{"id":22796,"date":"2016-05-11T05:00:22","date_gmt":"2016-05-11T03:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/05\/11\/die-falsch-positiv-wahrscheinlichkeiten-der-kepler-objects-of-interest-aka-die-entdeckung-von-1248-neuen-planeten\/"},"modified":"2025-05-14T16:17:03","modified_gmt":"2025-05-14T14:17:03","slug":"die-falsch-positiv-wahrscheinlichkeiten-der-kepler-objects-of-interest-aka-die-entdeckung-von-1248-neuen-planeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/05\/11\/die-falsch-positiv-wahrscheinlichkeiten-der-kepler-objects-of-interest-aka-die-entdeckung-von-1248-neuen-planeten\/","title":{"rendered":"Die Falsch-Positiv-Wahrscheinlichkeiten der Kepler &#8222;Objects of Interest&#8220; (aka Die Entdeckung von 1248 neuen Planeten)"},"content":{"rendered":"<p>Es hat sich vermutlich schon herum gesprochen: Die NASA hat gestern <a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/press-release\/nasas-kepler-mission-announces-largest-collection-of-planets-ever-discovered\">die bisher gr\u00f6\u00dfte Sammlung an neu entdecken Planeten ver\u00f6ffentlicht<\/a>. Zu den bisher bekannten 2125 extrasolaren Planeten sind nun auf einen Schlag 1248 neue Planeten anderer Sterne hinzu gekommen. Das ist ein sch\u00f6nes Resultat und wichtiges Resultat. Aber eine &#8222;Entdeckung&#8220; im eigentlichen Sinn ist es nicht. Denn &#8222;entdeckt&#8220; wurde nichts, auch wenn das der Fokus der meisten Berichte \u00fcber das Thema ist, die ich bisher gelesen habe. Was an dieser Arbeit meiner Meinung nach eigentlich interessant ist, m\u00f6chte ich in diesem Artikel kurz erkl\u00e4ren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22280\" aria-describedby=\"caption-attachment-22280\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler_all-planets_may2016-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler_all-planets_may2016-scaled.jpg\" alt=\"Hurra! Bei der NASA gibts viele neue k\u00fcnstlerische Darstellungen von Planeten; angeordnet in einem himmelsmechanisch komplett instabilen und \u00fcberf\u00fcllten System! (Bild: NASA\/W.Stenzel)\" width=\"500\" height=\"340\" class=\"size-medium wp-image-22280\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22280\" class=\"wp-caption-text\">Hurra! Bei der NASA gibts viele neue k\u00fcnstlerische Darstellungen von Planeten; angeordnet in einem himmelsmechanisch komplett instabilen und \u00fcberf\u00fcllten System! (<a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/press-release\/nasas-kepler-mission-announces-largest-collection-of-planets-ever-discovered\">Bild: NASA\/W.Stenzel<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die wissenschaftliche Facharbeit von Timothy Morton von der Uni Princeton und seinen Kollegen, die gestern pr\u00e4sentiert wurde tr\u00e4gt den Titel <i>&#8222;False Positive Probabilities for all Kepler Objects of Interest: 1284 Newly Validated Planets and 428 Likely False Positives&#8220;<\/i> (<a href=\"https:\/\/www.astro.princeton.edu\/~tdm\/koi-fpp\/ms.pdf\">hier als pdf verf\u00fcgbar<\/a>). Der etwas lange Titel fasst gut zusammen, um was geht: Um &#8222;Kepler Objects of Interest&#8220;, die &#8222;validiert&#8220; wurden, in dem man &#8222;Falsch-Positiv-Wahrscheinlichkeiten&#8220; berechnet hat. <\/p>\n<p><b>Keplers interessante Objekte<\/b><\/p>\n<p>Fangen wir mit dem Anfang an: Was sind &#8222;Kepler Objects of Interest&#8220; bzw. kurz &#8222;KOIs&#8220;? Das <i>Weltraumteleskop Kepler<\/i> befindet sich seit 2009 im Weltall und sucht dort nach extrasolaren Planeten. Das hat es in den