{"id":22152,"date":"2014-09-19T11:30:29","date_gmt":"2014-09-19T09:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/19\/eine-exkursion-zu-einer-herz-operation\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:19","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:19","slug":"eine-exkursion-zu-einer-herz-operation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/19\/eine-exkursion-zu-einer-herz-operation\/","title":{"rendered":"Eine Exkursion zu einer Herz-Operation"},"content":{"rendered":"<p><i>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/07\/31\/mitmachen-der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb<\/a>. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=16197&#038;\">hier<\/a>.<\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\" alt=\"sb-wettbewerb\" width=\"500\" height=\"172\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15702\" \/><\/a><\/p>\n<p><i>Dieser Beitrag wurde von <b>Paul Busse<\/b> eingereicht.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\nAls Student der Elektrotechnik nehme ich regelm\u00e4\u00dfig an Exkursionen teil. Meist werden dabei Orte besucht, wie man sie erwarten w\u00fcrde: Kraftwerke, Elektronikhersteller, Rundfunkanstalten oder Forschungszentren wie die PTB. Wor\u00fcber ich schreiben m\u00f6chte, ist jedoch eine Exkursion der ungew\u00f6hnlichen Art, n\u00e4mlich in das Klinikum Salzdahlumer Stra\u00dfe in Braunschweig. Hier habe ich nicht etwa einfach einen Rundgang durch ein Krankenhaus gemacht. Nein, ich stand w\u00e4hrend einer Operation im OP-Saal. M\u00f6glich ist das, weil man an der TU Braunschweig sich in der Elektrotechnik auch in Richtung der Medizintechnik spezialisieren kann. Bestandteil dieser Spezialisierung ist eine Vorlesung &#8222;Medizin f\u00fcr Ingenieure&#8220;, in der auf freiwilliger Basis die Hospitation bei einer Herz-OP angeboten wird. Ich war mir zuerst sehr unsicher, ob ich dieses Angebot annehmen sollte. Immerhin war ich schon in der Vorlesung der einzige, der beim Anblick der OP-Bilder und -Videos umgekippt ist. Wie sollte das erst live im OP-Saal werden? Aber ich hab mich dennoch getraut und zusammen mit meinem Mitbewohner f\u00fcr die OP angemeldet.<\/p>\n<p>Der Tag der OP ging f\u00fcr Studentenverh\u00e4ltnisse fr\u00fch los. Um 7 Uhr schlugen wir im Krankenhaus auf und wurden in den Umkleideraum gef\u00fchrt. Hier hie\u00df es sich bis auf die Unterhose zu entkleiden um mit der schicken OP-Kleidung eingekleidet zu werden. Mit gr\u00fcner Hose und gr\u00fcnem Oberteil, Gummilatschen, Gesichtsmaske und OP-Haube sahen wir dann schon sehr professionell aus. Bevor wir jedoch in die heiligen Hallen durften, mussten wir noch unterschreiben, dass wir ab jetzt der \u00e4rztlichen Schweigepflicht unterliegen. Alles was nicht allgemein bekannt ist, darf ich deshalb nicht berichten. Im Besprechungsraum sa\u00dfen die \u00c4rzte bereits. Hier wurde durchgegangen, welche Patienten mit welchen Diagnosen f\u00fcr den Tag auf dem OP-Plan standen und welches Vorgehen bei der OP geplant war. Mein Mitbewohner und ich wurden einer Aortenklappenrekonstruktion zugeordnet. Im Vorbereitungsraum trafen wir dann auf den Patienten. Hier wurde die Narkose eingeleitet und der Patient zur Beatmung intubiert, also ein Beatmungsschlauch durch den Mund bis in die Luftr\u00f6hre eingef\u00fchrt. Au\u00dferdem wurden weitere f\u00fcr die OP notwendige