{"id":22330,"date":"2014-11-03T13:28:29","date_gmt":"2014-11-03T12:28:29","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/11\/03\/exozodiakales-licht-ist-heller-als-gedacht-und-koennte-die-suche-nach-fremden-planeten-behindern\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:38","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:38","slug":"exozodiakales-licht-ist-heller-als-gedacht-und-koennte-die-suche-nach-fremden-planeten-behindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/11\/03\/exozodiakales-licht-ist-heller-als-gedacht-und-koennte-die-suche-nach-fremden-planeten-behindern\/","title":{"rendered":"Exozodiakales Licht ist heller als gedacht und k\u00f6nnte die Suche nach fremden Planeten behindern"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt da drau\u00dfen im Weltall nicht nur Sterne. Mittlerweile wissen wir, dass diese Sterne <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2013\/04\/05\/die-wunderbare-welt-der-exoplaneten-vii-planeten-sind-uberall\/\">von jeder Menge Planeten umkreist werden<\/a>. Aber das ist nat\u00fcrlich noch nicht alles. Unser Sonnensystem ist mit seiner Vielfalt an Himmelsk\u00f6rpern nicht einzigartig. Auch anderswo gibt es neben den Planeten auch Kleink\u00f6rper wie Asteroiden <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/10\/28\/die-extrasolaren-kometen-von-beta-pictoris\/\">und Kometen<\/a>. Und mittlerweile sind wir sogar in der Lage, bei fernen Sternen Dinge zu sehen, die die meisten von uns noch nicht einmal in unserem eigenen Sonnensystem beobachtet haben. Das <i>Zodiakallicht<\/i> zum Beispiel.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Zodiakallicht geh\u00f6rt zu den eher unbekannten Ph\u00e4nomenen, die man an unserem Nachthimmel beobachten kann (ich habe <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/10\/03\/sternengeschichten-folge-97-das-zodiakallicht\/\">k\u00fcrzlich in meinem Podcast dar\u00fcber gesprochen<\/a>). Wenn es drau\u00dfen so wirklich dunkel ist, kann man einen schwachen, diffusen Lichtschein erkennen, der aus einer langgestreckten, dreieckigen Region entlang der <i>Ekliptik<\/i> (der an den Himmel projizierten Ebene der Erdbahn) kommt. Es wird vom interplanetaren Staub erzeugt, also all den kleinen Staubk\u00f6rnern, die zwischen den Planeten durchs Sonnensystem schwirren. Sie stammen von Asteroiden, die miteinander kollidiert sind oder von den Hinterlassenschaften der Kometen, die sich bei jeder Ann\u00e4herung an die Sonne langsam aufl\u00f6sen. Der Staub reflektiert das Licht der Sonne und wenn es finster genug ist, kann man das gut erkennen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16752\" aria-describedby=\"caption-attachment-16752\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/zodiacal_beletsky_potw.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/zodiacal_beletsky_potw.jpg\" alt=\"Das Zodiakallicht \u00fcber dem La-Silla-Observatorium in Chile (Bild: ESO\/Y. Beletsky)\" width=\"500\" height=\"369\" class=\"size-medium wp-image-16752\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16752\" class=\"wp-caption-text\">Das Zodiakallicht \u00fcber dem La-Silla-Observatorium in Chile (<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/images\/zodiacal_beletsky_potw\/\">Bild: ESO\/Y. Beletsky<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Leider ist es in den meisten Gegenden der Erde nicht mehr finster genug und die meisten Menschen haben das Licht des kosmischen Staubs noch nie gesehen. Astronomen um Steve Ertel von der Universit\u00e4t Grenoble haben solch ein Zodiakallicht aber nun bei <i>anderen<\/i> Sternen beobachtet (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1409.6143\">&#8222;A near-infrared interferometric survey of debris-disc stars. IV. An unbiased sample of 92 southern stars observed in H-band with VLTI\/PIONIER&#8220;<\/a>). Die Detektion von Staub bei anderen Sternen ist an sich keine Neuigkeiten. Staub <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2013\/03\/29\/die-wunderbare-welt-der-exoplaneten-teil-ii-staubige-geheimnisse\/\">hat man schon 1984 entdeckt<\/a>, lange bevor die ersten extrasolaren Planeten gefunden wurden. Bei diesem Staub handelte es sich aber um Staub, der sich weit entfernt vom Stern befindet beziehungsweise um Staub, der junge Sterne umgibt und der sich erst noch zu Planeten formen muss. <\/p>\n<p>Bei der <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/news\/eso1435\/\">aktuellen Beobachtung<\/a> geht es aber nicht um solche jungen <i>primordialen Staubscheiben<\/i> und auch nicht um die \u00e4lteren <i>Tr\u00fcmmerscheiben<\/i>, sondern um Staub, der sich nahe am Stern befindet. Staub, der sich in den Regionen aufh\u00e4lt, in der auch potentiell lebensfreundliche Planeten sein k\u00f6nnten; Staub also, der dem Staub \u00e4hnelt, der unser Zodiakallicht verursacht.