{"id":22993,"date":"2016-08-12T06:00:52","date_gmt":"2016-08-12T04:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/08\/12\/sternengeschichten-folge-194-das-hubble-deep-field\/"},"modified":"2025-05-14T16:17:30","modified_gmt":"2025-05-14T14:17:30","slug":"sternengeschichten-folge-194-das-hubble-deep-field","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/08\/12\/sternengeschichten-folge-194-das-hubble-deep-field\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 194: Das Hubble Deep Field"},"content":{"rendered":"<p>Was passiert, wenn man lange genug das Nichts anstarrt? Nun, dann kriegt man vielleicht Dinge zu sehen, mit denen man absolut nicht gerechnet hat! So ging es zumindest Robert Williams, als er 1995 zehn Tage lang in das &#8222;Hubble Deep Field&#8220; geblick hat&#8230;<\/p>\n<p>Und wie immer gibt es weiter unten eine Transkription des Podcasts.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-12938\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Folge k\u00f6nnt ihr euch hier direkt als <a href=\"https:\/\/youtu.be\/Aib5quhSgHA\">YouTube-Video<\/a> ansehen oder <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podspot.de\/files\/194-SternengeschichtenFolge194.mp3\">direkt runterladen<\/a>. <\/p>\n<p>Den Podcast k\u00f6nnt ihr unter <\/p>\n<p><center><a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten<\/a><\/center><\/p>\n<p>abonnieren beziehungsweise auch bei <a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a> via Torrent beziehen.<\/p>\n<p>Am einfachsten ist es, wenn ihr euch <a href=\"https:\/\/play.google.com\/store\/apps\/details?id=de.danoeh.antennapodsp.sternengeschichten\">die &#8222;Sternengeschichten-App&#8220; f\u00fcrs Handy<\/a> runterladet und den Podcast damit anh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Sternengeschichten gibts nat\u00fcrlich auch bei iTunes (wo ich mich immer \u00fcber Rezensionen und Bewertungen freue) und alle Infos und Links zu den vergangenen Folgen findet ihr unter <a href=\"https:\/\/www.sternengeschichten.org\">https:\/\/www.sternengeschichten.org<\/a>.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es die Sternengeschichten auch <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">bei Facebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">bei Twitter<\/a>.<\/p>\n<p><center><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Aib5quhSgHA?showinfo=0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<\/center><\/p>\n<p><b>Transkription<\/b><\/p>\n<p>Sternengeschichten Folge 194: Das Hubble Deep Field<\/p>\n<p>Zwischen 18. Dezember und 28. Dezember 1995 blickte das Hubble-Weltraumteleskop auf eine winzige Stelle am Himmel. Sie befindet sich im Sternbild des Gro\u00dfen B\u00e4ren und dort war nichts. Nach allem was man bis dahin wusste, war dieser Bereich am Himmel komplett leer. Dort befanden sich so gut wie keine Sterne und auch sonst nichts von Bedeutung. Und trotzdem richtete man das beste Teleskop der damaligen Zeit genau dorthin und machte insgesamt 100 Stunden lang Aufnahmen.<\/p>\n<p>Die Idee f\u00fcr diese Aktion hatte der amerikanische Astronom Robert Williams. Es war eine Idee, die nicht unbedingt bei all seinen Kollegen auf Zustimmung stie\u00df. Normalerweise kann man nicht einfach so nach Lust und Laune mit dem Hubble-Weltraumteleskop (oder irgendein einem anderen Gro\u00dfteleskop) beobachten. Man muss einen Antrag stellen und darin genau begr\u00fcnden, warum man eine Beobachtung durchf\u00fchren will und was f\u00fcr Ergebnisse man sich erhofft. Der Antrag wird von einer Gruppe von Experten gepr\u00fcften. Da es immer mehr Antr\u00e4ge als Beobachtungszeit gibt, stehen die Chancen gut, dass er abgelehnt wird. Und selbst wenn man Erfolg hat, bekommt man im Allgemeinen nur f\u00fcr ein paar Stunden lang die M\u00f6glichkeit, das Teleskop zu nutzen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22819\" aria-describedby=\"caption-attachment-22819\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hubble_Deep_Field_location.