{"id":21821,"date":"2014-06-13T13:00:22","date_gmt":"2014-06-13T11:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/06\/13\/sternengeschichten-folge-81-der-wilson-zyklus-ein-langsamer-tanz-der-kontinente\/"},"modified":"2025-05-14T16:14:42","modified_gmt":"2025-05-14T14:14:42","slug":"sternengeschichten-folge-81-der-wilson-zyklus-ein-langsamer-tanz-der-kontinente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/06\/13\/sternengeschichten-folge-81-der-wilson-zyklus-ein-langsamer-tanz-der-kontinente\/","title":{"rendered":"Sternengeschichten Folge 81: Der Wilson-Zyklus &#8211; ein langsamer Tanz der Kontinente"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/SG_Logo-150x150.png\" alt=\"SG_Logo\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12938\" \/><\/a><i>Das ist die Transkription einer Folge meines <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.org\">Sternengeschichten-Podcasts<\/a>. Die Folge gibt es auch als <a href=\"https:\/\/sternengeschichten.podspot.de\/files\/081-SternengeschichtenFolge81.mp3\">MP3-Download<\/a> und <a href=\"https:\/\/youtu.be\/foU4IH8hvKI\">YouTube-Video<\/a>.<\/i><\/p>\n<p><b>Mehr Informationen: [<a href=\"https:\/\/feeds.feedburner.com\/sternengeschichten\">Podcast-Feed<\/a>][<a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/podcast\/sternengeschichten\/id583344780\">iTunes<\/a>][<a href=\"https:\/\/bitlove.org\/astrodicticum\">Bitlove<\/a>][<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sternengeschichten\">Facebook<\/a>] [<a href=\"https:\/\/twitter.com\/@sternenpodcast\">Twitter<\/a>][<a href=\"https:\/\/play.google.com\/store\/apps\/details?id=de.danoeh.antennapodsp.sternengeschichten\">Sternengeschichten-App<\/a>]<\/i><\/b><br \/>\n<span style=\"font-size: xx-small;\">\u00dcber Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kan\u00e4len.<\/span><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<b>Sternengeschichten Folge 81: Der Wilson-Zyklus &#8211; ein langsamer Tanz der Kontinente<\/b><\/p>\n<p>Astronomen besch\u00e4ftigen sich nicht nur mit fernen Sternen und Galaxien und dem, was sich sonst noch so am Himmel abspielt. Manchmal muss man auch in die andere Richtung schauen und den Boden unter unseren F\u00fc\u00dfen untersuchen. Denn auch die Erde ist ein Himmelsk\u00f6rper und derzeit der einzige, denn wir detailliert und gr\u00fcndlich untersuchen k\u00f6nnen. Will man mehr \u00fcber die anderen Planeten im Universum erfahren, dann muss man auch ein wenig Ahnung von Geologie und den Vorg\u00e4ngen im Inneren unseres eigenen Planeten haben.<\/p>\n<p>Die sind allerdings auch nicht unbedingt einfach zu beobachten und verbergen sich unseren Blicken genau so, wie es die fernen Planeten im Universum tun. Und deshalb hat es auch ziemlich lange gedauert, bis man herausgefunden hat, wie unser Planet funktioniert. <\/p>\n<p>Die meiste Zeit \u00fcber dachte man, die \u00e4u\u00dfere Erscheinung der Erde w\u00e4re heute im wesentlich so, wie sie auch in der Vergangenheit war. Die Verteilung der Kontinente auf der Erdoberfl\u00e4che sah man als unver\u00e4nderlich an. Wenn sich etwas bewegt, dann nur auf und ab. Man wusste schon in der Antike, dass manche Gegenden die heute trocken sind, fr\u00fcher unter dem Meeresspiegel lagen  und fand auch Ruinen die zeigten, dass heute \u00fcberschwemmte Gebiete fr\u00fcher trockenes Land waren. Die Landmassen der Erde konnten sich also offensichtlich heben und senken und diese vertikale Bewegung wurde nie bezweifelt. <\/p>\n<figure id=\"attachment_25034\" aria-describedby=\"caption-attachment-25034\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Tectonic_plates_de-scaled.