{"id":22657,"date":"2016-02-05T07:00:02","date_gmt":"2016-02-05T06:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/02\/05\/sternengeschichten-folge-167-das-aufregende-leben-des-tycho-brahe\/"},"modified":"2025-05-14T16:16:46","modified_gmt":"2025-05-14T14:16:46","slug":"sternengeschichten-folge-167-das-aufregende-leben-des-tycho-brahe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2016\/02\/05\/sternengeschichten-folge-167-das-aufregende-leben-des-tycho-brahe\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 167: Das aufregende Leben des Tycho Brahe"},"content":{"rendered":"<p>Tycho Brahe war ein faszinierender Astronom. Er stand an der Schwelle zwischen dem wissenschaftlichen Mittelalter und der Neuzeit. Er war der letzte gro\u00dfe Astronom, der den Himmel mit blo\u00dfem Auge beobachten musste, weil es noch keine Teleskope gab. Und trotzdem waren seine Beobachtungen so gut, dass sein Sch\u00fcler Johannes Kepler damit unser Weltbild revolutionieren konnte. Er war einer der wichtigsten Astronomen seiner Zeit; eigentlich aller Zeiten. Und abgesehen davon hatte er ein h\u00f6chst seltsames Leben. Er verlor seine Nase und ersetzte sie durch eine aus Metall. Er besa\u00df einen zahmen Elch als Haustier. Er starb (angeblich) aus H\u00f6flichkeit. Und so weiter. Tycho Brahe ist auf jeden Fall jemand, mit dessen Leben man sich besch\u00e4ftigen sollte!<\/p>\n<p>(Und weiter unten gibt es wie immer eine Transkription des Podcasts zum Nachlesen)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Sternengeschichten-Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Sternengeschichten-Cover.jpg\" alt=\"Sternengeschichten-Cover\" width=\"298\" height=\"300\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8053\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Folge k\u00f6nnt ihr euch hier direkt als <a href=\"https:\/\/youtu.be\/k4aZYDb_CyY\">YouTube-Video<\/a> ansehen oder <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podspot.de\/files\/167-SternengeschichtenFolge167.mp3\">direkt runterladen<\/a>. <\/p>\n<p>Den Podcast k\u00f6nnt ihr unter <\/p>\n<p><center><a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten<\/a><\/center><\/p>\n<p>abonnieren beziehungsweise auch bei <a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a> via Torrent beziehen.<\/p>\n<p>Am einfachsten ist es, wenn ihr euch <a href=\"https:\/\/play.google.com\/store\/apps\/details?id=de.danoeh.antennapodsp.sternengeschichten\">die &#8222;Sternengeschichten-App&#8220; f\u00fcrs Handy<\/a> runterladet und den Podcast damit anh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Sternengeschichten gibts nat\u00fcrlich auch bei iTunes (wo ich mich immer \u00fcber Rezensionen und Bewertungen freue) und alle Infos und Links zu den vergangenen Folgen findet ihr unter <a href=\"https:\/\/www.sternengeschichten.org\">https:\/\/www.sternengeschichten.org<\/a>.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es die Sternengeschichten auch <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">bei Facebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">bei Twitter<\/a>.<\/p>\n<p><center><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/k4aZYDb_CyY\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<\/center><\/p>\n<p><b>Transkription<\/b><\/p>\n<p>Sternengeschichten Folge 167: Das aufregende Leben des Tycho Brahe<\/p>\n<p>Nikolaus Kopernikus. Galileo Galilei. Johannes Kepler. Isaac Newton. Diese gro\u00dfen astronomischen Pioniere kennen die meisten oder haben zumindest schon einmal die Namen geh\u00f6rt. Sie sind zu Recht bekannt, denn alle haben im 16. und 17. Jahrhundert dazu beigetragen, die Sicht auf das Universum zu revolutionieren und die Astronomie als moderne Naturwissenschaft zu begr\u00fcnden. Einer fehlt aber in dieser Liste: Tycho Brahe.