{"id":22174,"date":"2014-09-25T07:30:04","date_gmt":"2014-09-25T05:30:04","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/25\/die-groesse-des-universums\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:21","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:21","slug":"die-groesse-des-universums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/25\/die-groesse-des-universums\/","title":{"rendered":"Die Gr\u00f6\u00dfe des Universums"},"content":{"rendered":"<p><i>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/07\/31\/mitmachen-der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb<\/a>. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=16197&#038;\">hier<\/a>.<\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\" alt=\"sb-wettbewerb\" width=\"500\" height=\"172\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15702\" \/><\/a><\/p>\n<p><i>Dieser Beitrag wurde von <b>Alderamin<\/b> eingereicht.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<h1>Die Gr\u00f6\u00dfe des Universums<\/h1>\n<p>Die meisten Menschen werden gelernt haben, dass das Universum ziemlich gro\u00df ist. Man verwendet zur Entfernungsangabe nur selten eine Gr\u00f6\u00dfe wie \u201eKilometer\u201c, weil selbst im Sonnensystem die Entfernungsangaben in Kilometern sehr gro\u00dfe Zahlen ergeben, die sich niemand vorstellen kann, und \u201eGigameter\u201c oder \u201eExameter\u201c helfen bei der Veranschaulichung auch nicht weiter, weil sie in der Erfahrungswelt nicht vorkommen. Die wenigsten werden sich daher eine Vorstellung davon machen k\u00f6nnen, <i>wie<\/i> gewaltig die Abgr\u00fcnde zwischen den Himmelsk\u00f6rpern sind. Im Folgenden m\u00f6chte ich an ein paar Modellen versuchen, dem Leser eine Ahnung zu vermitteln, was sich hinter den \u201castronomisch\u201c gro\u00dfen Entfernungsangaben verbirgt.<\/p>\n<h2>Das Modell des Sonnensystems<\/h2>\n<p>Fangen wir mit einem handlichen Modell an, mit dem wir unsere Erfahrungswelt gerade noch ins Verh\u00e4ltnis zu astronomischen Entfernungen setzen k\u00f6nnen. Viele besitzen zu Hause einen Globus. Diese gibt es in verschiedenen Gr\u00f6\u00dfen, wobei 30 cm Durchmesser eine typische Gr\u00f6\u00dfe ist (ziemlich genau die lange Seite eines DINA4-Blattes). Dies entspricht einem Ma\u00dfstab von 1:42.520.000, denn 42.520.000 mal 0,3 m sind 12.756.000 m, das ist der Erddurchmesser von Pol zu Pol (12756 km). Ein mm auf dem Globus entspricht demnach 42,52 km in der Realit\u00e4t. Das ist ein wenig mehr als ein Marathonlauf oder eine Sonntagnachmittags-Fahrradtour, also eine Strecke, die man buchst\u00e4blich <i>erfahren<\/i> kann. Diese Strecke kann man auf einem solchen Globus gerade noch erkennen.<\/p>\n<p>Die Internationale Raumstation ISS w\u00fcrde diese Modellerde geradezu im Tiefflug in 1 cm Abstand umkreisen, wie auch die vielen anderen Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn. Die geostation\u00e4ren Satelliten auf 35800 km H\u00f6he umkreisten die Modellerde in fast exakt 1 m Abstand von deren Zentrum (42200 km).<\/p>\n<figure id=\"attachment_16286\" aria-describedby=\"caption-attachment-16286\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/xBild1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/xBild1.jpg\" alt=\"Orange CC BY-NC by Fir0002\/Flagstaffotos Globus CC BY-SA 3.0 by Christian Fischer Riesenrad CC-BY-SA-2.0-DE by Lung\" width=\"500\" height=\"751\" class=\"size-medium wp-image-16286\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16286\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:Orange_and_cross_section.jpg\">Orange<\/a> CC BY-NC by Fir0002\/Flagstaffotos<br \/><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:GEO_Globe.jpg\">Globus<\/a> CC