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Tectonic_plates_de-scaled.png\" alt=\"Kontinentalplatten sind wichtig (Bild: USGS, gemeinfrei)\" width=\"500\" height=\"317\" class=\"size-medium wp-image-25034\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25034\" class=\"wp-caption-text\">Kontinentalplatten sind wichtig (<a href=\"https:\/\/pubs.usgs.gov\/gip\/dynamic\/slabs.html\">Bild: USGS, gemeinfrei<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nur eine horizontale Bewegung der Kontinente konnte sich lange Zeit niemand vorstellen. Wie sollte das auch gehen? Kontinente sind keine Boote, die durch die Ozeane schwimmen. Es gab zwar immer wieder Leute, die anmerkten dass die K\u00fcstenlinien von Afrika und S\u00fcdamerika recht \u00e4hnlich aussahen, fast so als w\u00e4re das fr\u00fcher einmal eine einzige Landmasse gewesen, die dann auseinandergebrochen und auseinander gedriftet ist. Aber da man sich keinen Mechanismus denken konnte, der das bewirken k\u00f6nnte, hielt man diese Beobachtung eher f\u00fcr eine geografische Kuriosit\u00e4t.<\/p>\n<p>Das blieb auch so, als Wissenschaftler immer mehr Hinweise fanden, dass sie irgendwas grundlegendes \u00fcbersehen hatten. Naturforscher im 19. Jahrhundert entdeckten zum Beispiel auf unterschiedlichen Kontinenten eng verwandte Tier- und Pflanzenarten. Es war nicht m\u00f6glich, dass sie sich alle unabh\u00e4ngig voneinander so gleich entwickelt hatten. Es musste einen Weg gegeben haben, wie diese Tiere und Pflanzen sich \u00fcber die von Ozeanen getrennten Landmassen ausbreiten konnten. Die plausibelste L\u00f6sung der damaligen Zeit waren sogenannte &#8222;Landbr\u00fccken&#8220; &#8211; also Land, das fr\u00fcher \u00fcber dem Meeresspiegel lag und es den Tieren und Pflanzen erm\u00f6glichte, von Afrika nach Asien oder Amerika zu wandern. Sp\u00e4ter sollten diese Landbr\u00fccken dann unter dem Ozean versunken sein. Daraus hat sich \u00fcbrigens auch die Legende des versunkenen Kontinents &#8222;Lemuria&#8220; entwickelt. Diese Landbr\u00fccke hat der Naturforscher Philip Sclater im 19. Jahrhundert postuliert um die Verbreitung der Lemuren erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Ende des 19. Jahrhunderts ist Lemuria dann aber aus der Welt der Wissenschaft in die esoterischen Lehren der Theosophen \u00fcbernommen worden und lebt dort bis heute weiter, als zweites &#8222;Atlantis&#8220; und versunkene Heimat von Aliens, \u00fcbermenschlichen Lichtwesen und anderen esoterischen Bewohnern&#8230;<\/p>\n<p>Ein bisschen Bewegung &#8211; buchst\u00e4blich &#8211; kam erst Anfang des 20. Jahrhunderts in die Sache, als sich Alfred Wegener die Sache mit den zusammenpassenden K\u00fcstenlinien noch einmal genauer ansah. Er sammelte viele neue geologische und biologische Argumente f\u00fcr die Behauptung, dass die Landmassen fr\u00fcher einmal vereint waren und dann auseinandergebrochen und sich voneinander weg bewegt haben. Aber seine Ideen wurden von den meisten seiner Kollegen abgelehnt und vielleicht aus damaliger Sicht nicht ganz zu Unrecht. Denn auch Wegener konnte keinen Mechanismus angeben, der die von ihm behauptete Bewegung der Kontinente verursacht.<\/p>\n<p>Erst in den 1960er Jahren \u00e4nderte sich das Bild. Da entdeckte man den mittelozeanischen R\u00fccken im Atlantik. Bei Vermessungsfahrten die die Tiefe des Ozeans messen sollten, erwartete man eigentlich unterseeische Gebirge zu finden, die von Ost nach West verlaufen und \u00dcberreste der ehemaligen Landbr\u00fccke zwischen Amerika und Afrika sind. Stattdessen fand man ein m\u00e4chtiges Gebirge, dass sich von Nord nach S\u00fcd quer durch den Atlantik zieht! Noch dazu war dieses Gebirge vulkanisch aktviv &#8211; st\u00e4ndig str\u00f6mte geschmolzenes Gestein aus dem Inneren der Erde in den Ozean und bildete dort neues Gestein. Wenn aber so immer neue Landmassen entstehen und die Erde gleichzeitig ganz offensichtlich nicht gr\u00f6\u00dfer wird: Dann muss irgendwo auch wieder Land verschwinden und Gestein aufgeschmolzen und zur\u00fcck ins Innere der Erde geschafft werden.<\/p>\n<p>Es muss also eine Dynamik geben; die Kontinente m\u00fcssen sich bewegen und der Motor, der diese Bewegung antreibt ist der Vulkanismus entlang der Mittelozeanischen R\u00fccken in den Meeren der Welt. Sp\u00e4ter entdeckte man auch die sogenannten Subduktionszonen, wo sich Gestein wieder zur\u00fcck ins Innere der Erde schiebt und schmilzt. Wegeners Theorie der Kontinentaldrift wurde wieder aktuell und zur modernen geophysikalischen Theorie der Plattentektonik weiter entwickelt.