{"id":21858,"date":"2014-06-25T07:45:18","date_gmt":"2014-06-25T05:45:18","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/06\/25\/das-verlorene-kapitel-von-die-neuentdeckung-des-himmels-doppelsonnen-und-wechselplaneten-teil-3\/"},"modified":"2025-05-14T16:14:44","modified_gmt":"2025-05-14T14:14:44","slug":"das-verlorene-kapitel-von-die-neuentdeckung-des-himmels-doppelsonnen-und-wechselplaneten-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/06\/25\/das-verlorene-kapitel-von-die-neuentdeckung-des-himmels-doppelsonnen-und-wechselplaneten-teil-3\/","title":{"rendered":"Das verlorene Kapitel von \u201cDie Neuentdeckung des Himmels\u201d: Doppelsonnen und Wechselplaneten (Teil 3)"},"content":{"rendered":"<p>Am Montag habe ich von der <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=15286\">Arbeit beim Verfassen eines Buches erz\u00e4hlt<\/a> und davon, dass dabei manchmal l\u00e4ngere Abschnitte oder ganze Kapitel des Manuskripts am Ende nicht im fertigen Buch landen. Nicht immer, weil sie schlecht sind, sondern oft aus anderen Gr\u00fcnden. Eines dieser &#8222;verlorenen Kapitel&#8220; aus meinem letzten Buch <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/02\/21\/mein-neues-buch-die-neuentdeckung-des-himmels\/\">&#8222;Die Neuentdeckung des Himmels&#8220;<\/a> m\u00f6chte ich nun hier im Blog ver\u00f6ffentlichen. <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=15286\">Teil 1<\/a> und <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/06\/24\/das-verlorene-kapitel-von-die-neuentdeckung-des-himmels-doppelsonnen-und-wechselplaneten-teil-2\/\">Teil 2<\/a> gab es schon zu lesen. Der dritte und letzte Teil folgt heute:<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<figure id=\"attachment_13847\" aria-describedby=\"caption-attachment-13847\" style=\"width: 412px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/neuentdeckung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/neuentdeckung.jpg\" alt=\"Das gibt es zu gewinnen!\" width=\"412\" height=\"661\" class=\"size-full wp-image-13847\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13847\" class=\"wp-caption-text\">Bonus-Content!!<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Doppelsonne und Wechselplaneten (Teil 3)<\/b><\/p>\n<p>Fremde Monde bei fremden Planeten zu finden w\u00e4re zwar sehr aufregend und die Wissenschaftler k\u00f6nnten viel daraus lernen. Aber wirklich \u00fcberraschend w\u00e4re so eine Entdeckung nicht. Die Monde m\u00fcssen da sein \u2013 es w\u00e4re h\u00f6chst sonderbar, wenn es sowas nur in unserem Sonnensystem geben w\u00fcrde. Aber die Chancen stehen gut, dass wir in den Weiten des Alls irgendwann auch einmal etwas finden werden, dass wirklich \u00fcberraschend ist; etwas, dass es in unserem Sonnensystem nicht gibt. Zum Beispiel zwei Planeten, die sich eine Bahn teilen. <\/p>\n<p>Das klingt zuerst einmal so, als sei es komplett unm\u00f6glich. Dort, wo schon ein gro\u00dfer Himmelsk\u00f6rper wie ein Planet seine Bahn um einen Stern zieht, kann doch eigentlich kein Platz mehr f\u00fcr einen zweiten sein. Die gravitativen St\u00f6rungen des ersten Objekts m\u00fcssten das zweite doch sofort aus der Bahn schmei\u00dfen. Und normalerweise ist das auch so. Es gibt aber Ausnahmen. Ende des 18. Jahrhunderts hat der franz\u00f6sische Mathematiker Joseph Louis Lagrange intensive Berechnungen zur Bewegung von Himmelsk\u00f6rpern angestellt. Er hat insbesondere untersucht, wie die Gravitationskr\u00e4fte von zwei gro\u00dfen Objekten ein drittes beeinflussen und dabei etwas interessantes festgestellt. Umkreist zum Beispiel ein Planet einen Stern, dann gibt es in diesem System genau f\u00fcnf Punkte, an denen sich s\u00e4mtliche wirkenden Kr\u00e4fte gegenseitig aufheben. An diesen Punkten kann sich ein dritter Himmelsk\u00f6rper aufhalten, ohne von den beiden anderen gest\u00f6rt zu werden. Diese Punkte werden heute Lagrange-Punkte genannt. Drei von