vergangenen Jahren h\u00f6chst erfolgreich gemacht; Keplers Daten haben unser Wissen \u00fcber die fremden Welten revolutioniert. Die Entdeckung eines neuen Planeten, die noch vor kaum 20 Jahren eine gro\u00dfe Sensation war, ist dank Kepler (und der anderen tollen Teleskope) mittlerweile Routine. Schwierig bleibt es trotzdem. Denn ein Planet entdeckt sich nicht einfach so. Man kann sie in den allermeisten F\u00e4llen nicht direkt sehen; daf\u00fcr sind sie zu weit weg und reflektieren zu wenig Licht. Wenn aber so ein Planet von uns aus gesehen direkt vor seinem Stern vor\u00fcber zieht, verdeckt er dabei kurzfristig ein klein wenig des Sternenlichts und das kann man messen. Besonders gut wenn man, wie Kepler, vom Weltall aus sehr, sehr viele Sterne regelm\u00e4\u00dfig beobachtet. <\/p>\n<p>Das Problem an der Sache ist nun, dass es viele Gr\u00fcnde geben kann, warum ein Stern ab und zu ein wenig dunkler wird. Die Helligkeit eines Sterns kann sich zum Beispiel auch \u00e4ndern, wenn es sich um ein enges Doppelsternsystem handelt. F\u00fcr uns sieht das dann aus wie ein einziger Stern, aber je nachdem wie die beiden sich gerade bedecken kommt mal mehr und mal weniger Licht zu uns. Genau so k\u00f6nnte das verdunkelnde Objekt kein Planet sein, sondern ein <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/08\/22\/sternengeschichten-folge-91-braune-zwerge\/\">brauner Zwerg<\/a> (ein Mittelding zwischen Planet und Stern). Kurz gesagt: Um wirklich sicher sein zu k\u00f6nnen, dass man einen Planeten entdeckt hat und nicht irgendwas anderes, muss man die Beobachtungen von Kepler \u00fcberpr\u00fcfen. Idealerweise passiert das mit Teleskopen von der Erde aus. Dort kann man Methoden nutzen, die die Existenz des Planeten nicht nur verifizieren, sondern auch seine Masse genau bestimmen k\u00f6nnen. Erst wenn das passiert ist, kann man eigentlich von der &#8222;Entdeckung&#8220; eines Planeten sprechen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22281\" aria-describedby=\"caption-attachment-22281\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler_fig3_0.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler_fig3_0.jpg\" alt=\"Dinge die erscheinen wie Planeten aber keine sind (bis auf den Planeten oben links nat\u00fcrlich) (Bild: NASA Ames\/W.Stenzel)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-22281\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22281\" class=\"wp-caption-text\">Dinge die erscheinen wie Planeten aber keine sind (bis auf den Planeten oben links nat\u00fcrlich) (<a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/feature\/ames\/kepler\/briefingmaterials160510\">Bild: NASA Ames\/W.Stenzel<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Solange das nicht geschehen ist, handelt es sich nur um einen &#8222;Planetenkandidaten&#8220;. Oder eben ein &#8222;Kepler Object of Interest&#8220;. Von denen hat Kepler im Laufe der Zeit jede Menge angesammelt. Da all die Sterne die das Weltraumteleskop beobachtet aber sehr lichtschwach sind, ist es normalerweise schwer bis unm\u00f6glich, sie mit den Teleskopen von der Erde aus zu beobachten. Die wenigstens KOIs lassen sich also auf diesem Weg verifizieren und man hat sich andere Methoden ausdenken m\u00fcssen.