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hubble_Deep_Field_location.gif\" alt=\"Noch ist nix zu sehen... (Bild: NASA)\" width=\"500\" height=\"499\" class=\"size-medium wp-image-22819\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22819\" class=\"wp-caption-text\">Noch ist nix zu sehen&#8230; (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Hubble_Deep_Field_location.gif\">Bild: NASA<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>100 Stunden einfach so mal ins Nichts zu schauen um sehen was sich dort tut ist genau die Art von Projekt, die keine Chance auf Genehmigung hat. Aber Williams musste keinen Antrag stellen. Er war zu dieser Zeit Direktor des Space Telescope Science Institutes, also der Einrichtung die das Hubble-Weltraumteleskop verwaltete. Und als Direktor standen ihm 10 Prozent der Beobachtungszeit von Hubble zu mit der er tun konnte, was er wollte. Und Williams wollte die leere Stelle am Himmel betrachten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hatte er sich die Sache vorher schon \u00fcberlegt. Williams war an der Entwicklung von Galaxien interessiert. Das sch\u00f6ne an der Astronomie ist ja, dass man hier in die Vergangenheit schauen kann. Je weiter entfernt ein Objekt ist, desto l\u00e4nger braucht das Licht bis zu uns und desto \u00e4lter ist das Bild, das wir sehen. Es ist aber nicht immer so einfach, weit hinaus ins All zu blicken. Die Sterne der Milchstra\u00dfe, unserer eigenen Galaxien, \u00fcberstrahlen die viel fernenen Objekte. Staub und Gas verstellen uns ebenfalls die Sicht. Und genau deshalb war Williams auf der Suche nach einer Region am Himmel, in der sich absolut nichts befand. Kein Staub, keine Gaswolken, keine Sterne. Wenn man dort lange genug mit einem wirklich guten Teleskop Licht sammelt, dann d\u00fcrfte man nur noch die fernen Galaxien sehen k\u00f6nnen, die f\u00fcr die normalen Teleskope zu schwach leuchten.<\/p>\n<p>Es dauerte ein bisschen, bis er eine passende Region gefunden hatte. Sie musste nicht nur so leer wie m\u00f6glich sein, sondern auch immer im Blickfeld von Hubble liegen damit man <i>wirklich<\/i> lange beobachten konnte. Am Ende einigte man sich auf ein Gebiet im Sternbild Gro\u00dfer B\u00e4r, das ein St\u00fcckchen oberhalb der Deichsel des gro\u00dfen Wagens liegt. Es ist wirklich winzig und ungef\u00e4hr so gro\u00df, wie uns ein Tennisball aus 100 Meter Entfernung erscheinen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der zehn Tage im Dezember 1995 machte Hubble 342 Einzelaufnahmen dieser Region. Die wurden dann nachtr\u00e4glich zu einem einzigen Bild zusammengesetzt und all das gesammelte Licht wurde kombiniert. Das fertige Bild war h\u00f6chst beeindruckend. Da war nichts mit &#8222;leerem Weltall&#8220;! Das ganze Bild war voller Lichtpunkte &#8211; die aber keine Sterne waren! In der winzigen, scheinbar leeren Region des Universums hatte Williams \u00fcber 3000 Galaxien fotografiert!<\/p>\n<figure id=\"attachment_22821\" aria-describedby=\"caption-attachment-22821\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/HubbleDeepField.800px-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/HubbleDeepField.800px-scaled.jpg\" alt=\"Das Hubble Deep Field (Bild: R. Williams (STScI), the Hubble Deep Field Team and NASA)\" width=\"500\" height=\"490\" class=\"size-medium wp-image-22821\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22821\" class=\"wp-caption-text\">Das Hubble Deep Field (<a href=\"https:\/\/hubblesite.org\/newscenter\/archive\/releases\/1996\/01\">Bild: R. Williams (STScI), the Hubble Deep Field Team and NASA<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Manche von ihnen waren nahe, manche weit entfernt und an ihnen lie\u00df sich wunderbar die Entwicklungsgeschichte von Galaxien ablesen. Die weiter entfernten Galaxien entstanden kurz nach dem Urknall und aus ihrer Struktur und Farbe konnten die Astronomen herausfinden, wie viele Sterne damals in ihnen entstanden. Junge Sterne leuchten anders als alte und ein Vergleich mit den n\u00e4heren, \u00e4lteren Galaxien zeigte, dass die Rate der Sternentstehung im Universum im Laufe ihren H\u00f6hepunkt schon \u00fcberschritten hat. 8 bis 10 Milliarden Jahren nach dem Urknall entstanden in den Galaxien die meisten Sterne, von da an ist die Entstehung von Sternen wieder zur\u00fcck gegangen. <\/p>\n<p>Die Kosmologen waren begeistert von der Datenf\u00fclle, die dieses einzelne Bild enthielt. Fast 500 Fachartikel wurden bis heute dar\u00fcber verfasst und es ist eine der wichtigsten Informationsquellen was die Entwicklung des Universums und der Galaxien angeht. Das &#8222;Hubble Deep Field&#8220;, wie das Bild offiziell hei\u00dft, war einer der gr\u00f6\u00dften Erfolge des Weltraumteleskops