{"id":22800,"date":"2016-05-12T06:00:07","date_gmt":"2016-05-12T04:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/05\/12\/der-groesste-namenlose-himmelskoerper-im-sonnensystem-ist-noch-groesser-als-gedacht\/"},"modified":"2025-05-14T16:17:03","modified_gmt":"2025-05-14T14:17:03","slug":"der-groesste-namenlose-himmelskoerper-im-sonnensystem-ist-noch-groesser-als-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/05\/12\/der-groesste-namenlose-himmelskoerper-im-sonnensystem-ist-noch-groesser-als-gedacht\/","title":{"rendered":"Der gr\u00f6\u00dfte namenlose Himmelsk\u00f6rper im Sonnensystem ist noch gr\u00f6\u00dfer als gedacht"},"content":{"rendered":"<p>2007 OR10. Das ist die provisorische Bezeichnung eines Himmelsk\u00f6rpers im \u00e4u\u00dferen Sonnensystem. Es ist die typische Kombination aus Zahlen und Buchstaben, die jeder neu entdeckte Asteroid bekommt. Wenn seine Umlaufbahn dann durch weitere Beobachtungen ausreichend gut bestimmt ist, bekommt er eine offizielle fortlaufende Nummer. In diesem Fall ist das die 225088. Sobald der Asteroid eine Nummer hat, haben die Entdecker auch das Recht, dem Asteroid einen Namen zu geben. In diesem Fall ist das noch nicht geschehen. Aber es w\u00e4re durchaus angebracht, denn 2007 OR10 ist der gr\u00f6\u00dfte noch namenlose Himmelsk\u00f6rper des Sonnensystems. Das war er auch schon, als man noch dachte, er h\u00e4tte nur einen Durchmesser von knapp 1280 Kilometern. Und er ist es jetzt noch mehr, denn der ungarische Astronom Andr\u00e1s P\u00e1l und seine Kollegen haben k\u00fcrzlich eine Arbeit ver\u00f6ffentlicht laut der 2007 OR10 einen Durchmesser von 1535 Kilometern hat. Damit geh\u00f6rt er zu den gr\u00f6\u00dften bekannten Asteroiden; er ist gr\u00f6\u00dfer als <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/09\/22\/haumea-der-funfte-zwergplanet\/?all=1\">Haumea<\/a> und <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/11\/26\/makemake-hat-keine-atmosphare\/?all=1\">Makemake<\/a>, zwei der vier derzeit offiziell anerkannten <i>Zwergplaneten<\/i> im \u00e4u\u00dferen Sonnensystem und auch gr\u00f6\u00dfer als Ceres, der gr\u00f6\u00dfte Asteroid und (einziger) Zwergplanet im inneren Sonnensystem.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22291\" aria-describedby=\"caption-attachment-22291\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler20160511.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler20160511.jpg\" alt=\"Bild: Konkoly Observatory\/Andr\u00e1s P\u00e1l, Hungarian Astronomical Association\/Iv\u00e1n \u00c9der, NASA\/JHUAPL\/SwRI\" width=\"500\" height=\"281\" class=\"size-medium wp-image-22291\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22291\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.jpl.nasa.gov\/news\/news.php?feature=6509\">Bild: Konkoly Observatory\/Andr\u00e1s P\u00e1l, Hungarian Astronomical Association\/Iv\u00e1n \u00c9der, NASA\/JHUAPL\/SwRI<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Dass 2007 OR10 deutlich gr\u00f6\u00dfer ist als gedacht, haben P\u00e1l und seine Kollegen durch die Auswertung von Daten der Weltraumteleskope Kepler und Herschel herausgefunden (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1603.03090\">&#8222;Large size and slow rotation of the trans-Neptunian object (225088) 2007 OR10 discovered from Herschel and K2 observations&#8220;<\/a>). Die Gr\u00f6\u00dfe von Asteroiden zu bestimmen ist knifflig. Im Allgemeinen sind sie nur als Lichtpunkt im Teleskop zu sehen und es bleibt einem nichts anderes \u00fcbrig als aus der Helligkeit auf die Gr\u00f6\u00dfe zu schlie\u00dfen. Je