<\/p>\n<p>Steve Ertel und seine Kollegen haben sich 92 Sterne mit den gro\u00dfen Teleskopen der <i>Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte<\/i> angesehen und bei 9 von ihnen klare Anzeichen f\u00fcr Exozodiakallicht gefunden. Dazu muss man sich das Infrarotlicht genau ansehen, dass von den fernen Sternen zu uns gelangt. Wir wissen ziemlich genau, wie viel Licht ein Stern bei einer bestimmten Wellenl\u00e4nge abstrahlt. Wenn nun aber mehr Infrarotlicht bei uns ankommt als erwartet, dann muss sich dort irgendwas befinden, dass daf\u00fcr verantwortlich ist. Dieses Etwas ist der Staub, der von der Strahlung des Sterns aufgeheizt wird und diese Energie in Form von W\u00e4rme wieder ins All abgibt. Aus der St\u00e4rke und Wellenl\u00e4nge der Infrarotstrahlung kann man dann die Menge und die Temperatur (und damit die Entfernung vom Stern) des Staubs ableiten.<\/p>\n<p>Die Beobachtungen von Ertel und seiner Kollegen sind aus verschiedenen Gr\u00fcnden interessant. Einmal, weil wir nun in der Lage sind, auch einen weiteren Aspekt fremder Sternsysteme detailliert und statistisch zu untersuchen. Aber auch, weil sich das Exozodiakallicht von dem in unserem Sonnensystem unterscheidet. Bei uns ist der Lichtschein sehr schwach, weil die Menge des Staubs vergleichsweise gering ist. Bei den beobachteten Sternen ist das Licht bis zu 1000 Mal heller, was auf eine entsprechend gr\u00f6\u00dfere Menge an Staub hindeutet. Und nicht nur das: Besonders helles Exozodiakallicht hat man bei alten Sternen entdeckt und das ist seltsam. Normalerweise sollte es genau umgekehrt sein: Je \u00e4lter ein Stern ist, desto weniger Asteroiden und Kometen sollte es dort geben und desto weniger Staub sollte produziert werden. Die Kleink\u00f6rper werden im Laufe der Zeit durch nahe Begegnungen mit Planeten aus dem System geworfen oder bei Kollision zerst\u00f6rt und der Staub selbst wird vom Sternwind aus den inneren Bereichen gepustet. Gro\u00dfe Mengen an Staub erwartet man eigentlich bei jungen Sternen, nicht bei den alten Exemplaren. <\/p>\n<p>Warum das so ist, ist noch unklar. Vermutlich existieren dort Mechanismen zur Staubproduktion, die wir bis jetzt noch nicht verstanden haben. Oder &#8211; und das ist meine pers\u00f6nliche Vermutung &#8211; es handelt sich um Sonderf\u00e4lle, die der unvollst\u00e4ndigen Statistik zu verdanken sind. Es ist logisch, dass wir die Systeme zuerst entdecken, bei denen das Exozodiakallicht besonders hell ist. Je besser unsere Instrumente werden, desto mehr Sterne mit schw\u00e4cherem Zodiakallicht werden wir auch finden. Bei den Planeten war es ja \u00e4hnlich: Auch da haben wir anfangs <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=9114\">nur die seltsamen Spezialf\u00e4lle entdeckt<\/a>, bevor wir in der Lage waren, auch die &#8222;normalen&#8220; Himmelsk\u00f6rper zu detektieren.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz sind diese staubreichen alten Sterne aber vorhanden und aus ihrer Untersuchung werden wir vermutlich genau so viel Neues lernen k\u00f6nnen wie aus den fr\u00fchen Spezialf\u00e4llen bei der Planetensuche. Und sollte sich das helle Exozodiakallicht doch als Normalfall herausstellen, dann k\u00f6nnte uns das in Zukunft sogar noch ein paar Probleme bescheren. Denn wir haben ja vor, im n\u00e4chsten Jahrzehnt mit neuen Riesenteleskopen auf die Suche nach erd\u00e4hnlichen Planeten zu gehen und diese Planeten dann auch <i>direkt<\/i> zu beobachten. Das hei\u00dft, wir wollen das von diesen Planeten reflektierte Licht direkt mit unseren Instrumenten analysieren und daraus Informationen \u00fcber die Lebensfreundlichkeit der Himmelsk\u00f6rper ableiten. Wenn aber nun genau die Regionen, in denen sich solche Planeten aufhalten auch jede Menge Staub enthalten und dieser Staub f\u00fcr ein sehr helles Zodiakallicht sorgt, dann k\u00f6nnte es schwer werden, das Licht der erd\u00e4hnlichen Himmelsk\u00f6rper zu detektieren!<\/p>\n<p>Wie gesagt: Bis jetzt haben wir nur eine kleine Anzahl von Sternen auf ihren interplanetaren Staub hin untersucht. Es ist noch zu fr\u00fch, um allgemeine Aussagen machen zu k\u00f6nnen. Aber es ist auf jeden Fall jetzt schon klar, dass wir den Staub nicht ignorieren d\u00fcrfen, wenn wir mehr \u00fcber die fremden Welten lernen wollen!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/d0cf6216d5ef46a9a2b0845ef2a8573c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt da drau\u00dfen im Weltall nicht nur Sterne. Mittlerweile wissen wir, dass diese Sterne von jeder Menge Planeten umkreist werden. Aber das ist nat\u00fcrlich noch nicht alles. Unser Sonnensystem ist mit seiner Vielfalt an Himmelsk\u00f6rpern nicht einzigartig. Auch anderswo gibt es neben den Planeten auch Kleink\u00f6rper wie Asteroiden und Kometen. 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