Zug\u00e4nge und Messinstrumente gelegt. \u00dcber eine Sonde in der Oberschenkelarterie wird der Blutdruck direkt gemessen. Die Narkosenadel im Handr\u00fccken war gleich an ein ganzes Schlauch- und Ventilsystem angeschlossen, \u00fcber das ein ganzes Arsenal an Analgetika, Koanalgetika und Adjuvantien gegeben wurde, von denen ich die H\u00e4lfte noch nie geh\u00f6rt hatte. \u00dcber die Halsarterie wurde ein Draht bis zum Herzen geschoben, der den Puls ma\u00df, aber durch seine N\u00e4he zum Herzen schon bei leichtem Wackeln den Puls auch beeinflusste. Hier war eigentlich noch nichts zu sehen, was man nicht auch beim Hausarzt zu sehen bekommt, dennoch wurde mir schon hier etwas unwohl. Die Ansage der \u00c4rzte war: &#8222;Wir k\u00f6nnen uns nur um einen Patienten k\u00fcmmern und der auf dem Tisch hat Priorit\u00e4t&#8220;. Also setzte ich mich zur Sicherheit kurz auf den Boden. Als es mir wieder besser ging, stand ich auf genau in dem Moment, in dem der unangenehmste Zugang gelegt wurde. Um w\u00e4hrend der OP auch die Harnabgabe \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen, wurde ein Blasenkatheter gelegt. Der daf\u00fcr verwendete Schlauch sah einfach viel zu gro\u00df aus. Damit war die Vorbereitung aber auch abgeschlossen. Nach fast einer Stunde war der Patient bereit in den OP-Saal geschoben zu werden.<\/p>\n<p>Sagte ich, die Vorbereitung w\u00e4re abgeschlossen? Weit gefehlt. Jetzt musste der Patient noch von Kopf bis Fu\u00df mit Desinfektionsmittel eingestrichen werden. Hier ein kleiner Insidertipp an alle, die sich mal einer OP unterziehen m\u00fcssen: Auch wenn ihr denkt, dass ihr doch eh nur da rum liegt, geht trotzdem vorher nochmal duschen. Die OP-Schwester, die euch unter den Achseln einpinseln muss, wird es euch danken. Am ganzen K\u00f6rper gelb und eingedeckt in OP-T\u00fccher war der Patient dann aber wirklich bereit f\u00fcr die eigentliche Operation. Am Kopfende des Patienten standen wir auf einem Podest, um \u00fcber das Tuch blicken zu k\u00f6nnen, dass den hochsterilen Bereich mit dem Patienten und den Chirurgen von dem Bereich trennte in dem wir mit dem An\u00e4sthesisten standen.<\/p>\n<p>Um an das Herz zu kommen, wurde jetzt zun\u00e4chst der Brustkorb ge\u00f6ffnet. Dazu wird die Brust aufgeschnitten bis das Brustbein vollst\u00e4ndig zu sehen ist. Dieser Knochen wird mit einer Art Stichs\u00e4ge der L\u00e4nge nach von unten nach oben aufges\u00e4gt. Dabei entsteht ein sehr unangenehmer Geruch, was mir zum Gl\u00fcck nichts ausmacht, da ich keinen Geruchssinn besitze. Mein Mitbewohner hingegen hat angesichts des Gestanks instinktiv aufgeh\u00f6rt durch die Nase zu atmen. Da er aber vergessen hat anzufangen durch den Mund zu atmen, wurde jetzt im unwohl und er legte sich f\u00fcr einige Zeit auf den Boden. W\u00e4hrenddessen beobachtete ich weiter, wie das Herz langsam freigelegt wurde. Als n\u00e4chstes wurde zwischen die beiden H\u00e4lften des Brustkorbs, die jetzt entstanden waren, ein Metallrahmen geschoben. Mit einer Zahnradwinde wurde der Rahmen und damit der Brustkorb aufgespreizt. Das erste was ich zu sehen bekam waren die Lungenfl\u00fcgel. Diese wurden beiseite geschoben und dann war das Problem auch f\u00fcr mich als Laien deutlich sichtbar. Die Hauptschlagader war deutlich zu sehen, weil sie sich auf einen Durchmesser von mehr als 5cm ausgedehnt hatte. Ein solches Aortenaneurysma