{"id":22144,"date":"2014-09-17T11:30:36","date_gmt":"2014-09-17T09:30:36","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/17\/finale-gedanken-zur-homosexualitaet\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:18","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:18","slug":"finale-gedanken-zur-homosexualitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/17\/finale-gedanken-zur-homosexualitaet\/","title":{"rendered":"Finale Gedanken zur Homosexualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><i>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/07\/31\/mitmachen-der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb<\/a>. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=16197&#038;\">hier<\/a>.<\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\" alt=\"sb-wettbewerb\" width=\"500\" height=\"172\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15702\" \/><\/a><\/p>\n<p><i>Dieser Beitrag wurde von <b>Harald Havas<\/b> eingereicht.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<h3><a href=\"https:\/\/derhavasbloggt.files.wordpress.com\/2014\/01\/hosi2014.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-287\" alt=\"Hosi2014\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/hosi2014.jpg\" width=\"300\" height=\"192\" \/><\/a>Nach aktuellem Wissenstand ist das \u201eProblem\u201c der Homosexualit\u00e4t keines mehr. Und das l\u00e4sst sich in wenigen S\u00e4tzen beweisen.<\/h3>\n<p>Im Grunde wurden und werden haupts\u00e4chlich drei Argumente gegen Homosexualit\u00e4t vorgebracht: Gr\u00fcnde des <span style=\"color:#ff0000;\">Glaubens<\/span>, Gr\u00fcnde der <span style=\"color:#008000;\">Nat\u00fcrlichkeit <\/span>und Gr\u00fcnde der <span style=\"color:#800080;\">Zwecklosigkeit<\/span>. Sehen wir uns diese der Reihe nach an.<\/p>\n<p><strong><span id=\"more-285\"><\/span><\/strong><span style=\"color:#ff0000;\"><strong>Glaube<\/strong><br \/>\n<\/span>Wenn jemand daran glaubt, dass gewisse Passagen in einem alten Buch seiner Wahl bedeuten, dass sein Gott (oder seine G\u00f6tter) homosexuelle Aktivit\u00e4ten ablehnen oder verbieten, dann kann man diesen Glauben nicht argumentieren. Selbst wenn der oder die betreffende Gl\u00e4ubige <a href=\"https:\/\/www.anarchismus.de\/witze\/witze\/bibel-versus-homosexualitaet.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">andere <\/a>oft gleich gewichtete Passagen seiner oder ihrer Heiligen Schrift mit gleicher Vehemenz herzhaft ignoriert. Etwa das j\u00fcdisch-christliche, alttestamentarische Verbot des Verzehrs von Meeresfr\u00fcchten, der Scheidung, dem Tragen von aus <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/kultur\/buecher\/Von-der-Schwierigkeit-613-religioese-Regeln-zu-leben\/22100492\/print.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mischgeweben <\/a>bestehenden Kleidungsst\u00fccken oder der Bejahung der Sklaverei. Wieso etwa evangelikale Christen in den USA oder wohlhabende orthodoxe Gl\u00e4ubige in Russland beim Cocktail Dinner ein Shrimpsbr\u00f6tchen in der Hand, in Polyester- oder Baumwoll-Leinen-Kleidung geh\u00fcllt moderne F\u00e4lle von Sklaverei anprangern und bedauern \u2013 und gleichzeitig Homosexualit\u00e4t verabscheuen, m\u00fcssen sie mit ihrem eigenen Gewissen (oder eben ihrer eigenen Religion) ausmachen. Argument gegen Homosexualit\u00e4t kann dieser bigotte, selektive Glaube in der weltlichen Gesetzgebung und Gesellschaft jedenfalls keines sein.