{"id":22172,"date":"2014-09-24T11:30:41","date_gmt":"2014-09-24T09:30:41","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/24\/homoeopathie-zurueck-zu-den-anfaengen\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:21","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:21","slug":"homoeopathie-zurueck-zu-den-anfaengen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/24\/homoeopathie-zurueck-zu-den-anfaengen\/","title":{"rendered":"Hom\u00f6opathie \u2013 zur\u00fcck zu den Anf\u00e4ngen"},"content":{"rendered":"<p><i>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/07\/31\/mitmachen-der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb<\/a>. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=16197&#038;\">hier<\/a>.<\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\" alt=\"sb-wettbewerb\" width=\"500\" height=\"172\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15702\" \/><\/a><\/p>\n<p><i>Dieser Beitrag wurde von <b>Peter<\/b> eingereicht.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\nImmer mehr B\u00fccher, Dokumente, Zeitungen und sonstige Schriften aus vergangenen Jahrhunderten werden weltweit von Bibliotheken und anderen Institutionen eingescannt, digitalisiert und im Internet ver\u00f6ffentlicht. Wir haben einen Zugang zu einer F\u00fclle an Material, der fr\u00fcher nur eingeschr\u00e4nkt wenigen Personen mit gro\u00dfem Aufwand m\u00f6glich war. Diese phantastischen M\u00f6glichkeiten habe ich genutzt, um anhand von Hahnemanns Hauptwerken, dem \u201eOrganon der Heilkunst\u201c und der \u201eReinen Arzneimittelehre\u201c und anderen zeitgen\u00f6ssischen Quellen die Umst\u00e4nde der Entstehung der Hom\u00f6opathie zu untersuchen.<\/p>\n<p>Alle f\u00fcnf zu Hahnemanns Lebzeiten erschienenen Ausgaben des \u201eOrganon\u201c sowie alle sechs Teile seiner \u201eReinen Arzneimittellehre\u201c sind in ausgezeichneten Scans auf https:\/\/archive.org zu finden:<\/p>\n<p>https:\/\/archive.org\/details\/organonderration00hahn\/ (1810)<br \/>\nhttps:\/\/archive.org\/details\/organonderheilku01hahn\/ (1819)<br \/>\nhttps:\/\/archive.org\/details\/organonderheilku02hahn\/ (1824)<br \/>\nhttps:\/\/archive.org\/details\/organonderheilku03hahn\/ (1829)<br \/>\nhttps:\/\/archive.org\/details\/organonderheilku04hahn\/ (1833)<br \/>\nhttps:\/\/archive.org\/search.php?query=hahnemann%20arzneimittellehre%20francisacountwaylibrary<\/p>\n<p>**Der Stand der medizinischen Wissenschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts**<\/p>\n<p>Vieles \u2013 vielmehr fast alles \u2013 was die moderne Medizin ausmacht, war zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch unbekannt. \u00dcber Infektionen hatte man nur vage Vorstellungen von \u201eMiasmen\u201c. Bakterien als Verursacher von Infektionen wurden gr\u00f6\u00dftenteils in der 2. H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts erkannt, Viren erst im 20. Jahrhundert. Die Erblichkeit von Krankheiten war gelegentlich bekannt, genetische Ursachen wurden aber erst im 20. Jahrhundert systematisch erforscht. Der Aufbau des menschlichen K\u00f6rpers aus Zellen war noch unbekannt, auch wenn beispielsweise rote Blutk\u00f6rperchen bereits beobachtet worden waren: eine Erkl\u00e4rung oder auch nur Diagnose von Krebserkrankungen war dadurch unm\u00f6glich. Was wir heute Ern\u00e4hrungsphysiologie nennen, gab es nur in rudiment\u00e4rer Form, viele Mangelerscheinungen blieben dadurch unerkannt.<\/p>\n<p>Die Medizin berief sich vielfach auf Autorit\u00e4ten, vor allem Hippokrates und Galen. Die \u201eS\u00e4ftelehre\u201c des Hippokrates, nach der Gesundheit durch ein Gleichgewicht der \u201eS\u00e4fte\u201c bedingt ist, f\u00fchrte zu nutzlosen und gef\u00e4hrlichen Therapien wie dem zu allem und jedem angewandten Aderlass, mit dem die \u201e\u00dcberf\u00fclle\u201c (plethora) an Blut beseitigt werden sollte.