{"id":22890,"date":"2016-06-07T06:00:19","date_gmt":"2016-06-07T04:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/06\/07\/astronomische-sternenzerstoerer-der-schnelle-weg-zum-braunen-zwerg\/"},"modified":"2025-05-14T16:17:12","modified_gmt":"2025-05-14T14:17:12","slug":"astronomische-sternenzerstoerer-der-schnelle-weg-zum-braunen-zwerg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/06\/07\/astronomische-sternenzerstoerer-der-schnelle-weg-zum-braunen-zwerg\/","title":{"rendered":"Astronomische Sternenzerst\u00f6rer: Der schnelle Weg zum braunen Zwerg"},"content":{"rendered":"<p>Sterne sind ewig, dachte man fr\u00fcher. Sie w\u00e4ren immer schon da gewesen und w\u00fcrde auch bis in alle Ewigkeit am Himmel stehen. Das dachte man haupts\u00e4chlich aus philosophischen und religi\u00f6sen Gr\u00fcnden und weil man keine M\u00f6glichkeit hatte, verl\u00e4ssliche Informationen \u00fcber die wahre Natur der hellen Lichter am Himmel zu erhalten. Es war zwar klar, dass ewige Sterne <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/02\/10\/warum-ist-es-nachts-dunkel\/\">zu gewissen Widerspr\u00fcchen f\u00fchren<\/a>. Aber Alternativen konnte man sich auch nicht so richtig vorstellen.<\/p>\n<p>Heute wissen wir, dass Sterne entstehen und auch wieder vergehen k\u00f6nnen. Sie werden geboren und sie sterben und existieren dazwischen f\u00fcr einige Millionen oder Milliarden Jahre. Unsere Sonne hat sich vor 4,5 Milliarden Jahren gebildet und wir in etwa 6 Milliarden Jahren aufh\u00f6ren, ein normaler Stern zu sein. Wenn in den Kernen der Sterne kein Wasserstoff mehr vorhanden ist um die Kernfusion aufrecht zu erhalten, k\u00f6nnen sie nicht mehr stabil sein. Die Gravitationskraft der Sternenmaterie nimmt \u00fcberhand und die Himmelsk\u00f6rper fallen in sich zusammen. Sie werden zu kleinen, kompakten Objekten wie Neutronensternen oder wei\u00dfe Zwerge. <\/p>\n<figure id=\"attachment_22513\" aria-describedby=\"caption-attachment-22513\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sternzyklus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sternzyklus.jpg\" alt=\"Entwicklungsstufen eines sonnen\u00e4hnlichen Sterns (Bild: ESO\/S. Steinh\u00f6fel)\" width=\"500\" height=\"353\" class=\"size-medium wp-image-22513\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22513\" class=\"wp-caption-text\">Entwicklungsstufen eines sonnen\u00e4hnlichen Sterns (<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/images\/eso0948a\/\">Bild: ESO\/S. Steinh\u00f6fel<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Manchmal geht es aber auch schneller. Manchmal endet das Leben eines Sterns nicht auf nat\u00fcrliche Art und Weise. Unter gewissen Umst\u00e4nden kann er regelrecht zerst\u00f6rt werden und so einen Fall haben nun Astronomen um Juan Hern\u00e1ndez Santisteban von der Universit\u00e4t Southhampton dokumentiert (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1605.07132\">&#8222;An irradiated brown-dwarf companion to an accreting white dwarf&#8220;<\/a>). Es geht dabei um ein Objekt mit der Bezeichnung <i>SDSS J143317.78+101123.3<\/i> oder kurz &#8222;J1433&#8220;. Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelstern, sondern um ein Doppelsystem das aus einem wei\u00dfen Zwerg und einem braunen Zwerg besteht.