{"id":23067,"date":"2016-09-16T11:00:39","date_gmt":"2016-09-16T09:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/09\/16\/kartonmodellbau\/"},"modified":"2025-05-14T16:17:44","modified_gmt":"2025-05-14T14:17:44","slug":"kartonmodellbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/09\/16\/kartonmodellbau\/","title":{"rendered":"Kartonmodellbau"},"content":{"rendered":"<p><i><b>Hinweis: <\/b>Dieser Artikel ist ein Beitrag zum <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2016\/07\/19\/der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb-2016\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2016<\/a>. Hinweise zum Ablauf des Bewerbs und wie ihr dabei Abstimmen k\u00f6nnt <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=22936\">findet ihr hier<\/a>.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\" alt=\"sb-wettbewerb\" width=\"500\" height=\"172\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15702\" \/><\/a><\/i><\/p>\n<p><b>Das sagt der Autor des Artikels, <b>Walter S.<\/b> \u00fcber sich:<\/b><br \/>\nKeine Angabe<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Zuerst: Was ist \u00fcberhaupt Kartonmodellbau und wie zur H\u00f6lle wird man Kartonmodellkonstrukteur?<\/p>\n<p>Kartonmodellbau ist, man m\u00f6chte es nicht glauben, ein sehr altes Hobby. Erste Modelle aus Papier entstanden schon im 16. Jahrhundert. So richtig popul\u00e4r wurde die ganze Sache in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die ersten kommerziellen Modellb\u00f6gen entstanden und bis zum Aufkommen der Kunststoffmodelle war &#8222;Papier zusammenkleben&#8220; \u00e4u\u00dferst beliebt.<\/p>\n<p>Nach einer Flaute bis in die 1990er Jahre kam mit verbesserter Druckqualit\u00e4t, computergezeichneten und somit erheblich detaillierteren und passgenaueren Modelle eine &#8222;Renaissance&#8220;. <\/p>\n<p>Die heutigen Modellb\u00f6gen sind teilweise wahre Kunstwerke und enorm detailliert. Bis an die Grenzen des Machbaren &#8211; und oft dar\u00fcber hinaus. \u00dcber die Sinnhaftigkeit von 1mm kleinen Teilen kann man streiten&#8230;<\/p>\n<p>Wenn man sich die B\u00f6gen so anschaut, dann mag man sich fragen, wer hat denn nun diese Modelle konstruiert? Irgendwer muss es ja machen. Und genau da bin ich beim springenden Punkt und dem eigentlichen Thema.<\/p>\n<p>Man setze sich vor die Zeichentafel oder den Computer und los geht\u2019s. Laaaaaangsam&#8230;..<\/p>\n<p>Zuerst braucht man genaue Zeichnungen. Am besten aus allen Richtungen &#8211; sprich Draufsicht, Untersicht, Links, Rechts, von Vorne und Hinten. Diese Zeichnungen werden in ein 3D f\u00e4higes Zeichenprogamm eingebettet. Am besten schon im richtigen Ma\u00dfstab, damit man gleich vorweg sieht, wie gro\u00df die entsprechenden Teile werden. Alles in Orginalgr\u00f6\u00dfe zu zeichnen und dann entsprechend verkleinern ist der ber\u00fchmte Schuss ins Knie. Denn es gibt einen Faktor beim Kartonmodellbau, den wahrscheinlich niemand wirklich kennt. <\/p>\n<p>Die Papierst\u00e4rke. <\/p>\n<p>H\u00e4? Ja, die St\u00e4rke des verwendeten Papiers bzw. Karton. Fast alle Modellb\u00f6gen sind auf 160g m\u00b2 dickem Papier gedruckt. Das hat ungef\u00e4hr eine St\u00e4rke von 0,16 &#8211; 0,18mm. Klebt man jetzt einen Ring (die einfachste Form) so ist der Au\u00dfendurchmesser gr\u00f6\u00dfer als der Innendurchmesser. Jeder kann das leicht \u00fcberpr\u00fcfen, indem er sich so einen Ring zusammenklebt und dann zuerst innen und dann au\u00dfen einen Streifen dr\u00fcberlegt, jene Stelle an der er sich \u00fcberlappt, markiert und dann abmisst. Der Unterschied in der L\u00e4nge ist mindestens 1 &#8211; 2mm. Und genau diesen Wert der Papierst\u00e4rke muss man bei jeden Teil akribisch ber\u00fccksichtigen. Mit der Zeit bekommt man aber ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr (oh das reimt sich sogar).<\/p>\n<p>Nun gut. Man entwirft mittels der Zeichnungen das Modell. Begonnen wird meistens mit dem Rumpf, dann Tragfl\u00e4chen, Steuerfl\u00e4chen, Cockpit, Fahrwerk, Triebwerke usw. Und das nicht nacheinander, sondern parallel. Denn ein Teil greift in den Anderen und eine kleine \u00c4nderung irgendwo zieht einen wahren Rattenschwanz an \u00c4nderungen an anderen Teilen nach sich.