{"id":22176,"date":"2014-09-25T11:30:23","date_gmt":"2014-09-25T09:30:23","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/25\/der-kleine-unterschied-bei-autoimmunitaet\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:21","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:21","slug":"der-kleine-unterschied-bei-autoimmunitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/25\/der-kleine-unterschied-bei-autoimmunitaet\/","title":{"rendered":"Der kleine Unterschied bei Autoimmunit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><i>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/07\/31\/mitmachen-der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb<\/a>. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=16197&#038;\">hier<\/a>.<\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\" alt=\"sb-wettbewerb\" width=\"500\" height=\"172\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15702\" \/><\/a><\/p>\n<p><i>Dieser Beitrag wurde von <b>Pterry<\/b> eingereicht.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\n<b> Der kleine Unterschied bei Autoimmunit\u00e4t <\/b><\/p>\n<p>\nVor ein paar Jahren wurde bei einer <a href=\"https:\/\/cloudette.net\/2014\/08\/07\/die-fragende-freundin\/\"> Freundin <\/a> eine Autoimmunkrankheit festgestellt: Hashimoto-Thyreoditis. Autoimmunkrankheit bedeutet, dass das Immunsystem des K\u00f6rpers, welches normalerweise u.a. f\u00fcr die Abwehr von Pathogenen zust\u00e4ndig ist, pl\u00f6tzlich Gewebe des eigenen K\u00f6rpers angreift. Die Trigger daf\u00fcr sind unklar bzw. vielf\u00e4ltig. Neuere Ergebnisse <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2014\/33\/autoimmunkrankheiten-immunsystem-krebs-tumor\/komplettansicht\"> (hier besprochen) <\/a> postulieren z.B. einen Zusammenhang mit einer vorhergehenden Krebserkrankung, bei der ein bestimmtes Protein so mutiert und so exzessiv in der Krebszelle produziert wird, dass der K\u00f6rper immunologisch dagegen vorgeht, aber durch die \u00c4hnlichkeit zum k\u00f6rpereigenen Protein nachfolgend gesunde Zellen, die das Protein herstellen abget\u00f6tet werden. Allerdings wurde daf\u00fcr nur eine Krankheit und wenige Patienten untersucht, so dass die Faktenlage eher d\u00fcnn ist. Abgesehen vom langsamen Verschwinden der Schilddr\u00fcse klagt die Freundin bisher allerdings kaum und empfindet es nur als nachteilig, dass sie nach dem Schlucken von Thyroxin am Morgen noch eine halbe Stunde n\u00fcchtern bleiben und zweimal im Jahr beim Arzt Blut ins R\u00f6hrchen spenden muss. Allerdings treibt sie das Thema &#8222;Warum ausgerechnet ich?&#8220; seitdem um, und die Antwort &#8222;Sie ist halt durch viele Faktoren pr\u00e4destiniert.&#8220; gef\u00e4llt ihr nicht unbedingt. Welche Faktoren pr\u00e4destinieren denn f\u00fcr eine Autoimmunkrankheit? Da w\u00e4ren:<\/p>\n<p>Erstens: Es gibt eine genetische Pr\u00e4disposition f\u00fcr diese Krankheiten. Da in ihrer Familie Schilddr\u00fcsenunterfunktion schon diagnostiziert wurde und u.a. ihre Schwester ebenfalls betroffen ist, liegt sie vermutlich auch bei ihr vor.<\/p>\n<p>Zweitens: Wir leben in Deutschland und in den Industriel\u00e4ndern kam es in den letzten Jahren zu einem Anstieg von Autoimmunkrankheiten, wof\u00fcr Umweltfaktoren verantwortlich gemacht werden. Allerdings hat sich auch die Diagnostik weiterentwickelt und einige bisher als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Morbus_Crohn\"> psychosomatisch <\/a> <a href=\"https:\/\/blogs.faz.net\/10vor8\/2014\/05\/19\/wie-man-trotzdem-lebt-2-1470\/\"> eingestufte <\/a> <a href=\"https:\/\/www.cfs-aktuell.de\/was_ist_cfs.htm\"> Krankheiten <\/a> werden aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse jetzt eher den Autoimmunerkrankheiten zugeordnet. Nichtsdestotrotz h\u00e4ufen sich derzeit im Bekanntenkreis (Altersgruppe: 25-40 Jahre) die &#8222;Verk\u00fcndigungen&#8220; von Betroffenen, die an Hashimoto, Morbus Crohn, rheumatoider Arthritis oder multipler Sklerose erkrankt sind.