artikels, <b>sudo_rm<\/b> \u00fcber sich:<\/b><br \/>\nIch interessiere mich f\u00fcr Astrophysik\/Kosmologie und Computertechnik und bet\u00e4tige mich gern sportlich an der frischen Luft.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Die Erkenntnis, dass Bewegung gut f\u00fcr das Wohlbefinden sei, kommt nicht aus der aktuellen Forschung sondern wird seit Jahrzehnten von wohlmeinenden Eltern, \u00c4rzten, der Gesundheitspolitik, dem Bildungswesen usw. mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg propagiert. Die Zahl derer, die trotzdem jede Strecke l\u00e4nger als 500m per Auto zur\u00fccklegen oder in Geb\u00e4uden auch f\u00fcr nur eine Etage den Aufzug benutzen, blieb viel zu hoch. Die Ratschl\u00e4ge wurden von der allgegenw\u00e4rtigen Bequemlichkeit einfach absorbiert, (teure) Kampagnen verpufften wirkungslos. Der innere Schweinehund war meist st\u00e4rker.<br \/>\nDoch ein kleines St\u00fcck Silizium, eingegossen in schicke Armb\u00e4nder, macht sich daran auch die bequemsten Zeitgenossen auf Trab zu bringen. Wir verweigern uns zwar menschlichen Ratschl\u00e4gen, springen aber sofort auf, wenn die Technik uns per Piepton drauf hinweist, es sei an der Zeit wieder einige Kalorien zu verbrennen. Haben die Computer also jetzt bereits die Herrschaft \u00fcber die Menschheit \u00fcbernommen? Sind wir dabei, uns von den Chips endg\u00fcltig versklaven zu lassen? Es scheint so zu sein, der Herr pfeift, der Hund springt.<br \/>\nZu unserer Entschuldigung kann man ja anf\u00fchren, dass die neuen Machthaber in einem ausgekl\u00fcgelten Prozess auf die Erf\u00fcllung ihre Aufgaben hinoptimiert werden, w\u00e4hrend wir den Zuf\u00e4llen der Evolution ausgeliefert waren. Ein durchschnittlicher Chip durchl\u00e4uft bei der Herstellung etwa 10 000 Bearbeitungsschritte. Er wird dabei mit exotischen und z.T. f\u00fcr uns giftigen Elementen geimpft, z.B. Arsen, Indium, Phosphor, wird u.a. hei\u00dfer Fluss- und Schwefels\u00e4ure ausgesetzt, mit aggressivem Plasma bombardiert und auf Temperaturen \u00fcber 1000\u00b0C erhitzt. Der Energieverbrauch bei der Herstellung liegt bei ca. 3-5 Millionen Joule pro Prozessor. Das entspricht rund 1200 kcal oder dem halben Tagesbedarf eines Erwachsenen. Das klingt dann gar nicht so viel, ein Erwachsener wiegt aber um die 75kg, w\u00e4hrend ein Chip nur wenige Gramm auf die Waage bringt. Nimmt man einen auf die Masse normierten Energieverbrauch, entspricht die bei der Herstellung ben\u00f6tigte Energie pro Prozessorgramm dem Energiebedarf eines Erwachsenen pro Menschengramm \u00fcber einen Zeitraum von fast 11 Jahren. Vor dieser hochkonzentrierten Digitalpower muss der innere Schweinehund kapitulieren!<br \/>\nWie schafft es aber das perfektionierte St\u00fcck Silizium uns mitzuteilen, dass wir heute bereits 1713 Schritte gegangen sind oder 43 Stufen erklommen haben? Woher nimmt es die Zahl verbrannter Kalorien, deren Wissen es uns erm\u00f6glicht, das n\u00e4chste St\u00fcck Torte\/Kuchen\/Schokolade\u2026 mit reinem Gewissen zu genie\u00dfen? Wie bringt es uns dazu, pflichtschuldig aus dem Sessel aufzustehen und uns 10 Minuten zu bewegen, um das Tagessoll zu erf\u00fcllen?<br \/>\nDer prinzipielle Aufbau der Fitnessarmb\u00e4nder ist dabei nichteinmal so kompliziert. Beschleunigungssensoren erfassen Bewegungs\u00e4nderungen in den drei r\u00e4umlichen Dimensionen. Die dabei anfallenden Daten werden aufbereitet und in eine Schrittzahl umgerechnet. Der Beschleunigungssensor ist ein miniaturisierter Federkraftmesser mit einer Testmasse. Die Feder ist ein wenige Mikrometer breiter Siliziumstreifen, auch die Testmasse, die bei einer Bewegung die Feder dehnt, besteht aus Silizium. Auf dem Chip \u00e4ndert sich bei Bewegung durch die Dehnung des Siliziumstreifens