{"id":23053,"date":"2016-09-09T06:00:01","date_gmt":"2016-09-09T04:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/09\/09\/sternengeschichten-folge-198-die-frauen-von-mercury-13\/"},"modified":"2025-05-14T16:17:42","modified_gmt":"2025-05-14T14:17:42","slug":"sternengeschichten-folge-198-die-frauen-von-mercury-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/09\/09\/sternengeschichten-folge-198-die-frauen-von-mercury-13\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 198: Die Frauen von Mercury 13"},"content":{"rendered":"<p>Die erste Frau flog nur zwei Jahre nach dem ersten Mann ins Weltall. Nach dem Flug von Valentina Tereshkova im Jahr 1963 dauerte es aber lange, bis es halbwegs normal wurde, auch Frauen f\u00fcr Missionen im Weltraum in Betracht zu ziehen. Dabei h\u00e4tten die USA schon Anfang der 1960er Jahre die M\u00f6glichkeit gehabt, qualifizierte Frauen ins All zu schicken. Aber die Frauen von &#8222;Mercury 13&#8220; mussten leider auf der Erde bleiben&#8230;<\/p>\n<p>Und wie immer gibt es weiter unten eine Transkription des Podcasts.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-12938\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Folge k\u00f6nnt ihr euch hier direkt als <a href=\"https:\/\/youtu.be\/noCkxnEGpOQ\">YouTube-Video<\/a> ansehen oder <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podspot.de\/files\/198-SternengeschichtenFolge198.mp3\">direkt runterladen<\/a>. <\/p>\n<p>Den Podcast k\u00f6nnt ihr unter <\/p>\n<p><center><a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten<\/a><\/center><\/p>\n<p>abonnieren beziehungsweise auch bei <a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a> via Torrent beziehen.<\/p>\n<p>Am einfachsten ist es, wenn ihr euch <a href=\"https:\/\/play.google.com\/store\/apps\/details?id=de.danoeh.antennapodsp.sternengeschichten\">die &#8222;Sternengeschichten-App&#8220; f\u00fcrs Handy<\/a> runterladet und den Podcast damit anh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Sternengeschichten gibts nat\u00fcrlich auch bei iTunes (wo ich mich immer \u00fcber Rezensionen und Bewertungen freue) und alle Infos und Links zu den vergangenen Folgen findet ihr unter <a href=\"https:\/\/www.sternengeschichten.org\">https:\/\/www.sternengeschichten.org<\/a>.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es die Sternengeschichten auch <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">bei Facebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">bei Twitter<\/a>.<\/p>\n<p><center><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/noCkxnEGpOQ?showinfo=0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><\/center><\/p>\n<p><b>Transkription<\/b><\/p>\n<p>Sternengeschichten Folge 198: Die Frauen von Mercury 13<\/p>\n<p>Der erste Mensch im Weltall war Juri Gagarin der 1961 mit dem Raumschiff Wostok 1 die Erde umrundete. Immerhin schon zwei Jahre sp\u00e4ter, im Juni 1963 flog mit Valentina Tereshkova auch die ersten Frau in den Weltraum. Dann aber dauerte es. Die n\u00e4chste Frau im All war Svetlana Savitskaya die 1982 zur Raumstation Salyut 7 flog. Ein Jahr sp\u00e4ter, im Juni 1983 machte sich auch endlich die erste Amerikanerin auf den Weg ins All: Sally Ride. In den 1980er Jahren folgten weitere Frauen aus den USA. Weibliche Astronauten h\u00e4tte es in Amerika aber schon viel fr\u00fcher geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zwischen 