{"id":21831,"date":"2014-06-17T08:30:31","date_gmt":"2014-06-17T06:30:31","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/06\/17\/auf-der-suche-nach-ausserirdischer-luftverschmutzung\/"},"modified":"2025-05-14T16:14:43","modified_gmt":"2025-05-14T14:14:43","slug":"auf-der-suche-nach-ausserirdischer-luftverschmutzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/06\/17\/auf-der-suche-nach-ausserirdischer-luftverschmutzung\/","title":{"rendered":"Auf der Suche nach au\u00dferirdischer Luftverschmutzung"},"content":{"rendered":"<p>Die Suche nach fremden Welten und fremden Leben besch\u00e4ftigt die Menschheit schon seit Jahrtausenden (siehe dazu auch mein Buch <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2014\/02\/21\/mein-neues-buch-die-neuentdeckung-des-himmels\/\">&#8222;Die Neuentdeckung des Himmels&#8220;<\/a>). Aber erst seit wenigen Jahren sind wir in der Lage, konkrete wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet anzustellen. 1995 wurde der erste extrasolare Planet gefunden und mittlerweile <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2013\/04\/07\/die-wunderbare-welt-der-exoplaneten-die-komplette-serie\/\">kennen wir die fremden Welten recht gut<\/a>. Es wird nicht mehr lange dauern, bevor wir Teleskope haben, die gut genug sind, um die sogenannten <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/03\/22\/wie-man-leben-auf-extrasolaren-planeten-entdeckt\/\">&#8222;Biomarker&#8220; zu finden<\/a>, also die Gase in der Atmosph\u00e4re eines Planeten, die auf die Existenz von Leben hindeuten. Astronomen aus den USA haben nun eine weitere Methode vorgeschlagen, bei der es um die Suche nach <i>intelligenten<\/i> au\u00dferirdischen Lebewesen geht: Luftverschmutzung!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Bei der Suche nach Leben im All muss man zwei Dinge grundlegend unterscheiden: Die Suche nach Leben und die Suche nach <i>intelligenten Leben<\/i>! Ersteres ist vergleichsweise einfach und vergleichsweise erfolgsversprechend. Wir wissen, dass da drau\u00dfen unz\u00e4hlige Planeten sind, auf denen Leben im Prinzip existieren kann. Wir wissen, dass wir kurz davor stehen, die entsprechenden Techniken zu beherrschen, mit denen sich Leben finden l\u00e4sst, wenn es dort ist. Wir wissen <i>nicht<\/i>, wie wahrscheinlich die Entstehung von Leben ist, aber die gro\u00dfe Zahl an fremden Planeten l\u00e4sst seine Existenz zumindest plausibel erscheinen. Aber hier geht es nicht um fortschrittliche Alien-Zivilisationen; nicht um die Suche nach futuristisch-gl\u00e4nzenden Alien-St\u00e4dten mit hoch-entwickelten Alien-Bewohnern. Es geht um Algen, Bakterien, Pflanzen und \u00e4hnlich &#8222;unaufregende&#8220; Lebewesen (obwohl meiner Meinung nach JEDE Form von au\u00dferirdischem Leben eine grandiose und revolution\u00e4re Entdeckung w\u00e4re!). Diese Art von Leben in den n\u00e4chsten Jahrzehnten zu finden (sofern vorhanden) ist durchaus realistisch. Bei intelligenten Aliens sieht die Lage ganz anders aus.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15234\" aria-describedby=\"caption-attachment-15234\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Lynn_Massachusetts_seaweed_and_rocks_near_Atlantic_Ocean-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Lynn_Massachusetts_seaweed_and_rocks_near_Atlantic_Ocean-scaled.jpg\" alt=\"Hurra! Aliens!! (Bild: Public Domain)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-15234\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15234\" class=\"wp-caption-text\">Hurra! Aliens!! (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Lynn_Massachusetts_seaweed_and_rocks_near_Atlantic_Ocean.JPG\">Bild: Public Domain<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zuerst einmal wissen wir nicht, wie h\u00e4ufig intelligentes Leben ist. Die Erde kam fast die gesamte Zeit ihrer Existenz wunderbar ohne Intelligenz aus. Leben existiert auf unserem Planeten im Prinzip von Anfang an. Seit die Bedingungen so waren, das Leben m\u00f6glich war, gibt es auch Leben. Aber