{"id":22544,"date":"2014-12-14T09:00:23","date_gmt":"2014-12-14T08:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/12\/14\/mein-erstes-teleskop-leitfaden-zum-teleskop-kauf-teil-2\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:58","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:58","slug":"mein-erstes-teleskop-leitfaden-zum-teleskop-kauf-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/12\/14\/mein-erstes-teleskop-leitfaden-zum-teleskop-kauf-teil-2\/","title":{"rendered":"Mein erstes Teleskop: Leitfaden zum Teleskop-Kauf (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p><i>Ich werde oft um Rat gefragt, wenn es darum geht, ein passendes Teleskop zu kaufen. Leider kann ich da wenig weiterhelfen. Ich bin zwar Astronom, aber war selbst nie ein Hobby-Astronom und habe auch nie selbst ein Teleskop besessen. Meine berufliche Erfahrung mit der beobachtenden Astronomie beschr\u00e4nkt sich auf die Arbeit mit professionellen Gro\u00dfteleskopen an Sternwarten und da laufen die Dinge ganz anders, als bei der privaten Hobby-Astronomie. Au\u00dferdem ist es enorm schwierig, allgemeine Hinweise zum Teleskop-Kauf zu geben. Es kommt dabei sehr stark darauf an, wie viel Geld man ausgeben will; was man beobachten m\u00f6chte; wo man beobachten m\u00f6chte; ob man mobil bleiben oder sich eine eigene kleine Sternwarte einrichten will &#8211; und so weiter. Ich verweise daher meistens immer auf eine ausf\u00fchrliche und pers\u00f6nliche Beratung im Fachhandel. Damit man sich aber trotzdem voran schon ein wenig informieren kann, hat Blog-Leser Alderamin netterweise eine sehr ausf\u00fchrlichen <b>Gastbeitrag in f\u00fcnf Teilen<\/b> verfasst, der in den n\u00e4chsten Tagen hier im Blog ver\u00f6ffentlicht wird. Gestern <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=17420\">gab es den ersten Teil<\/a>, heute geht es weiter mit Teil 2.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<h1>Mein erstes Teleskop &#8211; Teil 2<\/h1>\n<p>Nachdem wir im <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=17420\">Teil 1<\/a> erfahren haben, was das Amateurteleskop zeigt bzw. nicht zeigt, nun ein paar theoretische Grundlagen, um zu verstehen, was die Leistung des Teleskops bestimmt.<\/p>\n<h2>Leistungsparameter \u2013 worauf kommt es an? <\/h2>\n<p>Billige Kaufhausteleskope prahlen oft mit ihrer Vergr\u00f6\u00dferung. Die Vergr\u00f6\u00dferung alleine sagt aber gar nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t des Teleskops aus, man kann sie beliebig hoch treiben, wird in kleinen Teleskopen dann allerdings nicht viel sehen, und ohnehin gilt ob der zuvor genannten Mannigfaltigkeit der Himmelsobjekte nicht, dass mehr Vergr\u00f6\u00dferung immer besser sein muss, im Gegenteil. Lichtschwache Objekte erfordern geringere Vergr\u00f6\u00dferungen als Planeten oder der Mond, und manche Sternhaufen sind so gro\u00df, dass sie ein gro\u00dfes Blickfeld ben\u00f6tigen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17427\" aria-describedby=\"caption-attachment-17427\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1311072129.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/1311072129.jpg\" alt=\"Die drei wichtigsten Leistungsparameter eines Teleskops: 1. \u00d6ffnung, 2. \u00d6ffnung, 3. \u00d6ffnung. (Bild: https:\/\/paine1776.wikispaces.com, CC-BY-SA 3.0)\" width=\"500\" height=\"541\" class=\"size-medium wp-image-17427\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-17427\" class=\"wp-caption-text\">Die drei wichtigsten Leistungsparameter eines Teleskops: 1. \u00d6ffnung, 2. \u00d6ffnung, 3. \u00d6ffnung. (<a href=\u201dhttps:\/\/paine1776.wikispaces.com\/20+Inch+Pyrex+F3.8+-+Image+Gallery\u201d>Bild: https:\/\/paine1776.wikispaces.com<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\">CC-BY-SA 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der wichtigste Leistungsparameter eines Teleskops ist seine <i>\u00d6ffnung<\/i>, d.h. der Durchmesser