1958 und 1963 f\u00fchrte man in den USA das <i>Mercury-Programm<\/i> durch. Zuerst wurde es noch vom National Advisory Committee for Aeronautics geplant, erst sp\u00e4ter wurde es von der neu gegr\u00fcndeten NASA \u00fcbernommen. Ziel von Mercury war es, einen Menschen ins All zu bringen. Die Kandidaten f\u00fcr so einen Flug mussten bestimmte Kriterien erf\u00fcllen. Sie durften nicht \u00e4lter als 40 Jahre sein, mussten kleiner als 1,80 Meter sein, mussten einen Bachelor-Abschluss haben, k\u00f6rperlich top fit sein und einen Abschluss als Test- und Jetpilot mit mindestens 1500 Stunden Flugerfahrung haben. Nicht explizit aufgef\u00fchrt aber trotzdem selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt war die Bedingung, dass alle potentiellen Astronauten M\u00e4nner zu sein hatten. Und das waren die 1959 offiziell vorgestellten Mercury-Astronauten auch. Die sieben M\u00e4nner wurden als die &#8222;Mercury Seven&#8220; bekannt und sechs von ihnen flogen bis 1963 tats\u00e4chlich erfolgreich ins All (und der siebte sp\u00e4ter im Rahmen eines anderen Programms).<\/p>\n<figure id=\"attachment_23046\" aria-describedby=\"caption-attachment-23046\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/JerrieCobb_MercuryCapsule-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/JerrieCobb_MercuryCapsule-scaled.jpg\" alt=\"Jerrie Cobb vor einer Mercury-Kapsel (Bild: NASA, public domain)\" width=\"500\" height=\"630\" class=\"size-medium wp-image-23046\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23046\" class=\"wp-caption-text\">Jerrie Cobb vor einer Mercury-Kapsel (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:JerrieCobb_MercuryCapsule.jpg\">Bild: NASA, public domain<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Was aber war mit den Frauen? Der Mediziner William Randolph Lovelace II arbeitete damals als Arzt bei der Armee. Er besch\u00e4ftigte sich unter anderem mit den medizinischen Problemen, die bei Fl\u00fcgen in gro\u00dfer H\u00f6he auftraten. Schon fr\u00fcher hatte er Jacquelin Cochran kennen gelernt, die schon in den 1930er Jahren lernte, ein Flugzeug zu fliegen. Sie geh\u00f6rte zu den Pionieren der amerikanischen Luftfahrt; sie war die erste Frau die mit \u00dcberschallgeschwindigkeit flog; die erste Frau die auf einem Flugzeugtr\u00e4ger startete und landete, die erste Frau die &#8222;blind&#8220;, also nur mit Hilfe der Anzeigen auf den Instrumenten an Bord ein Flugzeug landete, die erste Frau die \u00fcber 20.000 Fu\u00df ohne Sauerstoffmaske flog und hielt noch einen ganzen Schwung anderer Rekorde. Neben Cochran gab es noch weitere Frauen, die wussten wie man mit Flugzeugen umgehen musste. Jerrie Cobb zum Beispiel, die schon im Alter von 21 Jahren in den USA produzierte Milit\u00e4rjets und Bomber als kommerzielle Pilotin in alle Welt auslieferte. Sie arbeitete au\u00dferdem als Fluglehrerin und im Jahr 1960 hatte sie schon 7000 Flugstunden angesammelt, hielt unter anderem den Rekord f\u00fcr den l\u00e4ngsten nonstop-Flug und den Rekord f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte mit einem Leichtgewichtsflugzeug erreichte H\u00f6he. Lovelace wusste also, dass Cobb Flugzeuge fliegen konnte; mindestens so gut wie die m\u00e4nnlichen Piloten. Aber war sie auch als Astronautin geeignet. Finanziert von Jacquelin Cochrane entschied sich Lovelace daher, eine eigene Testreihe zu starten.