BY-SA 3.0 by Christian Fischer<br \/><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Transportables_Riesenrad_auf_Kieler_Woche.jpg\">Riesenrad<\/a> CC-BY-SA-2.0-DE by Lung<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie gro\u00df w\u00e4re der Mond in diesem Ma\u00dfstab und wie weit w\u00e4re er entfernt? Er hat einen Durchmesser von 3480 km, das w\u00e4ren im Modell 8,2 cm, etwa die Gr\u00f6\u00dfe eines Apfels oder einer Orange (die Orange ist passenderweise auch \u201everkratert\u201c). Dieser orangengro\u00dfe Mond w\u00fcrde die globusgro\u00dfe Erde in 9 m Entfernung umkreisen, wobei er sich pro Tag ziemlich genau einen Meter auf seiner Bahn weiter bewegen w\u00fcrde, etwa 4,3 cm pro Stunde, 1,1 cm pro Viertelstunde. Ein Lichtstrahl w\u00e4re in diesem Ma\u00dfstab hingegen mit 7 m\/s oder rund 25 km\/h unterwegs, ein z\u00fcgiges Fahrradtempo. Entsprechend passiert ein von der Erde ausgesendeter Lichtstrahl den Mond nach 1,3 Sekunden. Wie lange braucht er bis zur Sonne?<\/p>\n<p>Die Sonne ist in diesem Ma\u00dfstab ganze 3,5 km entfernt eine Strecke, die von Astronomen \u201eastronomische Einheit\u201c, kurz <i>AE<\/i> (oder <i>AU<\/i> f\u00fcr <i>Astronomical Unit<\/i>) genannt wird. Ein Lichtstrahl braucht 8 Minuten 20 Sekunden f\u00fcr diese Entfernung, f\u00fcr die ein Verkehrsflieger mit 900 km\/h theoretisch nonstop knapp 19 Jahre (!) ben\u00f6tigen w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Da uns Sonne und Mond am Himmel fast genau gleich gro\u00df erscheinen, die Sonne jedoch rund 400-mal weiter entfernt ist, muss die Sonne also etwa 400-mal gr\u00f6\u00dfer als der Mond sein. Das sind dann 32,7 m Durchmesser. Die Gr\u00f6\u00dfe eines Riesenrades oder eines 9-st\u00f6ckigen Hochhauses. 109-mal der Durchmesser der Erde, die gegen die riesige Sonne nur ein unbedeutender Klecks ist, kleiner als viele ihrer Sonnenflecken. Auf die Entfernung der Sonne w\u00e4re die kleine Erde nicht mehr als Scheibchen mit blo\u00dfem Auge erkennbar, sie w\u00e4re von dort aus gesehen nur ein heller Stern, w\u00e4hrend die Sonne an unserem Himmel als Scheibe erscheint und wir ihre Hitze sp\u00fcren. Was f\u00fcr eine gewaltige Energiemenge sie doch produziert!<\/p>\n<p>Unsere globusgro\u00dfe Modellerde umkreist die Modellsonne in einem Erdenjahr, wobei sie pro Tag etwa 60 m auf ihrer Bahn voran kommt, oder einen Millimeter in 1,45 Sekunden. Das k\u00f6nnte man gerade noch mit dem blo\u00dfen Auge erkennen. Ein Marathonlauf in 1,5 Sekunden.<\/p>\n<p>Die Erde z\u00e4hlt mit Merkur, Venus und Mars zu den inneren Planeten im Sonnensystem, die sich alle innerhalb von maximal 5,8 km um die Modellsonne wiederfinden w\u00fcrden (Mars w\u00e4re mit 16 cm etwa so gro\u00df wie eine Honigmelone). Die \u00e4u\u00dferen Planeten im Sonnensystem sind teilweise erheblich weiter von der Sonne entfernt. Der helle Jupiter ist etwa f\u00fcnf AE, also f\u00fcnfmal soweit wie die Erde von der Sonne entfernt, das sind 17,5 km im Modell. Saturn w\u00e4re etwa 35 km (10 AE) entfernt und Neptun sogar gute 100 km (30 AE), von wo aus gesehen unsere Riesenrad-Sonne zu einem blendendhellen Punkt geschrumpft erschiene, nur 1\/1000 so hell wie von der Erde, aber immer noch 300 mal heller als der Vollmond. Das fernste Objekt, das Menschen geschaffen haben, die Sonde Voyager 2, bef\u00e4nde sich rund 400 km von der Modellsonne entfernt. Da wird unser Modell schon recht unhandlich. Die \u00e4u\u00dferste Grenze des Sonnensystems, die Oortsche Wolke, aus der die Kometen entstammen, w\u00e4re bis zu 350.000 km entfernt, also fast schon auf dem Mond. Man erinnere sich: 1 mm im Modell \u2013 42,5 km in der Realit\u00e4t. Und das gesamte Sonnensystem br\u00e4uchte in diesem Modell die Umlaufbahn des Mondes! Und dies ist, kosmisch gesehen, gerade mal unser Vorgarten!