{"id":22492,"date":"2014-11-30T09:35:00","date_gmt":"2014-11-30T08:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/11\/30\/was-tun-gegen-schreibblockade\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:53","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:53","slug":"was-tun-gegen-schreibblockade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/11\/30\/was-tun-gegen-schreibblockade\/","title":{"rendered":"Was tun gegen Schreibblockade?"},"content":{"rendered":"<p>Mein Job ist das Schreiben. Ich stehe morgens auf und schreibe erst Mal einen Haufen Emails. Dann schreibe ich einen oder zwei Artikel f\u00fcr mein Blog. Am Nachmittag schreibe ich dann vielleicht etwas f\u00fcr eine Zeitung oder schreibe an einem Buch. Ich schreibe Texte f\u00fcr meine Podcasts; Konzepte f\u00fcr neue Projekte; Beitr\u00e4ge f\u00fcr Facebook und Twitter und so weiter. Nat\u00fcrlich muss ich, um zu schreiben, dazwischen auch immer wieder recherchieren; B\u00fccher lesen; mit Menschen sprechen oder interessante Orte besuchen. Aber im Wesentlichen besteht mein Beruf aus Schreiben. Eine &#8222;Schreibblockade&#8220; ist da nat\u00fcrlich \u00e4u\u00dferst hinderlich &#8211; aber zum Gl\u00fcck habe ich damit nur \u00e4u\u00dferst selten zu tun.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die ber\u00fcchtigte &#8222;Angst vor dem leeren Blatt&#8220; habe ich eigentlich noch nie gehabt. Es ist mir immer leicht gefallen, Texte zu schreiben. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich keine &#8222;gro\u00dfe Literatur&#8220; verfasse, nicht an jedem einzelnen Satz feile bis er perfekt (? &#8211; das geht sowieso nicht) ist und kein Interesse an einem Literaturnobelpreis habe. Ich betrachte Schreiben als Mittel zum Zweck (in meinem Fall eben als Mittel zur Vermittlung von Wissenschaft). Ich m\u00f6chte einfach nur interessante Geschichten \u00fcber die Welt erz\u00e4hlen und von denen gibt es gl\u00fccklicherweise genug. Und wenn mir so eine Geschichte erst einmal eingefallen ist, dann brauche ich meistens nur wenig mehr Zeit daf\u00fcr, sie aufzuschreiben, als es dauert, den Text in die Tatstatur zu tippen. Ich habe auch festgestellt, dass ich beim Schreiben selbst am Besten denken kann. Mir schon vorab genau zu \u00fcberlegen, was ich im Detail schreiben will, bringt mir meistens wenig. Wie ich die Geschichten erz\u00e4hle f\u00e4llt mir erst w\u00e4hrend des Schreibens ein und insofern ist da f\u00fcr einen stetigen Schreibfluss gesorgt.<\/p>\n<p>Wenn, dann habe ich h\u00f6chstens ab und zu eine &#8222;Geschichtenblockade&#8220;. Nicht, weil mir keine interessanten Geschichten mehr in den Sinn kommen, sondern weil es nicht die richtigen Geschichten sind. Es ist ein wenig so wie mit der Kleidung: Man kann vor einem vollen Kleiderschrank stehen und trotzdem nichts finden, was man anziehen will. Die Geschichte muss zu meiner momentanen Stimmung passen und ich muss <i>Lust<\/i> haben, sie erz\u00e4hlen zu wollen. Das Schreiben l\u00e4uft dann ganz von alleine. Geschichten gibt es da drau\u00dfen genug: Jeden Tag sind die wissenschaftlichen Fachzeitschriften voll mit neuen Forschungsartikeln; Leserinnen und Leser haben mir Fragen gestellt die ich beantworten k\u00f6nnte; mir selbst fallen immer wieder Geschichten ein und die Themenliste auf meinem Notizblock wird immer l\u00e4nger &#8211; und so weiter. Und trotzdem gibt es Tage, an denen ich vor all diesen potentiellen Geschichten sitze und beim besten Willen keine Lust aufbringen kann, eine davon zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_17252\" aria-describedby=\"caption-attachment-17252\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/ThomasSchweicker2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/ThomasSchweicker2.jpg\" alt=\"Ob das bei Schreibblockade hilft? (Johann Georg Schenck, 1609)\" width=\"500\" height=\"457\" class=\"size-medium wp-image-17252\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-17252\" class=\"wp-caption-text\">Ob das bei Schreibblockade hilft? (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:ThomasSchweicker2.jpg\">Johann Georg Schenck, 1609<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dann helfen mir zwei Dinge: Man kann entweder die Geschichten ignorieren oder die Blockade. Die zweite M\u00f6glichkeit ist ziemlich einfach. Man schreibt eben, auch wenn man keine Lust dazu hat! Schreiben &#8211; zumindest die Art des Schreibens um die es mir geht &#8211; ist keine hohe Kunst die nur wenige Auserw\u00e4hlte beherrschen. Schreiben ist zum \u00fcberwiegenden Teil Handwerk und es f\u00e4llt um so leichter, je mehr man \u00fcbt. Man kann auch dann schreiben, wenn man gerade keine Lust darauf hat und mit gen\u00fcgend \u00dcbung kommt am Ende dann auch ein halbwegs brauchbarer Text dabei raus (es sei denn, man ist Perfektionist &#8211; aber das sollte man bei diesem Beruf nach M\u00f6glichkeit vermeiden, denn sonst kommt man nie zu irgendwas).