<\/p>\n<p>1960 lud er Jerrie Cobb ein, sich den selben Tests zu unterziehen, mit denen auch die m\u00e4nnlichen Kandidaten des Mercury-Programms getestet wurden. Mit der NASA hatte Lovelace damals noch nichts zu tun, es war als kein echtes Astronauten-Trainingsprogramm. Aber Cobb machte mit und bestand s\u00e4mtliche Test die auch ihre m\u00e4nnlichen Kollegen bestanden hatten. Lovelace und Cobb suchten nun gemeinsam nach weiteren weiblichen Kandidaten. Sie pr\u00fcften die Daten von 700 Pilotinnen und luden alle mit mehr als 1000 Flugstunden Erfahrung ein. Die, die sich meldeten mussten sich umfangreichen medizinischen Tests unterziehen. Es gab simple R\u00f6ntgenuntersuchungen; es gab aber auch unangenehmere Prozeduren. Die Kandidatinnen mussten zum Beispiel Gummischl\u00e4uche verschlucken, um ihre Magens\u00e4ure untersuchen zu k\u00f6nnen; sie erhielten Elektroschocks und man spritze ihnen sogar Eiswasser in die Ohren um das Innenohr zu bet\u00e4uben und so herauszufinden, wie sie mit einem gest\u00f6rten Gleichgewichtssinn klarkommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>13 Frauen bestanden diese Tests: Myrtle Cagle, Jerrie Cobb, Janet Dietrich, Marion Dietrich, Wally Funk, Sarah Gorelick, Jane Hart, Jean Hixson, Rhea Hurrle, Gene Nora Stumbough, Irene Leverton, Jerri Sloan und Bernice Steadman. Diese Frauen wurden sp\u00e4ter als die &#8222;Mercury 13&#8220; bekannt. Im Gegensatz zu ihren m\u00e4nnlichen Kollegen der Mercury Seven flog allerdings keine von ihnen je ins Weltall. Die medizinischen Tests w\u00e4ren nur die erste Phase des kompletten Astronautentrainigs gewesen, das Jerrie Cobb bestanden hatte. Als n\u00e4chstes w\u00e4ren beispielsweise Tests in Isolationstanks und psychologische Untersuchungen gefolgt. Anders als die m\u00e4nnlichen Kandidaten konnten die Frauen aber nicht einfach ihre Jobs k\u00fcndigen oder ihre Familie verlassen um lange Testreihen zu absolvieren. Und f\u00fcr die dritte Phase der Tests w\u00e4ren spezielle medizinische Einrichtungen n\u00f6tig gewesen, die damals nur an milit\u00e4rischen Einrichtungen m\u00f6glich waren. <\/p>\n<p>Nachdem Jerrie Cobb alle drei Phasen bestanden hatte, gab es zumindest noch ein paar der anderen Frauen, die es ebenfalls m\u00f6glich machen konnten sich entsprechend testen zu lassen. Aber die US Navy brach die ganze Sache ab. Ohne einen Auftrag der NASA wollte sie ihre Einrichtungen nicht f\u00fcr so ein inoffizielles Projekt zur Verf\u00fcgung stellen. Jerrie Cobb und Janey Hart versuchten, das Testprogramm weiterzuf\u00fchren. Sie schrieben an den damaligen Pr\u00e4sidenten John F. Kennedy. Sie besuchten den Vizepr\u00e4sidenten Lyndon B. Johnson. Sie erreichten immerhin eine Anh\u00f6rung vor dem Repr\u00e4sentantenhaus wo die Frage diskutiert wurde, ob es sich hier um einen Fall von sexueller Diskriminierung handeln w\u00fcrde. Die lief allerdings nicht erfolgreich. Astronaut John Glenn, der immerhin 1962 als erster Amerikaner die Erde umkreiste, verk\u00fcndete dort: &#8222;Die Tatsache, dass Frauen nicht in diesem Gebiet aktiv sind, ist Teil unserer sozialen Ordnung.