{"id":21827,"date":"2014-06-15T12:31:56","date_gmt":"2014-06-15T10:31:56","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/06\/15\/finanziert-fusionsforschung\/"},"modified":"2025-05-14T16:14:42","modified_gmt":"2025-05-14T14:14:42","slug":"finanziert-fusionsforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/06\/15\/finanziert-fusionsforschung\/","title":{"rendered":"Finanziert Fusionsforschung!"},"content":{"rendered":"<p>Seit knapp 100 Jahren (oder 50, je nach dem wie man es definiert), wissen wir, wie die Sonne die Energie erzeugt: Durch Kernfusion. In ihrem Inneren werden Wasserstoffatome zu Heliumatomen verschmolzen und dabei wird Energie frei, die in Form von Strahlung den Stern verl\u00e4sst. Die Fusionsenergie der Sonne ist f\u00fcr das Leben auf der Erde verantwortlich und auch die letztendliche Ursache fast all der Energieformen, die wir momentan verwenden. Sieht man von Kernkraft ab, sind \u00d6l und Kohle nichts anderes als &#8222;fossile Sonnenenergie&#8220;, n\u00e4mlich die Sonnenenergie, die in den Pflanzen und Lebewesen der Vergangenheit gespeichert worden ist. Windkraft, Solarenergie, Wasserkraft, usw &#8211; all das ist in letzter Konsequenz auf die Sonne zur\u00fcckzuf\u00fchren. Aber noch effektiver w\u00e4re es, wenn wir nicht auf die Kernfusion im Inneren eines 150 Millionen Kilometer entfernten Sterns angewiesen w\u00e4ren, sondern die Fusion direkt hier bei uns auf der Erde durchf\u00fchren k\u00f6nnten. <\/p>\n<figure id=\"attachment_15221\" aria-describedby=\"caption-attachment-15221\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/The_JET_magnetic_fusion_experiment_in_1991-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/The_JET_magnetic_fusion_experiment_in_1991-scaled.jpg\" alt=\"Der Joint European Torus (JET), eine europ\u00e4ische Forschungsanlage zur Entwicklung eines Fusionsreaktors und Vorl\u00e4ufer der gerade in Bau befindlichen ITER (Bild: EFDA JET, CC-BY-SA 3.0) \" width=\"500\" height=\"392\" class=\"size-medium wp-image-15221\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15221\" class=\"wp-caption-text\">Der Joint European Torus (JET), eine europ\u00e4ische Forschungsanlage zur Entwicklung eines Fusionsreaktors und Vorl\u00e4ufer der gerade in Bau befindlichen ITER (<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:The_JET_magnetic_fusion_experiment_in_1991.jpg\">Bild: EFDA JET<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\">CC-BY-SA 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Deswegen wird seit einigen Jahrzehnten daran geforscht, Fusion gezielt und kontrolliert durchzuf\u00fchren um damit noch viel mehr Energie zu gewinnen, als es mit den derzeitigen Methoden m\u00f6glich w\u00e4re. Wie das theoretisch ablaufen muss, wissen wir. Nur die praktische Durchf\u00fchrung ist knifflig. Und genau das ist das Problem. Um Kernfusion als ernsthafte Energiequelle zu etablieren, braucht es viel (internationales) Investment und Engagement und das \u00fcber einen langen Zeitraum hinweg. Man muss also bereit sein, f\u00fcr lange Zeit viel Geld auszugeben. Also exakt das, was kein Politiker dieser Welt tun will und wird (es sei denn, es geht um Investments beim Milit\u00e4r), ganz besonders dann nicht, wenn es um Wissenschaft geht. Wenn nicht bis zur n\u00e4chsten Wahl irgendein Profit zu erwarten ist, den man in W\u00e4hlerstimmen umwandeln kann, ist langfristiges Engagement von Politikern leider kaum mehr zu erwarten.