{"id":22118,"date":"2014-09-10T11:30:29","date_gmt":"2014-09-10T09:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/10\/was-rastet-das-rostet\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:16","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:16","slug":"was-rastet-das-rostet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/10\/was-rastet-das-rostet\/","title":{"rendered":"Was rastet, das rostet"},"content":{"rendered":"<p><i>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/07\/31\/mitmachen-der-scienceblogs-blog-schreibwettbewerb\/\">ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb<\/a>. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=16197&#038;\">hier<\/a>.<\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/sb-wettbewerb.png\" alt=\"sb-wettbewerb\" width=\"500\" height=\"172\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15702\" \/><\/a><\/p>\n<p><i>Dieser Beitrag wurde von <b>Werner R\u00f6pke<\/b> eingereicht.<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\nWas rastet, das rostet<\/p>\n<p>Der Spaten eines flei\u00dfigen G\u00e4rtners ist blitzblank, der eines faulen rostet vor sich hin. Deswegen die \u00dcberschrift, die ja sonst bekannt ist ist unter &#8222;Wer rastet, der rostet&#8220;.<\/p>\n<p>Es ist allgemein bekannt: Eisen und Stahl rosten. Dazu braucht es nur den Luftsauerstoff als Oxidationsmittel und etwas Feuchtigkeit und schon bildet sich eine mehr oder weniger lockere Schicht aus Eisen(II)- und Eisen(III)oxid mit Kristallwasser. Die Bezeichnung \u201ewasserhaltiges Oxid\u201d l\u00e4sst schon vermuten, dass es einen deutlich gr\u00f6\u00dferen Raum einnimmt als seine Ausgangskomponenten. Wenn also Wasser an eine Armierung gelangt, bringt der entstehende Rost sogar Beton zum Platzen. Das nennt man dann Bausch\u00e4den, bei Br\u00fccken wird so was richtig teuer. Die R\u00f6mer kannten zwar schon  Beton, aber keine Armierung, deswegen stehen Aqu\u00e4dukte noch seit 2000 Jahren. Zuschlagstoff zum opus caementitium war damals Vulkanasche, nach seiner Herkunft Pozzulanerde genannt.<\/p>\n<p>Aber wir wollen uns ja nicht mit Rost und R\u00f6mern besch\u00e4ftigen, sondern eben mit Nicht-Rost.  Kocht\u00f6pfe, Sp\u00fclen und Bestecke sind aus nichtrostendem Stahl, auch als Edelstahl oder V2A-Stahl bezeichnet. Wenn es so  etwas gibt, warum nimmt man den nicht als Armierung f\u00fcr Beton?<br \/>\nzu teuer?<\/p>\n<p>Nein, das ist es nicht, sondern Armierungsstahl mu\u00df rosten!  Darum liegt er drau\u00dfen im Regen, denn der feuchte Beton verbindet sich unl\u00f6sbar mit dem angerosteten Stahl &#8211; und dann h\u00f6rt er auf zu rosten, jedenfalls, wenn weder Feuchtigkeit noch Sauerstoff Zutritt haben.<br \/>\nAu\u00dferdem hat der verwendete Baustahl eine h\u00f6here Zugfestigkeit als Edelstahl, ein nicht unwichtiges Kriterium f\u00fcr die Anwendung. <\/p>\n<p>Aber warum rostet Edelstahl eigentlich nicht?