<\/p>\n<h2>Das Fixsternmodell<\/h2>\n<p>Die Strecke zum n\u00e4chsten Fixstern w\u00e4re fast eine Million km. F\u00fcr die Welt der Fixsterne brauchen wir einen anderen Ma\u00dfstab. Nehmen wir an, die Astronomische Einheit schrumpfte auf die L\u00e4nge eines Millimeters. Die Sonne, unser Riesenrad von vorhin, schrumpfte auf einen knappen hundertstel Millimeter, so gro\u00df wie ein Partikel des Zementstaubs. Der Planet Jupiter umkreiste die Sonne in 5 mm Abstand, Neptun in 3 cm, Voyager 2 h\u00e4tte 12 cm zur\u00fcckgelegt und die Oortsche Wolke endete bei ca. 100 m. Zum n\u00e4chsten Fixstern w\u00e4ren es dann 272 m. Im Schnitt f\u00e4nden wir in der Sonnenumgebung in einer Kugel von 250 m Durchmesser einen staubpartikelgro\u00dfen Stern. <\/p>\n<figure id=\"attachment_16285\" aria-describedby=\"caption-attachment-16285\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/xBild2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/xBild2.jpg\" alt=\"Planetensystem by Author Afrikakarte PD Milchstra\u00dfengalaxie PD by Nick Risinger\" width=\"500\" height=\"770\" class=\"size-medium wp-image-16285\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16285\" class=\"wp-caption-text\">Planetensystem by Author<br \/><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:AfricaCIA-HiRes.jpg\">Afrikakarte<\/a> PD<br \/><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Milky_Way_Galaxy.jpg\">Milchstra\u00dfengalaxie<\/a> PD by Nick Risinger<\/figcaption><\/figure>\n<p>Fast alle f\u00fcr das blo\u00dfe Auge sichtbaren Sterne liegen innerhalb von 1000 Lichtjahren entsprechend 62,5 km; die meisten der Sterne in diesem Umkreis sind aber viel zu lichtschwach, um \u00fcberhaupt gesehen zu werden. Bereits der uns n\u00e4chste Sterne, Proxima Centauri, ist ohne Teleskop nicht zu sehen, er ist nur ein hunderstel so hell wie die schw\u00e4chsten, mit blo\u00dfem Auge noch sichtbaren Sterne. Ein paar helle Sterne in der Sonnenumgebung sind Sirius (8,6 LJ = 540 m), Wega im Sternbild Leier (25 LJ = 1500 m), Aldebaran im Stier (66,6 LJ = 4200 m), Beteigeuze im Orion (640 \u00b1 150 LJ = 40  \u00b1 9,4 km) und Deneb im Schwan (2600  \u00b1 200 LJ = 162,5  \u00b1 12,5 km; es gibt allerdings auch Messungen, die ihn bei nur ca. 1500 LJ Entfernung verorten). Deneb ist einer der absolut hellsten Sterne, 200.000-mal so hell wie unsere Sonne, weswegen er trotz seiner gro\u00dfen Entfernung am Himmel unter den hellsten zu finden ist. In unserem Modell w\u00e4re er ziemlich klein, nur etwa einen Millimeter im Durchmesser. Hingegen w\u00e4re Beteigeuze 6 bis 10 mm gro\u00df. Der Wert ist sehr unsicher, denn Beteigeuze hat keine klar definierte Oberfl\u00e4che wie die Sonne, sondern verliert sich au\u00dfen unregelm\u00e4\u00dfig geformt als d\u00fcnnes Gas im Raum. Noch ein wenig gr\u00f6\u00dfer, 13 mm, w\u00e4re der Stern VY Canis Majoris, der gr\u00f6\u00dfte, den wir kennen. Er ist ca. 3900 LJ =250 km entfernt und knapp unsichtbar f\u00fcr das blo\u00dfe Auge. W\u00fcrde man ihn mit einem Verkehrsflugzeug umrunden wollen, das an einem Tag um die halbe Erde fliegt, br\u00e4uchte man daf\u00fcr fast <i>800 Jahre<\/i>!<\/p>\n<p>Wir befinden uns hier immer noch in der Sonnenumgebung, alle diese Sterne liegen im gleichen Spiralarm der Milchstra\u00dfe wie die Sonne. Die Milchstra\u00dfe ist bekanntlich ein Spiralnebel, eine Welteninsel von 100.000 Lichtjahren Durchmesser, die gesch\u00e4tzt 300 Milliarden Sterne enth\u00e4lt.  