des Objektivs, das ist die vordere, gro\u00dfe Linse (oder der gro\u00dfe Spiegel beim Spiegelteleskop). Je gr\u00f6\u00dfer das Objektiv, desto mehr Licht sammelt das Teleskop, umso lichtschw\u00e4chere Objekte kann man erkennen. Die Lichtst\u00e4rke des Teleskops wird als <i>Grenzgr\u00f6\u00dfe<\/i> angegeben, womit die theoretisch schw\u00e4chste <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Scheinbare_Helligkeit\">Gr\u00f6\u00dfenklasse<\/a> eines gerade noch zu erkennenden Sterns gemeint ist. Gr\u00f6\u00dfenklassen von Sternen sind mit dem Faktor 10<sup>0,4<\/sup> = 2,512\u2026 gestaffelt. Das ist die f\u00fcnfte Wurzel aus 100: f\u00fcnf Gr\u00f6\u00dfenklassen Helligkeitsunterschied bedeuten einen Faktor von  exakt 10<sup>5\u20220,4<\/sup> = 10<sup>2<\/sup> = 100. Ein kleinerer Wert f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfenklasse bedeutet hierbei eine gr\u00f6\u00dfere Helligkeit. Die hellsten Fixsterne (Wega, Capella, Arktur) haben 0. Gr\u00f6\u00dfe (auch 0<sup>m<\/sup> geschrieben (m f\u00fcr <i>Magnitude<\/i>), Sirius  die negative Gr\u00f6\u00dfe -1,6<sup>m<\/sup>, die Sterne des Orions etwa 1<sup>m<\/sup>, die des Gro\u00dfen Wagens 2<sup>m<\/sup> und die schw\u00e4chsten mit blo\u00dfem Auge noch sichtbaren haben ca. 6<sup>m<\/sup>. Auf diese Grenzgr\u00f6\u00dfe des blo\u00dfen Auges und einen theoretischen dunkeladaptierten Pupillendurchmesser von 7 mm ist die Grenzgr\u00f6\u00dfe des Teleskops bezogen. Ein Teleskop hat eine Grenzgr\u00f6\u00dfe von<\/p>\n<blockquote><p>Grenzgr\u00f6\u00dfe = 2,5<sup>m<\/sup> \u2022 log<sub>10<\/sub> ( (\u00d6ffnung [mm] \/ 7 mm) <sup>2<\/sup>) + 6<sup>m<\/sup><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;= 2,5<sup>m<\/sup> \u2022 2 log<sub>10<\/sub> (\u00d6ffnung [mm] \/ 7 mm) + 6<sup>m<\/sup><br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;= 5<sup>m<\/sup> \u2022 log<sub>10<\/sub> (\u00d6ffnung [mm] \/ 7 mm) + 6<sup>m<\/sup> <\/p><\/blockquote>\n<p>Denn es sammelt das (\u00d6ffnung\/7 mm) <sup>2<\/sup>-fache an Licht im Vergleich zum blo\u00dfen Auge. Dieser Faktor umgerechnet in Gr\u00f6\u00dfenklassen ergibt den Gewinn, der gegen\u00fcber der mit blo\u00dfem Auge erreichten 6. Gr\u00f6\u00dfe erzielt werden kann.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bestimmt der Durchmesser das <i><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aufl%C3%B6sungsverm%C3%B6gen#Optische_Instrumente\">Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen<\/a><\/i> des Teleskops. Die begrenzte \u00d6ffnung des Teleskops (auch wenn sie sehr gro\u00df erscheint) wirkt wie ein optischer Spalt, der f\u00fcr eine punktf\u00f6rmige Lichtquelle eine Beugungsfigur verursacht, eine kleine Scheibe im Zentrum, umgeben von konzentrischen Ringen. Man sieht sie bei sehr hoher Vergr\u00f6\u00dferung von Sternen. Jeder Bildpunkt eines Objekts erzeugt ein solches Beugungsbild und diese \u00fcberlappen sich bei fl\u00e4chigen Objekten wie Mond oder Planeten und verursachen eine Bildunsch\u00e4rfe. <\/p>\n<figure id=\"attachment_17428\" aria-describedby=\"caption-attachment-17428\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/500px-Airy-pattern.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/500px-Airy-pattern.svg_.png\" alt=\"Beugungsbild einer Punktquelle im Teleskop (Bild: Public Domain)\" width=\"500\" height=\"371\" class=\"size-full wp-image-17428\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-17428\" class=\"wp-caption-text\">Beugungsbild einer Punktquelle im Teleskop (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Airy-pattern.svg\">Bild: Public Domain<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Je mehr \u00d6ffnung, desto kleiner wird diese Beugungsfigur und desto sch\u00e4rfer wird das Bild. Das Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen wird in <i>Bogensekunden<\/i> [&#8222;] gemessen. Eine Bogensekunde ist der 3600. Teil eines Winkelgrads und ungef\u00e4hr 