ist typisch f\u00fcr eine Aortenklappeninsuffizienz, wie sie bei dem Patienten vorlag. Die Aortenklappe trennt die linke Kammer des Herzens von der Aorta. Bei jeder Kontraktion der Kammer \u00f6ffnet sich die Aortenklappe, damit das Blut von der Kammer in die Aorta und von dort in den gesamten K\u00f6rper flie\u00dfen kann. Beim Erschlaffen der Kammer schlie\u00dft sich die Klappe wieder und verhindert so, dass das Blut aus der Aorta zur\u00fcck in die Kammer flie\u00dfen kann. Bei einer Aortenklappeninsuffizienz geschieht genau dieser Teil nicht mehr vollst\u00e4ndig, sodass bei jedem Herzschlag Blut aus der Aorta in die falsche Richtung zur\u00fcck ins Herz flie\u00dft. Das bedeutet f\u00fcr das Herz zus\u00e4tzliche Volumenarbeit. F\u00fcr eine gewisse Zeit k\u00f6nnen Herz und Gef\u00e4\u00dfe diese Arbeit auch ohne Beeintr\u00e4chtigung f\u00fcr den Organismus leisten. Aber mit der Zeit gibt die Gef\u00e4\u00dfwand der zus\u00e4tzlichen Belastung durch mehr Volumenfluss und Verwirbelungen nach und beginnt sich auszudehnen. Durch die Ausdehnung ist die Aortenwand so d\u00fcnn und gespannt, dass ein Riss mit t\u00f6dlichen Folgen immer wahrscheinlicher wird. Deshalb war diese Operation n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Bevor aber an der Aorta und der Klappe operiert werden kann, muss der Patient erst an die Herz-Lungen-Maschine (HLM) angeschlossen werden. Hierzu wird ein Schlauch in die Vene eingef\u00fchrt, die vom K\u00f6rper zum Herzen f\u00fchrt, und das Blut dort aus dem K\u00f6rper entnommen, bevor es in den rechten Teil des Herzen f\u00fchrt. Da das Blut nun nicht mehr vom rechten Herz in die Lunge flie\u00dft, wird es in der HLM mit Sauerstoff angereichert. Anschlie\u00dfend ersetzt eine Pumpe in der HLM die Pumpwirkung des linken Herzens und das Blut wird \u00fcber einen Schlauch, der in die Aorta f\u00fchrt, dem K\u00f6rper wieder zugef\u00fchrt. Das einzige Organ, das dadurch nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird, ist das Herz selbst, da es an beiden Seiten vom Kreislauf abgeklemmt wurde. Damit das Herz dadurch keinen Schaden nimmt, wird ein Herzstillstand erzeugt. Wenn das Herz sich nicht bewegt, braucht es auch keinen Sauerstoff und \u00fcbersteht so die Operation unbeschadet. Um das Herz stillzulegen wird \u00fcber die Koronararterien eine Kalioplegiel\u00f6sung in das Herz laufen gelassen. Die Kalioplegiel\u00f6sung enth\u00e4lt eine hohe Konzentration an Kalium-Ionen. Der Transport von Kalium- und anderen Ionen durch Zellmembranen erregt Muskelaktivit\u00e4t. Die Kalioplegiel\u00f6sung ver\u00e4ndert nun die Konzentrationsverh\u00e4ltnisse im Herzmuskel so stark, dass keine Muskelaktivit\u00e4t mehr m\u00f6glich ist. Daf\u00fcr ist aber auch eine sehr gro\u00dfe Menge an Kalioplegiel\u00f6sung n\u00f6tig. W\u00e4hrend der gesamten Operation wurde 3 bis 4 mal eine gro\u00dfe Flasche von der L\u00f6sung in das Herz gesp\u00fclt, um wieder eine ausreichende \u00dcberkonzentration von Kalium sicherzustellen.