{"id":23025,"date":"2016-09-02T06:00:28","date_gmt":"2016-09-02T04:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/09\/02\/sternengeschichten-folge-197-planetarer-schutz\/"},"modified":"2025-05-14T16:17:34","modified_gmt":"2025-05-14T14:17:34","slug":"sternengeschichten-folge-197-planetarer-schutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/09\/02\/sternengeschichten-folge-197-planetarer-schutz\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 197: Planetarer Schutz"},"content":{"rendered":"<p>Planetarer Schutz! Muss unser Planet gesch\u00fctzt werden? Wenn ja von wem und vor was? Warum hat die NASA ein &#8222;Planetary Protection Office&#8220; und was macht man dort? Die Antwort ist \u00fcberraschend: Es geht um den Schutz von und vor Aliens. Aber nicht so, wie man sich das jetzt vielleicht denkt&#8230;<\/p>\n<p>Und wie immer gibt es weiter unten eine Transkription des Podcasts.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-12938\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Folge k\u00f6nnt ihr euch hier direkt als <a href=\"https:\/\/youtu.be\/wkI_yLdKUBA\">YouTube-Video<\/a> ansehen oder <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podspot.de\/files\/197-SternengeschichtenFolge197.mp3\">direkt runterladen<\/a>. <\/p>\n<p>Den Podcast k\u00f6nnt ihr unter <\/p>\n<p><center><a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten<\/a><\/center><\/p>\n<p>abonnieren beziehungsweise auch bei <a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a> via Torrent beziehen.<\/p>\n<p>Am einfachsten ist es, wenn ihr euch <a href=\"https:\/\/play.google.com\/store\/apps\/details?id=de.danoeh.antennapodsp.sternengeschichten\">die &#8222;Sternengeschichten-App&#8220; f\u00fcrs Handy<\/a> runterladet und den Podcast damit anh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Sternengeschichten gibts nat\u00fcrlich auch bei iTunes (wo ich mich immer \u00fcber Rezensionen und Bewertungen freue) und alle Infos und Links zu den vergangenen Folgen findet ihr unter <a href=\"https:\/\/www.sternengeschichten.org\">https:\/\/www.sternengeschichten.org<\/a>.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es die Sternengeschichten auch <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">bei Facebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">bei Twitter<\/a>.<\/p>\n<p><center><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/wkI_yLdKUBA?showinfo=0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<\/center><\/p>\n<p><b>Transkription<\/b><\/p>\n<p>Sternengeschichten Folge 197: Planetarer Schutz<\/p>\n<p>&#8222;Planetarer Schutz&#8220;. Das klingt nach Science-Fiction-Film; nach einer Einheit von Superhelden oder \u00dcber-Wissenschaftlern, die von einer geheimen Basis aus die Erde vor den Angriffen Au\u00dferirdischer verteidigen. Tats\u00e4chlich hat die amerikanische Raumfahrtagentur NASA sogar ein eigenes B\u00fcro f\u00fcr planetaren Schutz, ein &#8222;Office of Planetary Protection&#8220;. Und dort arbeitet tats\u00e4chlich eine Wissenschaftlerin, die den Titel &#8222;Planetary Protection Officer&#8220; tr\u00e4gt. Aber mit Science-Fiction und Superhelden hat das alles nichts zu tun. Mit Wissenschaft und Aliens allerdings schon ein bisschen&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/aliencat2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/aliencat2.jpg\" alt=\"aliencat2\" width=\"460\" height=\"443\" class=\"aligncenter size-full wp-image-15347\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#8222;Planetarer Schutz&#8220; ist eigentlich der