{"id":22136,"date":"2014-09-15T11:30:25","date_gmt":"2014-09-15T09:30:25","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/15\/ettikenschwindel-und-kulanz\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:18","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:18","slug":"ettikenschwindel-und-kulanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/15\/ettikenschwindel-und-kulanz\/","title":{"rendered":"Ettikenschwindel und Kulanz"},"content":{"rendered":"<p><i>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/07\/31\/mitmachen-der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb<\/a>. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=16197&#038;\">hier<\/a>.<\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\" alt=\"sb-wettbewerb\" width=\"500\" height=\"172\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15702\" \/><\/a><\/p>\n<p><i>Dieser Beitrag wurde von <b>Pardel Lux<\/b> eingereicht.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p><b>Etikettenschwindel<\/b><\/p>\n<p>False labeling? Spurious labeling? Label fraud? Bogus claims? Oder gleich juristisch korrekt false or deceptive advertising? Auf Spanisch also publicidad enga\u00f1osa, ganz einfach. Nur, dass Etikettenschwindel auf Deutsch auch in einem weniger juristischen Sinn verwendet wird, in Situationen, in denen es streng genommen nicht um Etiketten oder Werbung geht, sondern um die gewollte Wirkung einer Darstellung nach au\u00dfen, beispielsweise bei einer Person oder einer Partei. Etikettenschwindel ist kein definierter Straftatbestand, im Gegensatz zu false or deceptive advertising und publicidad enga\u00f1osa (was nicht deckungsgleich mit publicidad il\u00edcita ist). In Deutschland hie\u00dfe der Straftatbestand wohl irref\u00fchrende Werbung. Sowohl die Federal Trade Commission in den USA wie auch das Verbraucherschutzgesetz in Deutschland und Spanien (Ley de protecci\u00f3n del consumidor) verbieten diese Praxis, aber logischerweise decken diese Gesetze nicht den Bereich ab, der nicht Gegenstand juristischer Auseinandersetzung sein kann, eben der Bereich, der interessant ist. Woher kommt diese interessante Komponente des Begriffs? Vermutlich stammt sie daher, dass das Wort eine fast poetische Wendung durch den Begriff \u201eSchwindel\u201c bekommt, womit er in die Umgangssprache eingegangen ist, was einem rein juristischen Begriff nicht verg\u00f6nnt ist. Ein Schwindel klingt fast verspielt, im Gegensatz zum Englischen fraud, spurious, deceptive oder zum Spanischen fraude bzw. enga\u00f1oso. Und es ist gerade diese Erweiterung der Bedeutung ins Kolloquiale, die auf der einen Seite interessant, auf der anderen aber schwierig zu \u00fcbersetzen ist.<\/p>\n<p><b>Kulanz<\/b><\/p>\n<p>Etwas, was aus Kulanz gew\u00e4hrt wird, wird nicht aus einer Pflicht heraus gegeben, sondern aus Nachsicht, aus Freundlichkeit oder als eine besondere Art von Service. Kulanz wird freiwillig gew\u00e4hrt, dadurch k\u00f6nnen ausdr\u00fccklich keine Verantwortung und kein Recht auf einen Schadensersatz abgeleitet werden. Durch Kulanz verzichtet man auf ein Recht und gewinnt daf\u00fcr seine Ruhe (und vielleicht einen guten Ruf als Firma). Die englische Sprache muss f\u00fcr diesen Sachverhalt auf das Lateinische zur\u00fcckgreifen, dann hei\u00dft es, etwas wird Ex Gratia gew\u00e4hrt. Lateinisch ist kein Englisch, und daher ist der Ausdruck unter Anglophonen nicht sehr weit verbreitet, au\u00dfer unter Juristen vielleicht. Der Begriff hat also einen ganz anderen Stellenwert innerhalb des Deutschen und des Englischen. Spanisch hingegen scheint diesen Ausdruck gar nicht zu kennen, man kann zwar manchmal \u00fcber Umwege \u00e4hnliches ausdr\u00fccken, z. B. in dem man sagt, etwas va a cargo (o a cuenta) de la casa. Das ist aber nur ein Teilaspekt der Kulanz, obendrein kann es auch etwas anderes bedeuten (wenn ein Wirt eine Runde ausgibt, macht er das zwar a cuenta de la casa, aber das ist keine Kulanz). Mir scheint es, in der spanischsprachigen und in der englischsprachigen Welt h\u00e4tten es die Verbraucher einfacher, um im Streitfall mit Unternehmen zu argumentieren, wenn es einen der Kulanz entsprechenden Begriff g\u00e4be. Heute mache ich mir das Leben einfach und schlage f\u00fcr Spanisch culancia (oh, ich sehe schon die H\u00e4me ob der Assoziationen aufkommen!) und f\u00fcr Englisch culancy vor. Oder hat jemand einen anderen Vorschlag?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr hier. Dieser Beitrag wurde von Pardel Lux eingereicht. &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; Etikettenschwindel False labeling? 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