heller, desto gr\u00f6\u00dfer lautet die Faustregel, die aber eben nur eine grobe Sch\u00e4tzung ist. Denn ein Asteroid kann eine sehr stark reflektierende Oberfl\u00e4che haben (was bei den eisigen Objekten im \u00e4u\u00dferen Sonnensystem nicht ungew\u00f6hnlich ist) und dadurch gr\u00f6\u00dfer erscheinen als er eigentlich ist. Oder seine Oberfl\u00e4che kann dunkel sein und ihn im Teleskop kleiner machen. <\/p>\n<p>Netterweise hat sich 2007 OR10 aber durch das Bildfeld des Kepler-Weltraumteleskops bewegt. Mit den dabei gewonnenen Aufnahmen (und Bilder des Weltraumteleskops Herschel) konnten die Astronomen nun Informationen \u00fcber die Rotation des Asteroiden sammeln. Wenn ein Asteroid rotiert, dann \u00e4ndert sich dadurch auch seine Helligkeit. Nur wenn es sich um einen komplett symmetrischen K\u00f6rper mit v\u00f6llig gleichf\u00f6rmiger Oberfl\u00e4che handeln w\u00fcrde, w\u00e4re die Helligkeit immer gleich. Aber das ist in der Realit\u00e4t nie der Fall. Bei 2007 OR10 waren die Helligkeits\u00e4nderungen zwar nur schwach, aber doch sichtbar, wie dieses Video zeigt:<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/5ucT3dBcGrk?showinfo=0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/center><\/p>\n<p>Daraus haben P\u00e1l und seine Kollegen ein Modell der Form und Gr\u00f6\u00dfe des Asteroiden erstellt, das zu den Helligkeits\u00e4nderungen passt. Und daraus folgt die nun nach oben korrigierte neue Gr\u00f6\u00dfe des Himmelsk\u00f6rpers. Demnach ist der Asteroid dunkler als erwartet und braucht erstaunlich lange 45 Stunden f\u00fcr eine Drehung um seine eigene Achse. P\u00e1l vermutet auch, dass die Oberfl\u00e4che von Methan-, Stickstoff- und Kohlenmonoxideis bedeckt ist. <\/p>\n<p>Mehr Details \u00fcber 2007 OR10 herauszufinden wird schwierig werden. Der Himmelsk\u00f6rper bewegt sich tief im \u00e4u\u00dferen Sonnensystem; am sonnenfernsten Punkt seiner Bahn ist er 100 Mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Er wird weiterhin nur ein kaum sichtbarer Lichtpunkt in den Teleskopen der Astronomen bleiben. Aber es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn er zumindest einen vern\u00fcnftigen Namen bekommen w\u00fcrde und man nicht immer &#8222;2007 OR10&#8220; schreiben m\u00fcsste. Zust\u00e4ndig f\u00fcr die Benennung sind Meg Schwamb, Michael Brown (der mit seinem Team auf f\u00fcr die Entdeckung anderer gro\u00dfer Himmelsk\u00f6rper im Sonnensystem verantwortlich ist, darunter unter anderem Eris, Haumea, Makemake, Sedna und Quaoar) und David Rabinowitz, die den Asteroid im Jahr 2007 entdeckt haben. Bis jetzt haben sie auf eine Namensgebung verzichtet. Sie wollten dem Objekt nicht einfach irgendeinen Namen geben sondern einen, der zu seinen Eigenschaften passt. Aber, wie <a href=\"https:\/\/www.jpl.nasa.gov\/news\/news.php?feature=6509\">Schwamb nun sagte<\/a>, mittlerweile ist dieser Punkt erreicht und es wird nicht mehr lange dauern, bis ein richtiger Name f\u00fcr 2007 OR10 ausgesucht wird.<\/p>\n<p>Ich bin schon gespannt, wie diese Welt am Ende hei\u00dfen wird. Bis jetzt haben sich die Astronomen um den Asteroiden-Experten Michael Brown ja immer sehr sch\u00f6ne und passende Namen einfallen lassen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/3e26c9744a1f4f8a84baab629baae477\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2007 OR10. Das ist die provisorische Bezeichnung eines Himmelsk\u00f6rpers im \u00e4u\u00dferen Sonnensystem. Es ist die typische Kombination aus Zahlen und Buchstaben, die jeder neu entdeckte Asteroid bekommt. 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