{"id":22546,"date":"2014-12-15T12:00:39","date_gmt":"2014-12-15T11:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/12\/15\/mein-erstes-teleskop-leitfaden-zum-teleskop-kauf-teil-3\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:58","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:58","slug":"mein-erstes-teleskop-leitfaden-zum-teleskop-kauf-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/12\/15\/mein-erstes-teleskop-leitfaden-zum-teleskop-kauf-teil-3\/","title":{"rendered":"Mein erstes Teleskop: Leitfaden zum Teleskop-Kauf (Teil 3)"},"content":{"rendered":"<p><i>Ich werde oft um Rat gefragt, wenn es darum geht, ein passendes Teleskop zu kaufen. Leider kann ich da wenig weiterhelfen. Ich bin zwar Astronom, aber war selbst nie ein Hobby-Astronom und habe auch nie selbst ein Teleskop besessen. Meine berufliche Erfahrung mit der beobachtenden Astronomie beschr\u00e4nkt sich auf die Arbeit mit professionellen Gro\u00dfteleskopen an Sternwarten und da laufen die Dinge ganz anders, als bei der privaten Hobby-Astronomie. Au\u00dferdem ist es enorm schwierig, allgemeine Hinweise zum Teleskop-Kauf zu geben. Es kommt dabei sehr stark darauf an, wie viel Geld man ausgeben will; was man beobachten m\u00f6chte; wo man beobachten m\u00f6chte; ob man mobil bleiben oder sich eine eigene kleine Sternwarte einrichten will &#8211; und so weiter. Ich verweise daher meistens immer auf eine ausf\u00fchrliche und pers\u00f6nliche Beratung im Fachhandel. Damit man sich aber trotzdem voran schon ein wenig informieren kann, hat Blog-Leser Alderamin netterweise eine sehr ausf\u00fchrlichen <b>Gastbeitrag in f\u00fcnf Teilen<\/b> verfasst, der in den n\u00e4chsten Tagen hier im Blog ver\u00f6ffentlicht wird. <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=17420\">Teil w<\/a> und <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=17426\">Teil 2<\/a> sind schon erschienen; jetzt folgt Teil 3<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<h1>Mein erstes Teleskop &#8211; Teil 3<\/h1>\n<p>Im <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=17426\">Teil 2<\/a> der Reihe lernten wir ein paar Grundlagen \u00fcber die Leistungsgr\u00f6\u00dfen eines Fernrohrs. Im nun folgenden 3. Teil werden wir nun verschiedene Bauformen von Teleskopen kennen lernen.<\/p>\n<h2>Teleskoptypen &#8211; Spiegel oder Linse? <\/h2>\n<p>Die vorgenannten Leistungsparameter gelten f\u00fcr alle Teleskoparten. Welche Arten von Teleskopen gibt es? Und warum gibt es deren so viele?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst muss unterschieden werden zwischen Linsenteleskopen (<i>Refraktoren<\/i>) und Spiegelteleskopen (<i>Reflektoren<\/i>). <\/p>\n<figure id=\"attachment_17433\" aria-describedby=\"caption-attachment-17433\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/500px-Telescope-schematic-A.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/500px-Telescope-schematic-A.svg_.png\" alt=\"(Bild: Michael Schmid, CC-BY-SA 2.0 AT)\" width=\"500\" height=\"241\" class=\"size-full wp-image-17433\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-17433\" class=\"wp-caption-text\">Strahlengang im Linsenteleskop: (1) Objektivlinse, (2) Okularlinse, (3) Auge, (4) Objekt, (5) Reelles Bild des Objekts, (6) umgekehrtes, vergr\u00f6\u00dfertes Bild des Objekts, (7) Fernrohrtubus; f<sub>1<\/sub> = Objektivbrennweite, f<sub>2<\/sub> = Okularbrennweite (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Telescope-schematic-A.svg\">Bild: Michael Schmid<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0\/at\/deed.de\">CC-BY-SA 2.0 AT<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p><i>Refraktoren<\/i> haben einen einfachen Strahlengang: Das parallel einfallende