In unserem Modell h\u00e4tte sie einen Durchmesser von \u00fcber 6000 km und w\u00e4re  damit etwas kleiner als der afrikanische Kontinent, der 8000 x7400 km misst. Im Zentrum w\u00e4re sie etwa 1000 km dick, in den Spiralarmen rund 200 km. Die Sonne kreiste in einem Abstand von rund 1700 km um das Zentrum (etwa die Strecke von Hamburg bis Rom) und w\u00fcrde sich pro Jahr ganze 46,5 mm auf ihrer Bahn um das Milchstra\u00dfenzentrum fortbewegen, das ist die Geschwindigkeit, mit der sich die arabische Kontinentalplatte aufgrund der Plattentektonik auf der Erdoberfl\u00e4che bewegt. Ein Umlauf dauerte 230 Millionen Jahre.<\/p>\n<p>Repr\u00e4sentierten wir jeden Stern durch ein Sandkorn von mittlerem Durchmesser (0,5 mm), so bek\u00e4me man in einem Kubikmeter bei dichtester Packung (74% des Volumens mit Sandk\u00f6rnern gef\u00fcllt) etwa 11,3 Milliarden von ihnen unter. Mit Sandk\u00f6rnern der Anzahl der Sterne der Milchstra\u00dfe k\u00f6nnte man ein Volumen von etwa 26,5 Kubikmetern f\u00fcllen, ein Zimmer von 3 x 3,5 m mit 2,5 m H\u00f6he. Tats\u00e4chlich w\u00e4ren die meisten unserer Modellsterne ma\u00dfstabsgetreu viel kleiner; wir erw\u00e4hnten bereits, dass die Sonne kaum einen hundertstel Millimeter durchmessen w\u00fcrde. Die meisten Sterne sind braune und rote Zwerge, die 1\/2 bis 1\/10 des Sonnendurchmessers haben; Zwergsterne wie die Sonne liegen zwischen 1\/2 und 10 Sonnendurchmessern. Riesensterne mit einer Gr\u00f6\u00dfe von100 Sonnendurchmessern und mehr sind hingegen extrem selten (nur 0,001% aller Sterne entfallen auf die hellen Riesen und \u00dcberriesen). Auf unser Modell verkleinert k\u00e4men wir damit gerade mal auf ein paar hundert Liter Volumen, im Wesentlichen dominiert durch die Klasse der Roten Riesen, die zwischen 20 und 100 Sonnenradien liegen; wenn ich diese mit einer mittleren Gr\u00f6\u00dfe von 50 Sonnenradien ansetze, komme ich auf 400 Liter, knapp 3 Badewannen voll Sand. Verteilt auf ein Gebilde mit den Ausma\u00dfen Afrikas wird klar, dass der Raum zwischen den Sternen sehr leer ist.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Spiralgalaxie ist der Andromedanebel, der sich im Modell etwa 150.000 km entfernt auf halber Strecke zum Mond bef\u00e4nde. Zeit, den Ma\u00dfstab noch einmal zu wechseln.<\/p>\n<h2>Das Galaxienmodell<\/h2>\n<p>Wir verkleinern dazu ein Lichtjahr auf einen Millimeter. Das Sonnensystem mit der Oortschen Wolke als Grenze schrumpfte dann auf einen Radius von 1,6 mm, so dass sich die Astronomische Einheit auf 16 Nanometer (Millionstel Millimeter) und die Sonne auf 0,15 Nanometer, etwa der Gr\u00f6\u00dfe von Natrium-Atomen, verkleinern w\u00fcrde. Voyager 2 h\u00e4tte seit 1977 zwei tausendstel Millimeter zur\u00fcck gelegt. Die meisten mit blo\u00dfem Auge sichtbaren Sterne f\u00e4nde man in einer 2 m durchmessenden Kugel um die Sonne vor, die das Milchstra\u00dfenzentrum in 27 m Entfernung umkreiste. Die Milchstra\u00dfe schrumpfte mit 100 m Durchmesser auf die Gr\u00f6\u00dfe eines Fu\u00dfballfeldes (das allerdings schmaler ist), und w\u00e4re im ellipsoiden Zentrum etwa 16 m dick, in den Spiralarmen 3 m. In diesem Ma\u00dfstab w\u00e4re der mittlere Sternabstand in der Sonnenumgebung rund 4 mm.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16287\" aria-describedby=\"caption-attachment-16287\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/xBild3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/xBild3.jpg\" alt=\"Dumbarton FC football ground CC-BY-SA 2.0 by John Ferguson Messier 81 Galaxie PD HST image by NASA\/ESA\" width=\"500\" height=\"458\" class=\"size-medium wp-image-16287\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16287\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Dumbarton_F.C._football_ground_-_geograph.org.uk_-_2492225.jpg\">Dumbarton FC