1\/1800 des Monddurchmessers. Das Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen gibt an, wie nahe zwei Punkte (etwa zwei Komponenten eines Doppelsterns) beieinander stehen d\u00fcrfen, damit sie gerade noch im Teleskop getrennt werden k\u00f6nnen (in etwa der Abstand zwischen dem Zentrum der Beugungsfigur und dem ersten Ring). Die Aufl\u00f6sung eines Teleskops von 10 cm Durchmesser betr\u00e4gt f\u00fcr gr\u00fcnes Licht der Wellenl\u00e4nge 550 nm etwa 1,4&#8243;, eines von 20 cm hat ein doppelt so hohes Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen von 0,7&#8220;. Es gilt also vereinfacht:<\/p>\n<blockquote><p>Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen = 1,4&#8243; \u2022 100 mm \/ \u00d6ffnung [mm]<\/p><\/blockquote>\n<p>Zum Vergleich: Der Winkeldurchmesser des Mars in Erdn\u00e4he (Opposition) schwankt zwischen 14&#8243; und 25&#8243; (diese Variationsbreite ergibt sich durch die elliptische Bahn des Mars und der somit schwankenden Entfernung bei der gr\u00f6\u00dften Ann\u00e4herung an die Erde). Viel weniger als 1&#8243; Aufl\u00f6sung braucht es visuell jedoch nicht, da die Luftunruhe der Atmosph\u00e4re  (im Fachjargon <i><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Seeing\">Seeing<\/a><\/i>) meistens die praktisch erreichbare Aufl\u00f6sung auf 1&#8243; oder schlechter begrenzt (lediglich beim \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lucky_Imaging\">Lucky Imaging<\/a>&#8220;  kommt man n\u00e4her an das theoretische Limit des Teleskops heran).<\/p>\n<p>Das Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen begrenzt auch die einsetzbare Vergr\u00f6\u00dferung, oberhalb der man lediglich ein unscharfes Bild gr\u00f6\u00dfer und lichtschw\u00e4cher macht, aber nichts gewinnt. Man m\u00f6chte also m\u00f6glichst viel \u00d6ffnung haben. Viele Amateure leiden an einer stark ansteckenden Krankheit, dem \u201e\u00d6ffnungsfieber&#8220;, das sie nach <a href=\"https:\/\/voices.nationalgeographic.com\/2013\/11\/08\/worlds-largest-backyard-telescope\">immer gr\u00f6\u00dferen Teleskopen<\/a> streben l\u00e4sst. Ungl\u00fccklicherweise steigt mit zunehmender \u00d6ffnung sowohl der Preis als auch das Gewicht des Teleskops \u00fcberproportional an. Beides sind jedoch gute Gegenmittel gegen galoppierendes \u00d6ffnungsfieber.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17429\" aria-describedby=\"caption-attachment-17429\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Focal-length-a.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Focal-length-a.png\" alt=\"Brennweite einer Sammellinse: Der Punkt F\u2019, in dem parallel durch die Linse einfallende Strahlen sich schneiden, hei\u00dft Brennpunkt der Linse, seine Entfernung f\u2019 von der Linse hei\u00dft Brennweite (Bild: JiPaul \/ from Henrik, CC-BY-SA 3.0)\" width=\"500\" height=\"379\" class=\"size-medium wp-image-17429\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-17429\" class=\"wp-caption-text\">Brennweite einer Sammellinse: Der Punkt F\u2019, in dem parallel durch die Linse einfallende Strahlen sich schneiden, hei\u00dft <i>Brennpunkt<\/i> der Linse, seine Entfernung f\u2019 von der Linse hei\u00dft <i>Brennweite<\/i> (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Focal-length-a.png\">Bild: JiPaul \/ from Henrik<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\">CC-BY-SA 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der zweite wichtige Parameter ist die <i>Brennweite<\/i> des Teleskops (hierbei wird die Brennweite des Objektivs angegeben), sie ergibt die mit einem bestimmten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Okular\">Okular<\/a> (so nennt sich die Linsengruppe auf der Augenseite des Teleskops; davon hat man stets mehrere verschiedener Brennweiten f\u00fcr verschiedene Vergr\u00f6\u00dferungen) erzielte Vergr\u00f6\u00dferung des Teleskops. Die Vergr\u00f6\u00dferung berechnet sich nach der einfachen