{"id":22366,"date":"2014-11-11T11:45:57","date_gmt":"2014-11-11T10:45:57","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/11\/11\/satelliten-meteoriten-und-fleischextrakt-darmstadt-die-weltraumstadt\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:42","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:42","slug":"satelliten-meteoriten-und-fleischextrakt-darmstadt-die-weltraumstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/11\/11\/satelliten-meteoriten-und-fleischextrakt-darmstadt-die-weltraumstadt\/","title":{"rendered":"Satelliten, Meteoriten und Fleischextrakt: Darmstadt, die Weltraumstadt!"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin heute zu Besuch in Darmstadt. In der viertgr\u00f6\u00dften Stadt von Hessen war ich schon oft. Fr\u00fcher, um dort auf meiner w\u00f6chentlichen Pendelstrecke zwischen Jena und Heidelberg am Bahnhof umzusteigen. Und immer wieder auch, um das Raumflugzentrum ESOC der Europ\u00e4ischen Weltraumagentur zu besuchen. Das ist auch der Grund meiner aktuellen Reise, denn schlie\u00dflich <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/11\/11\/countdown-zur-kometenlandung-noch-1-tag-der-zeitplan-was-passiert-wann\/\">steht ja die Kometenlandung der Rosetta-Mission bevor<\/a>. Das ESOC ist praktischerweise gleich neben dem Bahnhof; genau so wie das Hotel in dem ich immer wohne, wenn ich dort bin. Und wenn die kurzen Wege zwischen Bahnhof, Hotel und ESOC zwar viel Zeit sparen, haben sie doch dazu gef\u00fchrt, dass ich bis jetzt von der Stadt selbst noch nicht wirklich viel gesehen habe. Und das ist schade &#8211; denn in Darmstadt ist jede Menge los. Besonders was den Weltraum angeht!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<figure id=\"attachment_16863\" aria-describedby=\"caption-attachment-16863\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/20141111_123326-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/20141111_123326-scaled.jpg\" alt=\"Das Bahnhofsviertel kenne ich schon...\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-16863\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16863\" class=\"wp-caption-text\">Das Bahnhofsviertel kenne ich schon&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>ESOC, das <i>Europ\u00e4isches Raumflugkontrollzentrum<\/i>, ist nat\u00fcrlich Darmstadts offensichtlichste Verbindung zum Weltraum. Dort arbeiten immerhin knapp 800 Menschen daran, dass die verschiedenen europ\u00e4ischen Weltraummissionen vern\u00fcnftig funktionieren. Aber mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/EUMETSAT\">EUMETSAT<\/a> beherbergt Darmstadt noch eine zweite gro\u00dfe europ\u00e4ische Weltraumorganisation. Die &#8222;Europ\u00e4ische Organisation f\u00fcr die Nutzung meteorologischer Satelliten&#8220; besteht aus immerhin 30 L\u00e4ndern und ohne die von ihr betriebenen Satelliten w\u00e4re der t\u00e4gliche Wetterbericht w\u00e4re die Arbeit der Meteorologen wesentlich schwieriger. Schon 1977 hat man mit Meteosat-1 den ersten europ\u00e4ischen Wettersatelliten ins All geschickt und ist mittlerweile schon bei <i>Meteosat-10<\/i> angekommen der gemeinsam mit Nummer 7, 8 und 9 zu den vier aktiven Wettersatelliten von EUMETSAT geh\u00f6rt. Dazu kommen noch zwei aktive <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/MetOp\">MetOp-Satelliten<\/a>, die die Erde von einer polaren Umlaufbahn aus betrachten und ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jason_%28Satellit%29\">Jason-Satellit zur Meeresbeobachtung<\/a>.<\/p>\n<p>Darmstadt hat aber noch mehr Verbindungen zum Weltraum. Unter anderem auch zu den Asteroiden und Kometen, die ja im Mittelpunkt des <i>Rosetta-Events<\/i> stehen. Diese Kleink\u00f6rper im Sonnensystem waren ja lange Zeit unbekannt. Den ersten Asteroiden entdeckte man erst im Jahr 1801 und wenn man auch die Kometen schon immer am Himmel sehen konnte, war den Menschen lange v\u00f6llig unklar, um was es sich dabei handelt. Man dachte zum Beispiel, es handle sich um leuchtende Wolken in der Atmosph\u00e4re der Erde oder \u00e4hnlich &#8222;nahe&#8220; Ph\u00e4nomene. Daran, dass im Weltraum neben den Planeten auch jede Menge kleine Steine herumfliegen, dachte niemand. Das erschien den Menschen absurd und auch die immer wieder auf die Erde fallenden Meteoriten \u00e4nderten vorerst nichts daran. Diese Stamme stammen von der Erde und wurden irgendwie in die Luft geschleudert, dachte man. Oder sie h\u00e4tten sich aus Staub in der Atmosph\u00e4re gebildet. <\/p>\n<p>Eine wichtige Rolle bei der Entdeckung der wahren Herkunft der mysteri\u00f6sen Steine spielte der in Darmstadt geborene Wissenschaftler <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Christoph_Lichtenberg\">Georg Christoph Lichtenberg<\/a>. Der arbeitete zwar in G\u00f6ttingen, war aber im 18. Jahrhundert ein einflussreicher Naturforscher mit vielen Kontakten und 1792 besuchte er einen Vortrag des Physikers <i>Ernst Chladni<\/i>. Der besch\u00e4ftigte sich damals zwar noch haupts\u00e4chlich mit Akustik, aber als Lichtenberg ihn auf das Ph\u00e4nomen