football ground<\/a> CC-BY-SA 2.0 by John Ferguson<br \/><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Messier_81_HST.jpg\">Messier 81 Galaxie<\/A> PD HST image by NASA\/ESA<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die n\u00e4chsten Zwerggalaxien, die beiden Magellanschen Wolken w\u00e4ren 170 m (Gro\u00dfe Magellansche Wolke) und 200 m (Kleine MW) entfernt und w\u00fcrden 14 bzw. 7 m durchmessen. Die n\u00e4chsten gr\u00f6\u00dferen Galaxien w\u00e4ren der Andromedanebel (2,5 km entfernt und 140 m durchmessend) und der Triangulumnebel (2,8 km \/ 50 m). Der Andromedanebel (besser: sein helles Zentrum) ist gerade noch mit blo\u00dfem Auge zu erkennen. Das Licht, das man heute sieht, war 2,5 Millionen Jahre unterwegs zu uns. Es machte sich auf den Weg, als die ersten Urmenschen der Gattung Homo (Home rudolfensis) gerade aus den Australopithecus-Vormenschen entstanden (wer 2001 Odyssee im Weltall kennt, denke an die Eingangsszene). <\/p>\n<p>Mit ca. 70 anderen, \u00fcberwiegend zwergenhaften Galaxien bilden die oben genannten Galaxien die <i>Lokale Gruppe<\/i>, die etwa 7 bis 8 Millionen Lichtjahre, im Modell also 7 bis 8 km durchmisst. Die n\u00e4chste Galaxiengruppe liegt im Sternbild Sculptor, das von Europa aus gesehen stets unter dem Horizont bleibt. Sie ist etwa 12 Millionen Lichtjahre, also 12 km im Modell, entfernt. Viele weitere Galaxien, die in den Teleskopen von Amateurastronomen zu sehen sind, f\u00e4nden sich in einigen 10 km Entfernung. Der n\u00e4chste gro\u00dfe Galaxienhaufen liegt im Sternbild Jungfrau (Virgo; daher der Name <i>Virgo-Galaxienhaufen<\/i>), etwa 54 Millionen Lichtjahre (54 km) entfernt. Er enth\u00e4lt ca. 1300 bekannte Galaxien. Eine davon ist die bekannte Riesengalaxie Messier 87, die and die 1 Million Lichtjahre (1 km im Modell) durchmisst und rund 200-mal die Masse unserer Milchstra\u00dfe hat. <\/p>\n<p>Dieser Galaxienhaufen bildet das Zentrum einer noch gr\u00f6\u00dferen Struktur, des <i>Virgo-Superhaufens<\/i>, zu dem auch die Lokale Gruppe, die Sculptor-Gruppe und 100-200 andere Galaxienhaufen geh\u00f6ren. Der Virgo-Superhaufen durchmisst etwa 110 Millionen Lichtjahre (110 km im Modell) in der langen Achse und bildet eine flache, langgestreckte, elliptische Wolke, die am Rande eines gro\u00dfen Leeraumes (Void) liegt. Die Struktur des Universums im Gro\u00dfen besteht aus solchen Leerr\u00e4umen von 30 bis 500 Millionen Lichtjahren Durchmesser (im Modell: 30-500 Kilometer), zwischen denen Filamente aus Galaxienhaufen wie in einem por\u00f6sen Schwamm angeordnet sind. Wir sehen diese Struktur sich immer wiederholend bis in gro\u00dfe Entfernungen fortgesetzt, die in Milliarden Lichtjahren (1000 km im Modell) gemessen werden.<\/p>\n<p>Das Licht der fernsten nachgewiesenen Galaxien brauchte \u00fcber 13 Milliarden Jahre zu uns, das entspricht fast dem Alter des Universums von 13,75 Milliarden Jahren. Da sich diese Galaxien inzwischen aufgrund der Expansion des Weltalls sehr viel weiter von unser entfernt haben, w\u00fcrde man ihre augenblickliche Entfernung an einem imagin\u00e4ren Ma\u00dfband abgelesen mit rund 30 Milliarden Lichtjahren messen. In unserem Modell w\u00e4ren das 30000 km \u2013 gr\u00f6\u00dfer als die Erde. Das beobachtbare Universum h\u00e4tte im Modell einen heutigen Radius von 46000 bis 47000 km \u2013 etwas weiter als die Entfernung der geostation\u00e4ren Satelliten vom Mittelpunkt der Erde. Es enth\u00e4lt grob gesch\u00e4tzt 100 Milliarden Galaxien zu je 100 Milliarden Sternen, das sind 10^22 Sterne \u2013 eine 1 mit 22 Nullen. Wenn wir jeden Stern mit einem Sandkorn von 0,5 mm Durchmesser repr\u00e4sentieren, so k\u00e4men wir auf etwa 1 Billion Kubikmeter = 