w\u00e4hrend all der Milliarden Jahren war das Leben nicht intelligent. Wir Menschen sind eine relativ neue und kurzfristige Erweiterung des irdischen Inventars. Es ist also durchaus nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass intelligentes Leben immer zwangsl\u00e4ufig die Folge der Existenz von Leben an sich ist. Au\u00dferdem ist es viel schwieriger, nach intelligenten Lebewesen zu suchen. Wir k\u00f6nnen die fremden Planeten ja nicht direkt sehen und selbst wenn das in den n\u00e4chsten Jahren m\u00f6glich sein wird, werden wir nie mehr sehen k\u00f6nnen, als schwache Lichtpunkte. Irgendwelche &#8222;Satellitenbilder&#8220; von fremden Kontinenten voller Alien-St\u00e4dte wird es nicht geben. SETI, die Suche nach au\u00dferirdischer Intelligenz, hat sich daher bis jetzt mehr oder weniger darauf beschr\u00e4nkt, nach <i>zielgerichteten<\/i> Botschaften von Aliens zu suchen; nach Radionachrichten, die absichtlich ins All geschickt wurden um auf sich aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p>Nicht nur m\u00fcssen die intelligenten Aliens also dort drau\u00dfen sein; sie m\u00fcssen auch noch aktiv auf sich aufmerksam machen wollen, damit wir eine Chance haben, sie zu finden. Das macht die Suche zu einer sehr frustrierenden und bisher auch erfolglosen Angelegenheit. Henry Lin vom Harvard College und seine Kollegen haben nun aber eine neue Strategie aufgezeigt. Man k\u00f6nnte doch mal probieren, nach au\u00dferirdischer Luftverschmutzung zu suchen (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1406.3025\">&#8222;Detecting industrial pollution in the atmospheres of earth-like exoplanets&#8220;<\/a>). <\/p>\n<figure id=\"attachment_15233\" aria-describedby=\"caption-attachment-15233\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Air_.pollution_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Air_.pollution_1.jpg\" alt=\"Bild: Public Domain\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"size-medium wp-image-15233\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15233\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Air_.pollution_1.jpg\">Bild: Public Domain<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Aliens stellen wir uns ja &#8211; ganz nach dem Vorbild der Science-Fiction &#8211; entweder als b\u00f6se, welterobernde Monster oder als weise gottgleiche \u00dcberwesen vor. Aber was, wenn die Au\u00dferirdischen auch nur ganz normale Leute sind, die den ganz normalen Kram machen, den Leute halt so tun. Zum Beispiel ihre Umwelt verschmutzen&#8230; Wir Menschen haben die Atmosph\u00e4re unseres Planeten deutlich beeinflusst und das k\u00f6nnte auf anderen Planeten mit einer entsprechenden Zivilisation ebenso sein. Lin und seine Kollegen schlagen vor, dass man nach den Abfallprodukten dieser Zivilisation suchen k\u00f6nnte. Nicht unbedingt Gase wie Methan oder Stickoxide, denn die k\u00f6nnen auch nat\u00fcrlich produziert werden. Aber die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) w\u00e4ren ein gutes Ziel. Diese speziellen Gase entstehen nicht von selbst und verschwinden wieder, wenn sie nicht laufend nachproduziert werden. Leider nicht so schnell, wie wir Menschen das gerne h\u00e4tten &#8211; auf unserem Planeten haben sie das Ozonloch verursacht und das ist noch lange nicht weg (siehe dazu auch meinen Artikel \u00fcber den <a href=\"https:\/\/www.profil.at\/articles\/1421\/984\/375451\/thomas-midgley-umweltsuender-zeiten\">Erfinder der FCKWs<\/a>). Es gibt FCKWs, die nur wenige Jahrzehnte \u00fcberleben und wenn man die in der Atmosph\u00e4re eines anderen Planet findet, ist das ein eindeutiges Zeichen daf\u00fcr, dass sich dort noch eine aktive Zivilisation aufhalten muss. Es gibt aber auch FCKWs, die ein paar zehntausend Jahre \u00fcberleben k\u00f6nnen und es ist wahrscheinlicher, das man zuerst auf diese Gase st\u00f6\u00dft (wenn es sie \u00fcberhaupt gibt).