falsche Begriff f\u00fcr die T\u00e4tigkeit um die es geht. In den allermeisten F\u00e4llen soll nicht die Erde gesch\u00fctzt werden, sondern andere Himmelsk\u00f6rper. Weltraumagenturen aller L\u00e4nder schicken ja seit Jahrzehnten Raumsonden quer durchs Sonnensystem. Menschen sind auf dem Mond gelandet und Rover beziehungsweise Landeeinheiten auch auf dem Mars, der Venus, dem Merkur und einigen Asteroiden und Kometen. Wir haben Raumsonden auf Jupiter st\u00fcrzen lassen und auf dem Saturnmond Titan gelandet. Und in Zukunft wird sich diese Aktivit\u00e4t nur noch verst\u00e4rken. Wir werden noch mehr Asteroiden, Planeten und Monde besuchen. Missionen zum Jupitermond Europa oder zum Saturnmond Enceladus sind geplant. Wir wollen den Mars viel genauer erforschen als bisher und vielleicht auch zum Mond zur\u00fcckkehren und wieder Menschen auf die Oberfl\u00e4che anderer Himmelsk\u00f6rper schicken.<\/p>\n<p>All das tun wir aus verschiedensten wissenschaftlichen Gr\u00fcnden. Aber bei vielen Missionen steht ein Punkt ganz oben auf der Liste: Die Suche nach au\u00dferirdischem Leben. Man vermutet nat\u00fcrlich keine intelligenten Aliens irgendwo anders im Sonnensystem. Die h\u00e4tten wir schon l\u00e4ngst bemerkt. Aber es ist durchaus m\u00f6glich, dass sich irgendwo im Marsboden noch ein paar Mikroben befinden. Oder einfaches Leben in den unterirdischen Wasserozeanen von Monden wie Europa oder Enceledaus. Wir wollen die Oberfl\u00e4che und das Gestein von Asteroiden und Kometen untersuchen und hoffen dort Spuren der Molek\u00fcle zu finden, aus denen sich das Leben auf der Erde entwickelt hat.<\/p>\n<p>Um das alles tun zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir aber aufpassen, das wir das Leben das wir suchen nicht selbst von der Erde mitbringen. Dieses Problem nennt sich &#8222;Vorw\u00e4rts-Kontamination&#8220;: Die Raumsonden m\u00fcssen so steril und keimfrei wie m\u00f6glich sein. Es bringt nichts, einen Rover auf dem Mars herumfahren und nach Leben suchen zu lassen, wenn er voll mit Bakterien und Mikroben von der Erde ist. Wenn er dann tats\u00e4chlich irgendwo Leben findet sollte, wei\u00df man ja erst Recht nicht, ob es sich dabei um echtes au\u00dferirdisches Leben vom Mars handelt oder nur mitgeschlepptes irdisches Leben.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher hat man sich darum noch nicht so viele Gedanken gemacht; da ging es vor allem darum, \u00fcberhaupt erstmal irgendwas ins All und auf die Oberfl\u00e4che anderer Himmelsk\u00f6rper zu bekommen. Im Jahr 1967 schickte die NASA beispielsweise die Raumsonde Surveyor 3 auf den Mond. Sie landete dort und machte jede Menge Bilder. Die Kamera der Raumsonde war aber nicht vern\u00fcnftig sterilisiert worden; so wie zu der Zeit eigentlich gar nichts vern\u00fcnftig sterilisiert wurde, was ins Weltall flog. Als dann 1969 die Astronauten von Apollo 12, der zweiten bemannten Mission zum Mond, ganz in der N\u00e4he von Surveyor 3 landeten, haben sie auch Teile davon auseinandergenommen und Proben mit zur Erde gebracht. Unter anderem die Kamera und als man die dann nach der R\u00fcckkehr im Labor untersuchte, fand man dort Streptokokken. Diese Mikroben findet man regelm\u00e4\u00dfig im Rachenraum von Menschen; sie sind enorm wiederstandsf\u00e4hig und k\u00f6nnen auch im Vakuum \u00fcberlebe.