1000 Kubikkilometer Sand \u2013 ein W\u00fcrfel der Seitenl\u00e4nge 10 km, h\u00f6her als der Mount Everst, aber viel weniger als der Sand der Sahara (womit auch die Frage gekl\u00e4rt w\u00e4re, ob es mehr Sterne im Universum gibt, als Sandk\u00f6rner auf der Erde &#8211; im beobachtbaren Universum <i>bei weitem nicht<\/i>). <\/p>\n<p>Das beobachtbare Universum findet seine Grenze da, von wo das Licht w\u00e4hrend seiner Lebenszeit gerade noch die Distanz bis zu uns \u00fcberbr\u00fccken konnte. Es ist dort jedoch h\u00f6chstwahrscheinlich nicht zu Ende, sondern sehr viel gr\u00f6\u00dfer. Wir wissen nicht, wie gro\u00df es insgesamt ist, es gibt nur Absch\u00e4tzungen f\u00fcr eine Mindestgr\u00f6\u00dfe, die es keinesfalls unterschreitet \u2013 tats\u00e4chlich k\u00f6nnte es m\u00f6glicherweise <i>unendlich<\/i> gro\u00df sein. Wenn es unendlich gro\u00df w\u00e4re, dann w\u00e4re es unvermeidlich, dass es in einer gewissen Entfernung eine exakte Kopie unseres beobachtbaren Universums g\u00e4be, denn dieses befindet sich in einem von endlich vielen (10^10^122) m\u00f6glichen Quantenzust\u00e4nden aller seiner elementaren Volumenelemente; wenn unendlich viel Raum vorhanden ist, m\u00fcssen sich m\u00f6gliche Kombinationen zwangsl\u00e4ufig wiederholen, und zwar unendlich oft. Man kann absch\u00e4tzen, dass dies in einer Entfernung der Gr\u00f6\u00dfenordnung 10^10^100 m zu erwarten w\u00e4re. Das ist eine 1 mit 10^100 Nullen, wobei 10^100 bereits eine 1 mit 100 Nullen ist. Hier versagt jegliche Modellbildung. Unser Universum durchmisst etwa 10^30 Millimeter. Wenn wir 1 mm pro 0 ben\u00f6tigten, dann k\u00f6nnten wir im gesamten beobachtbaren Universum \u201enur\u201c 10^30 Nullen hintereinander schreiben. Das ist eine gro\u00dfe Zahl, aber 10^100 ist <i>10^70-mal gr\u00f6\u00dfer<\/i>. Wenn wir das gesamte Volumen des beobachtbaren Universums mit 0en f\u00fcllen w\u00fcrden und jede Null einen Kubikmillimeter br\u00e4uchte, dann fasste unser Universum 10^90 Nullen, und wir br\u00e4uchten immer noch <i>10 Milliarden beobachtbare Universen<\/i>, um 10^100 Nullen unterzubringen. Und diese Zahl g\u00e4be dann gerade mal an, wie viele Nullen die Strecke in Metern hat, d.h. wie oft man einen Meter mal 10 nehmen muss, bis sich unser Universum in exakter Kopie wiederholte.  Und bei der ersten exakten Kopie w\u00e4re nicht Schluss, sondern es w\u00e4re die erste von unendlich vielen Wiederholungen.<\/p>\n<p>Das Universum ist also in der Tat ein Ort mit sehr viel Platz. Die Annahme, es sei nur f\u00fcr uns geschaffen worden, erscheint da mehr als vermessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr hier. Dieser Beitrag wurde von Alderamin eingereicht. &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; Die Gr\u00f6\u00dfe des Universums [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":953,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,764],"tags":[2666,327],"class_list":["post-22174","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-naturwissenschaften","category-schreibwettbewerb","tag-blog-schreibwettbewerb","tag-kosmologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22174","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22174"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22174\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22175,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22174\/revisions\/22175"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/953"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22174"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22174"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22174"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}