<\/p>\n<p>Der Name dieses d\u00e4nischen Astronoms ist weit weniger gel\u00e4ufig als der seiner prominenteren Kollegen. Und das ist schade, denn Brahe hat nicht nur in der Astronomie wichtige und grundlegende Arbeit geleistet, sondern auch noch ein h\u00f6chst faszinierendes Leben gef\u00fchrt &#8211; \u00dcber das heute die wenigsten Bescheid wissen &#8211; ausf\u00fchrliche biografische Werke \u00fcber Brahe, vor allem auf deutsch, sind leider kaum noch zu bekommen. Aber zumindest einen kurzen \u00dcberblick m\u00f6chte ich in dieser Folge der Sternengeschichten geben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21801\" aria-describedby=\"caption-attachment-21801\" style=\"width: 303px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Tycho_Brahe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Tycho_Brahe.jpg\" alt=\"Tycho Brahe (Bild: public domain)\" width=\"303\" height=\"450\" class=\"size-full wp-image-21801\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21801\" class=\"wp-caption-text\">Tycho Brahe (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Tycho_Brahe.JPG\">Bild: public domain<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Tycho Brahe wurde am 14. Dezember 1546 im d\u00e4nischen Knutstorp geboren. Er war das Kind reicher und einflussreicher Eltern. Sein Vater Otto Brahe war ein Adeliger mit gro\u00dfem Einfluss am d\u00e4nischen K\u00f6nigshof. Aufgezogen wurde Tycho aber von seinem Onkel J\u00f8rgen Brahe, ebenfalls reich und ebenfalls adelig. Die Umst\u00e4nde dieses Arrangements sind ein wenig unklar. Tycho schrieb sp\u00e4ter, das sein Onkel ihn mehr oder weniger entf\u00fchrt hat. Vermutlich hatten Tychos Eltern J\u00f8rgen und dessen Frau, die selbst keine Kinder hatten, versprochen, sie k\u00f6nnten eines ihrer Kinder aufziehen. Sich aber dann doch nicht an die Abmachung gehalten, so dass J\u00f8rgen selbst aktiv wurde und Tycho zu sich holte, als der zwei Jahre alt war. Was auch immer damals gelaufen ist: Tychos Eltern protestierten nicht und auch Tycho schien mit seiner Pflegefamilie zufrieden zu sein.<\/p>\n<p>J\u00f8rgen schickte Tycho auf gute Schulen und sp\u00e4ter auf die Universit\u00e4t von Kopenhagen, wo er Jura studieren sollte. Viel faszinierender als die Gesetz fand Tycho allerdings die Astronomie. Ganz besonders begeistert war er von der Sonnenfinsternis, die am 21. August 1560 stattfand. Ihn beeindruckte damals nicht nur das Himmelsereignis an sich, sondern auch die Tatsache, dass die Astronomen in der Lage gewesen waren, es vorher zu sagen!<\/p>\n<p>Tycho besorgte sich astronomische Literatur, lernte Mathematik und eignete sich das Wissen an, um selbst die Bewegung der Himmelsk\u00f6rper berechnen zu k\u00f6nnen. Vorerst allerdings noch im Geheimen, denn J\u00f8rgen wollte immer noch, das sein Ziehsohn eine Karriere als Staatsbeamter einschlug. Auf seine Zeit in Kopenhagen folgte eine ausgedehnte Studientour durch Deutschland. Ausgedehnt und ereignisreich. W\u00e4hrend seines Studiums an der Universit\u00e4t Leipzig machte Brahe die Bekanntschaft eines Instrumentenbauers, der ihn mit den n\u00f6tigen Ger\u00e4tschaften zur Himmelsbeobachtung versorgte. Damit konnte Brahe auch von seinem Zimmer aus Messungen an den Sternen anstellen und seine Leidenschaft blieb weiter geheim.