<\/p>\n<p>Hat man also Mikroben von der Erde auf den Mond gebracht? Vielleicht. Das l\u00e4sst sich heute nicht mehr so genau sagen. Ebenso wie die Kamera von Surveyor 3 vor dem Start nicht vern\u00fcnftig sterilisiert wurde, wurde sie nach ihrer R\u00fcckkehrt zur Erde nicht unter absolut reinen Bedingungen im Labor untersucht. Es kann genau so gut sein, dass die Streptokokken erst dort bei der Analyse ihren Weg in die Probe gefunden haben. <\/p>\n<p>Auf dem Mond ist zwar sowieso nicht mit Leben zu rechnen; eine entsprechende Verunreinigung w\u00e4re also nicht so tragisch. Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass man irgendwelche gef\u00e4hrlichen &#8222;Alien-Bakterien&#8220; von dort auf der Erde einschleppt. Aber zumindest theoretisch w\u00e4re auch das eine M\u00f6glichkeit, mit der man rechnen muss. Denn neben den Apollo-Astronauten und dem Material das sie vom Mond zur\u00fcck gebracht haben, haben wir mittlerweile auch schon ein paar Proben anderer Himmelsk\u00f6rper zur Erde gebracht. Bis jetzt sind es nur ein paar Staubk\u00f6rnchen von Asteroiden aber in Zukunft sind mehrere solcher &#8222;Sample Return Missionen&#8220; geplanet, bei denen gr\u00f6\u00dfere Mengen von Material zum Beispiel vom Mars zur Erde gebracht werden sollen. W\u00fcrde man so etwaige au\u00dferirdischen Mikroben unbeabsichtigt zur Erde bringen, w\u00e4re das ein Fall von &#8222;R\u00fcckw\u00e4rts-Kontamination&#8220;. Und das will man nat\u00fcrlich ebenfalls vermeiden.<\/p>\n<p>Im &#8222;Weltraumvertrag&#8220;, der mit vollem Titel \u00fcbrigens &#8222;Vertrag \u00fcber die Grunds\u00e4tze zur Regelung der T\u00e4tigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschlie\u00dflich des Mondes und anderer Himmelsk\u00f6rper&#8220; hei\u00dft, haben die unterzeichnenden L\u00e4nder viele Dinge festgehalten. Unter anderem auch dass man sich darum k\u00fcmmern soll, bei der Erforschung anderer Himmelsk\u00f6rper diese nicht durch irdische Lebensformen zu verunreinigen. Und auch das internationale Committee on Space Research (COSPAR), auf deutsch der &#8222;Ausschuss f\u00fcr Weltraumforschung&#8220;, ein weltweiter Dachverband f\u00fcr die Weltraumforschung hat sich dem Thema angenommen. Auf Basis des Weltraumvertrages hat COSPAR f\u00fcnf Kategorien von Missionen geschaffen auf die man sich in Sachen planetarer Schutz abstimmen muss.<\/p>\n<p>Bei der Kategorie I muss man nicht aufpassen. Hier geht es um Missionen zu Himmelsk\u00f6rpern, bei denen man die Entstehung von Leben mehr oder weniger ausschlie\u00dfen kann; Missionen beispielsweise zur Sonne oder zum Merkur. Kategorie II umfasst Missionen zu Himmelsk\u00f6rpern, wo man aufgrund der Bedingungen eigentlich auch nicht mit der Entstehung von Leben rechnet es aber nicht absolut ausschlie\u00dfen kann. Zum Beispiel Fl\u00fcge zum Mond, zur Venus oder zu Kometen. Hier sollte man zumindest genau dokumentieren was man wann und wie gemacht hat und vor allem ob und wo man seine Raumsonden landen oder abst\u00fcrzen hat lassen. <\/p>\n<p>Dann gibt es aber Himmelsk\u00f6rper, bei denen ein gro\u00dfes Interesse an der Suche nach au\u00dferirdischen Leben besteht. Der Mars zum Beispiel oder die schon erw\u00e4hnten Monde Europa oder Enceladus. Hier kann man durchaus optimistisch auf die Suche nach Mikroben gehen und sollte sich daher Gedanken machen, wie man die Missionen entsprechend dekontaminiert. Landet man nicht, sondern fliegt nur vorbei um die Lage aus einer Umlaufbahn zu betrachten, dann handelt es sich um Kategorie III im System von COSPAR und alles muss noch viel sorgf\u00e4ltiger dokumentiert werden. Wenn die Chance besteht, dass die Raumsonde abst\u00fcrzt, sollte man zum Beispiel sehr genau wissen, ob und welche und wie viele organische Substanzen an Bord der Sonde sind. Will man landen, dann