<\/p>\n<p>Die Arzneimittellehre ging auch auf antike Vorbilder zur\u00fcck, allen voran die \u201eMateria medica\u201c des Pedanios Dioskurides. Die Materia medica enth\u00e4lt haupts\u00e4chlich Beschreibungen von Heilpflanzen, aber auch tierische, mineralische und sonstige Heilmittel, wobei sich Erfahrungen und Beobachtungen von Heilpflanzen mit magischen Vorstellungen mischen. Zahlreiche Arzneib\u00fccher des Mittelalters und der Neuzeit setzen den Dioskurides fort. Viele der beschriebenen Arzneien sind schwere Gifte, vor allem das gegen alles und jedes eingesetzte Quecksilber.<\/p>\n<p>Vom akademischen Beruf des Arztes streng getrennt war der \u201eWundarzt\u201c, der Vorl\u00e4ufer der heutigen Chirurgen, die ein wesentlich geringeres Ansehen genossen \u2013 aus heutiger Sicht gesehen, haben sie aber, trotz ihrer rauen Methoden, wesentlich Besseres geleistet als ihre akademischen Kollegen.<\/p>\n<p>**Beispiele aus der Literatur**<\/p>\n<p>In Romanen, Erz\u00e4hlungen und Theaterst\u00fccken aus dieser Zeit ist die Medizin ein h\u00e4ufiges Thema. Die bemerkenswerte Unkenntnis der damaligen \u00c4rzte erstaunt heutige Leser immer wieder. Beispielsweise wird der schwerverletzte Werther in Goethes \u201eLeiden des jungen Werther\u201c folgenderma\u00dfen behandelt:<\/p>\n<p>\u201eAls der Medikus zu dem Ungl\u00fccklichen kam, fand er ihn an der Erde ohne Rettung, der Puls schlug, die Glieder waren alle gel\u00e4hmt, \u00fcber dem rechten Auge hatte er sich durch den Kopf geschossen, das Gehirn war herausgetrieben. Man lie\u00df ihm zum Ueberflusse eine Ader am Arme, das Blut lief, er holte noch immer Athem.\u201c<\/p>\n<p>Goethes \u201eFaust\u201c ist ein erfolgreicher Arzt, der jedoch von Gewissensbissen geplagt wird, weil er wei\u00df, dass seine Heilkunst gef\u00e4hrlicher Betrug ist:<\/p>\n<p>\u201eHier war die Arzeney, die Patienten starben,<br \/>\nUnd niemand fragte: wer genas?<br \/>\nSo haben wir, mit h\u00f6llischen Latwergen,<br \/>\nIn diesen Th\u00e4lern, diesen Bergen,<br \/>\nWeit schlimmer als die Pest getobt.<br \/>\nIch habe selbst den Gift an Tausende gegeben,<br \/>\nSie welkten hin, ich mu\u00df erleben<br \/>\nDa\u00df man die frechen M\u00f6rder lobt.\u201c<\/p>\n<p>Der \u201eLandarzt\u201c, von Honor\u00e9 de Balzac als durchwegs positive Figur gezeichnet (1833), verbirgt seine Ignoranz hinter einem autorit\u00e4ren Gehabe und duldet keinen Widerspruch gegen seine unsinnigen Anordnungen: Eine Gruppe von Kretins l\u00e4sst er wegen der von ihnen ausgehenden \u201ephysischen und intellektuellen Ansteckung\u201c deportieren. Einem nicht n\u00e4her bezeichneten Kranken verordnet er zwei Wochen Nulldi\u00e4t, bei der er nur Queckenwasser trinken darf, und weist seine Frau streng zurecht, die ihm Brot gegeben hat. Ein Aderlass erg\u00e4nzt die Behandlung des durch Hunger wohl schon geschw\u00e4chten Kranken.<\/p>\n<p>**Hahnemanns Lehre und seine Kritik an der zeitgen\u00f6ssischen Medizin**<\/p>\n<p>Kritik an der \u201eSchulmedizin\u201c des angehenden 19. Jahrhunderts war also in den meisten F\u00e4llen vollauf berechtigt. Hahnemanns Werk besteht zu einem gro\u00dfen Teil aus einem Frontalangriff gegen die von ihm als \u201eAllopathie\u201c bezeichnete Medizin:<\/p>\n<p>\u201eDer Allopathiker entzieht also mit seinen Aderl\u00e4ssen den am hitzigen Fieber Erkrankten keine l\u00e4stige Blut-Uebermenge, weil dergleichen gar nicht vorhanden seyn konnte.