<\/p>\n<p>Jetzt wo kein Blut mehr durchs Herz floss und es auch still stand, konnte endlich an der Aortenklappe operiert werden. Zuerst wurde ein etwa 8cm langes St\u00fcck der ausgedehnten Aorta an beiden Seiten abgeschnitten. Dieses St\u00fcck wird sp\u00e4ter durch eine Gef\u00e4\u00dfprothese ersetzt. Jetzt war die Aortenklappe deutlich sichtbar. Oberhalb der Klappe entspringen aus der Aorta noch die Koronararterien. Diese m\u00fcssen erhalten werden und deshalb wird die Aorta um sie herum regelrecht ausgeschnitten. Die Aortenklappe selbst sollte nicht transplantiert werden sondern rekonstruiert werden. Hierzu ma\u00df der Chirurg aus, bei welchem Durchmesser der Gef\u00e4\u00dfprothese die Klappe wieder korrekt schlie\u00dft. Je kleiner der Durchmesser, desto leichter schlie\u00dft die Klappe nat\u00fcrlich. Dann hat man aber das Problem, dass bei kleinen Durchmessern der Gef\u00e4\u00dfwiderstand steigt und das Herz wieder mehr Pumparbeit zu verrichten hat. Diese beiden Parameter mussten gegeneinander abgewogen werden.<\/p>\n<p>Beim Anreichen der Gef\u00e4\u00dfprothese konnte man sehen, was hochsteril bedeutet. Eine Schwester holte die Schachtel mit der Gef\u00e4\u00dfprothese aus dem Schrank und \u00f6ffnete die Plastikverpackung. Darin lag eine weitere Plastikverpackung, in der sich die Prothese befand. Eine zweite Schwester entnahm diese Verpackung, \u00f6ffnete sie und lie\u00df die Gef\u00e4\u00dfprothese ohne sie zu ber\u00fchren auf das OP-Tuch fallen. Von dort wurde die Prothese mit einer Zange gefasst und im Desinfektionsmittel getr\u00e4nkt. Erst dann wurde sie dem Chirurgen \u00fcbergeben. Dieser musste die Gef\u00e4\u00dfprothese jetzt an der Aortenklappe ann\u00e4hen. Eine handwerkliche Meisterleistung, vor der ich den allerh\u00f6chsten Respekt entwickelt habe. Stellt euch vor, ihr m\u00fcsstet ein abgeschnittenes Hosenbein wieder ann\u00e4hen, verwendet daf\u00fcr 20 verschiedene F\u00e4den und Nadeln und fasst die Nadeln nur mit einer Pinzette an. So ungef\u00e4hr wurde die Prothese rundum angen\u00e4ht. Jede Naht wurde mit einem Knoten abgeschlossen, der so schnell geknotet wurde, dass ich fast daran gezweifelt h\u00e4tte, ob es wirklich ein Knoten ist. Bevor es weiterging wurde noch mit Kochsalzl\u00f6sung die Dichtigkeit der Naht und der Klappe gepr\u00fcft. Anschlie\u00dfend wurden seitlich in die Gef\u00e4\u00dfprothese L\u00f6cher gebrannt, an die die Koronararterien angen\u00e4ht wurden. Eine weitere knifflige Arbeit, da diese nur einen Durchmesser von wenigen Millimetern haben. Zum Schluss wurde die Prothese am anderen Ende gek\u00fcrzt und an die Aorta angen\u00e4ht. Bei all diesen kniffligen Arbeiten waren die Chirurgen zwar hoch konzentriert, aber gleichzeitig \u00e4u\u00dferlich unglaublich entspannt. Die ganze Zeit \u00fcber unterhielten sich die beiden Chirurgen miteinander und den anderen Mitarbeitern; \u00fcber Paper, die sie k\u00fcrzlich gelesen haben, \u00fcber Studien, die sie gerne mal durchf\u00fchren w\u00fcrden, \u00fcber Vortr\u00e4ge, die sie gerade gehalten haben oder auch \u00fcber Fu\u00dfball.<\/p>\n<p>Zum Schluss musste der Patient nur noch von der Herz-Lungen-Maschine genommen und zugen\u00e4ht werden. Beim Trennen von der HLM ist darauf zu achten, dass keine Luft aus dem w\u00e4hrend der OP leeren Herzen in das Gef\u00e4\u00dfsystem gelangt. Au\u00dferdem muss z\u00fcgig vorgegangen werden, um den Zeitraum klein zu halten, in dem weder von der HLM noch vom K\u00f6rper f\u00fcr eine Zirkulation gesorgt wird. Die Schl\u00e4uche aus der Aorta und der Hohlvene wurden entfernt und die L\u00f6cher in den Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nden zugen\u00e4ht. Das Blut, das jetzt wieder das Herz und die Koronararterien f\u00fcllte, verdr\u00e4ngte