{"id":22902,"date":"2016-06-14T06:05:21","date_gmt":"2016-06-14T04:05:21","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/06\/14\/elizabeth-rona-die-radiochemie-und-die-gefaehrlich-nuetzliche-radioaktive-strahlung\/"},"modified":"2025-05-14T16:17:19","modified_gmt":"2025-05-14T14:17:19","slug":"elizabeth-rona-die-radiochemie-und-die-gefaehrlich-nuetzliche-radioaktive-strahlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/06\/14\/elizabeth-rona-die-radiochemie-und-die-gefaehrlich-nuetzliche-radioaktive-strahlung\/","title":{"rendered":"Elizabeth Rona, die Radiochemie und die gef\u00e4hrlich-n\u00fctzliche radioaktive Strahlung"},"content":{"rendered":"<p>Heute Abend spielt bei der Fu\u00dfball-Europameisterschaft \u00d6sterreich gegen Ungarn (Wer sich in Wien aufh\u00e4lt und Lust hat: Im Vorfeld des Spiels werden Martin Puntigam und ich in unserer Funktion als <i>Science Busters<\/i> im <a href=\"https:\/\/www.wuk.at\/event\/id\/18323\">FM4 EM-Quartier im WUK<\/a> vor dem Spiel ein wenig \u00fcber Ungarn und seine Wissenschaft plaudern). Ein Spiel mit Tradition: Gegen Ungarn hat \u00d6sterreich im Jahr 1902 sein erstes offizielles L\u00e4nderspiel durchgef\u00fchrt (und 5:0 gewonnen). Bis heute sind diesem ersten Spiel 135 weitere gefolgt; mehr als gegen jedes andere Land. Noch mehr Tradition als \u00f6sterreichisch-ungarischer Fu\u00dfball hat aber die ungarische Wissenschaft und darum geht es heute in <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/category\/wissenschafts-em\/\">meiner Serie um Forschung aus den EM-Teilnehmerl\u00e4ndern<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Flag_of_Austria-Hungary_1869-1918.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Flag_of_Austria-Hungary_1869-1918.svg_.png\" alt=\"Flag_of_Austria-Hungary_(1869-1918).svg\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-22544\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Le%C3%B3_Szil%C3%A1rd\">Le\u00f3 Szil\u00e1rd<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Edward_Teller\">Edward Teller<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eugene_Wigner\">Eugene Wigner<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_von_Neumann\">John von Neumann<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Erd%C5%91s\">Paul Erd\u0151s<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Theodore_von_K%C3%A1rm%C3%A1n\">Theodore von K\u00e1rm\u00e1n<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ignaz_Semmelweis\">Ignaz Semmelweis<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Farkas_Wolfgang_Bolyai\">Farkas<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/J%C3%A1nos_Bolyai\">J\u00e1nos Bolyai<\/a>: Ungarische Namen sind zahlreich unter den gro\u00dfen Wissenschaftlern der Vergangenheit vertreten. Das kleine Land hat immerhin 11 Nobelpreistr\u00e4ger aus den Wissenschaftskategorien hervor gebracht (mehr, wenn man die unklaren F\u00e4lle aus der Zeit \u00d6sterreich-Ungarns mitz\u00e4hlt. Aber wie so oft sind es die <i>Wissenschaftlerinnen<\/i>, die trotz ihrer Leistungen bei weitem nicht so bekannt sind, wie sie es sein sollten. <\/p>\n<p>Zum Beispiel Elizabeth Rona. Sie wurde am 20. M\u00e4rz 1890 in Budapest geboren. Ihr Vater war Arzt und vor allem vom <i>Radium<\/i> begeistert. Diese radioaktive chemische Element wurde erst 1898 von Marie und Pierre Curie entdeckt und Elizabeths Vater versuchte es bei der Behandlung von Hautkrankheiten einzusetzen. Elizabeth selbst war auch an der Naturwissenschaft interessiert und begann 1909 ein Studium an der Uni Budapest.