\u201c<\/p>\n<p>Hom\u00f6opathik vergie\u00dft keinen Tropfen Blut, giebt nicht zu brechen, purgiren, laxiren oder schwitzen, vertreibt kein \u00e4u\u00dferes Uebel durch \u00e4u\u00dfere Mittel, ordnet keine warmen B\u00e4der oder Arznei enthaltende Klystire, setzt keine spanischen Fliegen oder Senfpflaster, keine Haarseile, keine Fontanelle, erregt keinen Speichelflu\u00df , brennt nicht mit Moxa oder Gl\u00fcheisen bis auf die Knochen u. dgl., giebt aus ihrer Hand nur selbst bereitete, einfache Arznei, die sie genau kennt und keine Gemische, stillt nie Schmerz mit Opium, u. s. w.<\/p>\n<p>Von Ausnahmen abgesehen, wird man Hahnemann hier zustimmen. Hahnemanns Kritik hat zwei Hauptpunkte: (1) Die allopathischen Therapien helfen nicht und verursachen unn\u00f6tiges Leid. (2) Sie beruhen auf \u201eSystemen\u201c, also einem theoretischen Fundament, das der Erfahrung nicht zug\u00e4nglich ist.<\/p>\n<p>Hahnemann betont stets die Wichtigkeit der Erfahrung, er zeigt also erste Ans\u00e4tze zu dem, was wir heute \u201eevidenzbasierte Medizin\u201c nennen. Leider verf\u00e4llt Hahnemann in einen ebenso starren Dogmatismus wie seine Gegner. Er baut ebenso ein \u201eSystem\u201c auf, das er nur unzureichend durch empirische Daten st\u00fctzt und das er f\u00fcr allumfassend und alleine g\u00fcltig erkl\u00e4rt. Die Eckpunkte des Hahnemannschen Systems sind folgende:<\/p>\n<p>*\u00c4hnlichkeitsprinzip*<\/p>\n<p>\u201eDurch Beobachtung, Nachdenken und Erfahrung fand ich, da\u00df im Gegentheile von letztern die wahre, richtige, beste Heilung zu finden sey in dem Satze similia similibus curentur. W\u00e4hle, um sanft, schnell, gewi\u00df und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche<br \/>\nein \u00e4hnliches Leiden (\u1f45\u03bc\u03bf\u03b9\u03bf\u03bd \u03c0\u1f71\u03b8\u03bf\u03c2) f\u00fcr sich erregen kann, als sie heilen soll!\u201c<\/p>\n<p>In unz\u00e4hligen Beispielen illustriert Hahnemann sein \u00c4hnlichkeitsprinzip. Beispielsweise soll ein Schnitter nach einem Arbeitstag in der hei\u00dfen Sonne von einem Schluck Branntwein besser erfrischt werden als von einem Trunk kalten Wassers \u2013 von Dehydrierung wusste Hahnemann noch nichts. Das \u00c4hnlichkeitsprinzip und die damit verbundene Verd\u00fcnnung und Potenzierung von Arzneien sind allgemein bekannt, weshalb ich hier nicht n\u00e4her darauf eingehe.<\/p>\n<p>*Geistige Wirkung*<\/p>\n<p>Hahnemann schreibt Krankheit und Heilung einzig und allein \u201egeistigen Kr\u00e4ften\u201c zu, und schlie\u00dft eine materielle Krankheitsursache weitgehend aus.<\/p>\n<p>\u201eDie Verfechter so grobsinnlich angenommener Krankheits-Stoffe m\u00f6gen sich sch\u00e4men, die geistige<br \/>\nNatur unseres Lebens und die geistig dynamische Kraft Krankheit erregender Ursachen so un\u00fcberlegt \u00fcbersehen und verkannt und sich so zu Fege-Aerzten herabgew\u00fcrdigt zu haben, welche durch ihr Bem\u00fchen, Krankheits-Stoffe , die nie existirten, aus dem kranken K\u00f6rper zu treiben, statt zu heilen, das Leben zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>*Symptome*<\/p>\n<p>Nachdem Hahnemann \u201eSysteme\u201c der Klassifizierung von Krankheiten und die gesamte Pathologie ablehnt, bleiben ihm nur die \u00e4u\u00dferen Symptome zur Definition von Krankheiten.