die Kalioplegiel\u00f6sung, wodurch der Herzmuskel wieder zu arbeiten begann. Wegen des langen Stillstands war diese Herzaktivit\u00e4t jedoch unkoordiniert. Jede Faser kontrahierte unabh\u00e4ngig von den anderen. Genau das, was man als Herzflimmern bezeichnet. In diesem Fall war das aber kein Zeichen eines Fehlers, sondern das was zu erwarten war. Durch einige gezielte elektrische St\u00f6\u00dfe konnte das Flimmern beendet werden und der normale Herzrhythmus setzte wieder ein. Davon konnte ich leider nicht viel sehen, da dabei der An\u00e4sthesist das Podest f\u00fcr sich in Anspruch nahm.<\/p>\n<p>Aber wie bekommt man jetzt wieder den Brustkorb zu? Ganz klar, mit Nadel und Faden. Nur dass Nadel und Faden dicker und beide aus Metall sind. Jedes Mal wenn der Chirurg die Nadel durchs Brustbein stach, krachte und knackte es. Wie die Metallf\u00e4den verknotet wurden, konnte ich leider nicht sehen, da das Podest bereits abgebaut wurde. Die Haut \u00fcber dem Brustbein wurde normal vern\u00e4ht und dann wurde der Patient auf die Intensivstation geschoben. Im Vorbereitungsraum lag bereits der n\u00e4chste Patient bereit und wurde hinter uns in den OP-Saal geschoben. Das n\u00e4chste OP-Team stand schon bereit, damit m\u00f6glichst wenig Zeit verloren geht. Auf der Intensivstation wurde der Patient an die Ger\u00e4te angeschlossen. Die Bet\u00e4ubungsmittel wurden ihm noch f\u00fcr mehrere Stunden verabreicht, bevor er dann gegen Nachmittag aufwachen sollte. Am n\u00e4chsten Tag w\u00fcrde er dann auf die Normalstation verlegt werden. F\u00fcr uns war hier der Tag beendet. Nach \u00fcber f\u00fcnf Stunden konnten wir die OP-Bekleidung wieder ablegen. Vorher noch alle Taschen des Kittels kontrollieren, ob man auch nichts vergessen hat, was man sonst am Abend in der Zentralw\u00e4scherei aus Tausenden von Kitteln hervorkramen m\u00fcsste. Nach der langen Zeit des Stehens machten wir uns geschafft auf den Heimweg. Wenn ich mir vorstelle, dass ich w\u00e4hrend dieser Zeit nicht nur still an einer Stelle stehen muss, sondern auch noch mit beiden H\u00e4nden im Brustraum eines Menschen lebenswichtige Organe vern\u00e4hen muss, bekomme ich einen Eindruck, was f\u00fcr ein anstrengender Beruf die Chirurgie sein muss.<\/p>\n<p>Es hat sich auf alle F\u00e4lle gelohnt diese Exkursion zu machen. Einen solchen Einblick bekommt man nicht alle Tage und da ich bei Bewusstsein geblieben bin, waren meine Bef\u00fcrchtungen vom Anfang auch unbegr\u00fcndet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr hier. Dieser Beitrag wurde von Paul Busse eingereicht. &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; Als Student der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":953,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[282,764],"tags":[2666,6698],"class_list":["post-22152","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medizin","category-schreibwettbewerb","tag-blog-schreibwettbewerb","tag-herz-operation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22152","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22152"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22152\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22153,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22152\/revisions\/22153"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/953"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}