<\/p>\n<p>Wei\u00dfe Zwerge sind &#8211; wie oben schon angedeutet &#8211; das was \u00fcbrig bleibt wenn ein kleiner Stern wie unsere Sonne keinen Brennstoff mehr hat. Der wei\u00dfe Zwerg in J1433 war also fr\u00fcher mal ein echter Stern. <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/08\/22\/sternengeschichten-folge-91-braune-zwerge\/\">Braune Zwerge<\/a> dagegen haben es gar nicht bis zum Stern geschafft. Sie haben zu wenig Masse, um in ihrem Inneren dauerhaft Wasserstoff zu Helium zu fusionieren. Nur dass das bei J1433 ein wenig anders gelaufen ist. Der dortige braune Zwerg <i>war<\/i> fr\u00fcher ein Stern. Aber da der Abstand zwischen ihm und dem wei\u00dfen Zwerg so gering ist, hat er viel seiner Masse verloren. Materie ist von ihm zum wei\u00dfen Zwerg gewandert, bis er irgendwann die n\u00f6tige Massengrenze unterschritten und aufgeh\u00f6rt hat, ein Stern zu sein.<\/p>\n<p>Hern\u00e1ndez Santisteban und seine Kollegen haben das durch spektroskopische Beobachtungen und Computermodelle heraus gefunden. Normalerweise ist es bei so engen Systemen schwer, Informationen \u00fcber einzelne Objekte zu erhalten. Man sieht immer nur das kombinierte Licht beider Komponenten. Aber die Astronomen haben hier ein Modell des wei\u00dfen Zwergs erstellt mit denen es ihnen m\u00f6glich war, vorherzusagen, was an Licht zu erwarten ist und konnten so das Licht des braunen Zwergs isolieren. Sie haben so sehr viel mehr Informationen \u00fcber das System erhalten, als vorher m\u00f6glich war. Der wei\u00dfe Zwerg wird demnach alle 78 Stunden vom braunen Zwerg umkreist, der 58 mal schwerer als Jupiter als. Damit liegt er klar unter der f\u00fcr die Wasserstoff-Fusion n\u00f6tigen Massengrenze von 75 Jupitermassen. <\/p>\n<p>Diese Daten passen auch gut zu der Ver\u00e4nderung der Helligkeit die man bei J1433 beobachten kann. Beide Objekte bedecken sich ja gegenseitig regelm\u00e4\u00dfig und verursachen dadurch Lichtschwankungen. Da sich die beiden so eng umkreisen, sind aber auch andere Effekte relevant. Die Himmelsk\u00f6rper werden verformt und sind nicht mehr sph\u00e4risch, sondern eher ellipsoid, was ebenfalls Helligkeits\u00e4nderungen verursacht (je nachdem, ob wir gerade auf die &#8222;breite&#8220; oder &#8222;schmale&#8220; Seite der Objekte blicken). Au\u00dferdem heizt der wei\u00dfe Zwerg mit seiner Strahlung den braunen Zwerg auf; seine Tag- und Nachtseite sind deutlich unterschiedlich hell. <\/p>\n<p>Dass der braune Zwerg in diesem System immer schon ein brauner Zwerg war, k\u00f6nnen Hern\u00e1ndez Santisteban und seine Kollegen ausschlie\u00dfen bzw. halten es f\u00fcr extrem unwahrscheinlich. Wenn Masse von einem Himmelsk\u00f6rper zum anderen wandert, \u00e4ndert sich dadurch auch seine Umlaufzeit. Und bei J1433 passt sie genau zu dem &#8222;Zerst\u00f6rungs&#8220;-Szenario und nicht zu einem System, in dem sich immer schon ein brauner Zwerg und ein Stern friedlich umkreist haben. <\/p>\n<p>Das Universum ist nicht immer freundlich. Und manchmal erwischt es selbst die Sterne&#8230;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/b91938d6df8c49a28e83c68e7b991195\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sterne sind ewig, dachte man fr\u00fcher. Sie w\u00e4ren immer schon da gewesen und w\u00fcrde auch bis in alle Ewigkeit am Himmel stehen. Das dachte man haupts\u00e4chlich aus philosophischen und religi\u00f6sen Gr\u00fcnden und weil man keine M\u00f6glichkeit hatte, verl\u00e4ssliche Informationen \u00fcber die wahre Natur der hellen Lichter am Himmel zu erhalten. 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