<\/p>\n<p>Als Ziel f\u00fcr die Suche schlagen Lin &#038; Co Planeten vor, die wei\u00dfe Zwerge umkreisen. Das sind eigentlich Sterne, die schon l\u00e4ngst tot sind &#8211; trotzdem kann es dort Planeten geben und die Bedingungen f\u00fcr Leben sind erstaunlich gut (siehe <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2013\/02\/12\/auf-der-suche-nach-leben-bei-toten-sternen\/\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2013\/02\/25\/tote-sterne-tote-planeten-wie-wahrscheinlich-sind-habitable-planeten-bei-weisen-zwergen\/\">hier<\/a>). Prinzipiell sollte die Suche aber bei allen potentiell bewohnbaren Planeten m\u00f6glich sein (und ich vermute, dass man die wei\u00dfen Zwerge in diesem Artikel nur deswegen so prominent erw\u00e4hnt hat, weil Koautor Abraham Loeb auch der Autor der Arbeiten \u00fcber die Habitabilit\u00e4t wei\u00dfer Zwerge ist).<\/p>\n<p>Das Instrument, mit dem die Autoren auf die Suche gehen wollen, ist das noch nicht existierende JWST (James-Webb-Space-Telescope), der Nachfolger des Hubble-Weltraumteleskops. Damit kann man auf die Suche nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Trichlorfluormethan\">Trichlorfluormethan<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tetrafluormethan\">Tetrafluormethan<\/a> gehen; beides K\u00e4ltemittel die auch bei uns eingesetzt werden. Sind sie in ausreichender Konzentration in der Atmosph\u00e4re anderer Planeten vorhanden, ist ihre Detektion technisch machbar. Das JWST m\u00fcsste unter Umst\u00e4nden zwar sehr lange beobachten, wie die folgende Grafik zeigt. Aber es w\u00e4re nicht unm\u00f6glich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15232\" aria-describedby=\"caption-attachment-15232\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/cfc.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/cfc.png\" alt=\"Bild: Lin et al, 2014)\" width=\"500\" height=\"335\" class=\"size-medium wp-image-15232\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15232\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1406.3025\">Bild: Lin et al, 2014<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Bild zeigt auf der x-Achse die Konzentration der Gase im Vergleich mit der Konzentration auf der Erde und auf der y-Achse die f\u00fcr das JWST n\u00f6tige Belichtungszeit, um die Gase nachweisen zu k\u00f6nnen. Trichlorfluormethan (CCl3F) kann man also zum Beispiel schon mit knapp 1,5 Tagen Belichtung finden, wenn die Konzentration in der Alien-Atmosph\u00e4re 100 Mal h\u00f6her ist als bei uns.<\/p>\n<p>Wesentlich leichter sind die klassischen Biomarker wie Methan, Stickoxide, Ozon, etc zu finden. Hier muss JWST nur wenige Stunden belichten um einen Nachweis erbringen zu k\u00f6nnen. Die Autoren schlagen also vor, zuerst nach ihnen zu suchen und dort, wo man f\u00fcndig wird, noch einmal ganz genau hinzusehen und auf die Suche nach der Luftverschmutzung zu gehen. <\/p>\n<p>Wie erfolgreich man mit dieser Strategie sein kann, l\u00e4sst sich nicht sagen. Aber zumindest w\u00e4re es eine Methode, die 1) technisch machbar ist und bei der man 2) nicht darauf angewiesen, dass die Aliens von sich aus auf ihre Anwesenheit aufmerksam machen wollen. Und die Astronomen werden die Atmosph\u00e4ren von Exoplaneten so oder so untersuchen. Sobald die Teleskope der n\u00e4chsten Generation in ein paar Jahren fertig sind, ist genau das der n\u00e4chste Schritt in der Forschung. Man will die Planeten nicht nur finden, sondern auch verstehen und dazu muss man ihre Atmosph\u00e4ren kennen. Egal, ob da nun Aliens wohnen oder nicht &#8211; man wird die entsprechenden Daten sammeln und auswerten. Und wenn man schon mal dabei ist, kann man ja ruhig auch nach etwaiger au\u00dferirdischer Luftverschmutzung Ausschau halten. Wer wei\u00df, was man findet&#8230; \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/d0a1e224011d43ffae36ba266d1e4d8f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Suche nach fremden Welten und fremden Leben besch\u00e4ftigt die Menschheit schon seit Jahrtausenden (siehe dazu auch mein Buch &#8222;Die Neuentdeckung des Himmels&#8220;). 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