Licht eines fernen Objekts wird vom frontseitigen Objektiv in einem Brennpunkt im Abstand der Brennweite des Teleskops fokussiert, wo ein reelles Bild entsteht (reell, weil man es z.B. scharf auf ein Blatt Papier abbilden kann, oder auf fotografischen Film). Dieses reelle Bild wird durch das Okular wie durch eine Lupe vergr\u00f6\u00dfert. Das Okular muss dazu in eine Entfernung vom reellen Bild gebracht werden, die seiner Brennweite entspricht. Das reelle Bild steht dabei auf dem Kopf, und so zeigt ein astronomisches Fernrohr den Sternhimmel dementsprechend umgedreht, was jedoch keine Rolle spielt, da es im All ohnehin kein Oben und Unten gibt. Wichtig ist, der Strahlengang des Linsenteleskops ist gerade, das Teleskop ist etwas l\u00e4nger als seine Brennweite, und es befinden sich keine Hindernisse im Strahlengang. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie praktisch v\u00f6llig wartungsfrei sind; man sollte sich <i>h\u00fcten<\/i>, sie jemals zu zerlegen! <\/p>\n<p>Der wesentliche Nachteil des Refraktors liegt darin, dass es keine fehlerfreien Linsen gibt. Eine einzelne Linse wirkt an den R\u00e4ndern wie ein Prisma und zerlegt das Licht in seine Spektralfarben. Jede Farbe wird in einer anderen Brennweite fokussiert, insbesondere bei einem gro\u00dfen \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis, so dass der Betrachter bei jeder Fokusstellung bunte R\u00e4nder um das Objekt sehen w\u00fcrde (dieser Fehler nennt sich <i>chromatische Aberration<\/i>). Schon einfachste Refraktorobjektive verwenden deswegen eine zweite Linse aus einer anderen Glassorte mit umgekehrtem Fehler, welche die verschiedenen Lichtfarben im Brennpunkt wieder ann\u00e4hernd zusammen bringt. Dies gelingt mit zwei Linsen (sogenannter <i>Achromat<\/i>) jedoch nur f\u00fcr zwei Farben exakt, was entlang von hell-dunkel-Kanten zu <a href=\"https:\/\/www.praktica.de\/index.php?id=30&#038;no_cache=1&#038;tx_digitalglossary_pi1%5BshowUid%5D=439&#038;cHash=cac6cbd29c\">bl\u00e4ulichen und gelblichen Farbs\u00e4umen<\/a> f\u00fchrt. Sehr gute Objektive verwenden drei Linsen (Apochromat), welche das Licht dreier Farben im Fokus zur Deckung bringen k\u00f6nnen und f\u00fcr die Farben dazwischen nur eine sehr geringe Abweichung verursachen. Echte Apochromaten sind jedoch <i>richtig<\/i> teuer. In j\u00fcngster Zeit gibt es eine neue Art von Zweilinsern, die sich <i>Semi-Apochromaten<\/i> oder <i>ED-Achromaten<\/i> (ED = \u201eextra-low dispersion&#8220;) nennen. Diese verwenden f\u00fcr die zweite Linse eine besondere Glassorte mit einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glas_anomaler_Dispersion\">anormalen Brechverhalten<\/a> und erzielen mit zwei Linsen ein nahezu so farbreines Bild wie ein echter Apochromat, zu einem Bruchteil des Preises. Erst seit es Semi-Apos gibt, sind Linsenfernrohre mit gro\u00dfem \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis (kurze Bauform, gro\u00dfes Blickfeld, hohe Lichtst\u00e4rke bei fotografischem Einsatz) erschwinglich geworden. Heute liegen sie bei einem \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis von 1\/7 bis 1\/10, w\u00e4hrend fr\u00fcher 1\/15 und weniger die Regel war, so dass ein Teleskop von 10 cm \u00d6ffnung schon \u00fcber 1,5 m lang war. Wem ein Semi-Apo dennoch zu teuer ist, der sollte darauf achten, dass das Teleskop ein \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis von 1\/12 oder weniger hat, dann h\u00e4lt sich die chromatische Aberration noch in Grenzen.<\/p>\n<p>Reflektoren haben keinerlei Farbfehler, da sie das Licht nicht brechen, sondern durch verspiegelte Fl\u00e4chen ablenken. Deswegen braucht bei ihnen nur <i>eine<\/i> Oberfl\u00e4che perfekt zu sein, bei Linsenteleskopen sind es deren 4 oder 6, und auch darf deren Glas im Inneren keine Fehler haben. Deswegen lassen sich Spiegelfernrohre g\u00fcnstiger und viel gr\u00f6\u00dfer fertigen, als Linsenteleskope. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yerkes-Observatorium\">Das gr\u00f6\u00dfte Linsenteleskop der Welt<\/a> hat eine Linse von 1,02 m Durchmesser, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Large_Binocular_Telescope\">der gr\u00f6\u00dfte aus einer zusammenh\u00e4ngenden Fl\u00e4che bestehende Teleskopspiegel<\/a> misst 8,4 Meter im Durchmesser.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17434\" aria-describedby=\"caption-attachment-17434\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Newtontelescope.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Newtontelescope.png\" alt=\"(Bild: Sz\u0151cs Tam\u00e1s Tamasflex, CC-BY-SA 3.0)\" width=\"500\" height=\"273\" class=\"size-medium wp-image-17434\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-17434\" class=\"wp-caption-text\">Strahlengang im Newton-Reflektor (Bild: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Newtontelescope.png\">Bild: Sz\u0151cs Tam\u00e1s Tamasflex<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\">CC-BY-SA 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Reflektoren gibt es in verschiedenen Varianten. Die einfachste ist der Newton-Reflektor. Hier befindet sich der Licht sammelnde Hohlspiegel (<i>Hauptspiegel<\/i>) am hinteren Ende des Teleskops und der Brennpunkt liegt am vorderen Teleskopende. Damit der Betrachter nicht mit seinem Kopf die Teleskop\u00f6ffnung blockiert, wird das Licht \u00fcber einen kleinen Planspiegel (<i>Fangspiegel<\/i>) zur Seite abgelenkt. Man schaut also seitlich in das Teleskop hinein, im rechten Winkel zur Blickrichtung. Das hat mehrere Vorteile. Mit dem Teleskop schaut man ja nach oben, d.h. beim Linsenfernrohr muss man in das untere Ende des Teleskops schauen und das ganze Teleskop entsprechend hoch montieren, was eines hohen (und damit weniger stabilen) Stativs bedarf und was bei hoch stehenden Objekten \u00e4u\u00dferst unkomfortabel w\u00e4re, wenn man nicht vor dem Okular den \u00fcblichen Umlenkspiegel (<a href=\"https:\/\/www.oculum.de\/sites\/teleskop1x1\/images\/1_zenitprisma.jpg\">Zenitspiegel oder manchmal Zenitprisma<\/a>) verwenden w\u00fcrde. Beim Newton-Teleskop schaut man <i>oben<\/i> in das Teleskop hinein und kann es entsprechend <a href=\"https:\/\/www.astrotreff-deep-sky.de\/resource.ashx?image=943\">tiefer und stabiler aufstellen<\/a>. Au\u00dferdem schaut man meistens nahezu waagerecht in das Teleskop, was den Nacken weniger strapaziert. Umlenkspiegel kann man sich sparen.<\/p>\n<p>Der Newton-Tubus (Tubus: Bezeichnung f\u00fcr das Rohr des Teleskops) ist in etwa so lang wie seine Brennweite. Der <a href=\"https:\/\/www.jodrellbank.manchester.ac.uk\/public\/im\/130b.jpg\">Fangspiegel und seine Haltestreben<\/a> behindern das einfallende Licht, was sich als <a href=\"https:\/\/www.beugungsbild.de\/diffraction\/vanes_1min_field.jpg\">Strahlen um helle Sterne<\/a> und einem verringerten Kontrast gegen\u00fcber einem gleich gro\u00dfen Linsenfernrohr \u00e4u\u00dfert, jedoch sind Newtons viel g\u00fcnstiger herzustellen als gute Linsenfernrohre und daher f\u00fcr das gleiche Geld normalerweise deutlich gr\u00f6\u00dfer, was den Kontrast-Nachteil mehr als aufwiegt. Newtons k\u00f6nnen au\u00dferdem mit \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnissen von 1\/5 und mehr gefertigt werden, so dass man eine kurze Bauform und hohe Lichtst\u00e4rke bei gro\u00dfer \u00d6ffnung erh\u00e4lt, noch mehr als bei Semi-Apos. Aber auch Newton-Teleskope sind nicht fehlerfrei, insbesondere solche mit