<\/p>\n<p>Danach ging sie nach Karlsruhe und arbeitete dort mit dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kasimir_Fajans\">Physiker Kasimir Fajans<\/a> zusammen. Glaubt man Wikipedia, dann hat er &#8211; nicht alleine aber auch &#8211; etwas entdeckt, dass er &#8222;Pliaden&#8220; nannte. Das klingt so wie die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Plejaden\">sch\u00f6ne Sterngruppe<\/a>; ist aber das was man heute &#8222;Isotope&#8220; nennt (ich bin mir aber nicht sicher, inwiefern man Wikipedia hier vertrauen kann &#8211; dieses Wort habe ich sonst nirgends gefunden). Isotope sind Variationen chemischer Elemente, deren Atomkerne unterschiedlich viele Neutronen im Kern enthalten. Ein Atomkern besteht aus Protonen und Neutronen und w\u00e4hrend die Zahl der Protonen die chemischen Eigenschaften bestimmt, jedes chemische Element also immer genau gleich viele Protonen enthalten muss, gibt es bei den Neutronen M\u00f6glichkeit zur Variation. Ist das Verh\u00e4ltnis von Protonen und Neutronen aber nicht mehr ausgewogen, dann wird das Atom instabil.<\/p>\n<p>Viele Isotope chemischer Elemente sind daher radioaktiv (das ist ja nur ein anderes Wort f\u00fcr ein instabiles Atom, das zerf\u00e4llt) und Rona hat unter anderem erforscht, wie sich die unterschiedlichen Arten radioaktiver Isotope verhalten. Sie forschte in Karlsruhe, Wien und Berlin und arbeitete unter anderem mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_Hahn\">Otto Hahn<\/a> zusammen. Dabei wies sie die Existenz des Elements Thorium-231 nach und arbeitete gemeinsam mit ihren Kollegen daran, radioaktive Isotope als Markierung bei der Untersuchung chemischer Reaktionen zu benutzen. <\/p>\n<figure id=\"attachment_22545\" aria-describedby=\"caption-attachment-22545\" style=\"width: 446px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/PET-MIPS-anim.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/PET-MIPS-anim.gif\" alt=\"PET-Scan (Bild: gemeinfrei)\" width=\"446\" height=\"672\" class=\"size-full wp-image-22545\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22545\" class=\"wp-caption-text\">PET-Scan (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:PET-MIPS-anim.gif\">Bild: gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese Methode ist auch heute noch von gro\u00dfer Bedeutung. In der Nuklearmedizin verwendet man geringste radioaktive Substanzen die in den Stoffwechsel eingebracht werden und so leicht verfolgt werden k\u00f6nnen. Man kann dann sehen, was genau im K\u00f6rper passiert und wo es Probleme gibt. Wer sich zum Beispiel einer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Positronen-Emissions-Tomographie\">Positronen-Emissions-Tomographie (PET)<\/a> unterziehen muss, trinkt vorher eine Fl\u00fcssigkeit die ein wenig radioaktives Material enth\u00e4lt; sogenannte <i>&#8222;Tracer&#8220;<\/i>: Ein Wort, das von Rona eingef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter hat Rona bei Irene Curie, der Tochter von Marie Curie in Paris gearbeitet und dort unter anderem erforscht wie man radioaktive Isotope am besten voneinander trennt &#8211; zum Beispiel wie man Plutonium isoliert. Ab 1924 war sie am Institut f\u00fcr Radiumforschung in Wien t\u00e4tig und hat 1933 von der \u00f6sterreichischen Akademie der Wissenschaft <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haitinger-Preis\">den Haitinger-Preis<\/a> verliehen bekommen (ziemlich \u00fcberraschend f\u00fcr eine j\u00fcdische Frau im \u00d6sterreich der 1930er Jahre&#8230;)<\/p>\n<p>1938 musste Rona dann aber doch aus \u00d6sterreich fliehen und emigrierte in die USA. Dort forschte sie weiter und hat unter anderem untersucht wie man die Menge an radioaktiven Elementen in Meer- und Flusswasser misst und mit radioaktiven Elementen Sedimentschichten datieren kann. Als jemand, der sich mit der Trennung und Aufbereitung