der Steine, die vom Himmel fallen hinwies, war er fasziniert. Chladni widmete sich der Erforschung der Meteoriten und kam 1794 in seinem Buch zum Thema zu dem Schluss, dass es sich dabei auf jeden Fall um Objekte aus dem Weltraum handeln muss. Es hat noch ein bisschen gedauert, bis sich diese korrekte Sicht der Dinge allgemein durchgesetzt hat. Als 10 Jahre sp\u00e4ter, im Jahr 1804, ein Meteorit direkt bei Darmstadt auf die Erde fiel, war die Sache schon klarer &#8211; vor allem weil ein Jahr zuvor im franz\u00f6sischen L&#8217;Aigle <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/L%E2%80%99Aigle_%28Meteorit%29\">ein gro\u00dfer Meteoritenregen niederging<\/a>, dessen wissenschaftliche Erforschung Chladnis Ansicht zum Durchbruch verhalf. <\/p>\n<p>Heute ist der <a href=\"https:\/\/www.lpi.usra.edu\/meteor\/metbull.php?sea=darmstadt&#038;sfor=names&#038;ants=&#038;falls=&#038;valids=&#038;stype=contains&#038;lrec=50&#038;map=ge&#038;browse=&#038;country=All&#038;srt=name&#038;categ=All&#038;mblist=All&#038;rect=&#038;phot=&#038;snew=0&#038;pnt=Normal%20table&#038;code=6603\">Meteorit von Darmstadt<\/a> einer der 50 offiziell best\u00e4tigten Meteoritenfunde in Deutschland und der 100 Gramm schwere Gesteinsbrocken aus dem All tr\u00e4gt auch offiziell den Namen &#8222;Darmstadt&#8220;.<\/p>\n<p><i>In den Weltraum<\/i> ist direkt von Darmstadt bis jetzt allerdings noch niemand geflogen. Man kontrolliert von dort zwar Satelliten und Raumsonden, aber Raketen starten in Hessen nicht. Aber als die Menschen 1865 das erste Mal zum Mond flogen, hatten sie trotzdem eine Darmst\u00e4dter Erfindung mit dabei! Ok, dieser Flug zum Mond fand nicht in der Realit\u00e4t statt, sondern in den Romanen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Von_der_Erde_zum_Mond\">&#8222;Von der Erde zum Mond&#8220;<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reise_um_den_Mond\">&#8222;Reise um den Mond&#8220;<\/a> von Jules Verne. Darin erz\u00e4hlt er die Geschichte, wie tapfere Astronauten in ihrer Kapsel mit einer riesigen Kanone zum Mond geschossen werden. Und da der Flug ein wenig dauert, m\u00fcssen sie unterwegs nat\u00fcrlich etwas essen. Was, das kann man in <a href=\"https:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/reise-um-den-mond-7131\/4\">Kapitel 3<\/a> von &#8222;Reise um den Mond&#8220; nachlesen:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Das Fr\u00fchst\u00fcck begann mit drei Tassen vortrefflicher Bouillon, welche durch Aufl\u00f6sung jenes k\u00f6stlichen Liebig&#8217;schen Fleischextracts gewonnen wurde, der aus den besten St\u00fccken des Rindviehs der Pampas bereitet wird.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<figure id=\"attachment_16856\" aria-describedby=\"caption-attachment-16856\" style=\"width: 323px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Liebigbild-Bala_Hissar_and_Khaiber_Pass.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Liebigbild-Bala_Hissar_and_Khaiber_Pass.jpg\" alt=\"Auch die afghanische Armee mag Fleischextrakt! Behauptet zumindest dieses Fleischextraktsammelbild... (Bild: Public Domain)\" width=\"323\" height=\"528\" class=\"size-full wp-image-16856\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16856\" class=\"wp-caption-text\">Auch die afghanische Armee mag Fleischextrakt! Behauptet zumindest dieses Fleischextraktsammelbild&#8230; (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Liebigbild-Bala_Hissar_and_Khaiber_Pass.jpg\">Bild: Public Domain)<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Den erw\u00e4hnten &#8222;Liebig&#8217;schen Fleischextract&#8220; gab es tats\u00e4chlich. Entwickelt hat ihn 1852 der in Darmstadt geborene Chemiker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Justus_von_Liebig\">Justus von Liebig<\/a> und dieser Vorl\u00e4ufer von Br\u00fchw\u00fcrfel und Maggi-W\u00fcrze war damals der gro\u00dfe Hit und machte Liebig sehr popul\u00e4r. Es gab sogar sehr beliebte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liebigbild\">Sammelbilder<\/a>, die dem Extrakt beigelegt waren. Ob er in der Raumfahrt irgendwann tats\u00e4chlich einmal eingesetzt worden ist, konnte ich so spontan nicht herausfinden &#8211; aber er wurde auf jeden Fall als eiserne Ration f\u00fcr Soldaten in vielen Armeen verwendet und vielleicht hat ja auch der eine oder andere echte Astronaut w\u00e4hrend seiner Armeezeit die Darmst\u00e4dter Erfindung probiert. <\/p>\n<p>Ich habe jetzt jedenfalls Hunger bekommen und werde mich noch ein wenig genauer in der Stadt umsehen. Wer wei\u00df, welche interessanten Verbindungen zum Weltraum ich in Darmstadt noch entdeckten werde. \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/953f62b09c1a4c5eb22f6823c9321c2b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin heute zu Besuch in Darmstadt. In der viertgr\u00f6\u00dften Stadt von Hessen war ich schon oft. Fr\u00fcher, um dort auf meiner w\u00f6chentlichen Pendelstrecke zwischen Jena und Heidelberg am Bahnhof umzusteigen. 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