<\/p>\n<p>\u201eDa man nun an einer Krankheit, von welcher keine sie offenbar veranlassende oder unterhaltende<br \/>\nUrsache (causa occasionalis) zu entfernen ist, sonst nichts wahrnehmen kann, als die Krankheits &#8211; Zeichen, so m\u00fcssen, unter Mithinsicht auf etwaniges Miasm und unter Beachtung der Nebenumst\u00e4nde, es auch einzig die Symptome seyn, durch welche die Krankheit die zu ihrer H\u00fclfe geeignete Arznei fordert und auf dieselbe hinweisen kann, so mu\u00df die Gesammtheit dieser ihrer Symptome, dieses nach au\u00dfen reflectirende Bild des innern Wesens der Krankheit, d. i. des Leidens der Lebenskraft, das Haupts\u00e4chlichste oder Einzige seyn, wodurch die Krankheit zu erkennen geben kann, welches Heilmittel sie bed\u00fcrfe, das Einzige, was die Wahl des angemessensten H\u00fclfsmittels bestimmen kann \u2014 so mu\u00df, mit einem Worte, die Gesammtheit der Symptome f\u00fcr den Heilk\u00fcnstler das Haupts\u00e4chlichste, ja Einzige seyn, was er an jedem Krankheitsfalle zu erkennen und durch seine Kunst hin wegzunehmen hat, damit er geheilt und in Gesundheit verwandelt werde.\u201c<\/p>\n<p>*Einfache Heilmittel*<\/p>\n<p>Hahnemann l\u00e4sst nur einfache Heilmittel zu, also eine einzige, sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlte ungemischte Arznei f\u00fcr jedes durch seine Symptome definierte Krankheitsbild.<\/p>\n<p>\u201eDie Widersinnigkeit der Arzneigemische haben selbst M\u00e4nner aus der gew\u00f6hnlichen Arzneischule eingesehen, ob sie gleich in der Praxis selbst diesem ewigen Schlendriane, wider ihre Einsicht, folgten.\u201c<\/p>\n<p>*Exklusivit\u00e4t*<\/p>\n<p>Kombination von hom\u00f6opathischen mit \u201eallopathischen\u201c Heilmethoden schlie\u00dft Hahnemann kategorisch aus:<\/p>\n<p>\u201eBei der so n\u00f6thigen als zweckm\u00e4ssigen Kleinheit der Gaben beim hom\u00f6opathischen Verfahren ist es leicht begreiflich, da\u00df in der Cur alles \u00fcbrige aus der Di\u00e4t und Lebensordnung entfernt werden m\u00fcsse, was nur irgend arzneilich wirken k\u00f6nnte, damit die feine Gabe nicht durch fremdartig arneilichen Reitz \u00fcberstimmt und verl\u00f6scht werde.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie sanftesten Fl\u00f6tent\u00f6ne, die aus der Ferne in stiller Mitternacht ein weiches Herz zu<br \/>\n\u00fcberirdischen Gef\u00fchlen erheben und in religi\u00f6se Begeisterung verschmelzen winden, werden unh\u00f6rbar und vergeblich, wenn das n\u00e4chtliche Gez\u00e4nk der Katzen oder der heisere Schrei der Eule sie unterbricht.\u201c<\/p>\n<p>Mit einer Reihe von mitunter skurrilen Verboten bekr\u00e4ftigt Hahnemann, dass vom Kranken alles ferngehalten werden muss, was \u201earzneilich\u201c wirkt und die Heilung st\u00f6rt:<\/p>\n<p>\u201eKaffee ; feiner chinesischer und andrer Kr\u00e4uterthee ; \u2026 ; gew\u00fcrzte Schokolade ; Riechwasser und<br \/>\nParf\u00fcmerieen mancher Art ; stark duftende Blumen im Zimmer; \u2026 ; hochgew\u00fcrzte Speisen und Saucen ; gew\u00fcrztes Backwerk und Gefrornes ; \u2026 ; Gem\u00fc\u00dfe aus Kr\u00e4utern, Wurzeln und Keim-Stengeln \u2026 ; Stubenhitze; schafwollene Haut-Bekleidung; langer Mittagsschlaf im Liegen (in Betten), Nachtleben, Unreinlichkeit, unnat\u00fcrliche Wohllust, Entnervung durch Lesen schl\u00fcpfriger Schriften &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Hierbei wurde Hahnemann nach eigener Aussage von seinen Sch\u00fclern noch \u00fcbertroffen: \u201eEinige meiner Sch\u00fcler scheinen durch Verbieten noch weit mehrer, ziemlich gleichg\u00fcltiger Dinge die Di\u00e4t des Kranken unn\u00f6thig zu erschweren, was nicht zu billigen ist.\u201c<\/p>\n<p>**Medizin 200 Jahre nach Hahnemann**<\/p>\n<p>Hom\u00f6opathie und die von ihm so genannte Allopathie waren vor 200 Jahren konkurrierende Schulen. Beide beruhten auf unzureichend verstandenen Grundlagen und unzureichender Evidenz und erzielten eher Zufallstreffer. In etlichen F\u00e4llen war Hahnemann hier wohl erfolgreicher als seine Konkurrenten, beispielsweise bei der gro\u00dfen Choleraepidemie 1831. Hahnemanns Lehren haben jedoch nach 200 Jahren medizinischer Forschung und gro\u00dfen Fortschritten der Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Biologie) im allgemeinen den Test der Zeit nicht bestanden:<\/p>\n<p>* F\u00fcr die G\u00fcltigkeit des \u00c4hnlichkeitsprinzips gibt es wenig Hinweise.