<\/p>\n<p>Ist man mit der Konstruktion fertig, m\u00fcssen alle Teile, die man virtuell entworfen hat, &#8222;abgewickelt&#8220; werden. Das hei\u00dft nichts anderes, als das alle Teile auseinander gefaltet werden. Viele Zeichenprgramme f\u00fcr Metallbau haben solch eine Funktion. Ich verwende jedoch ein spezielles 3D Zeichenprogramm, das f\u00fcr meine Zwecke wie geschaffen ist. Eine Einschr\u00e4nkung gibt es dabei aber trotzdem &#8211; die abwickelbare Fl\u00e4che darf nur in eine Richtung gekr\u00fcmmt sein. Ein Zylinder, Kegel, Kegelstumpf ist kein Problem. Eine Kugel, Torus, oder sonstige, in alle Richtungen gekr\u00fcmmte Form kann nicht abgewickelt werden. Au\u00dfer man zerlegt sie wieder in einfachere Formen. Ist ein wenig kompliziert zu beschreiben&#8230;.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend m\u00fcssen alle Teile im Sinne des Originals &#8222;angemalt&#8220; werden. Das erledige ich mit entsprechenden Grafikprogammen. Dabei ist es hilfreich, alles als Vektorgrafik zu zeichnen, da diese Objekte nachtr\u00e4glich ohne Qualit\u00e4tsverlust vergr\u00f6\u00dfert oder verkleinert werden k\u00f6nnen. Pixelorientierte Programme sind daf\u00fcr nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt verwendbar.<\/p>\n<p>Naja und nach endlosen Stunden hat man ein fertiges Modell, das allerdings zusammengebaut werden muss. Und dabei erlebt man dann sein blaues Wunder \ud83d\ude42 Denn was in der virtuellen Welt perfekt gepasst hat, passt in der Realit\u00e4t nur bedingt. Deshalb werden zuerst mindestens 2 Probebauten gemacht, an denen die Passgenauigkeit, die allgemeine Machbarkeit und jede Menge Fehler, die sich eingeschlichen haben, kontrolliert und ausgebessert werden.<\/p>\n<p>Erst wenn wirklich alles passt, kommt der Bogen in die Druckerei. Am Tag der Ver\u00f6ffentlichung gibt es dann garantiert noch eine kleine \u00dcberraschung in Form irgendeiner Kleinigkeit, die man \u00fcbersehen hat (gottseidank nie etwas wirklich Gravierendes). So oft kann man gar nicht kontrollieren, als dass man nicht trotzdem was \u00fcbersieht.<\/p>\n<p>So und warum schreib ich das alles? Weil ich selber Konstrukteur von Kartonmodellen bin. Flugzeuge im Ma\u00dfstab 1:33. Und da wiederum Ger\u00e4te, die in der Wirklichkeit laut und schnell sind. <\/p>\n<p>Meine Leidenschaft f\u00fcr Kartonmodelle hat .. ja wann war das? Ich bin Jahrgang 66, irgendwann Mitte der 1970er Jahre\u2026 naja so um die 10 Jahre war ich damals, als mich mein Vater in ein Spielwarengesch\u00e4ft verfrachtet hat und ich das erste Kartonmodell kaufen durfte. Es war eine Vickers Viscount von GELI \u2013 DIE legend\u00e4re Modellbaufirma in \u00d6sterreich. Gegr\u00fcndet in den 1950er Jahren, wurden bis Mitte der 1990er Jahre Modelle produziert. Ich hab die Dinger ohne Ende gebaut und irgendwann entstand der Wunsch, auch einmal f\u00fcr diese Firma Modelle zu zeichnen. Naja ein Bubentraum halt&#8230;<\/p>\n<p>Meine Ausbildung als technischer Zeichner war schon so etwas wie ein kleiner Fingerzeig und im Laufe der Jahre war ich immer &#8211; auch beruflich &#8211; mit Zeichnen besch\u00e4ftigt. Zuerst waren es H\u00e4user, dann in der Vermessung und schlie\u00dflich bin ich bei Bahnhoflagepl\u00e4nen gelandet. Zuerst alles mit Tuschestiften, sp\u00e4ter dann mit AutoCAD.<\/p>\n<p>Mitte der 2000er Jahre probierte ich dann einfach eine neue Ebene aus. Ich kaufte mir das noch immer verwendete 3D Programm und begann mit dem Konstruieren meines ersten Modells. Der Saab Lansen. Erschienen ist dieser Modellbogen 2007 und fast 10 Jahre sp\u00e4ter steh ich bei 15 Ver\u00f6ffentlichungen. Zum 10-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um soll eines der derzeit besten Flugzeuge &#8211; den Eurofighter Typhoon \u2013 erscheinen.<\/p>\n<p>Hab ich fr\u00fcher einen Bubentraum erw\u00e4hnt? Ja, und &#8211; ich fass es noch immer nicht &#8211; er ist tats\u00e4chlich in Erf\u00fcllung gegangen. 2012 wurde ich von den neuen Besitzern der GELI B\u00f6gen kontaktiert und um eine Mitarbeit gebeten. Was als einmaliges &#8222;Ereignis&#8220; gedacht war, ist mittlerweile eine fixe Mitarbeit (allerdings nur als Hobby, Hauptberuflich ist das nicht m\u00f6glich).<\/p>\n<p>Aus einer Faszination f\u00fcr Flugzeuge wurde ein Hobby, daraus eine Leidenschaft f\u00fcr den Kartonmodellbau und damit erf\u00fcllte sich nach Jahrzehnten ein \u2013 immer irgendwo im Hinterkopf gebliebener \u2013 Traum. Klingt fast nach klassischem Hollywood Kino ?<\/p>\n<p>Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich diese Geschichte in der l\u00e4ngeren Fassung und mit allerlei anderem Zeug auf meinem Blog<\/p>\n<p>https:\/\/ws-kartonbau.blogspot.co.at\/<\/p>\n<p>genauer anschauen bzw. durchlesen. Dort gibt es auch die Geschichte zu den GELI B\u00f6gen und wie ich Teil davon wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb 2016. Hinweise zum Ablauf des Bewerbs und wie ihr dabei Abstimmen k\u00f6nnt findet ihr hier. 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