radioaktiver Elemente auskennt, ist sie nat\u00fcrlich auch kontaktiert worden, als die USA das Manhattan Projekt zum Bau der ersten Atombombe gestartet haben. Im Gegensatz zu ihren ungarischen Kollegen Edward Teller, Le\u00f3 Szil\u00e1rd, Eugene Wigener und John von Neumann hat Elizabeth Rona aber nie direkt mitgearbeitet. Ihre Forschungsergebnisse wurden aber durchaus benutzt; nicht nur f\u00fcr das Manhattan-Projekt sondern auch um den medizinischen Einfluss radioaktiver Strahlung auf den Menschen  abzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Dass die Gefahren nicht so gering sind, wie man fr\u00fcher dachte, war Rona aber schon recht bald in ihrer Karriere klar. Andere sahen das anfangs ja eher locker. Der sorglose Umgang von Pionieren bei der Erforschung radioaktiver Elemente f\u00fchrte dann ja leider auch oft zu deren fr\u00fchen Tod, wie zum Beispiel bei Marie Curie. Rona war \u00fcberzeugt, dass man ein wenig vorsichtiger sein m\u00fcsse. Das kam nicht immer gut an: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stefan_Meyer_(Physiker)\">Stefan Meyer<\/a>, Ronas Chef am Radiuminstitut in Wien meinte beispieslweise, man m\u00fcsste sich nicht gro\u00df um Schutzma\u00dfnahmen k\u00fcmmern und verweigerte Rona Schutzmasken aus dem Budget der Universit\u00e4t. Sie besorgte sich daraufhin welche auf eigene Kosten und das war offensichtlich eine gute Idee. Sie wurde immerhin 91 Jahre alt und starb am 27. Juli 1981.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22546\" aria-describedby=\"caption-attachment-22546\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Institut_fuer_Radiumforschung_Wien_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Institut_fuer_Radiumforschung_Wien_2.jpg\" alt=\"Institut f\u00fcr Radiumforschung in Wien (Bild: Dr Bernd Gross, CC-BY-SA 4.0)\" width=\"500\" height=\"546\" class=\"size-medium wp-image-22546\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22546\" class=\"wp-caption-text\">Institut f\u00fcr Radiumforschung in Wien (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:Institut_f%C3%BCr_Radiumforschung_Wien_2.jpg\">Bild: Dr Bernd Gross<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.enhttps:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.en\">CC-BY-SA 4.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein wenig zur Biografie Elizabeth Ronas findet man im Sammelband <a rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3527329560\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3527329560&#038;linkCode=as2&#038;tag=astrodisimple-21\">&#8222;European Women in Chemistry&#8220;<\/a><a href=\"#amazoninfo\">*<\/a>; f\u00fcr ihre wissenschaftliche Autobiografie <i>&#8222;How it came about: Radioactivity, nuclear physics, atomic energy&#8220;<\/i> aus dem Jahr 1978 habe ich bis jetzt leider Bezugsquelle gefunden (ebenso wenig wie ein Foto von ihr unter freier Lizenz).<\/p>\n<p><i>P.S. Hinweise und Vorschl\u00e4ge f\u00fcr andere interessante Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den EM-L\u00e4ndern nehme ich gerne in den Kommentaren entgegen!<\/i><\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\"><a name=\"amazoninfo\">*Affiliate-Links<\/a><\/span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/df6ff338ccaf437d968270f544ec06aa\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute Abend spielt bei der Fu\u00dfball-Europameisterschaft \u00d6sterreich gegen Ungarn (Wer sich in Wien aufh\u00e4lt und Lust hat: Im Vorfeld des Spiels werden Martin Puntigam und ich in unserer Funktion als Science Busters im FM4 EM-Quartier im WUK vor dem Spiel ein wenig \u00fcber Ungarn und seine Wissenschaft plaudern). 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