gro\u00dfem \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis. Newton-Teleskope verwenden parabolisch geformte Spiegel um das Licht zu fokussieren. F\u00e4llt das Licht nicht genau entlang der optischen Achse senkrecht auf einen Parabolspiegel, sondern schr\u00e4g (wie es bei Objekten am Bildrand der Fall ist), dann wird es nicht scharf in einem Punkt abgebildet, sondern der Stern franst gewisserma\u00dfen aus (man spricht von \u201eKomafehler&#8220; [Koma = griech. \u201eHaar&#8220;], da Sterne am Bildrand <a href=\"https:\/\/www5f.biglobe.ne.jp\/~kztanaka\/optics\/sn25ooff.jpg\">wie kleine Kometen<\/a> [\u201eHaarsterne&#8220;] mit Schweifen aussehen). Komafehler werden von guten Okularen weitgehend kompensiert und sind bei \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnissen von 1\/5 noch ertr\u00e4glich. Es gibt speziell f\u00fcr die Fotografie, wo es auf ein gro\u00dfes, randscharfes Bild ankommt, Korrekturlinsen (Koma-Korrektoren); das visuell \u00fcberblickte Sichtfeld ist normalerweise kleiner und man braucht solche Korrektoren nicht unbedingt, wenn man das Teleskop nur zum Durchschauen verwendet. <\/p>\n<p>Ein weiterer Punkt, der beim Newton zu beachten ist, ist die regelm\u00e4\u00dfige <a href=\"https:\/\/www.seeing1.de\/2a_justage.html\"><i>Kollimation<\/i> des Teleskops<\/a>: dies bedeutet einfach, dass man die Spiegel exakt aufeinander ausrichten muss. Das kann mit so einfachen Mitteln wie einer mittig durchbohrten Filmrolle als Peilhilfe und einem als Zentriermarkierung auf dem Hauptspiegel geklebten Lochringverst\u00e4rker geschehen. Man muss dazu einfach den Fangspiegel an seinen Stellschrauben so ausrichten, dass der Hauptspiegel mit seiner zentralen Markierung mittig im Bild erscheint, und dann den Hauptspiegel seinerseits an Stellschrauben so neigen, dass man das Spiegelbild des eigenen Auges in der Mitte des Lochrings sieht. Nur dann sieht ein Okular den komafreien Zentralbereich des Blickfelds. Ein Newton ist aufgrund des schweren Hauptspiegels und der Verstellbarkeit der Optik relativ sto\u00dfempfindlich und daher ist eine regelm\u00e4\u00dfige Kollimation Pflicht.<\/p>\n<p>Ein dritter Punkt, der beim Newton zu beachten ist, ist seine offene Bauform. Im Gegensatz zum Linsenteleskop ist der Tubus vorne offen, was dazu f\u00fchrt, dass beim Abk\u00fchlen des Ger\u00e4ts in der Nacht <a href=\"https:\/\/www.garyseronik.com\/?q=node\/55\">Luftstr\u00f6mungen im Tubus<\/a> entstehen, die das Bild vor allem bei hoher Vergr\u00f6\u00dferung wie durch Wasserwellen verzerrt erscheinen lassen. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Ger\u00e4te mit gro\u00dfem Spiegel, der l\u00e4nger warm bleibt. Man kann die Str\u00f6mungen vermeiden, wenn man den <a href=\"https:\/\/www.deepskywatch.com\/Articles\/rear-fan-newtonian.html\">Spiegel mit einem L\u00fcfter k\u00fchlt<\/a>, so dass er schnell die Temperatur der Umgebung annimmt. Newton-Teleskope bewahrt man am besten im Keller oder in der Garage auf, damit sie zum Beobachtungsbeginn schon ungef\u00e4hr die Umgebungstemperatur haben. <\/p>\n<figure id=\"attachment_17435\" aria-describedby=\"caption-attachment-17435\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/500px-Teleskop_Cassegraina.