<\/p>\n<p>Insofern ist es eigentlich erstaunlich, wie weit die Fusionsforschung trotz allem gekommen ist. Ja, vermutlich kommen jetzt wieder die \u00fcblichen Witze von wegen &#8222;Fusionskonstante&#8220;, also der Tatsache, dass (angeblich) die Beherrschung der Kernfusion <i>immer<\/i> f\u00fcr &#8222;in 30 Jahren&#8220; versprochen wird&#8230; Aber wie gesagt: Es ist kein Wunder, dass es hier nur langsam vorw\u00e4rts geht. Kernfusion nutzbar zu machen ist ein gigantisches wissenschaftliches und technisches Projekt das man nicht mal so eben nebenbei fertig stellt. Und (leider?) herrscht ja auch noch kein wirklicher Druck, hier vorw\u00e4rts zu kommen. Wir k\u00f6nnten ja auch schon l\u00e4ngst mit vern\u00fcnftigen Elektroautos mit vern\u00fcnftiger Reichweite durch die Gegend fahren oder die regenerativen Energien <i>viel<\/i> besser und umfangreicher nutzen als wir es jetzt tun. Aber warum sollten wir? Es gibt ja immer noch Benzin an jeder Tankstelle und es gibt immer noch jede Menge Kohle und Gas, die wir verheizen k\u00f6nnen und Atomkraftwerke, die billigen Strom liefern. Warum sollte man hier investieren, wenn wir die neuen Energieformen erst <i>in der Zukunft<\/i> brauchen? Soll sich doch die Zukunft darum k\u00fcmmern! <\/p>\n<p>Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass mit einem entsprechenden finanziellen und personellen Engagement Kernfusion durchaus &#8222;in 30 Jahren&#8220; nutzbar gemacht werden kann. Und auch, dass man die diversen Probleme (z.B. mit kontaminierten Bauteilen) l\u00f6sen kann. Aber man muss es auch tats\u00e4chlich wollen und nicht nur so nebenbei ein bisschen daran forschen lassen. Wenn man sich die Welt ansieht, dann gibt es eigentlich kaum etwas, was wichtiger sein sollte, als die Suche nach neuen Energiequellen f\u00fcr die Zukunft! Ob die fossilen Energien noch zu unseren Lebzeiten zu Ende gehen oder zu der unserer Kinder oder Enkel sollte eigentlich egal sein. Denn sie WERDEN zu Ende gehen und w\u00e4re es nicht besser, wir h\u00e4tten <i>vorher<\/i> schon eine Alternative, anstatt erst dann aktiv zu werden, wenn es nicht mehr anders geht?<\/p>\n<p>Aber vermutlich funktionieren wir Menschen so. Wir denken nicht langfristig; zumindest selten weiter als \u00fcber unsere pers\u00f6nliche Zukunft hinaus. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn sich da irgendwann etwas \u00e4ndern w\u00fcrde. Aber ich bin da skeptisch&#8230;<\/p>\n<p>Warum Fusionsforschung eine gute Idee ist und wie das alles eigentlich funktioniert k\u00f6nnt ihr euch in diesem sehr sch\u00f6n gemachten Video von <a href=\"https:\/\/www.phdcomics.com\/comics.php?f=1716\">PHD Comics<\/a> ansehen:<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/N4yWhA1mVxA\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/center><\/p>\n<p>Und wenn ihr dann noch sehr ausf\u00fchrlich \u00fcber die derzeitige Fusionsforschung in Deutschland informiert werden wollt, h\u00f6rt euch die beiden entsprechenden Folgen <a href=\"https:\/\/resonator-podcast.de\/\">im Resonator-Podcast<\/a> an: <a href=\"https:\/\/resonator-podcast.de\/2013\/res020-das-ipp-in-garching\/\">&#8222;Das IPP in Garching&#8220;<\/a> und <a href=\"https:\/\/resonator-podcast.de\/2014\/res032-der-wendelstein-7-x\/\">&#8222;Der Wendelstein 7-X&#8220;<\/a>.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/ef90565b05be4d74a398cb1737191534\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit knapp 100 Jahren (oder 50, je nach dem wie man es definiert), wissen wir, wie die Sonne die Energie erzeugt: Durch Kernfusion. 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