{"id":22099,"date":"2014-09-05T07:30:45","date_gmt":"2014-09-05T05:30:45","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/05\/neuer-galaktischer-superhaufen-identifiziert-unser-zuhause-heisst-laniakea\/"},"modified":"2025-05-14T16:15:15","modified_gmt":"2025-05-14T14:15:15","slug":"neuer-galaktischer-superhaufen-identifiziert-unser-zuhause-heisst-laniakea","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/09\/05\/neuer-galaktischer-superhaufen-identifiziert-unser-zuhause-heisst-laniakea\/","title":{"rendered":"Neuer galaktischer Superhaufen identifiziert: Unser Zuhause hei\u00dft Laniakea!"},"content":{"rendered":"<p>Man kann sich nicht vorstellen, wie gro\u00df unser Universum ist. Man kann es wirklich nicht. Wir scheitern schon daran, die Entfernungen zwischen den Planeten verstehen zu k\u00f6nnen und hier besteht ja zumindest noch die Chance, dass Menschen diese Entfernungen irgendwann einmal selbst zur\u00fcck legen. Aber der Kosmos reicht ja nicht nur von hier bis zu Mars. Dahinter kommen weitere Planeten. Und dann folgen all die fernen Sterne unserer Milchstra\u00dfen-Galaxie. Und dann all die anderen Galaxien, die gemeinsam mit ihr einen gro\u00dfen Galaxienhaufen bilden. Und dann all die anderen Galaxienhaufen, die selbst wiederum aus tausenden Galaxien mit Milliarden Sternen und Milliarden Planeten bestehen. Und selbst diese Galaxienhaufen finden sich zu noch gr\u00f6\u00dferen Strukturen zusammen. Wie gesagt: Man kann es sich nicht vorstellen. Aber man kann zumindest probieren, es zu beschreiben und unsere Position im Weltraum zu verstehen. Astronomen aus den USA, Frankreich und Israel haben das probiert und dabei eine neue Superstruktur im Universum identifiziert: Den <i>Laniakea-Superhaufen<\/i> (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1409.0880\">&#8222;The Laniakea supercluster of galaxies&#8220;<\/a>)<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Geografie des Universums ist im Prinzip nicht anders als die Geografie auf der Erde: Man schaut nach, was wo ist und zeichnet eine Karte. Aber im Weltall ist das alles in klein wenig komplizierter. Denn wir sehen nicht unbedingt immer alles, was da ist. Zum Beispiel die <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=10955\">dunkle Materie<\/a>, die sich \u00fcberall zwischen den Galaxien befindet und von der wir nur die gravitative Wechselwirkung registrieren, sie aber nicht sehen k\u00f6nnen. Und dann bewegt sich auch noch alles st\u00e4ndig! Das All expandiert und nimmt dabei die Galaxien und Galaxienhaufen mit sich. Da herauszufinden, was wo ist und was zusammengeh\u00f6rt und was nicht, ist eine knifflige Aufgabe.<\/p>\n<p>Brent Tully von der Universit\u00e4t Hawaii und seine Kollegen haben sich daf\u00fcr eine neue Technik ausgedacht. Anstatt einfach nur die Positionen der fernen Galaxien aufzuzeichnen, haben sie die sogenannte <i>Pekuliargeschwindigkeit<\/i> bestimmt. Das ist im wesentlichen nichts anderes als die Geschwindigkeit, mit der sich eine Galaxie bewegt, nachdem man die durch die Expansion des Alls verursachte Geschwindigkeit abgezogen hat. Es ist die Bewegung, die von den Anziehungskr\u00e4ften der Galaxien (und der dunklen Materie) in der Umgebung der Galaxien verursacht wird. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/youtu.be\/rENyyRwxpHo\">Dieses Video<\/a> zeigt, wie die Technik funktioniert: <\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/rENyyRwxpHo\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/center><\/p>\n<p>Und <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/104910552\">hier<\/a> gibt es das ganze noch einmal mit ein bisschen mehr technischen Details:<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/player.vimeo.com\/video\/104910552?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0\" width=\"500\" height=\"281\" frameborder=\"0\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe> <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/vimeo.com\/104910552\">Laniakea Supercluster<\/a> from <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/pomarede\">Daniel Pomar&egrave;de<\/a> on <a href=\"https:\/\/vimeo.com\">Vimeo<\/a>.