<br \/>\n* F\u00fcr die allermeisten Krankheiten kennt die heutige Medizin handfeste materielle Ursachen, seien es Erreger wie Bakterien oder Viren, Gendefekte, Umwelteinfl\u00fcsse, Mangelerscheinungen usw. \u201eGeistige Wirkungen\u201c haben in der modernen Medizin h\u00f6chstens noch ihre Entsprechung in der Psychosomatik.<br \/>\n* Die moderne Pathologie ist der Hahnemannschen Definition von Krankheiten nach ihren Symptomen weit voraus.<br \/>\n* Sein Beharren auf \u201eeinfachen Heilmitteln\u201c l\u00e4sst sich mit heutigem Wissen von Chemie, Biologie und Pharmakologie nicht vereinbaren. Ein pflanzliches Heilmittel, das f\u00fcr Hahnemann \u201eeinfach\u201c ist, kann eine Vielzahl von Alkaloiden beinhalten. Moderne Therapien mit kombinierten Medikamenten sind oft h\u00f6chst erfolgreich.<\/p>\n<p>Anders als vor 200 Jahren, als Hahnemann auch und vor allem schwere Erkrankungen wie die Cholera hom\u00f6opathisch behandelte, wird Hom\u00f6opathie heutzutage haupts\u00e4chlich als \u201eWohlf\u00fchl-Medizin\u201c bei Wehwehchen und Befindlichkeitsst\u00f6rungen eingesetzt, wo sie auch keinen gro\u00dfen Schaden anrichten kann. Kaum jemand kommt \u2013 Gott sei Dank \u2013 auf die Idee, eine akute Lungenentz\u00fcndung hom\u00f6opathisch zu behandeln.<\/p>\n<p>Im Vorwort zum vierten Teil der Reinen Arzneimittellehre schreibt Hahnemann in einem seltenen Anflug von Selbstzweifel, dass die Hom\u00f6opathie eines Tages \u00fcberholt sein k\u00f6nnte:<\/p>\n<p>\u201eSo lange genaue Beobachtung, unerm\u00fcdete Forschung und sorgf\u00e4ltige Vergleichung nicht dahin gelangt ist, der bei Menschen vorkommenden, unglaublichen Menge von Krankheitserscheinungen und Krankheitsf\u00e4llen, welche die Natur immerdar verschieden und h\u00f6chst abweichend hervorzubringen scheint, wirklich festst\u00e4ndige Ur\u00fcbel nachweisen zu k\u00f6nnen, so lange ist es offenbar, da\u00df jede einzelne Krankheitserscheinung, so wie sie sich zeigt, nach dem Umfange der sich in jedem Falle zeigenden Symptome hom\u00f6opathisch behandelt werden m\u00fcsse, wodurch sie alle doch unendlich besser beseitigt werden, als nach allem bisherigen Cur-Schlendriane des gemeinen Arztwesens.\u201c<\/p>\n<p>Es ist so weit: Die medizinische Forschung hat heutzutage die \u201eUr\u00fcbel\u201c der meisten Krankheiten nachgewiesen: Nehmen wir Hahnemann also beim Wort \u2013 genaue Beobachtung, unerm\u00fcdete Forschung und sorgf\u00e4ltige Vergleichung haben uns zu einem so weit fortgeschrittenen Wissensstand gef\u00fchrt, dass wir das Beharren auf 200 Jahre alten Dogmen getrost vergessen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr hier. Dieser Beitrag wurde von Peter eingereicht. &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; Immer mehr B\u00fccher, Dokumente, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":953,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[282,764],"tags":[2666,256],"class_list":["post-22172","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medizin","category-schreibwettbewerb","tag-blog-schreibwettbewerb","tag-homoeopathie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22172","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22172"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22172\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22173,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22172\/revisions\/22173"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/953"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}