ihnen befinden sich immer entlang der Verbindungslinie zwischen Stern und Planet und zwei genau auf der Bahn des Planeten und zwar immer 60 Grad vor beziehungsweise hinter ihm. Die ersten drei Punkte sind instabil. Das bedeutet, dass sich ein Objekt wirklich exakt im Lagrangepunkt befinden muss, um nicht gest\u00f6rt zu werden. Weicht es nur ein bisschen ab, dann sorgen die St\u00f6rungen daf\u00fcr, dass es sich schnell immer weiter entfernt. Die letzten beiden Punkte auf der Bahn des Planeten sind aber stabil. Ein Himmelsk\u00f6rper, der sich ein wenig vom Lagrangepunkt entfernt, bleibt trotzdem noch in der N\u00e4he. <\/p>\n<p>In den beiden stabilen Punkten k\u00f6nnen sich Objekte also f\u00fcr lange Zeit aufhalten und tun das auch. In unserem Sonnensystem kennen wir zum Beispiel die sogenannten \u201eTrojaner\u201c (Sie wurden alle nach Figuren aus dem Trojanischen Krieg benannt so dass heute die gesamte Asteroidengruppe den Namen \u201eTrojaner\u201c bekommen hat). Das sind Asteroiden, die sich auf der Bahn des Jupiters befinden. Zwei gro\u00dfe Gruppen von Asteroiden halten sich in seinen stabilen Lagrangepunkten auf und umkreisen gemeinsam mit ihm die Sonne. Auch Mars, Neptun und Uranus haben eigene Trojanerasteroiden. Und sogar bei der Erde wurde im Jahr 2010 ein Trojaner entdeckt. Bei uns gibt es nur Trojaner-Asteroiden. Aber rein prinzipiell k\u00f6nnte es durchaus auch Trojaner-Planeten geben. <\/p>\n<p>Computersimulationen zur Planetenentstehung haben gezeigt, dass sich in den Lagrangepunkten eines gro\u00dfen Planeten ausreichend Material ansammeln k\u00f6nnte, damit daraus ein weiterer Planet entstehen kann. Und Simulationen zur Bewegung dieser Planeten demonstrieren, dass die Bahn so eines Trojaner-Planeten stabil ist, wenn seine Masse eine gewisse Obergrenze nicht \u00fcberschreitet. Ein jupitergro\u00dfer Gasriese k\u00f6nnte zumindest theoretisch einen kleineren, etwa erdgro\u00dfen Planeten in seinen Lagrangepunkten beherbergen. Gefunden hat man so ein Objekt bis jetzt aber nicht. Aber wenn sie existieren sollten, dann verraten sie sich genauso wie die extrasolaren Monde durch Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten in den Transit-Lichtkurven. <\/p>\n<p>Bis jetzt blieb die Suche nach exotischen Objekten wie den Trojaner-Planeten erfolglos. Aber wenn sie irgendwo dort drau\u00dfen sind, dann werden sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter gefunden werden. Wenn nicht in unserer Milchstra\u00dfe, dann in irgendeiner anderen Galaxie. Es gibt zwar schon alleine in unserer eigenen Galaxis ein paar hundert Milliarden Planeten. Es gibt aber auch ein paar hundert Milliarden Galaxien im sichtbaren Universum und sie sind alle voller Planeten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stehen die Chancen schlecht, die Planeten fremder Galaxien zu beobachten, wenn wir uns schon bei den Planeten in unserer unmittelbaren Umgebung so schwer tun. Aber die Chancen stehen zumindest nicht so schlecht, wie man denken w\u00fcrde. Vielleicht ist es Astronomen sogar schon gelungen, den ersten extragalaktischen Planeten zu entdecken. Im Jahr 1999 beobachteten Wissenschaftler der POINT-AGAPE-Kollaboration die Andromeda-Galaxie. Sie ist 2,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und unser n\u00e4chster galaktischer Nachbar im All (sieht man von den beiden Magellanschen Wolken und anderen Zwerggalaxien ab, die als Satelliten unsere eigene Milchstra\u00dfe umkreisen). Man war damals nicht auf der Suche nach Planeten, sondern wollte MACHOs finden. Das steht f\u00fcr \u201eMassive Compact Halo Objects\u201c und bezeichnet schwere und leuchtschwache Himmelsk\u00f6rper die sich in den Au\u00dfenbereiche von Galaxien befinden sollten; also zum Beispiel schwarze L\u00f6cher, Neutronensterne oder braune Zwerge. Man vermutete damals, dass solche Objekte eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die \u201edunkle Materie\u201c liefern k\u00f6nnten, also den Anteil der Materie, dessen Gravitationswirkung Astronomen zwar beobachten k\u00f6nnen, der aber selbst kein Licht aussendet und v\u00f6llig \u201edunkel\u201c ist. Heute wei\u00df man, dass es viel zu wenig MACHOs gibt um damit die dunkle Materie erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Aber bei ihrer Suche ist den Wissenschaftlern von POINT-AGAPE vielleicht ein extragalaktischer Planet ins Netz gegangen.