<\/p>\n<p><\/center><\/p>\n<p>Aus einem Katalog von etwa 8000 Galaxien, die mit Radioteleskopen in unserer Ecke des Universums beobachtet wurden, haben die Wissenschaftler ihre Pekuliargeschwindigkeiten bestimmt. Das hat es Tully und seinen Kollegen erlaubt, herauszufinden, wie die ganzen Sternensysteme tats\u00e4chlich zusammenh\u00e4ngen. Sie haben f\u00fcr ihre Gruppierungen nicht die reine <i>Position<\/i> der Galaxien benutzt, sondern die Pekuliarbewegung. Simpel gesagt: Alles was sich in die gleiche Richtung bewegt, geh\u00f6rt zusammen. Und nach dieser Analyse ist unsere Milchstra\u00dfe Teil einer gro\u00dfen Gruppe von Galaxien, die ungef\u00e4hr 500 Millionen Lichtjahre durchmisst. Diese Region enth\u00e4lt eine Masse von etwa 100 Billiarden Sonnenmassen. Die Wissenschaftler haben sie <i>Laniakea<\/i> genannt, was auf hawaiianisch &#8222;unermesslicher Himmel&#8220; bedeutet.<\/p>\n<p>Man kann sich das Ganze ein wenig so vorstellen wie eine Wasserscheide. Das ist die Grenze, die das Einzugsgebiet von abflie\u00dfenden Wasserma\u00dfen auf der Erde markiert. Alles Wasser, dass sich zum Beispiel auf der \u00f6stlichen Seite der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nordamerikanische_kontinentale_Wasserscheide\">Nordamerikanischen Kontinentalen Wasserscheide<\/a> befindet, flie\u00dft fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in den Atlantik; alles auf der westlichen Seite in den Pazifik. Bei Laniakea ist es genau so: Alle Galaxien auf der einen Seite der Grenzlinie bewegen sich auf das Zentrum von Laniakea zu; die anderen davon weg. <\/p>\n<figure id=\"attachment_16173\" aria-describedby=\"caption-attachment-16173\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/laniakea.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/laniakea.png\" alt=\"Ich glaube ich kann mein Haus sehen! (Tully et al, 2014)\" width=\"500\" height=\"293\" class=\"size-medium wp-image-16173\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16173\" class=\"wp-caption-text\">Ich glaube ich kann mein Haus sehen! (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1409.0880\">Tully et al, 2014<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese Art der Galaxiengruppierung hat den Vorteil, dass hier auch der Einfluss von Regionen ber\u00fccksichtigt wird, die man bisher noch nicht beobachtet hat. Die Bewegung der Galaxien wird ja von <i>Allem<\/i> beeinflusst, was da drau\u00dfen im All ist; egal ob wir es sehen k\u00f6nnen oder nicht. Nach den bisherigen Definitionen ist die Milchstra\u00dfe Teil des <i>Lokalen Gruppe<\/i>, einem Galaxienhaufen, der von Milchstra\u00dfe und Andromedagalaxie dominiert wird und noch ein paar Dutzend kleinere Galaxien enth\u00e4lt. Die Lokale Gruppe wiederum geh\u00f6rt zum <i>Virgo-Haufen<\/i>, der knapp 2000 Galaxien enth\u00e4lt und 9 Millionen Lichtjahre durchmisst. Diese gro\u00dfe Ansammlung zusammen mit etwa 200 anderen Galaxienhaufen Teil des <i>Virgo-Superhaufens<\/i>, der einen Durchmesser von 200 Millionen Lichtjahren hat. Der Virgo-Superhaufen selbst w\u00e4re aber wieder nur ein kleiner Teil der neuen Laniakea-Gruppe&#8230;<\/p>\n<p>Ob sich die neue, dynamische Definition eines Superhaufens wie sie von Tully und seinen Kollegen vorgeschlagen worden ist, durchsetzen wird, muss sich erst noch zeigen. Gayoung Chon vom Max-Planck-Institut f\u00fcr extraterrestrische Physik in Garching <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/news\/earth-s-new-address-solar-system-milky-way-laniakea-1.15819\">ist zum Beispiel der Meinung<\/a>, ein Superhaufen m\u00fcsse als Gruppe von Galaxienhaufen definiert werden, die irgendwann in ferner Zukunft alle zusammen eine einzige Riesengruppe aus Sternen bilden. Bei Laniakea ist das aber vermutlich nicht der Fall, da sich die Galaxien dort zwar alle in die gleiche Richtung bewegen aber nicht unbedingt auch alle verschmelzen werden. <\/p>\n<p>Aber es spricht ja auch nichts dagegen, mehrere Definitionen zu verwenden. Es kommt halt immer darauf an, was man untersuchen will. So oder so ist es ein faszinierendes St\u00fcck Astronomie. Wir k\u00f6nnen uns zwar immer noch nicht vorstellen, was es bedeutet, Teil einer Gruppe von Galaxien zu sein, die 500 Millionen Lichtjahre gro\u00df und 100 Billiarden Sonnenmassen schwer ist. Aber immerhin k\u00f6nnen wir nun sagen, dass wir zum &#8222;unermesslichen Himmel&#8220; geh\u00f6ren und das ist doch auch sehr sch\u00f6n! \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/f391a2aa56ca4df4af9e8b839dfb62df\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man kann sich nicht vorstellen, wie gro\u00df unser Universum ist. 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