<\/p>\n<p><b>Wahrscheinlichkeitsvalidierung<\/b><\/p>\n<p>Ganz vereinfacht gesagt l\u00e4uft diese Methode so ab: Man sieht sich die Verdunkelung des Sterns an und \u00fcberlegt sich, wie sie zustande kommen k\u00f6nnten. Dann berechnet man, wie wahrscheinlich es ist, dass das durch einen Planeten geschehen ist. Und wenn diese Wahrscheinlichkeit gro\u00df genug ist, ist der KOI validiert und zu einem echten Planeten geworden. Die NASA hat das in ihrer Pressmitteilung in einer wunderbar absurden Grafik dargestellt:<\/p>\n<figure id=\"attachment_22276\" aria-describedby=\"caption-attachment-22276\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler_fig6_0.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler_fig6_0.jpg\" alt=\"Bild: NASA Ames\/W. Stenzel; Princeton University\/T. Morton\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-22276\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22276\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/feature\/ames\/kepler\/briefingmaterials160510\">Bild: NASA Ames\/W. Stenzel; Princeton University\/T. Morton<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Folgt man dieser Grafik, sieht es fast so aus, als w\u00fcrden die Wissenschaftler am Ende einfach ausw\u00fcrfeln, was sich &#8222;Planet&#8220; nennen darf und was nicht&#8230; Aber ok, es ist auch ein wenig schwer, <i>alle<\/i> Details zu erkl\u00e4ren. Das werde auch ich nicht tun &#8211; aber die Grundidee ist nicht so kompliziert zu verstehen. Morton und seine Kollegen haben zuerst ein paar Annahmen \u00fcber m\u00f6gliche Ph\u00e4nomene getroffen, die eine Verdunkelung des Sterns verursachen k\u00f6nnen. Zum Beispiel, dass es sich um ein Doppelsternsystem handelt. Oder ein Dreifachsternsystem. Oder das einfach zuf\u00e4llig zwei eigentlich komplett unterschiedlich weit entfernte Sterne beide in unserer Sichtlinie liegen und sich so aneinander vorbei bewegen, dass es aussieht wie eine Verdunkelung. F\u00fcr jeden dieser F\u00e4lle haben sie eine <i>Lichtkurve<\/i> erstellt; also ein Diagramm (wie das in der Grafik oben links), das den Abfall des Sternenlichts beschreibt. Dann haben sie aus bekannten Daten \u00fcber die Verteilung und H\u00e4ufigkeiten von Mehrfachsternsystemen, usw, berechnet, wie wahrscheinlich es ist, dass Kepler zuf\u00e4llig auf so ein System blickt, das aussieht als w\u00e4re da ein Planet obwohl da keiner ist. Au\u00dferdem wurden diese simulierten Lichtkurven mit den konkreten Messungen verglichen und man hat berechnet, wie gut sie zusammenpassen. <\/p>\n<p>Es geht also um zwei Wahrscheinlichkeiten:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie wahrscheinlich ist es, dass die simulierte Lichtkurve die Realit\u00e4t beschreibt. Das hei\u00dft: Wie wahrscheinlich ist es, dass Kepler zum Beispiel zuf\u00e4llig gerade auf ein Doppelsternsystem blickt.<\/li>\n<li>Wie wahrscheinlich ist es, dass die gemessenen Datenpunkte genau zu dieser simulierte Lichtkurve passen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das wird dann mathematisch kombiniert und am Ende bekommt man eine weiter Zahl die angibt, wie wahrscheinlich ist es, dass die Daten tats\u00e4chlich von einem der vielen Ph\u00e4nomene verursacht worden sind, die nichts mit einem Planeten zu tun haben.<\/p>\n<p>Diese Methode ist nicht neu und wurde &#8211; zumindest was das Grundprinzip angeht &#8211; auch schon fr\u00fcher verwendet. Morton und seine Kollegen haben sie aber nun verbessert und sie vor allem das erste Mal auf den kompletten Katalog von KOIs angewandt. Mit interessanten Resultaten!<\/p>\n<p><b>Falsch und Positiv (und keine zweite Erde!)