<\/p>\n<p>Bei der MACHO-Suche benutzte man ebenfalls den Gravitationslinseneffekt. Die dunkle Materie mag zwar unsichtbar sein, kann aber problemlos als Gravitationslinse funktionieren. Man nahm daher die Andromeda-Galaxie ins Visier und hoffte, m\u00f6glichst viele Gravitationslinsenereignisse beobachten zu k\u00f6nnen. Je mehr MACHOs es in den Au\u00dfenbereichen von Andromeda gibt, desto \u00f6fter m\u00fcsste man einen Mikrolinseneffekt sehen k\u00f6nnen. Jedesmal wenn ein unsichtbarer MACHO von der Erde aus gesehen genau vor einem Stern der Andromeda vor\u00fcber zieht, w\u00fcrde er dessen Licht verzerren und aus der Anzahl und der St\u00e4rke der Mikrolinsenereignisse k\u00f6nnte man dann die Menge der MACHOs absch\u00e4tzen. Die Ergebnisse zeigten, dass es deutlich zu wenig waren um als Erkl\u00e4rung f\u00fcr die dunkle Materie dienen zu k\u00f6nnen1. Aber ein paar Gravitationslinsenereignissen konnte man doch beobachten und eines davon war \u00e4u\u00dferst interessant. Als Linse diente hier ein Stern und die Analyse der Beobachtungen zeigte, dass es sich um einen Stern mit Begleiter handeln musste. Der Begleiter k\u00f6nnte ein Planet mit der sechsfachen Masse des Jupiter. Aber leider sind die Beobachtungsdaten nicht aussagekr\u00e4ftig genug um sich sicher sein zu k\u00f6nnen. Es k\u00f6nnte auch ein brauner Zwerg oder ein zweiter Stern sein. <\/p>\n<p>Zuk\u00fcnftige Beobachtungen werden auch hier Klarheit bringen. Die Planeten in den anderen Galaxien sind mit Sicherheit vorhanden. Und zumindest bei unseren galaktischen Nachbarn werden die Astronomen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter diese Planeten auch finden. Dann w\u00fcrde sich unser Verst\u00e4ndnis der extrasolaren Planeten noch einmal komplett \u00e4ndern. Bis jetzt kennen wir nur Planeten, die sich in relativer N\u00e4he zur Sonne befinden; die meisten sind nicht mehr als ein paar hundert Lichtjahre weit weg. Die anderen Galaxien sind aber Millionen von Lichtjahren weit entfernt; wir sehen also auch Licht, das Millionen Jahre bis zu uns gebraucht hat und blicken daher Millionen Jahre in die Vergangenheit. Die Erforschung extragalaktischer Planeten w\u00fcrde uns einen v\u00f6llig neuen Blick auf die fremden Welten erlauben&#8230;<\/p>\n<p>Bis es aber so weit ist, haben wir in unserer eigenen Galaxie noch genug zu entdecken. Nach all den gro\u00dfartigen und spektakul\u00e4ren Funden der letzten 20 Jahre bleibt eine Frage immer noch offen: Gibt es irgendwo eine \u201ezweite Erde\u201c? Gibt es da drau\u00dfen irgendwo einen Planeten, der nicht nur so gro\u00df und so schwer ist wie die Erde, sondern auch die gleichen lebensfreundlichen Bedingungen aufweist? Und vor allem: Gibt es irgendwo dort drau\u00dfen einen Planeten, auf dem Leben nicht nur m\u00f6glich ist, sondern tats\u00e4chlich existiert?<\/p>\n<p>Die Antworten auf diese Fragen kennen wir noch nicht. Aber sie liegen in unserer Reichweite. Wenn es eine zweite Erde gibt, werden wir sie in den n\u00e4chsten Jahren finden! <\/p>\n<p>\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/b874e76b0c0244818966b8f60e9fc269\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag habe ich von der Arbeit beim Verfassen eines Buches erz\u00e4hlt und davon, dass dabei manchmal l\u00e4ngere Abschnitte oder ganze Kapitel des Manuskripts am Ende nicht im fertigen Buch landen. Nicht immer, weil sie schlecht sind, sondern oft aus anderen Gr\u00fcnden. 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