{"id":22216,"date":"2014-10-01T07:52:20","date_gmt":"2014-10-01T05:52:20","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/10\/01\/der-saturnmond-titan-veraendert-sich-und-keiner-weiss-warum\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:26","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:26","slug":"der-saturnmond-titan-veraendert-sich-und-keiner-weiss-warum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/10\/01\/der-saturnmond-titan-veraendert-sich-und-keiner-weiss-warum\/","title":{"rendered":"Der Saturnmond Titan ver\u00e4ndert sich &#8211; und keiner wei\u00df warum!"},"content":{"rendered":"<p>Der Saturnmond Titan geh\u00f6rt mit Sicherheit zu den faszinierendsten Himmelsk\u00f6rpern in unserem Sonnensystem. Der 5150 Kilometer gro\u00dfe Monde hat eine dichte Atmosph\u00e4re; allerdings keine aus Stickstoff und Sauerstoff so wie auf der Erde sondern eine die fast ausschlie\u00dflich aus Stickstoff besteht. Au\u00dferdem ist es so fern der Sonne auch so kalt, dass kein fl\u00fcssiges Wasser auf Titans Oberfl\u00e4che existieren kann. Daf\u00fcr gibt es aber fl\u00fcssiges <i>Methan<\/i>, das <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/12\/13\/der-nil-auf-dem-titan\/\">gro\u00dfe Seen und Fl\u00fcsse bildet<\/a>. So wie es auf der Erde einen Wasserkreislauf gibt, hat Titan einen Methankreislauf; mit Methanwolken und Methanregen. Seit 2004 wird das Saturnsystem und damit auch Titan von der Raumsonde <i>Cassini<\/i> untersucht und am 14. Januar 2005 wurde sogar die Landeeinheit <i>Huygens<\/i> auf die Oberfl\u00e4che des Mondes geschickt von wo sie eine Stunde lang Daten sendete. Aber wie wenig wir auch heute noch \u00fcber Titan wissen, zeigt sich immer wieder. Zum Beispiel bei den Aufnahmen, <a href=\"https:\/\/www.jpl.nasa.gov\/news\/news.php?release=2014-327\">die k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlicht worden sind<\/a>.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>So hat Cassini die Oberfl\u00e4che des Titan gesehen:<\/p>\n<figure id=\"attachment_16408\" aria-describedby=\"caption-attachment-16408\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/PIA18430_modest.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/PIA18430_modest.jpg\" alt=\"Bild: NASA\/JPL-Caltech\/ASI\/Cornell\" width=\"500\" height=\"164\" class=\"size-medium wp-image-16408\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16408\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/photojournal.jpl.nasa.gov\/catalog\/PIA18430\">Bild: NASA\/JPL-Caltech\/ASI\/Cornell<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Hier sieht man <i>Ligeia Mare<\/i>, einen der gr\u00f6\u00dften Seen auf Titan, der zu drei verschiedenen Zeitpunkten aufgenommen worden ist. Es handelt sich nicht um normale Aufnahmen im sichtbaren Licht. Dann w\u00fcrde man dank der dicken Atmosph\u00e4re n\u00e4mlich gar nichts sehen. Die Bilder hat Cassini mit seinem Radarinstrument gemacht; man sieht also die Regionen auf der Oberfl\u00e4che die das Radiolicht der Raumsonde reflektiert haben. Dort wo es dunkel ist, m\u00fcssen sich Fl\u00fcssigkeiten mit glatter Oberfl\u00e4che befinden, die die Radarstrahlen nur schlecht reflektieren. Man sieht auf den Bildern also einen Teil der K\u00fcste des Methansees &#8211; und man sieht deutlich, dass sich dort etwas ver\u00e4ndert!<\/p>\n<p>2013 taucht auf einmal eine gut reflektierende Region mitten im See auf, die in ver\u00e4nderter Form auch 2014 zu sehen ist. Und das interessante daran ist: Niemand wei\u00df, worum es sich dabei handelt.