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/500px-Teleskop_Cassegraina.svg_.png\" alt=\"(Bild: MesserWoland, CC-BY-SA 3.0)\" width=\"500\" height=\"183\" class=\"size-full wp-image-17435\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-17435\" class=\"wp-caption-text\">Strahlengang im Cassegrain-Reflektor (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Teleskop_Cassegraina.svg\">Bild: MesserWoland<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\">CC-BY-SA 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine andere gel\u00e4ufige Bauform f\u00fcr Spiegelteleskope ist der Cassegrain. Beim Cassegrain ist der Fangspiegel nach au\u00dfen gebogen (konvex) und er reflektiert das Licht zur\u00fcck zum Hauptspiegel, der in der Mitte eine Durchbohrung besitzt, durch welche das Okular das Bild betrachten kann. Es gibt verschiedene Ausf\u00fchrungen solcher Cassegrain-Teleskope, die sich in der Form der Spiegelfl\u00e4chen und ggf. Korrekturlinsen unterscheiden. Manche Spiegelformen sind aufw\u00e4ndiger zu fertigen, deshalb unterscheiden sich die Teleskope im Preis. <\/p>\n<p>Den Ur-Cassegrain, der nur Spiegelfl\u00e4chen verwendet, findet man kommerziell gar nicht mehr. Die gel\u00e4ufigste Form des Cassegrains ist der <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/b\/be\/Schmidt-Cassegrain.png\">Schmidt-Cassegrain<\/a>, der keinen Parabolspiegel wie der Newton, sondern einen sph\u00e4rischen Hauptspiegel verwendet. Der hat zwar wegen seiner kugelsymmetrischen Form weniger Komafehler und ist besonders leicht herzustellen, jedoch bilden Kugelspiegel selbst senkrecht einfallende Strahlen nicht sauber ab, sondern weiter au\u00dfen einfallende Strahlen haben einen anderen Brennpunkt als zentral einfallende (<i>sph\u00e4rische Aberration<\/i>). Dies korrigiert der Schmidt-Cassegrain jedoch durch eine speziell geformte Glasplatte, die nach ihrem Erfinder Bernhard Schmidt benannte <i>Schmidt-Platte<\/i>. Diese ist vorne im Teleskop montiert und dient gleichzeitig dazu, den Fangspiegel zu halten, so dass die Haltestreben des Newtons entfallen \u2013 helle Sterne haben keine Strahlen. Damit ist der Tubus des Schmidt-Cassegrain geschlossen und leidet wie der Refraktor weniger unter Luftstr\u00f6mungen im Tubus. Ein weiterer Vorteil des Schmidt-Cassegrain ist seine kurze Bauform, denn durch den nach au\u00dfen gew\u00f6lbten Fangspiegel treffen sich die Lichtstrahlen im Fokus so, als ob sie von einem sehr viel weiter entfernten Hauptspiegel \u00fcber einen Planspiegel reflektiert worden w\u00e4ren. Ein Schmidt-Cassegrain mit 2 m Brennweite ist daher <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/8\/8e\/C8_smaller.jpg\"> nur ca. 40 cm lang<\/a>. Das spart Gewicht und macht den Schmidt-Cassegrain transportabel und leicht zu montieren. Man schaut zwar wie beim Linsenfernrohr wieder in das untere Ende des Teleskops, aber da es kurz ist, braucht man kein so gro\u00dfes Stativ.<\/p>\n<p>Der Vorteil des Schmidt-Cassegrain ist gleichzeitig sein Nachteil: Er ist <i>langsam<\/i>, hat also ein kleines \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis. Dies st\u00f6rt aber eigentlich nur beim fotografischen Einsatz: sein Blickfeld ist klein, die Vergr\u00f6\u00dferung gro\u00df, die Anforderung an die Nachf\u00fchrgenauigkeit ist hoch, die Lichtst\u00e4rke gering. Beim visuellen Beobachten spielt dies keine Rolle, man braucht lediglich Okulare mit langer Brennweite und erreicht evtl. nicht ganz die lichtst\u00e4rkste Vergr\u00f6\u00dferung.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass der Fangspiegel recht gro\u00df ist im Vergleich zum Hauptspiegel. Beim Newton nimmt er etwa 20-25% der \u00d6ffnung ein und verdeckt 1\/25-1\/16 der Licht sammelnden Fl\u00e4che. Beim Schmidt-Cassegrain misst er \u00fcblicherweise 33% der \u00d6ffnung und verdeckt 1\/9 ihrer Fl\u00e4che. Der Lichtverlust ist dabei weniger bedeutsam als der Verlust an Kontrast. Deswegen liefern Newtons ein wenig knackigere Bilder bei gleicher \u00d6ffnung.