<br \/>\n\u00dcbrigens haben nicht alle Gottheiten der Menschheit Homosexualit\u00e4t abgelehnt. Manche waren sogar selbst schwul oder lesbisch. Oder zumindest bi. Wie etwa Loki, Thors Bruder. Oder G\u00f6ttervater Zeus, der neben unz\u00e4hliger weiblicher Geliebten auch (zumindest) einen m\u00e4nnlichen hatte, den J\u00fcngling Ganymed. Nach Ganymed ist auch folgerichtig und v\u00f6llig gleichberechtigt einer der Monde Jupiters benannt, die n\u00e4mlich alle nach den Sexpartnern des Obergottes hei\u00dfen.<\/p>\n<p><span style=\"color:#008000;\"><strong>Nat\u00fcrlichkeit<\/strong><br \/>\n<\/span>Was ist nat\u00fcrlich? Das ist freilich eine Frage der Definition. Aber in den meisten F\u00e4llen wird man etwas dann als nat\u00fcrlich bezeichnen, wenn es in der Natur \u2013 h\u00e4ufig \u2013 vorkommt.<br \/>\nDaher war der Satz, Homosexualit\u00e4t sei gegen die Natur, nur Menschen t\u00e4ten so etwas Perverses, bei Tieren k\u00e4me das nicht vor, ein altes, oft wiederholtes Argument. Und es ist falsch. Mittlerweile kennt die Forschung hunderte Tierarten <a title=\"SPIEGEL ONLINE\" href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/homosexualitaet-bei-tieren-maennchen-mit-maennchen-weibchen-mit-weibchen-a-444512.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">quer durch die Zoologie<\/a>, von Primaten bis zu V\u00f6geln und Fischen, bei denen Homosexualit\u00e4t, lesbische wie schwule, regelm\u00e4\u00dfig vorkommt und oft in lebenslangen Partnerschaften m\u00fcndet. (\u00dcbrigens sind die Prozentzahlen der homosexuellen Individuen einer tierischen Population denen der von Menschen verbl\u00fcffend \u00e4hnlich.) All das wussten NaturforscherInnen auch schon immer, schoben das beobachtete Verhalten aber gerne auf \u201eSpieltrieb\u201c unter (Jung-)Tieren oder Ausnahmen einzelner &#8211; eventuell mental gest\u00f6rter &#8211; Individuen.<br \/>\nAuch Adoption von verwaisten Tierbabys durch homosexuelle Paare kommt in der Natur durchaus vor.<br \/>\nTja. Da kann man nichts (mehr) argumentieren. Das Thema ist von Tisch. Natura locuta, causa finita. Auf zum n\u00e4chsten Thema.<br \/>\nAch so, eines noch. Wer nachdem er Jahrzehnte behauptet hat, Homosexualit\u00e4t sein unnat\u00fcrlich, weil in der Natur nicht vorhanden, jetzt umschwenkt und sagt, der Mensch sei schlie\u00dflich mehr als ein Tier und m\u00fcsse sich \u00fcber das perverse Treiben im Tierreich erheben, erntet daf\u00fcr hoffentlich nur am\u00fcsiertes Grinsen und gelangweilte Blicke.<br \/>\nDas w\u00e4re nur nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p><span style=\"color:#800080;\"><strong>Zwecklosigkeit<\/strong><br \/>\n<\/span>Wer mittlerweile zugeben muss, dass Homosexualit\u00e4t eine Naturkonstante ist, und nach immer mehr Forschungsergebnissen eindeutig angeboren, bezeichnet sie daf\u00fcr oft gerne als \u201eevolution\u00e4re Sackgasse\u201c, als \u201eIrrtum der Natur\u201c. Nun, was das Tierreich betrifft, liegen noch nicht genug einschl\u00e4gige Forschungen vor. Was den Menschen betrifft ist dazu zweierlei zu sagen.<br \/>\nZum einen gab es und gibt es auch unfruchtbare heterosexuelle Menschen. Und auch immer schon kinderlose Paare. Dennoch wagt kaum jemand diese Menschen als \u201eIrrtum der Natur\u201c, \u201eevolution\u00e4re Sackgasse\u201c oder f\u00fcr die Gesellschaft nutzlos zu bezeichnen.<br \/>\nZum anderen gibt es eine interessante Tatsache, die der Homosexualit\u00e4t beim Menschen durchaus einen eindeutigen evolution\u00e4ren Sinn verleiht. Es zeigt sich n\u00e4mlich, dass unter den K\u00fcnstlern, Erfindern, und vor allem auch gro\u00dfen Feldherren(!) und Pionieren auf anderen Gebieten die Zahl der gleichgeschlechtlich Orientierten besonders hoch war und ist. Der Grund scheint naheliegend. Sex bedeutete bis vor wenigen Jahrzehnten fast zwingend Kinder. Und die Faktoren Familie, Kinderaufzucht und alle damit verbundenen materiellen und emotionalen Probleme beanspruchen keinen geringen