<\/b><\/p>\n<p>Der komplette Katalog an KOIs der in der Arbeit verwendet wurde, enth\u00e4lt 7470 Eintr\u00e4ge. Die wurden aber nicht alle f\u00fcr die Analyse verwendet. Ein paar davon eignen sich aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht f\u00fcr diese Art der Untersuchung. Und bei vielen waren die Daten nicht gut genug. Morton und seine Kollegen haben sich auf die beschr\u00e4nkt, die schon mit anderen Methoden zumindest vorl\u00e4ufig untersucht wurden und bei denen man sich halbwegs sicher war, dass es sich um Planeten handelt. Aber eben nicht wirklich sicher&#8230; Das waren immerhin noch 2857 Objekte und die Wahrscheinlichkeitsvalidierung zeigte, dass 1935 davon mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 99 Prozent auch tats\u00e4chlich Planeten sind. Von diesen 1935 wurden 651 schon vorher durch andere Methoden verifiziert. Es bleiben also 1284 neue Validierungen und das sind genau die &#8222;1248 neu entdeckten Planeten&#8220; von denen in der Pressemitteilung und den Medien die Rede ist.<\/p>\n<p>Diese Grafiken fassen die Ergebnisse und bekannten Eigenschaften der neu verifizierten Planeten zusammen:<\/p>\n<figure id=\"attachment_22278\" aria-describedby=\"caption-attachment-22278\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/fig8-new-20use20this20one.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/fig8-new-20use20this20one.jpg\" alt=\"Bild: NASA Ames\/W. Stenzel\" width=\"500\" height=\"379\" class=\"size-medium wp-image-22278\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22278\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/feature\/ames\/kepler\/briefingmaterials160510\">Bild: NASA Ames\/W. Stenzel<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Das erste Bild zeigt in blau die bisher von Kepler entdeckten Planeten und in orange die neu dazugekommen. Man sieht ihre Anzahl in Bezug auf ihre Gr\u00f6\u00dfe und erkennt, dass in Relation im Wesentlichen \u00fcberall gleich viel dazu gekommen sind. Das ist ein gutes Zeichen, denn es hei\u00dft, dass wir mittlerweile wirklich einen halbwegs vollst\u00e4ndigen Blick auf die Lage haben. Je l\u00e4nger wir beobachten, desto <i>mehr<\/i> Planeten entdecken wir. Aber die Natur der Planeten bleibt gleich; es tauchen nicht pl\u00f6tzlich Unmengen an Gasriesen oder Supererden auf. Eine Ausnahme d\u00fcrfte das linke Ende des Diagramms sein. Um die wirklich kleinen Planeten zu finden, sind die Teleskope noch nicht gut genug; hier werden die Balken in Zukunft vermutlich (hoffentlich!) \u00fcberproportional anwachsen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22277\" aria-describedby=\"caption-attachment-22277\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler_fig10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler_fig10.jpg\" alt=\"Bild: NASA Ames\/N. Batalha and W. Stenzel\" width=\"500\" height=\"374\" class=\"size-medium wp-image-22277\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22277\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/feature\/ames\/kepler\/briefingmaterials160510\">Bild: NASA Ames\/N. Batalha and W. Stenzel<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Das zweite Bild zeigt die ungef\u00e4hr erdgro\u00dfen (bis zur doppelten Gr\u00f6\u00dfe der Erde) Planeten die sich in der habitablen Zone ihres Sterns befinden. Wieder sind blau die alten und orange die neuen Daten und wieder sehen wir keine fundamentalen \u00c4nderungen; nur einen Zuwachs in der Menge. Und vor allem sehen wir <b>keine &#8222;Zweite Erde&#8220;<\/b>! Das muss man immer wieder extra betonen: Nur weil ein Planet so gro\u00df wie die Erde ist und sich im richtigen Abstand von seinem Stern befindet, folgt daraus nicht, dass dort auch die gleichen Bedingungen herrschen wie bei uns! Das h\u00e4ngt von so enorm vielen anderen