<\/p>\n<p>Auch ein Schmidt-Cassegrain will gelegentlich kollimiert werden. Dies geschieht ausschlie\u00dflich am Fangspiegel, wobei man einfach einen hellen Stern anpeilt und ihn etwas unscharf stellt, bis er als Scheibchen erscheint. Man sieht dann <a href=\"https:\/\/www.astrotreff.de\/topic.asp?ARCHIVE=true&#038;TOPIC_ID=127967\">den Fangspiegel als dunkle Silhouette<\/a> vor der unscharfen Sternenscheibe und dreht an den Stellschrauben so lange, bis die Silhouette genau mittig zu liegen kommt, wenn der Stern sich in Bildmitte befindet. Was ein wenig tricky ist, da der Stern beim Drehen an den Schrauben aus der Bildmitte und aus dem Blickfeld wandert.<\/p>\n<p>Zwei Punkte sollten noch erw\u00e4hnt werden: die meisten Schmidt-Cassegrains fokussieren, indem der Hauptspiegel verschoben wird. Dies kann bei einigen Ger\u00e4ten dazu f\u00fchren, dass der Hauptspiegel ein wenig Spiel hat und beim Schwenken von Objekt zu Objekt oder beim l\u00e4ngeren Verfolgen eines Objekts nachfokussiert werden muss, was visuell kein Problem ist, aber lang belichtete Fotos ruinieren kann. Der zweite Punkt betrifft die exponierte Lage der Korrekturplatte an der Vorderseite des Teleskops. Diese neigt dazu, in feuchter Nachtluft schnell zu beschlagen. Linsenfernrohre haben deshalb vor dem Objektiv noch eine kleine Tubusverl\u00e4ngerung, die Taukappe, die die Optik ein wenig vor der K\u00e4lte abschirmt. Der Newton hat sein Objektiv unten und sein ganzer Tubus ist damit eine gro\u00dfe Taukappe. Die Schmidt-Cassegrains haben keine fest montierte Taukappe, es l\u00e4sst sich jedoch leicht eine solche aus Pappe oder Moosgummi mit Klettverschluss basteln, oder man erwirbt ein kommerzielles Produkt. <\/p>\n<p>In letzter Zeit popul\u00e4r geworden ist eine andere Variante des Cassegrains, das <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/4\/46\/Teleskop_Maksutova-Cassegraina.svg\/640px-Teleskop_Maksutova-Cassegraina.svg.png\">Maksutov-Cassegrain<\/a>. Das \u201eMak&#8220; verwendet einen sph\u00e4rischen Hauptspiegel, als Korrekturplatte eine stark gebogene, dicke Glasplatte, auf deren Innenseite der Fangspiegel befestigt wird oder bei der ein St\u00fcck der Platte einfach mit Aluminium bedampft ist, das als Fangspiegel dient. Solche Maks k\u00f6nnen und brauchen nicht kollimiert zu werden, sie sind sehr robust. Bis zu einer Gr\u00f6\u00dfe von 6-7 Zoll werden sie heute in Massenfertigung hergestellt, w\u00e4hrend gr\u00f6\u00dfere Ger\u00e4te wegen der aufw\u00e4ndigen, schweren Glasplatte wenig verbreitet und teuer sind. Die Abbildungsqualit\u00e4t eines Maks ist besser als die eines Schmidt-Cassegrains. Maks sind genau so langsam wie Schmidt-Cassegrains oder eher noch langsamer. Ansonsten gilt das f\u00fcr das Schmidt-Cassegrain Gesagte ebenso f\u00fcr das Maksutov.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sei noch das <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/c\/cf\/Ritchey-Chr%C3%A9tien.png\">Ritchey-Chr\u00e9tien-Teleskop<\/a> erw\u00e4hnt, das ein hyperbolischen Hauptspiegel verwendet, der v\u00f6llig frei von Koma aber sehr teuer in der Fertigung ist, und es verwendet keine Korrekturplatte, was es besonders geeignet f\u00fcr Gro\u00dfteleskope macht (auch das Hubble-Weltraumteleskop ist von dieser Bauart). RCs haben ein gr\u00f6\u00dferes \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis (schnellere Optik) als Schmidt-Cassegrains oder Maksutovs und sind daher f\u00fcr den fotografischen Einsatz bestens geeignet. Wegen ihres hohen Preises kommen sie f\u00fcr den Anf\u00e4nger jedoch eher nicht in Betracht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich werde oft um Rat gefragt, wenn es darum geht, ein passendes Teleskop zu kaufen. Leider kann ich da wenig weiterhelfen. Ich bin zwar Astronom, aber war selbst nie ein Hobby-Astronom und habe auch nie selbst ein Teleskop besessen. 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