<\/p>\n<p>Unter diesen Ger\u00e4ten fand sich \u00fcbrigens kein Teleskop. Das sollte erst in ein paar Jahrzehnten durch die Arbeit von Galileo Galilei seinen Auftritt auf der astronomischen B\u00fchne haben. Brahe beobachtete den Himmel mit blo\u00dfem Auge und er war der letzte gro\u00dfe Astronom, der auf diese Weise arbeitete. <\/p>\n<p>1566 studierte Brahe an der Universit\u00e4t in Rostock. Im Dezember war er Gast bei einer Hochzeitsfeier und geriet dort mit einem anderen Gast, dem d\u00e4nischen Adeligen Manderup Parsberg, in Streit \u00fcber eine mathematische Formel. Angeblich zumindest, einwandfrei l\u00e4sst sich die Ursache des Streist nicht mehr historisch nachweisen. Aber gestritten haben sie und da sie sich nicht einigen konnten, stritten auch bei sp\u00e4teren Treffen noch weiter bis es am 29. Dezember schlie\u00dflich zu einem Duell zwischen den beiden kam. Einem echten Duell, mit Schwertern und der Aussicht, dabei eventuell zu sterben&#8230;<\/p>\n<p>Sowohl Brahe als auch Manderup \u00fcberlebten den Zweikampf &#8211; aber Brahe verlore dabei die Spitze seiner Nase. Er behalf sich danach mit einer metallischen Prothese, von der sp\u00e4ter gerne behauptet wurde, sie sei aus purem Gold gewesen. Angesichts Brahes Reichtums nicht ganz unm\u00f6glich, aber Untersuchungen die an seinen im Jahr 2010 exhumierten Knochen durchgef\u00fchrt worden sind, legen nahe das es wohl doch eher Kupfer gewesen war.<\/p>\n<p>Brahe, jetzt mit einer Nase aus Metall, reiste weiter durch Europa. In Augsburg baute er einen riesigen Quadrant. So ein Messger\u00e4t besteht aus einem Viertelkreisbogen, an dem ein schwenkbares Visier angebracht ist. Damit kann ein Beobachter einen Stern anpeilen und dann auf einer Gradeinteilung am Kreisbogen ablesen, wie hoch der Himmelsk\u00f6rper \u00fcber dem Horizont steht. Solche Ger\u00e4te waren damals Standard in der Astronomie und je gr\u00f6\u00dfer sie gebaut waren, desto feiner konnte die Gradeinteilung sein und damit die Messungen umso genauer. Tychos Quadrant war so gro\u00df, dass er nicht mehr bewegt werden konnte, sondern fest im Boden verankert werden musste.<\/p>\n<p>Nach dem Tod seines Vaters (dem biologischen, nicht J\u00f8rgen) im Jahr 1571 kehrte Brahe zur\u00fcck nach  D\u00e4nemark und f\u00fchrte seine astronomischen Studien dort fort. Richtig gl\u00fccklich war seine Familie damit aber nicht. Es geh\u00f6rte sich nicht f\u00fcr einen Adeligen, seine Zeit mit so etwas profanem wie der Himmelsbeobachtung zu verbringen.<\/p>\n<p>Aber 1572 fand ein Ereignis statt, das Tychos Karriere nachhaltig ver\u00e4ndern sollte. Am 11. November beobachtete er den Himmel und fand dort einen Stern, der vorher nicht da gewesen war. Im Sternbild Kassiopeia war ein Stern zu sehen, der hell strahlte und in keiner von Tychos Himmelskarten verzeichnet war. Tycho war nicht der erste, der diese Erscheinung gesehen hatte, anderswo in Europa hatten andere das neue Licht am Himmel schon einige Tage fr\u00fcher entdeckt. Aber Tycho war derjenige, der den seltsamen Stern genau untersuchte, \u00fcber Tage und Wochen hinweg Messungen anstellte und probierte herauszufinden, worum es sich dabei handeln k\u00f6nnten. F\u00fcr die meisten seiner Zeitgenossen war klar: Es musste sich um eine Leuchterscheinung irgendwo in der Atmosph\u00e4re der Erde handeln. Denn immerhin hatte schon Aristoteles gesagt, dass der Himmel perfekt, ewig und unver\u00e4nderlich ist. Nur die Erde und ihre unmittelbare Umgebung sind davon ausgenommen; nur da wo wir unperfekten und s\u00fcndhaften Menschen leben kann es Ver\u00e4nderungen geben. Aristoteles&#8216; Meinung war auch diejenige der Kirche und der Gelehrten der damaligen Zeit und wenn am Himmel nun ein neuer Stern erschien, dann konnte es kein echter Stern sein oder eben nur irgendwas anderes; eine leuchtende Wolke oder etwas in der Art.