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler k\u00f6nnen weitestgehend ausschlie\u00dfen, dass es sich um einen Fehler bei den Instrumenten handelt. Was immer es auch ist, ist also tats\u00e4chlich da. Eine M\u00f6glichkeit, die einem sofort in den Sinn kommt, ist eine Art &#8222;Insel&#8220; die pl\u00f6tzlich auftaucht. Zum Beispiel durch eine Ver\u00e4nderung der H\u00f6he des &#8222;Wasser&#8220;spiegels im Ligeia Mare. Wenn das Methan dort verdunstet, dann k\u00f6nnten Strukturen sichtbar werden, die vorher nicht zu sehen waren und wenn es dann wieder regnet und sich die Menge an Methan im See \u00e4ndert, \u00e4ndert sich auch das Aussehen dieser Struktur. Allerdings hat sich die K\u00fcstenlinie des Sees <i>nicht<\/i> ver\u00e4ndert und diese M\u00f6glichkeit scheidet aus.<\/p>\n<p>Wahrscheinlicher ist es, <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/planeten\/2014\/06\/25\/ein-fleck-auf-dem-titan-kuendigt-den-nahenden-fruehling-an\/\">dass es sich um einen jahreszeitlichen Effekt handelt<\/a>. Es k\u00f6nnte sich auch um Wellen auf dem See handeln, um Gasblasen die aufsteigen, um (Methan)Eis das auf der Oberfl\u00e4che des Sees schwimmt &#8211; oder etwas ganz anderes. Und ich wei\u00df: Die Versuchung ist gro\u00df, jetzt gleich wieder ganz tief in die Spektakelschublade zu greifen. Vielleicht ist es ein au\u00dferirdisches Unterseeboot? Oder ein gelandetes Raumschiff? Gigantische Alien-Wale, die in den Methanseen schwimmen? Aber dadurch verstellt man sich h\u00f6chstens den Blick auf das, was die Angelegenheit meiner Meinung nach <i>wirklich<\/i> faszinierend macht. Beobachtungen wie diese hier zeigen uns deutlich, <i>dass Titan eine eigene Welt ist<\/i>. Das ist etwas, das wir gerne vergessen: Die ganzen Himmelsk\u00f6rper dort drau\u00dfen sind nicht einfach nur irgendwelche Punkte am Himmel und auch nicht irgendwelche (schwarz-wei\u00dfen) Standbilder, sondern eben ganze Welten! Keine Welten wie unsere Erde, sondern ganz andere Welten &#8211; aber deswegen nicht weniger interessant. Wir sind daran gewohnt, Mond, Mars und Co als unver\u00e4nderliche Steinw\u00fcsten zu betrachten; als Bereiche des Sonnensystems, wo absolut nichts passiert. Aber das ist eben nicht der Fall! <\/p>\n<figure id=\"attachment_8348\" aria-describedby=\"caption-attachment-8348\" style=\"width: 316px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Huygens_surface_color.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Huygens_surface_color.jpg\" alt=\"Gefrorene Methan-Eisbrocken auf dem Titan. In der Mitte des Bildes sind sie circa 15 Zentimeter gro\u00df und ungef\u00e4hr 85 Zentimeter von der Sonde entfernt.(Bild: NASA\/ESA)\" width=\"316\" height=\"630\" class=\"size-full wp-image-8348\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-8348\" class=\"wp-caption-text\">Gefrorene Methan-Eisbrocken auf dem Titan. In der Mitte des Bildes sind sie circa 15 Zentimeter gro\u00df und ungef\u00e4hr 85 Zentimeter von der Sonde entfernt.(Bild: NASA\/ESA)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Titan ist eine <i>fremde Welt<\/i>. Eine Welt mit Fl\u00fcssen aus Methan auf die es aus Kohlenwasserstoffwolken regnet. Eine Welt, mit eigener Geografie und Meteorologie; mit eigenen Jahreszeiten und eigenen Zyklen von denen wir bis jetzt noch kaum etwas wissen. Gezwungenerma\u00dfen ist es unsere Sicht auf das Universum auf die Erde zentriert. Aber wir sollten dabei nicht vergessen, dass auch anderswo im Universum st\u00e4ndig Dinge <i>passieren<\/i>. Dinge, die es sich zu verstehen und erforschen lohnt. Der Titan hat uns genau das wieder eindrucksvoll gezeigt. \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/e89cb23d5bc84f0e81cff60029bfe334\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Saturnmond Titan geh\u00f6rt mit Sicherheit zu den faszinierendsten Himmelsk\u00f6rpern in unserem Sonnensystem. Der 5150 Kilometer gro\u00dfe Monde hat eine dichte Atmosph\u00e4re; allerdings keine aus Stickstoff und Sauerstoff so wie auf der Erde sondern eine die fast ausschlie\u00dflich aus Stickstoff besteht. 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