Eigenschaften ab (der Atmosph\u00e4re, der Masse, dem Magnetfeld, etwaigen Monden, der Entstehungsgeschichte, der planetaren Aktivit\u00e4t, usw) von denen wir \u00fcberhaupt keine Ahnung haben und auch so gut wie nicht k\u00f6nnen. Um herauszufinden, wie die Bedingungen auf einem anderen Planeten sind, m\u00fcssen wir auf die n\u00e4chste Generation der Teleskope warten. <\/p>\n<p>Ich finde vor allem dieses Bild interessant:<\/p>\n<figure id=\"attachment_22279\" aria-describedby=\"caption-attachment-22279\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler_fig2_0.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kepler_fig2_0.jpg\" alt=\"Bild: NASA Ames\/W. Stenzel; Princeton University\/T. Morton\" width=\"500\" height=\"374\" class=\"size-medium wp-image-22279\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22279\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/feature\/ames\/kepler\/briefingmaterials160510\">Bild: NASA Ames\/W. Stenzel; Princeton University\/T. Morton<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Besser kann man den Fortschritt bei der Erforschung der Exoplaneten kaum illustrieren. Die ganzen spektakul\u00e4ren Entdeckungen neuer Planeten die zwischen 1995 und 2005 gemacht worden sind, sind in dem Diagramm kaum mehr zu sehen. Es wird ganz von den Beobachtungen der Weltraumteleskopen im letzten Jahrzehnt dominiert und dort von den Kepler-Daten. Planeten sind \u00fcberall. Planeten sind extrem h\u00e4ufig. Das Universum ist voll davon und nachdem wir so lange (wirklich lange; <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/02\/21\/mein-neues-buch-die-neuentdeckung-des-himmels\/?all=1\">im Prinzip Jahrtausende lang<\/a>) danach gesucht haben, f\u00fcllen sich unsere Kataloge nun schneller, als wir die Daten verstehen oder auswerten k\u00f6nnen. Und es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass das in Zukunft anders (oder gar langsamer) werden sollte.<\/p>\n<p><b>Wahrscheinlichkeit ist gut. Daten sind besser<\/b><\/p>\n<p>Aber bei aller Euphorie: Wir m\u00fcssen die Daten trotzdem immer noch genau ansehen. Denn Morton und seine Kollegen haben in der Liste der 2857 vermuteten Planeten nicht nur 1935 (und 1248 neue) tats\u00e4chliche Planeten identifiziert. Sondern auch gezeigt, dass immerhin 428 davon mit 90% Wahrscheinlichkeit <i>keine<\/i> Planeten sind. Das sind nicht wenige &#8211; und demonstriert einmal mehr, dass wir uns nicht auf ein einziges Instrument verlassen d\u00fcrfen. Selbst wenn es so eindrucksvoll und gro\u00dfartig ist wie Kepler. Wir brauchen weiterhin Teleskope auf der Erde die in der Lage sind, unabh\u00e4ngige Verifikation oder Falsifikation zu liefern. Wir brauchen neue und bessere (Weltraum)Teleskop um all die schwachen Sterne zu beobachten, die wir jetzt nicht beobachten k\u00f6nnen. Eine Technik wie die Wahrscheinlichkeitsvalidierung ist ein tolles Instrument. Aber wenn wir die tausenden Planeten irgendwann auch <i>verstehen<\/i> wollen, brauchen wir echte Daten und keine Wahrscheinlichkeiten&#8230; \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/d2a8ccd270404160b53330960f9a90a6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hat sich vermutlich schon herum gesprochen: Die NASA hat gestern die bisher gr\u00f6\u00dfte Sammlung an neu entdecken Planeten ver\u00f6ffentlicht. Zu den bisher bekannten 2125 extrasolaren Planeten sind nun auf einen Schlag 1248 neue Planeten anderer Sterne hinzu gekommen. Das ist ein sch\u00f6nes Resultat und wichtiges Resultat. 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