<\/p>\n<p>Aber Tycho stellte fest, dass der neue Stern sich nicht bewegte. Gar nicht. Nicht ein St\u00fcck. W\u00e4re er Teil der Erdatmosph\u00e4re, dann m\u00fcsste er sich mit ihr jeden Tag einmal rund herum drehen. Bzw. w\u00fcrde, wenn man dem damals noch verbreiteten geozentrischen Weltbild folgt, mit ihr gemeinsam still stehen, w\u00e4hrend sich der Sternenhimmel rund herum dreht. Auf jeden Fall aber m\u00fcsste er sich w\u00e4hrend eines Tages deutlich in Bezug auf die anderen Sterne bewegen. Aber das war nicht der Fall und darum musste der neue Stern weiter weg sein. Tycho nahm es mit seinen Beobachtungen und Messungen wirklich genau; er hatte hervoragende Instrumente und beherrschte die Mathematik zur Berechnung von Positionen am Himmel perfekt. Aber egal wie genau er hin sah: Es gab keine Bewegung des Sterns. Das bedeutete, dass es auch kein weiter entfernter Planet sein konnte. Das Ding, was immer es war, war genau so weit von der Erde entfernt wie die ganzen anderen Sterne. Es <i>war<\/i> ein neuer Stern und das alte Dogma des Aristoteles widerlegt. Brahe ver\u00f6ffentlichte seine Beobachtungen in einem Buch mit dem Titel &#8222;De Nova Stella&#8220;, als &#8222;\u00dcber den neuen Stern&#8220; und dieser Begriff bildet auch die Grundlage des modernen Namens dieses Ph\u00e4nomens: Supernova. <\/p>\n<p>Heute wissen wir, dass es sich bei der Erscheinung nicht um einen neuen Stern handelt, sondern den Tod eines alten Sterns der in einer gigantischen Explosion vergeht und dabei einige Monate enorm hell leuchtet bevor er verblasst. Tycho konnte das nat\u00fcrlich noch nicht wissen, aber seine Beobachtungen f\u00fchrten endg\u00fcltig dazu, dass er eine Karriere als Astronom einschlug. In den folgenden Jahren reiste er durch Europa, besuchte interessierte Adelige an ihren H\u00f6fen und erkl\u00e4rte ihnen die Astronomie. Besonders gef\u00f6rdert und befreundet war er mit Wilhelm IV, dem Landgraf von Hessen-Kassel. Wilhelm war selbst begeisterter Hobby-Astronom und beobachtete mit Brahe gemeinsam n\u00e4chtelang den Himmel. In Kassel baute Wilhelm die erste moderne Sternwarte Mitteleuropas, die er mit den besten Ger\u00e4ten ausr\u00fcstete.<\/p>\n<p>Dank eines Briefwechsels zwischen Brahe und Wilhelm kennen wir auch die Geschichte des betrunkenen Elchs. Seltsamerweise besa\u00df Brahe offensichtlich einen zahmen Elch, den er gerne \u00fcberall hin mit nahm. Bei einer Feier in Landskrona gelang es dem Tier irgendwie, ein Fa\u00df Bier zu \u00f6ffnen. Der Elch betrank sich, versuchte eine Treppe hinunter zu gehen, stolperte und starb nach einigen Tagen, w\u00e4hrend derer Brahe ihn aufopferungsvoll aber vergeblich pflegte.<\/p>\n<p>Brahes Ruhm und sein Ansehen als gro\u00dfer Gelehrter in Europa fiel nun auch K\u00f6nig Friedrich II von D\u00e4nemark auf. Es war ihm unangenehm, dass der ber\u00fchmte D\u00e4ne \u00fcberall an den europ\u00e4ischen H\u00f6fen empfangen und geh\u00f6rt wurde, aber kaum Zeit in seinem Heimatland verbrachte. Und als er sah, dass Brahe komplett nach Basel \u00fcbersiedeln um dort zu leben und zu forschen, wurde er aktiv: Er machte ihm ein kaum abzulehnendes Angebot. Brahe sollte ein fixes und enorm gro\u00dfz\u00fcgiges monatliches Gehalt bekommen. Dazu ein paar neue Titel, eigene L\u00e4ndereien zum privaten Gebrauch und die gesamte Insel Hven, auf der er sich &#8211; ebenfalls gro\u00dfz\u00fcgig vom k\u00f6niglichen Geld unterst\u00fctzt, eine eigene und moderne Sternwarte bauen konnte.