Formel:<\/p>\n<blockquote><p>Vergr\u00f6\u00dferung = Objektivbrennweite \/ Okularbrennweite<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein Okular mit 10 mm Brennweite liefert an einem Teleskop mit 1000 mm Brennweite also 100-fache Vergr\u00f6\u00dferung, an einem Teleskop mit 2000 mm Brennweite 200-fache. <\/p>\n<p>Nur beim fotografischen Einsatz (den wir hier nur am Rande erw\u00e4hnen wollen) bestimmt die Brennweite die Abbildungsgr\u00f6\u00dfe des Teleskops und zusammen mit seiner \u00d6ffnung die Lichtst\u00e4rke. Fotoamateure kennen diese als Blendenzahl, die beim Teleskop fest ist, das sogenannte <i>\u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis<\/i>:<\/p>\n<blockquote><p>\u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis = Objektivdurchmesser \/ Brennweite = 1\/Blendenzahl<\/p><\/blockquote>\n<p>Beispielsweise hat ein Teleskop mit 200 mm \u00d6ffnung und 1 m Brennweite ein \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis von 1\/5 (h\u00e4ufig f\/5 geschrieben, wobei f f\u00fcr \u201efocal length&#8220; = Brennweite steht), entsprechend der fotografischen Blendenzahl 5, im Gegensatz zu einem Teleskop gleicher \u00d6ffnung mit 2 m Brennweite und \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis 1\/10 (Blendenzahl 10). Fotografen wissen, dass Blende 10 die vierfache Belichtungszeit ben\u00f6tigt als Blende 5, weswegen man bei gro\u00dfem \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis auch von einem \u201eschnellen&#8220; Teleskop spricht, bei einem geringen \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis von einem \u201elangsamen&#8220;.<\/p>\n<p>Wer das Teleskop haupts\u00e4chlich mit dem blo\u00dfen Auge benutzt, f\u00fcr den spielt das \u00d6ffnungsverh\u00e4ltnis und damit die Brennweite nur insofern eine Rolle, als dass sie die Baul\u00e4nge des Teleskops beeinflusst, so wie die Kosten f\u00fcr die Okulare f\u00fcr die geringsten Vergr\u00f6\u00dferungen, da Okulare mit gro\u00dfen Brennweiten teuerer sind als solche mit geringen. Also will man stets die k\u00fcrzeste Brennweite? Nein, leider zeigen schnelle Teleskope die st\u00e4rksten Bildfehler (Randunsch\u00e4rfen, Farbs\u00e4ume), deren Korrektur sie dann wieder verteuert. Eine gro\u00dfe Brennweite macht das Teleskop hingegen schwer und teuer zu montieren. Hier ist ein guter Kompromiss gefragt.<\/p>\n<p>Die zu w\u00e4hlenden Okularbrennweiten und damit Vergr\u00f6\u00dferungen richten sich nach dem Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen des Teleskops. Generell gilt die Faustregel, dass die <i>optimale Vergr\u00f6\u00dferung<\/i> f\u00fcr eine bestimmte \u00d6ffnung des Teleskops etwa seinem Durchmesser in Millimetern entspricht. Bei kontrastreichen Objekten und ruhiger Luft darf man diesen Wert ruhig um das Doppelte \u00fcberschreiten. So liefert ein Teleskop mit 20 cm \u00d6ffnung eine optimale Vergr\u00f6\u00dferung von 200fach, die etwa beim Mond, den Saturnringen oder engen Doppelsternen auch mal auf 400fach gesteigert werden darf. <\/p>\n<p>Die <i>lichtst\u00e4rkste<\/i> Vergr\u00f6\u00dferung erreicht man dann, wenn das verf\u00fcgbare Licht auf einen m\u00f6glichst kleinen Bereich der Netzhaut abgebildet wird, also bei einer m\u00f6glichst geringen Vergr\u00f6\u00dferung, die auch das gr\u00f6\u00dfte Blickfeld liefert. Hier gibt es jedoch eine praktische Grenze, die Gr\u00f6\u00dfe der <i>Austrittspupille<\/i> des Okulars. Die Austrittspupille ist der helle Fleck im Okular, den man mit etwas Abstand vom Okular sieht und durch den das Licht des Teleskops austritt. Sie ist die Abbildung des Objektivdurchmessers im Okular. Ihr Durchmesser berechnet sich zu <\/p>\n<blockquote><p>Austrittspupille = Objektivdurchmesser \/ Vergr\u00f6\u00dferung<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Austrittspupille w\u00e4chst also mit zunehmender \u00d6ffnung und abnehmender Vergr\u00f6\u00dferung. Wenn sie gr\u00f6\u00dfer wird, als die Augenpupille, dann f\u00e4llt Licht au\u00dferhalb der Augenpupille, das somit verloren geht. Man erzielt also den maximalen Gewinn, wenn man die geringste Vergr\u00f6\u00dferung so w\u00e4hlt, dass ihre Austrittspupille am jeweiligen Teleskop der im Dunklen erweiterten Augenpupille entspricht, welche bei jungen Menschen bis 7 mm gro\u00df sein kann, im allgemeinen jedoch eher bei 5-6 mm liegt. Bei einem 20 cm durchmessenden Fernrohr kommt man bei 5 mm Austrittspupille auf 40-fache Vergr\u00f6\u00dferung als untere Grenze.