Teil der Kraft und Leistung. Wenn man au\u00dferdem dazurechnet, dass die Lebenserwartung in fr\u00fcheren Zeiten meist irgendwo zwischen 30 und 50 Jahren \u2013 phasenweise sogar deutlich darunter \u2013 lag, kann man sich ausrechnen, dass es sich nicht gut ausgeht in dieser Zeit Genie und Pionier und liebevoller Familienbetreuer zu sein. Wohl auch deshalb finden sich auch viele heterosexuelle Ehe- und Kinderlose unter den Gro\u00dfen der Menschheit \u2013 aber Homosexualit\u00e4t bietet hier einen eindeutigen Vorteil und f\u00f6rdert und erleichtert diese Entscheidung zur Hinwendung zu einem risikoreicheren, unbekannteren Weg .<br \/>\n\u00dcbrigens nicht nur unter M\u00e4nnern. Kaum durch Zufall war die wichtigste antike Schriftstellerin Sappho, lesbisch. Sie gab sogar mit ihrem Namen (Sapphismus) und Wohnort (Lesbos) der weiblichen Spielart der Homosexualit\u00e4t ihre g\u00e4ngigsten Namen. Das gilt wohl auch f\u00fcr viele weise Frauen und Schamaninnen (vormals Hexen) und Nonnen. Nicht wenige Frauen gingen wohl, neben den Gr\u00fcnden Armut oder Heiratsunf\u00e4higkeit, auch deswegen ins Kloster &#8211; und leisteten dort oft Gro\u00dfes und Wichtiges &#8211; weil sie sich k\u00f6rperlich von M\u00e4nnern abgesto\u00dfen f\u00fchlten. Egal ob sie hinter Klostermauern dann keusch blieben oder aber ihre Orientierung auslebten.<br \/>\nZugegeben, diese \u201eFunktion\u201c der Homosexualit\u00e4t bleibt bislang nur Spekulation, aber wenn man jeglichen gesellschaftlichen, der Menschheit dienenden Grund f\u00fcr Homosexualit\u00e4t bestreitet, nun, hier w\u00e4re einer.<\/p>\n<p>Sorry, Schwulenhasser, aber das Thema ist vom Tisch. Geht wo anders spielen.<\/p>\n<p>PS: das alles sagt allerdings nicht automatisch etwas \u00fcber die Sinnhaftigkeit oder Berechtigung sozialer oder rechtlicher Gleichstellung von homosexuellen Menschen, deren Eheschlie\u00dfung oder Adoptionen durch sie in ihren jeweiligen Gesellschaften und L\u00e4ndern aus. All das unterliegt einzig und allein politischen Abw\u00e4gungen. Und ist im Grunde keine Frage der Moral sondern des gesellschaftlichen Wandels. Auch anderen Menschengruppen, etwa Armen, Dienstboten oder Angeh\u00f6rigen anderer Ethnien war zum Teil &#8211; durchaus auch in unserer westlichen Gesellschaft &#8211; die Eheschlie\u00dfung oder das Zeugen von Kindern untersagt. Wie auch das Wahlrecht oder andere Privilegien und Rechte. Wer was wo darf, ist also eine Frage der gesellschaftlichen \u00dcbereinkunft.<br \/>\nABER: \u201eNat\u00fcrliche\u201c Gr\u00fcnde f\u00fcr oder gegen das eine oder andere existieren jedoch, siehe oben, nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr hier. Dieser Beitrag wurde von Harald Havas eingereicht. &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; Nach aktuellem Wissenstand [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":953,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[221,764],"tags":[2666,6880],"class_list":["post-22144","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kultur","category-schreibwettbewerb","tag-blog-schreibwettbewerb","tag-homosexualitat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22144","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22144"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22144\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22145,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22144\/revisions\/22145"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/953"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22144"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22144"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22144"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}