und ein paar Jahre sp\u00e4ter wiederholte man das Projekt. Dieses mal suchte man sich eine Stelle am s\u00fcdlichen Himmel aus, die dem originalen Deep Field m\u00f6glichst genau gegen\u00fcber lag. Dieses &#8222;Hubble Deep Field South&#8220; sah dem urspr\u00fcnglichen Deep Field enorm \u00e4hnlich. Die Galaxien zeigten das gleiche Verhalten und die gleiche Entwicklung. <\/p>\n<p>Dadurch wurde auch das sogenannte kosmologische Prinzip best\u00e4tigt (\u00fcber das ich in Folge 113 der Sternengeschichten schon mehr erz\u00e4hlt habe): Das Universum sieht im wesentlichen \u00fcberall gleich aus. Es gibt keine besonderen Orte; egal in welche Richtung man schaut. <\/p>\n<p>Zwischen September 2003 und Januar 2004 wurde das Experiment ein weiteres Mal wiederholt. Ein St\u00fcck westlich des Sternbilds Orion beobachtete das Hubble-Weltraumteleskop erneut ein winziges St\u00fcck leeren Himmel. Diesmal betrug die kombinierte Belichtungszeit 11,3 Tage und man hat 800 Einzelaufnahmen zusammengesetzt. Auf dem fertigen Bild &#8211; dem Hubble Ultra Deep Field &#8211; waren mehr als 10.000  Galaxien zu sehen! Von den entferntesten Galaxien die auf der Aufnahme enthalten sind, hat das Licht \u00fcber 13 Milliarden Jahre zu uns gebracht, sie geh\u00f6ren also zu den j\u00fcngsten Objekten, die kurz nach dem Urknall entstanden sind. <\/p>\n<p>Das Hubble Ultra Deep Field best\u00e4tigte auch eine Beobachtung die man schon beim ersten Deep Field gemacht hatte: Je weiter man zur\u00fcck blickte, desto mehr irregul\u00e4re Galaxien waren zu sehen. Au\u00dferdem sind die Galaxien umso kleiner, je weiter weg &#8211; also je j\u00fcnger sie sind. Die ersten Galaxien im Universum waren also anscheinend eher vergleichsweise kleine Anh\u00e4ufungen von Sternen die noch nicht die ausgepr\u00e4gte Spiralform von sp\u00e4ter entstandenen Galaxien wie unserer Milchstra\u00dfe hatten. <\/p>\n<p>Lange Zeit war das Hubble Ultra Deep Field die tiefste hochaufgel\u00f6ste Aufnahme des Himmels. H\u00e4tte Hubble den kompletten Himmel mit dieser Aufl\u00f6sung beobachten wollen, h\u00e4tte es daf\u00fcr \u00fcber eine Million Jahre gebraucht&#8230;<\/p>\n<figure id=\"attachment_22820\" aria-describedby=\"caption-attachment-22820\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/NASA-HS201427a-HubbleUltraDeepField2014-20140603.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/NASA-HS201427a-HubbleUltraDeepField2014-20140603.jpg\" alt=\"Das Hubble Ultra Deep Field (Bild: NASA, ESA, H. Teplitz and M. Rafelski (IPAC\/Caltech), A. Koekemoer (STScI), R. Windhorst (Arizona State University), and Z. Levay (STScI))\" width=\"500\" height=\"457\" class=\"size-medium wp-image-22820\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22820\" class=\"wp-caption-text\">Das Hubble Ultra Deep Field (<a href=\"https:\/\/hubblesite.org\/newscenter\/archive\/releases\/2014\/27\">Bild: NASA, ESA, H. Teplitz and M. Rafelski (IPAC\/Caltech), A. Koekemoer (STScI), R. Windhorst (Arizona State University), and Z. Levay (STScI)<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die bisher letzte tiefe Aufnahme des Himmels ist das Hubble Extreme Deep Field. Es wurde im September 2012 ver\u00f6ffentlicht und aus Aufnahmen zusammengesetzt die man in den 10 Jahren davor gesammelt hatte. Insgesamt entspricht das Bild einer Beobachtungsdauer von 23 Tagen; die abgebildete Region ist aber ein wenig kleiner als das Hubble Ultra Deep Field und enth\u00e4lt nur 5500 Galaxien. Die sind daf\u00fcr aber <i>wirklich<\/i> weit weg. Man kann dort Galaxien sehen, deren Licht zehn Milliarden Mal schw\u00e4cher leuchtet als das, was unsere Augen sehen k\u00f6nnen. Manche dieser Galaxien sind so weit weg, dass wir sie in einem Zustand sehen, den sie nur 450 Millionen Jahre nach dem Urknall hatten.<\/p>\n<p>Die Deep Field Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops geh\u00f6ren zu den wichtigsten Bildern, die die beobachtende Astronomie bis jetzt produziert hat. Manchmal lohnt es sich eben, wenn man lange genug ins Nichts blickt&#8230;  \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/83f4defb981342cfb354b1595fa589c8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was passiert, wenn man lange genug das Nichts anstarrt? Nun, dann kriegt man vielleicht Dinge zu sehen, mit denen man absolut nicht gerechnet hat! 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