<br \/>\nAnstatt der Blockade kann man aber auch einfach die Geschichten ignorieren. Wenn nix passendes im Kleiderschrank ist, kauft man sich etwas Neues. Und wenn man trotz des gro\u00dfen Angebots an Geschichten keine davon erz\u00e4hlen will, dann sucht man sich eben eine andere. Dann gehe ich meistens ein bisschen spazieren &#8211; sehr gerne durch die Buchhandlungen der Stadt; da finden sich immer jede Menge Anregungen. Oder ich laufe ein bisschen durch die W\u00e4lder von Jena und h\u00f6re ein paar Podcasts. Oder lege mich mit einem Buch in die Badewanne. Oder putze die Wohnung. Am Ende taucht dann meistens immer eine neue Geschichte auf, die ich erz\u00e4hlen will. Oder aber ich habe w\u00e4hrend der Suche nach neuen Geschichten so lange \u00fcber eine der alten nachgedacht, dass mir auf einmal eingefallen ist, wie man sie doch interessant erz\u00e4hlen kann. <\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich habe ja auch das Gl\u00fcck, mir so etwas leisten zu k\u00f6nnen. Ich habe keinen Chef, der mir vorschreibt, was ich wann zu schreiben habe und ich muss auch nicht jeden Tag zu Redaktionsschluss einen Text abliefern, wie das bei den Zeitungsjournalisten der Fall ist. Nat\u00fcrlich habe auch ich &#8211; wenn ich f\u00fcr Zeitungen Artikel oder f\u00fcr Verlage B\u00fccher schreibe &#8211; Deadlines, an die ich mich halten muss. Aber in diesem Fall geht es ja sowieso um Geschichten, die ich mir vorab schon selbst ausgesucht habe und von denen ich dann auch wei\u00df, dass ich sie erz\u00e4hlen will und kann (Und &#8211; um auch mal ein wenig anzugeben &#8211; ich habe bis jetzt noch nie eine Deadline verpasst. Oder auch nur bis zum letzten Tag ausgereizt!).<\/p>\n<figure id=\"attachment_17251\" aria-describedby=\"caption-attachment-17251\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/writersblock.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/writersblock.jpg\" alt=\"Die wissenschaftliche Fachliteratur zum Thema Schreibblockade ist nicht immer sehr ergiebig (aus &quot;The unsuccessful self-treatment of a case of \u201cwriter&#039;s block\u201d, Upper, 1974, J Appl Behav Anal.)\" width=\"500\" height=\"554\" class=\"size-medium wp-image-17251\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-17251\" class=\"wp-caption-text\">Die wissenschaftliche Fachliteratur zum Thema Schreibblockade ist nicht immer sehr ergiebig (aus <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC1311997\/\">&#8222;The unsuccessful self-treatment of a case of \u201cwriter&#8217;s block\u201d<\/a>, Upper, 1974, J Appl Behav Anal.)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber andere haben diese Freiheiten nicht; leiden aber trotzdem unter Schreibblockade. So etwas kann einen ja auch treffen, wenn man nicht als hauptberuflicher Schreiberling arbeitet. In der Schule, an der Universit\u00e4t oder in vielen anderen Berufen muss man ja ebenfalls alle m\u00f6glichen Texte schreiben und p\u00fcnktlich irgendwo abliefern. Schreibblockade kann jeden treffen und mich w\u00fcrde interessieren, wie andere damit umgeben. In einem Artikel <a href=\"https:\/\/www.journalist.de\/ratgeber\/handwerk-beruf\/redaktionswerkstatt\/schreibblockade-14-journalisten-erklaeren-was-sie-dagegen-tun.html\">bei &#8222;Journalist Online&#8220;<\/a> erz\u00e4hlen 14 Autoren, was sie dagegen tun (Dieser Artikel ist \u00fcbrigens schon fast zwei Wochen alt und steht ebenso lange auf meiner &#8222;Da k\u00f6nnte man mal dr\u00fcber schreiben&#8220;-Liste. Aber irgendwie hatte ich eben erst heute die n\u00f6tige Lust darauf). Im Wesentlichen sind das die gleichen Strategien, die ich auch schon erw\u00e4hnt habe: Trotzdem schreiben oder erstmal was anderes machen. <\/p>\n<p>Aber vielleicht hat ja jemand aus der Leserschaft andere M\u00f6glichkeiten und Techniken entwickelt und die w\u00fcrde mich sehr interessieren. Denn wer wei\u00df &#8211; vielleicht kommt ja die Schreibblockade doch noch mal so richtig und dann kann man als hauptberuflicher Autor nie genug L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten haben&#8230; \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/282a5a80099c48368ea075938838dd68\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Job ist das Schreiben. Ich stehe morgens auf und schreibe erst Mal einen Haufen Emails. Dann schreibe ich einen oder zwei Artikel f\u00fcr mein Blog. Am Nachmittag schreibe ich dann vielleicht etwas f\u00fcr eine Zeitung oder schreibe an einem Buch. 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