{"id":22244,"date":"2014-10-09T08:21:41","date_gmt":"2014-10-09T06:21:41","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/10\/09\/zehntausend-mal-staerker-als-bei-der-sonne-eine-gigantische-explosion-auf-einem-kleinen-stern\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:28","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:28","slug":"zehntausend-mal-staerker-als-bei-der-sonne-eine-gigantische-explosion-auf-einem-kleinen-stern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/10\/09\/zehntausend-mal-staerker-als-bei-der-sonne-eine-gigantische-explosion-auf-einem-kleinen-stern\/","title":{"rendered":"Zehntausend Mal st\u00e4rker als bei der Sonne: Eine gigantische Explosion auf einem kleinen Stern!"},"content":{"rendered":"<p>Am Himmel unserer Erde sieht die Sonne eigentlich immer gleich aus. Sie leuchtet vor sich hin und daran \u00e4ndert sich nicht viel (sie wird zwar <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2013\/07\/26\/sternengeschichten-folge-35-das-paradoxon-der-jungen-schwachen-sonne\/\">langsam immer heller<\/a>, aber dieser Effekt l\u00e4sst sich nur im Laufe von Jahrmillionen beobachten). Erst wenn man genauer hin sieht, zeigt sich, dass die Sonne keine gro\u00dfe, konstant leuchtende &#8222;Gl\u00fchbirne&#8220; am Himmel ist, sondern ein chaotischer, brodelnder Haufen aus hei\u00dfem Plasma. Ein chaotischer, brodelnder Haufen aus hei\u00dfem Plasma, bei dem es immer wieder Mal zu gro\u00dfen Explosionen kommt. Diese <i>Flares<\/i> k\u00f6nnen ziemlich heftig werden und dann durchaus auch Einfluss auf die Erde haben &#8211; aber normalerweise kriegen wir davon am Erdboden wenig mit. Ein k\u00fcrzlich von Astronomen beobachteter Stern hat sich aber als ein ganz anderes Kaliber herausgestellt. Dort wurde eine Explosion registriert, die zehntausend Mal st\u00e4rker war als alles, was unsere Sonne je zustande gebracht hat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Stern hei\u00dft DG Canum Venaticorum (DG CVn) und befindet sich 60 Lichjahre weit weg in Richtung des eher unbekannten Sternbilds der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jagdhunde_%28Sternbild%29\">Jagdhunde<\/a>). Beobachtet wurde er mit dem NASA-Teleskop <i>Swift<\/i>. Es dient eigentlich dazu, <i>Gammablitze<\/i> zu registrieren. \u00dcber diese gr\u00f6\u00dften kosmischen Explosionen habe ich fr\u00fcher schon mehr geschrieben (siehe hier: <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/01\/19\/was-ist-ein-gammablitz-teil-1\/\">Teil 1<\/a>, <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/01\/20\/was-ist-ein-gammablitz-teil-2\/\">Teil 2<\/a>); sie entstehen, wenn ein gro\u00dfer Stern sein Leben explosiv beendet. Bei so einer <i>Hypernova<\/i> wird der gesamte Stern zerst\u00f6rt und leuchtet dabei kurzfristig heller als eine ganze Galaxie. Aber mit dem, was man am 23. April 2014 bei DG Cvn beobachtet hatte, hatten die Wissenschaftler nicht gerechnet. Sie hatten nicht einmal damit gerechnet, dass dieser Stern \u00fcberhaupt ein lohnendes Ziel f\u00fcr Swifts Beobachtungen w\u00e4re. Dann aber hat das &#8222;Burst Alert Telescope (BAT)&#8220; von Swift dort einen Ausbruch von Gammastrahlung detektiert und die automatisierten Routinen des Satelliten schlugen Alarm. Die Kameras der wissenschaftlichen Instrumente wurden nun auf DG CVn gerichtet und sammelten Daten (<a href=\"https:\/\/www.astronomerstelegram.org\/?read=6121\">&#8222;Swift Detection of a Superflare from DG CVn&#8220;<\/a>). Daten, die \u00fcberraschend waren&#8230;<\/p>\n<figure id=\"attachment_16479\" aria-describedby=\"caption-attachment-16479\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/dg_cvn_flare_final_4k_0-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/dg_cvn_flare_final_4k_0-scaled.jpg\" alt=\"K\u00fcnstlerische Darstellung von DG CVn (Bild: NASA&#039;s Goddard Space Flight Center\/S. Wiessinger)\" width=\"500\" height=\"281\" class=\"size-medium wp-image-16479\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16479\" class=\"wp-caption-text\">K\u00fcnstlerische Darstellung von DG CVn (<a href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/content\/goddard\/nasas-swift-mission-observes-mega-flares-from-a-mini-star\/\">Bild: NASA&#8217;s Goddard Space Flight Center\/S. Wiessinger<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Man sah keinen explodierenden Stern, sondern einen schon bekannten Himmelsk\u00f6rper, der pl\u00f6tzlich enorm hell aufleuchtete. Und drei Stunden nach dieser ersten Explosion folgte eine zweite, die mindestens ebenso hell war. In den n\u00e4chsten 20 Tagen kam es bei DG CVn immer wieder zu gro\u00dfen Explosionen, bevor sich der Stern wieder beruhigt hatte. Man hatte diesmal nicht den Tod eines Sterns beobachtet, sondern seine Flares. Die waren aber deutlich st\u00e4rker als man es von der Sonne gewohnt war. Sonnenst\u00fcrme <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/08\/13\/video-wie-man-sonnensturme-klassifiziert\/\">klassifiziert