<\/p>\n<p>Da lie\u00df sich Brahe nat\u00fcrlich nicht lange bitte, blieb in D\u00e4nemark und errichtete ab 1576 auf Hven seine beiden ber\u00fchmten Observatorien: Uraniborg und Stjerneborg, also die &#8222;Himmelsburg&#8220; und die &#8222;Sternenburg&#8220;. Dort gab es die damals modernsten und gr\u00f6\u00dften Messger\u00e4te, es gab chemische Laboratorien, luxuri\u00f6se Wohnr\u00e4ume f\u00fcr Brahe und seine Familie. Und die vielen Sch\u00fcler und Mitarbeiter: Brahe machte aus  Hven eine Art Forschungszentrum; nahm junge Studenten aus ganz Europa auf, die bei ihm wohnen, essen und lernen konnten. In seiner Zeit auf Hven sammelte er Unmengen an astronomischen Daten und erstellte Himmelskataloge, die genauer waren als alles was bisher existierte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21800\" aria-describedby=\"caption-attachment-21800\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Uraniborg_main_building.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Uraniborg_main_building.jpg\" alt=\"Uraniborg! Das ist mal ne Sternwarte... (Bild: public domain)\" width=\"500\" height=\"443\" class=\"size-medium wp-image-21800\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21800\" class=\"wp-caption-text\">Uraniborg! Das ist mal ne Sternwarte&#8230; (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Uraniborg_main_building.jpg\">Bild: public domain<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>1599 war seine Zeit in D\u00e4nemark aber vorbei. K\u00f6nig Friedrich II war 11 Jahre zuvor gestorben und sein junger Sohn und Nachfolger nicht an Astronomie interessiert. Der Einfluss und Ruhm von Brahe wurde am d\u00e4nischen Hof nun eher missg\u00fcnstig betrachtet und bevor man ihn rauswarf, ging Brahe lieber von selbst. Rudolf II, Kaiser des Heiligen R\u00f6mischen Reichs, K\u00f6nig von B\u00f6hmen und Ungarn, Erzherzog von \u00d6sterreich, also einer der m\u00e4chtigsten M\u00e4nner damaligen Zeit und noch dazu sehr an der Wissenschaft (und Pseudowissenschaft) interessiert wollte Brahe sowieso unbedingt als Hofastronom nach Prag holen. Also ging Brahe, lie\u00df sich dort eine neue Sternwarte einrichten und holte sich den jungen Johannes Kepler aus Graz als Assistenten.<\/p>\n<p>Lange konnte er seine neue Stelle allerdings nicht genie\u00dfen. Im Jahr 1601 erkrankte er an einem Blasenleiden; es war ihm unm\u00f6glich zu urinieren. Die Geschichte, dass er w\u00e4hrend eines Banketts mit dem Kaiser aus  H\u00f6flichkeit so lange den Drang zur Toilette zu gehen zur\u00fcck hielt, bis Rudolf den Tisch verlassen hatte und deswegen seine Blase platzte, ist mit Sicherheit eine Legende. Genau so \u00fcbrigens wie die Geschichte, dass Brahe von seinem Assistenten Kepler vergiftet wurde, weil der unbedingt Zugang zu dessen Beobachtungsdaten haben wollte. Diese Behauptung wurde ebenfalls durch medizinische Untersuchungen w\u00e4hrend der Exhumierung von Brahe im Jahr 2010 widerlegt. Brahe zog sich jedenfalls &#8211; wie und warum wissen wir nicht &#8211; ein Blasenleiden zu und starb nach 11 qualvollen Tagen am 24. Oktober 1601 im Alter von 54 Jahren.