&#8220; Und au\u00dferdem waren die Kriterien klar: Astronauten brauchten eine milit\u00e4rische Ausbildung als Jetpilot und das war damals nur M\u00e4nnern m\u00f6glich. Dass viele der Frauen von Mercury 13 mindestens ebenso viele oder gar noch mehr Flugstunden angesammelt hatten als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen wollte die NASA nicht gelten lassen. <\/p>\n<p>Die Frauen von Mercury 13 hatten also keine Chance, als echte Kandidatinnen f\u00fcr das Astronautenprogramm der NASA in Betracht gezogen zu werden. Ihre Bem\u00fchungen verliefen im Sand und auch die Aufmerksamkeit der \u00d6ffentlichkeit verschwand. Sie kam wieder zur\u00fcck, als am 16. Juni 1963 die sowjetische Astronautin Valentina Tereshkova erfolgreich ins Weltall flog. Die Schriftstellerin Clare Boothe Luce ver\u00f6ffentlichte damals einen Artikel in dem sie die NASA und die amerikanischen Politiker kritisierte und auch erstmals die Namen der 13 Frauen \u00f6ffentlich machte. Die NASA k\u00fcmmerte das allerdings wenig. Es dauerte noch 15 Jahre bis sie ernsthaft in Betracht zog, Frauen ins All zu schicken und erst 1983 flog dann Sally Ride im Rahmen der siebten Space-Shuttle-Mission als dritte Frau und erste Amerikanerin ins All. <\/p>\n<figure id=\"attachment_23045\" aria-describedby=\"caption-attachment-23045\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Claudie_waves_from_inside_the_cramped_Soyuz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Claudie_waves_from_inside_the_cramped_Soyuz.jpg\" alt=\"Claudie Haigner\u00e9 in der Soyuz-Kapsel (Bild: ESA\/CNES)\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-23045\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23045\" class=\"wp-caption-text\">Claudie Haigner\u00e9 in der Soyuz-Kapsel (<a href=\"https:\/\/www.esa.int\/spaceinimages\/Images\/2001\/11\/Claudie_waves_from_inside_the_cramped_Soyuz\">Bild: ESA\/CNES<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Frauen sind heute im Weltall immer noch deutlich in der Minderheit. Nur knapp 10 Prozent aller Astronauten sind weiblich. Nach den Pionierinnen Tereshkova und Savitskaya verlor die Sowjetunion auch schnell das Interesse an Kosmonautinnen; in den Jahren danach waren die Frauen im All fast ausschlie\u00dflich Amerikanerinnen. Erst 1991 folgte mit Helen Sharman die erste Frau die nicht aus der Sowjetunion oder den USA kam; die Britin war auch die erste Europ\u00e4erin im Weltall. Allerdings war sie keine offizielle Astronautin und hatte auch nichts mit der Europ\u00e4ischen Weltraumagentur ESA zu tun; sie flog im Rahmen des privat organisierten &#8222;Project Juno&#8220; zur Raumstation MIR. 1996 folgte die Franz\u00f6sin Claudie Haigner\u00e9 als Mitglied der russisch-franz\u00f6sischen Cassiop\u00e9e-Mission mit einem Flug zur MIR. Sie wurde auch im Jahr 2001 die erste offizielle Astronautin der Europ\u00e4ischen Weltraumagentur ESA. In diesem Jahr wurde sie auch zur ersten Frau, die die Internationale Raumstation ISS besuchte. Mit der Italienerin Samantha Cristoforetti hat die ESA seit 2014 ihre zweite Astronautin. <\/p>\n<p>Es wird wohl leider noch ein wenig l\u00e4nger dauern, bis man auch bei den Raumfahrtagenturen festgestellt hat, dass Frauen ebenso gut ins Weltall fliegen k\u00f6nnen wie M\u00e4nnern&#8230;<br \/>\n \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/aa28f45e2add407c882c1e421e0cf8d3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die erste Frau flog nur zwei Jahre nach dem ersten Mann ins Weltall. Nach dem Flug von Valentina Tereshkova im Jahr 1963 dauerte es aber lange, bis es halbwegs normal wurde, auch Frauen f\u00fcr Missionen im Weltraum in Betracht zu ziehen. 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