<\/p>\n<p>Drittens: Sie ist eine Frau. Ein weiterer &#8222;understudied&#8220; (wie es <a href=\"https:\/\/www.cell.com\/trends\/immunology\/abstract\/S1471-4906%2813%2900159-2\"> in diesem Review <\/a> so sch\u00f6n hei\u00dft) Aspekt ist n\u00e4mlich, dass bei vielen Autoimmunkrankheiten Frauen \u00fcberproportional h\u00e4ufig betroffen sind z.B. bei Hashimoto-Thyreoditis betr\u00e4gt der Geschlechterbias 10:1. Zus\u00e4tzlich besteht eine Altersabh\u00e4ngigkeit d.h. Frauen erkranken nicht nur im Mittel eher, sondern der Geschlechtsunterschied bei z.B. rheumatoider Arthritis sinkt von 4:1 in den mittleren Jahren zu etwa 1:1 im Alter. Die Vermutung liegt daher nahe, dass das k\u00f6rpereigene Level an Geschlechtshormonen ein Rolle spielt, welches im Laufe des Lebens verschiedensten Ver\u00e4nderungen unterworfen ist. Man hat u.a. festgestellt, dass Schwangerschaften eine positive Auswirkung auf Autoimmunkrankheiten haben k\u00f6nnen und das im Alter absinkende Testosteron-Level k\u00f6nnte erkl\u00e4ren, warum der Geschlechterbias im Alter verschwindet. Im Tierversuch konnte man das au\u00dferdem nachweisen, denn in m\u00e4nnlichen kastrierten M\u00e4usen wurde eine h\u00f6here Rate erkrankter Tiere nach der Induktion von Thyreoditis oder Arthritis festgestellt. Das gleiche Ergebnis wurde durch das Injizieren von \u00d6strogen w\u00e4hrend der Induktion (bei nicht-kastrierten M\u00e4usen) erreicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/mw.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/mw.jpg\" alt=\"mw\" width=\"500\" height=\"452\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-16291\" \/><\/a><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Eine neuere Publikation mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.sciencemag.org\/content\/339\/6123\/1084.long\"> &#8222;Sex Differences in the Gut Microbiome Drive Hormone-Dependent Regulation of Autoimmunity <\/a> sieht den protektiven Effekt von Testosteron u.a. darin, dass damit die Zusammensetzung der k\u00f6rpereigenen Darmflora beeinflusst wird. Dazu wurde ein bestimmtes Maus-Model gew\u00e4hlt, die sogenannte NOD-Maus. &#8222;NOD&#8220; steht f\u00fcr non-obese diabetes, d.h. das Immunsystem dieser Maus ist so gest\u00f6rt, dass sie spontan Diabetes entwickelt, weil ihre Immunzellen die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeichdr\u00fcse zerst\u00f6ren. Die Forscher schauten sich hier die Inzidenz an, mit der die M\u00e4use erkrankten und stellten fest, dass unter spezifisch pathogen-freien (SPF) Bedingungen gehaltene Weibchen zweimal h\u00e4ufiger an Diabetes entwickelten als die M\u00e4nnchen. Unter keimfreien (GF) Bedingungen war der Effekt verschwunden. Die Testosteron-Level im Blut ergaben, dass die weiblichen SPF-M\u00e4use weniger Testosteron im Blut hatten als die GF-M\u00e4use, w\u00e4hrend das bei den M\u00e4nnchen genau umgekehrt war. Daraus schlossen die Forscher, dass die Besiedlung des Darms mit spezifischen Keimen die Produktion und den Verbrauch von Testosteron beeinflusst, und damit auch das Metabolom, d.h. alle Stoffwechsel(zwischen)produkte und letztendlich die Erkrankungsrate. Als n\u00e4chstes wurde bei M\u00e4usen verschiedener Altersgruppen (gerade entw\u00f6hnt, in der Pubert\u00e4t, adult) der Darm entkeimt und danach das Mikrobiom erwachsener Tiere \u00fcbertragen. In der Publikation wird von &#8222;gavage of diluted cecal contents&#8220; gesprochen, d.h. verfl\u00fcssigter Blinddarminhalt wurden per Sonde verabreicht. Dabei stellte man fest, dass bei Weibchen, solange sie die Pubert\u00e4t noch nicht   komplett durchlaufen hatten (bei Laborm\u00e4usen etwa  6-7 