eine Kapazit\u00e4t geringf\u00fcgig, dieses elektrische Signal ist die Eingangsgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr den Prozessor, der daraus eine Schrittanzahl berechnet. Es ist das gleiche Prinzip wie bei einem Smartphone, welches den Bildschirminhalt um 90\u00b0 dreht, wenn man das Smartphone entsprechend h\u00e4lt. Die gehobene Klasse der Fitnesstracker kann noch den Hautwiderstand messen und \u00fcber optische Sensoren den Blutfluss in den Adern erfassen, um daraus den Pulswert zu bestimmen. Der Rest ist reine Software, eine Mischung aus Datenfilterung, Berechnungen, Statistik und Raten, um aus den Rohdaten einen wahrscheinlichen Kalorienverbrauch abzuleiten. Die berechnete Zahl ist n\u00e4mlich eine rein statistische Gr\u00f6\u00dfe, basierend auf der breiten Verteilung individueller Eigenschaften bestimmter Bev\u00f6lkerungsgruppen. Als Klassifizierungsmerkmale dienen daf\u00fcr das Geschlecht, Alter, Gewicht. F\u00fcr diese Merkmale gibt es aber eine sehr breite Gaussverteilung des individuellen Energieumsatzes bei gleicher sportlicher Bet\u00e4tigung (z.B. pro gelaufenem Kilometer). Der tats\u00e4chliche Energieumsatz einer konkreten Person kann durchaus deutlich verschieden von dem ausgegebenen Wert sein. Auch die Details der Programmierung beeinflussen den errechneten Wert. Man sollte also vorher verschiedene Modelle testen und das Ger\u00e4t ausw\u00e4hlen, das den f\u00fcr die eigenen Zwecke g\u00fcnstigsten Wert ausspuckt. Die Technikgl\u00e4ubigkeit reicht scheinbar aus, die in einer App schick verpackten Zahlen f\u00fcr bare M\u00fcnze zu nehmen und sich entsprechend zu verhalten. Manche gehen ja sogar so weit, diese Daten ihren Krankenkassen zur Verf\u00fcgung zu stellen, um g\u00fcnstigere Tarife zu bekommen (ein aktuelles Beispiel sind \u00dcberlegungen der TK, https:\/\/www.spiegel.de\/gesundheit\/diagnose\/tk-erwaegt-nutzung-von-fitnessarmbaendern-zu-belohnen-a-1108870.html). Daraus ergeben sich in einigen Jahren sicher interessante Diplomthemen f\u00fcr Psychologiestudenten, ein weiterer Bezug zur Wissenschaft. Vielleicht entsteht auch ein neues Gesch\u00e4ftsfeld f\u00fcr App-Entwickler. Ein Hacken der Fitnessarmb\u00e4nder, um der Krankenkasse gesundheitsbewusstes Verhalten vorzugaukeln!<br \/>\nUm noch einmal auf die eingangs gestellte Fragen zur\u00fcckkommen.<br \/>\nFitnesstracker sind f\u00fcr Leute sinnvoll, die von sich aus regelm\u00e4\u00dfig Sport treiben und ihre Trainingswerte dokumentieren wollen. Abweichungen von tats\u00e4chlichen Werten sind ein systematischer Fehler und verzerren Leistungstrends nur unwesentlich. Sie sind aber v\u00f6llig untauglich, um nur aus den gelieferten Daten ohne weitere Kenntnisse der Personen R\u00fcckschl\u00fcsse auf deren gesunde oder ungesunde Lebensweise abzuleiten. Fitnesstracker sind auf jeden Fall f\u00fcr die Chipindustrie und Hersteller elektronischer Gadgets (s. Wikipedia, \u201eenglisch f\u00fcr Apparat, technische Spielerei oder auch Schnickschnack\u201c, https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gadget) ein wichtiges Gesch\u00e4ftsfeld.<br \/>\nUnd haben die Computer nun bereits die Herrschaft \u00fcber die Menschheit \u00fcbernommen? Eine Schlagzeile aus dem Spiegel vom 8. August hilft bei der Beantwortung: Krankenkassen-Report: Die meisten Fitnessarmb\u00e4nder liegen nur rum (https:\/\/www.spiegel.de\/gesundheit\/ernaehrung\/dkv-report-die-meisten-wearables-liegen-nur-rum-a-1106654.html). Der evolution\u00e4r gefestigte innere Schweinehund ist am Ende doch st\u00e4rker, wie beruhigend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2016. Hinweise zum Ablauf des Bewerbs und wie ihr dabei Abstimmen k\u00f6nnt findet ihr hier. 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