handelt es sich um die Kategorie IV und nun muss sicher gestellt werden, dass die Landeeinheit oder gar das gesamte Raumschiff ordentlich sterilisiert ist. Kategorie V behandelt die Anforderungen an Missionen die vorhaben, Proben von anderswo im Sonnensystem zur\u00fcck zur Erde zu bringen. Stammen sie von einem Ort, bei dem man sich nicht sicher ist ob dort Leben entstehen kann oder nicht, dann muss alles was mit dem Zielobjekt und sp\u00e4ter wieder mit der Erde Kontakt hat, sterilisiert werden. <\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr eine derzeit aktive Mission der Kategorie IV w\u00e4re der Marsrover Curiosity; ein Beispiel f\u00fcr eine geplanete Mission der Kategorie ist die <i>Mars 2020 Rover Mission<\/i> bei der nicht nur explizit nach Leben auf dem Mars gesucht sondern auch vielleicht Gestein zur\u00fcck zur Erde gebracht werden soll. <\/p>\n<figure id=\"attachment_7603\" aria-describedby=\"caption-attachment-7603\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/MSL-self-portrait2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/MSL-self-portrait2-scaled.jpg\" alt=\"Hoffentlich sch\u00f6n sauber: Curiosity Bild:  NASA\/JPL-Caltech\/Malin Space Science Systems\" width=\"500\" height=\"695\" class=\"size-medium wp-image-7603\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7603\" class=\"wp-caption-text\">Hoffentlich sch\u00f6n sauber: Curiosity <a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/mission_pages\/msl\/multimedia\/pia16239.html\">Bild:  NASA\/JPL-Caltech\/Malin Space Science Systems<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Nicht alle Wissenschaftler sind \u00fcbrigens der Meinung, dass man sich beim planetaren Schutz solch gro\u00dfe M\u00fche geben muss. Denn auch ganz ohne Menschen landen Steine vom Mars oder Mond auf der Erde, wie ich in Folge 116 der Sternengeschichten erkl\u00e4rt habe. Aber es gibt nicht nur Meteoriten die vom Mars zu uns gekommen sind. Auch Meteoriten von der Erde sind im Laufe der Zeit auf anderen Himmelsk\u00f6rpern gelandet. Es kann also gut sein, dass die irdischen Mikroben schon l\u00e4ngst auf anderen Himmelsk\u00f6rpern Fu\u00df gefasst haben. Oder sogar dass das irdische Leben selbst von anderen Himmelsk\u00f6rpern gekommen ist. Es ist also vielleicht schon alles &#8222;kontaminiert&#8220;, auch ohne unser zutun. <\/p>\n<p>Aber erstens ist es sehr unwahrscheinlich, das gro\u00dfe Mengen an Mikroben zwischen den Planeten hin und her gereist sind. Und zweitens ist es immer noch wissenschaftlich sinnvoll und notwendig, die Instrumente und Raumsonden zu sterilisieren, wenn man entsprechende chemische und biologische Untersuchungen durchf\u00fchren und vern\u00fcnftige Ergebnisse erhalten m\u00f6chte. Es kann ja durchaus sein, dass auf dem Mars schon seit Jahrmillionen irdische Bakterien auf uns warten. Wenn wir dort aber mit einem Rover landen der selbst voll damit ist, werden wir nie herausfinden ob wir das entdecken, was schon lange am Mars war oder das, was wir gerade erst mitgebracht haben.<\/p>\n<p>Und am Ende ist es auch eine Frage der H\u00f6flichkeit: Wenn man einen fremden Ort besucht, dann sollte man dort nicht gleich als erstes alles schmutzig machen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Planetarer Schutz! Muss unser Planet gesch\u00fctzt werden? Wenn ja von wem und vor was? Warum hat die NASA ein &#8222;Planetary Protection Office&#8220; und was macht man dort? Die Antwort ist \u00fcberraschend: Es geht um den Schutz von und vor Aliens. 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