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen wissenschaftlichen Revolutionen der n\u00e4chsten Jahre konnte er leider nicht mehr erleben. Galileo Galileis Entdeckungen mit dem ersten astronomischen Teleskop; die Jupitermonde, die Sonnenflecke, die Phasen der Venus und all die vielen neuen Sterne am Himmel, die mit freiem Auge nicht sichtbar waren. Oder Keplers grandiose &#8222;Neue Astronomie&#8220;, die erstmals klare mathemathische Gesetze f\u00fcr die Bewegung der Planeten am Himmel angab. Gesetze \u00fcbrigens, die direkt aus Brahes Daten folgten. Kepler hat den Himmel selbst nie beobachtet sondern f\u00fcr all seine Berechnungen die Aufzeichnungen seines Vorg\u00e4ngers benutzt. Brahe hatte sie ohne Teleskop nur mit dem blo\u00dfen Auge gesammelt. Und trotzdem waren sie gut genug, um damit ein ganzes altes Weltbild umzust\u00fcrzen!<\/p>\n<p>Tycho Brahe war einer der gr\u00f6\u00dften und bedeutensten Astronomen seiner Zeit und einer der gr\u00f6\u00dften und bedeutensten Astronomen aller Zeiten. \u00dcber sein Leben und seine Arbeit k\u00f6nnte man noch viel mehr erz\u00e4hlen. \u00dcber sein seltsames Tychonisches Weltbild, das die Kluft zwischen Geo- und Heliozentrismus \u00fcberbr\u00fccken sollte. \u00dcber den Zwerg, der bei den Mahlzeiten in Uraniborg unter seinem Tisch sitzen und Prophezeiungen abgeben musste. \u00dcber Brahes alchemistische Versuche. \u00dcber die gro\u00dfartigen Messger\u00e4te die er erfand und baute. \u00dcber all die Astronomen, mit denen er \u00fcberall in Europa zusammenarbeitete. \u00dcber seine Erkl\u00e4rung der Bewegung des Mondes. \u00dcber die Attent\u00e4ter, die ihm der d\u00e4nische K\u00f6nig angeblich auf den Hals gehetzt hat und die Gr\u00fcnde daf\u00fcr. Und so weiter. Aber daf\u00fcr reicht die Zeit hier leider nicht aus.<\/p>\n<p>Tycho Brahe war ein Ph\u00e4nomen und ein ph\u00e4nomenaler Astronom. Es lohnt sich, sich mit seinem Leben zu besch\u00e4ftigen! \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/76f125f9aa1349de8c9fca4ed4b092cb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tycho Brahe war ein faszinierender Astronom. Er stand an der Schwelle zwischen dem wissenschaftlichen Mittelalter und der Neuzeit. Er war der letzte gro\u00dfe Astronom, der den Himmel mit blo\u00dfem Auge beobachten musste, weil es noch keine Teleskope gab. Und trotzdem waren seine Beobachtungen so gut, dass sein Sch\u00fcler Johannes Kepler damit unser Weltbild revolutionieren konnte. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11043,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,767],"tags":[1916,18,3595,4147,4388,6017,6748,6994,9394,10431,580,11753,11961,12641,195,13886,13982,422,14143,14895,172,15141,15893],"class_list":["post-22657","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-naturwissenschaften","category-sternengeschichten","tag-astrodicticum","tag-astronomie","tag-danemark","tag-duell","tag-elch","tag-gold","tag-himmelsbeobachtung","tag-hven","tag-manderup-parsberg","tag-nase","tag-planeten","tag-prag","tag-quadrant","tag-rudolph-ii","tag-sterne","tag-sternengeschichten","tag-stjerneborg","tag-supernova","tag-supernova-1572","tag-tycho-brahe","tag-universum","tag-uraniborg","tag-wilhelm-iv-von-hessen-kassel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22657","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22657"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22657\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22658,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22657\/revisions\/22658"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11043"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22657"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22657"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22657"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}