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17430\" aria-describedby=\"caption-attachment-17430\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Exit_Pupil.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Exit_Pupil.jpg\" alt=\"Austrittspupille bei einem Feldstecher (hier: 30 mm\/8 = 3,75 mm) (Bild: Evan Mason, CC-BY-SA 3.0)\" width=\"500\" height=\"443\" class=\"size-medium wp-image-17430\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-17430\" class=\"wp-caption-text\">Austrittspupille bei einem Feldstecher (hier: 30 mm\/8 = 3,75 mm) (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Exit_Pupil.JPG\">Bild: Evan Mason<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\">CC-BY-SA 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Vergr\u00f6\u00dferung bestimmt schlie\u00dflich zusammen mit dem <i>scheinbaren Gesichtsfeld<\/i> des Okulars das wahre Gesichtsfeld des Teleskops. Es gibt Okulare mit verschiedensten scheinbaren Gesichtsfeldern, also dem Winkel des im Okular sichtbaren Blickfelds; dies ist ein Parameter, der nur durch das Okular bestimmt ist. Es gibt mittlerweile Okulare mit 110\u00b0 scheinbarem Gesichtsfeld, bei denen man Kopf und Augen rollen muss, um den Rand des Gesichtsfelds zu sehen, man hat da schon den Eindruck, aus einem Fenster zu blicken. Diese kosten allerdings ein Verm\u00f6gen und sind eher nicht die Wahl f\u00fcr Anf\u00e4nger (wohl aber sp\u00e4ter f\u00fcr den ambitionierten Amateur eine wundervolle Erg\u00e4nzung). Die typischen Gesichtsfelder guter, aber kosteng\u00fcnstiger Okulare (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Okular#Okulartypen\">orthoskopisch, Pl\u00f6ssl oder Erfle<\/a>) liegen zwischen 50\u00b0 und 70\u00b0. Das wahre Gesichtsfeld eines Okulars berechnet sich n\u00e4herungsweise (f\u00fcr kleine scheinbare Gesichtsfelder) zu <\/p>\n<blockquote><p>Wahres Gesichtsfeld [\u00b0] = scheinbares Gesichtsfeld [\u00b0] \/ Vergr\u00f6\u00dferung<\/p><\/blockquote>\n<p>d.h. mit zunehmender Vergr\u00f6\u00dferung nimmt das Gesichtsfeld ab.<\/p>\n<p>Zuletzt noch eine Anmerkung zum <i><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Okular#Steckma.C3.9F_bzw._Durchmesser\">Okularsteckma\u00df<\/a><\/i>. Es gibt Okulare mit 2 Zoll und 1,25 Zoll Durchmesser (von weniger wollen wir hier gar nicht erst reden\u2026). Gute Teleskope k\u00f6nnen Okulare beiderlei Ma\u00dfes verwenden, sie haben einen Anschluss f\u00fcr 2 Zoll mit einem herausnehmbaren Reduzierring auf 1,25 Zoll. Der Grund f\u00fcr die Einf\u00fchrung von 2-Zoll-Okularen lag darin, dass Okulare gro\u00dfer Brennweite mit gro\u00dfem Blickfeld ein Gesichtsfeld in der Brennebene des Teleskops \u00fcberblicken, welches das 1,25-Zoll-Ma\u00df sprengt &#8211; das erfassbare Bild ist gr\u00f6\u00dfer als 1,25 Zoll und passt nicht in dieses Steckma\u00df. Au\u00dferdem haben Spiegelreflexkameras im alten Normalformat 24&#215;36 mm eine Bilddiagonale von 43 mm, das sind 1,7 Zoll. Damit die Bildr\u00e4nder voll ausgeleuchtet werden, muss ein entsprechend gro\u00dfer Teleskopanschluss gew\u00e4hlt werden. 2 Zoll leuchten ein solches Bild voll aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich werde oft um Rat gefragt, wenn es darum geht, ein passendes Teleskop zu kaufen. Leider kann ich da wenig weiterhelfen. Ich bin zwar Astronom, aber war selbst nie ein Hobby-Astronom und habe auch nie selbst ein Teleskop besessen. 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