<\/p>\n<p>Edelstahl ist nicht von der Zusammensetzung her rostfrei, typischerweise werden Chrom, Nickel, Molybd\u00e4n und Titan zugesetzt, sondern aufgrund seiner spezifischen Oberfl\u00e4che. Die Korrosionsbest\u00e4ndigkeit von Edelstahl \u201erostfrei\u201c beruht auf einer komplexen, chromreichen Oxid-bzw. Oxidhydratschicht auf dem Stahl, die den normalen Oberfl\u00e4chenzustand  darstellt. Die Oxidation l\u00e4uft spontan ab, sofern gen\u00fcgend Sauerstoff an die Oberfl\u00e4che gelangt, das hei\u00dft,  wenn das Blech aus der Walzmaschine kommt, beginnt die Oxidation der Oberfl\u00e4che und der Stahl ist damit gesch\u00fctzt und rostet normalerweise nicht. <\/p>\n<p>Edelstahl ist ein allgemeiner Ausdruck f\u00fcr nicht rostende Eisenlegierungen, eigentlich m\u00fcsste man sagen \u201eEdeleisen\u201c, denn Stahl ist der Begriff f\u00fcr  harte Eisenlegierung mit sehr hohem Kohlenstoffanteil, und nichtrostende St\u00e4hle haben wenig Kohlenstoff, daf\u00fcr aber hohe Mengen anderer Zuschl\u00e4ge, wobei das Chrom eben haupts\u00e4chlich f\u00fcr die  sch\u00fctzende Oxidschicht sorgt.<\/p>\n<p>Mit der Zeit nimmt die Dicke dieser Schicht  zu und es  entsteht eine dauerhaft korrosionsbest\u00e4ndige Oberfl\u00e4che, die selbst im Fall mechanischer Besch\u00e4digung erhalten bleibt. <\/p>\n<p>Wird Edelstahl bearbeitet, gelangt \u201efrischer\u201c Stahl an die Oberfl\u00e4che, der sofort wieder passiviert. Dieser Prozess kann mit Hilfe eines Oxidationsmittels beschleunigt werden, um eine gleichm\u00e4\u00dfige Oxidschicht auf dem Bauteil aufzubauen. F\u00fcr technische Anwendungen nimmt man hierf\u00fcr beispielsweise Salpeters\u00e4ure, die &#8222;fri\u00dft\u201c, also oxidiert zum Einen alle Verunreinigungen weg, zum Anderen hilft sie, sehr schnell eine Oxidationsschicht aufzubauen.<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich k\u00f6nnte man damit in k\u00fcrzester Zeit einen angebrannten Kochtopf wieder einsatzbereit machen, allerdings ist Salpeters\u00e4ure kein typischer Haushaltsreiniger und in der Anwendung auch nicht ungef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Tritt auf einem Edelstahlteil Rost auf, wurde dieser wahrscheinlich von einem unedlen Eisenteil \u00fcbertragen.<br \/>\nLegt man zum Beispiel einen feuchten, st\u00e4hlernen Putzschwamm auf eine Edelstahlsp\u00fcle, so hat sich nach einem Tag ein Rostfleck gebildet, der nur grobmechanisch entfernt werden kann. Es rostet zuerst der \u201eschwarze\u201d Stahl und greift dann nach und nach die Oxidschicht des \u201ewei\u00dfen\u201d Stahls an. <\/p>\n<p>Durch Abschleifen und Polieren l\u00e4sst sich eine solche Roststelle wieder vollst\u00e4ndig beseitigen, wenn sie noch nicht sehr lange bestanden hat, sonst bleibt eine Fehlstelle.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist Edelstahl auch best\u00e4ndig gegen Salzwasser und Chlor, sonst w\u00fcrden Schwimmbadleitern ja sofort wegrosten. Allerdings verwendet man daf\u00fcr Legierungen mit sehr hohen Molybd\u00e4n- und Chromanteil, keinen &#8222;K\u00fcchenstahl&#8220;.<\/p>\n<p>Und warum macht man einen faule-G\u00e4rtner-Spaten nicht auch aus Edelstahl?  Macht man, aber das sind dann keine Profi-Spaten, sondern solche f\u00fcr Gelegenheitsg\u00e4rtner.<br \/>\nDen Unterschied sieht man sp\u00e4testens, wenn man viele Steine im Boden hat und Wurzeln. Edelstahl ist, wie schon oben erw\u00e4hnt, aufgrund der Zusammensetzung immer weicher als  ein hoch kohlenstoffhaltiger,  aber rostender,  Stahl.<br \/>\nAber ein guter G\u00e4rtner ist ja so flei\u00dfig, da\u00df sein Spaten keine Zeit hat zum Rosten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb. Alle eingereichten Beitr\u00e4ge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser k\u00f6nnen mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben k\u00f6nnt, erfahrt ihr hier. 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