Wochen nach der Geburt) die \u00dcbertragung m\u00e4nnlicher Darmflora dazu f\u00fchrte, dass diese Tiere mehr Testosteron produzierten und somit weniger oft an Diabetes erkrankten. Um das Diabetes-ausl\u00f6sende Potential der Immunzellen von unmanipulierten Weibchen und Weibchen, denen m\u00e4nnliche Darmflora \u00fcbertragen wurde zu pr\u00fcfen, wurden diese isoliert und in immundefiziente M\u00e4use \u00fcbertragen wurden. Die Immunzellen unmanipulierter Weibchen induzierten 6 Wochen eher eine Diabetes-Erkrankung. Daraus kann man ableiten, dass Testosteron Effekte des Darm-Mikrobioms an die Stoffwechselkette und das Immunsystem weiterleitet. Wie genau, dar\u00fcber kann man derzeit nur spekulieren. Die Steroidhormone wirken direkt auf die Produktion bestimmter Proteine, da sie im Zellkern wie eine Ampel Stop- oder Go-Signale f\u00fcr deren Herstellung geben. Au\u00dferdem k\u00f6nnen sie noch daf\u00fcr sorgen, dass die DNA epigenetisch so modifiziert wird, dass die Erbinformation h\u00e4ufiger oder seltener abgelesen wird, d.h. sie wird entweder in den molekularen Dornr\u00f6schenschlaf geschickt oder daraus aufgeweckt.<\/p>\n<p>Nun kann man mit Laborm\u00e4usen gewonnene Erkenntnisse nicht ohne weiteres auf den Menschen \u00fcbetragen. Trotzdem k\u00f6nnte die Darmflora auch beim Menschen ein Faktor sein, der den beobachteten Geschlechterbias beeinflusst. Die Ergebnisse sollten vor allem die Forscher dazu anhalten, bei ihren Versuchen und klinischen Studien Daten beider Geschlechter einzubeziehen, denn das ist leider noch nicht der Standard. Des weiteren geben sie Anlass zu weiteren interessanten \u00dcberlegungen: denn so wenig untersucht, wie das Thema derzeit ist, lassen sich bestimmt einige neue Studien initiieren, die die Auswirkungen von Hormongabe auf die Inzidenz von Autoimmunkrankheiten untersuchen.<br \/>\nEs muss ja nicht gleich eine &#8222;Stuhltransplantation&#8220; sein, obwohl diese Behandlung, welche bei \u00fcber l\u00e4ngere Zeit antibiotisierten Menschen seit neuestem angewendet wird, sicher interessante Studiensubjekte liefert. Als Frau jedenfalls kann man \u00d6strogenen kaum entgehen, wenn sie in Form der Pille oder als H\u00e4hnchenschnitzel verabreicht werden. Insgesamt ist jedoch davon abzuraten aus Selbstschutz jetzt Testosteron zu nehmen, denn die schlechteren Karten, die Frauen bei Autoimmunkrankheiten haben, werden dadurch wieder aufgehoben, dass M\u00e4nner z.B. leichter an Infektionen erkranken. Und Damenbart ist ja auch nicht modern.<\/p>\n<p>F\u00fcr das <a href=\"https:\/\/dahierdadort.tumblr.com\/post\/96080275064\/ironie-ich-kann-toll-zeichnen-und-themen\"> tl;dr <\/a>  hab ich extra den Stift gez\u00fcckt (man beachte die Bildunterschrift)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr hier. Dieser Beitrag wurde von Pterry eingereicht. &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; Der kleine Unterschied bei [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":953,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[282,764],"tags":[2150,2666],"class_list":["post-22176","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medizin","category-schreibwettbewerb","tag-autoimmunitaet","tag-blog-schreibwettbewerb"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22176","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22176"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22176\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22177,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22176\/revisions\/22177"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/953"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22176"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22176"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22176"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}