man<\/a> mit einer Skala auf der die St\u00fcrme der Klasse X die st\u00e4rksten Explosionen hervorrufen. Eine Zahl hinter dem X gibt die Intensit\u00e4t genauer an und der gr\u00f6\u00dfte bisher beobachtete Flare auf der Sonne lag bei X45. Das, was man auf DG CVn beobachtet hatte, war aber ungef\u00e4hr X100000&#8230;<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte nun denken, dass so eine gigantische Explosion nur auf einem entsprechend gigantischen Stern stattfinden kann. Aber das Gegenteil ist der Fall: Bei DG CVn handelt es sich um einen roten Zwergstern (eigentlich ein Doppelstern). Seine Masse betr\u00e4gt ein Drittel der Sonnenmasse, sein Durchmesser ein Drittel des Sonnendurchmessers und seine Leuchtkraft (normalerweise) nur ein Hundertstel der Sonnenleuchtkraft. Aber genau diese Eigenschaften machen den roten Zwergstern zu einem guten Kandidaten f\u00fcr gro\u00dfe Flares.<\/p>\n<p>Die Aktivit\u00e4t der Sonne habe ich fr\u00fcher <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2013\/02\/04\/das-maximum-der-sonnenaktivitat-sonnensturme-und-grose-katastrophen\/\">schon ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt<\/a>. Kurz zusammengefasst entsteht sie durch die Bewegung des Sonnenplasmas und dessen elektromagnetische Eigenschaften. Die Teilchen des Plasmas sind elektromagnetisch geladen und werden daher von den solaren Magnetfeldern beeinflusst. Die solaren Magnetfelder wiederum entstehen durch die Bewegung des geladenen Plasmas. Und die oberen Schichten der Sonne sind durch die Konvektion st\u00e4ndig in Bewegung: Kaltes Material an der Oberfl\u00e4che sinkt ab und warmes von weiter unten steigt auf. Insgesamt entsteht so ein f\u00fcrchterliches Kuddel-Muddel aus herumwirbelnden Plasma, das die Magnetfelder entsprechend chaotisch mit sich zieht. Sind die Magnetfelder zu stark verdreht und durcheinander, kommt es zu einem &#8222;Kurzschluss&#8220; und die in den Feldern gespeicherte Energie wird freigesetzt. Eine Explosion und ein Flare sind die Folge.<\/p>\n<p>Das passiert im Prinzip auch bei dem kleinen roten Zwergstern DG CVn. Nur dass hier im Gegensatz zur Sonne nicht nur die obersten Schichten durch Konvektion in Bewegung sind, sondern <i>der gesamte Stern<\/i>. Das ganze Plasma des Sterns ist hier in Bewegung, bis hinunter zum Kern. Au\u00dferdem ist DG CVn noch recht jung und rotiert sehr schnell: Er braucht f\u00fcr eine Drehung knapp einen Tag (wohingegen die Sonne gut einen Monat f\u00fcr eine Rotation braucht). All diese Dynamik sorgt daf\u00fcr, dass wesentlich mehr Energie in den Magnetfeldern von DG CVn gespeichert werden kann als bei unserer Sonne. Und wenn es dann zum Kurzschluss kommt, sind die Folgen dementsprechend gr\u00f6\u00dfer&#8230;<\/p>\n<p>In <a href=\"https:\/\/youtu.be\/hL9OHXw_-A8\">diesem Video<\/a> erkl\u00e4ren die Forscher nochmal selbst, was sie entdeckt haben und man kann die Beobachtungsdaten und sch\u00f6ne Animationen sehen:<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/hL9OHXw_-A8\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/center><\/p>\n<p>Angst brauchen wir davor \u00fcbrigens keine haben. Der Stern befindet sich ja 60 Lichtjahre weit weg und das ist mehr als ausreichend. Selbst ein viel n\u00e4herer Stern k\u00f6nnte uns mit seinen Eruptionen nicht gef\u00e4hrlich werden. Aber es lohnt sich trotzdem, diese Mega-Explosionen zu untersuchen. Rote Zwerge wie DG CVn gelten als gute Kandidaten f\u00fcr die Suche nach Exoplaneten. Da sie so klein und leuchtschwach sind, lassen sich etwaige Planeten die sie umkreisen, gut entdecken. Rote Zwerge haben auch eine extrem lange Lebensdauer und k\u00f6nnen viele Milliarden Jahre l\u00e4nger existieren als gr\u00f6\u00dfere Sterne wie unsere Sonne. Leben h\u00e4tte dort also ausreichend Zeit um sich zu entwickeln &#8211; entsprechende Planeten m\u00fcssten ihrem Stern aber auch viel n\u00e4her sein als bei uns, da die Leuchtkraft der roten Zwerge ja auch deutlich geringer ist. <\/p>\n<p>Ein Planet, der DG CVn in geringem Abstand umkreisen w\u00fcrde, w\u00e4re von diesem Megaflare vermutlich nicht recht begeistert gewesen. Beziehungsweise dessen potentielle Bewohner, deren ebenso potentielle Zivilisation den Aktivit\u00e4tsausbruch vermutlich nicht \u00fcberstanden h\u00e4tte. Wenn wir verstehen wollen, wie gut die Chancen sind, irgendwo dort drau\u00dfen au\u00dferirdisches Leben zu entdecken, dann lohnt es sich, mehr \u00fcber die Gefahren zu lernen, die im Weltall existieren&#8230;<\/p>\n<p><center><i>(via <a href=\"https:\/\/www.slate.com\/blogs\/bad_astronomy\/2014\/10\/08\/megaflare_red_dwarf_star_blows_out_a_huge_flare.html\">Bad Astronomy<\/a>)<\/i><\/center><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/60023b4d598d4a028ed8567f5afdf1ed\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Himmel unserer Erde sieht die Sonne eigentlich immer gleich aus. 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