<\/p>\n<p>Heute ist durch verschiedenste Messungen einwandfrei erwiesen, dass sich die Landmassen der Erde tats\u00e4chlich bewegen. Wir wissen, dass Afrika, Amerika, Asien und all die anderen Kontinente fr\u00fcher nicht getrennt voneinander waren, sondern einen Superkontinent gebildet haben. Vor 200 bis 300 Millionen Jahren gab es nur eine einzige gro\u00dfe Landmasse auf unserem Planeten die von einem einzigen gro\u00dfen Ozean umgeben war. Dieser riesige Kontinent hat den Namen &#8222;Pang\u00e4a&#8220; bekommen. Vor ungef\u00e4hr 150 Millionen Jahren begann Pang\u00e4a langsam, auseinanderzubrechen. Vulkanische T\u00e4tigkeit sorgte daf\u00fcr, dass sich Pang\u00e4a zuerst in die zwei  gro\u00dfen Landmassen Gondwana und Laurasia aufspaltete aus denen dann durch weitere Fragmentierung die heutigen Kontinenten wurde.<\/p>\n<p>Die bewegen sich immer weiter um die Erde, ungef\u00e4hr mit der Geschwindigkeit mit der auch  ein menschliches Haar w\u00e4chst. Und da die Erde eine Kugel ist, sto\u00dfen die Kontinente irgendwann zwangsl\u00e4ufig wieder zusammen. 250 Millionen Jahre in der Zukunft wird wieder ein einziger Superkontinent die Erdoberfl\u00e4che beherrschen: Pang\u00e4a Ultima. Aber auch das wird nicht der letzte Superkontinent bleiben. Der Tanz der Kontinente l\u00e4uft schon seit Milliarden Jahren und wird noch lange weiter laufen. Alle paar 100 Millionen Jahre bildet sich ein Superkontinent, der danach wieder auseinanderbricht, bevor sich die Bruchst\u00fccke im Laufe der n\u00e4chsten paar 100 Millionen Jahre wieder zusammen finden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25033\" aria-describedby=\"caption-attachment-25033\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Wilson-stages_hg-de.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Wilson-stages_hg-de.png\" alt=\"Wilson-Zyklus (Bild: Hannes Grobe\/AWI, translation by Bamse, revised by Gretarsson, CC-By 3.0)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-25033\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25033\" class=\"wp-caption-text\">Wilson-Zyklus (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Wilson-stages_hg-de.png\">Bild: Hannes Grobe\/AWI, translation by Bamse, revised by Gretarsson<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/3.0\/deed.de\">CC-By 3.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diesen langsamen geologischen Rhythmus nennt man den &#8222;Wilson Zyklus&#8220;, nach dem amerikanischen Geologen John Wilson, einem der Pioniere der Plattentektonik. Wilson definierte 8 Phasen, die die Entwicklung eines Superkontinents beschreiben. Alles beginnt mit einer &#8222;Ruhephase&#8220;, also einem Superkontinent, auf dem erstmal nicht viel weiter passiert. Die Erosion von Wind und Wetter tr\u00e4gt langsam die Gebirge dieses Kontinents ab und die Landmasse harrt der Dinge, die da kommen m\u00f6gen. Es folgt die n\u00e4chste Phase, die &#8222;Graben-Phase&#8220;. Hier sorgen Hotspots unter den Kontinenten f\u00fcr eine Grabenbildung. Ein Hotspot ist ein Bereich, in dem hei\u00dfes Material aus dem Inneren der Erde aufsteigt. Die Hotspots k\u00f6nnen  die Kruste ausd\u00fcnnen, bis sie aufbricht und sich lange Gr\u00e4ben bilden, entlang derer ein Superkontinent auseinanderbrechen kann. Danach folgt als n\u00e4chste Phase das junge ozeanische Stadium. Entlang des Grabens bildet sich nun ein neuer mittelozeanischer R\u00fccken, die Kruste ist so instabil geworden, dass best\u00e4ndig geschmolzenes Gestein an die Oberfl\u00e4che dringt und der Graben wandelt sich in ein ozeanischen Becken; die Basis eines neues Meeres.<\/p>\n<p>Auf der Erde k\u00f6nnen wir so etwas zum Beispiel beim roten Meer beobachten, entlang dem Afrika langsam auseinander bricht. Die vierte Phase des Wilson Zyklus ist das reife Ozeanische Stadium. Aus dem kleinen neuen Meer ist mittlerweile ein richtiger Ozean geworden, so wie der heutige Atlantik. Danach kommt die Inversion des Ozeanbeckens: Die Erde kann nicht gr\u00f6\u00dfer werden und deswegen muss Landmasse an den R\u00e4ndern des Ozeans wieder versinken. Wenn sich die kontinentalen Platten \u00fcber- und untereinander schieben, entstehen Gebirge und vulkanische Regionen. In der n\u00e4chsten Phase beginnt der Ozean sich zu schlie\u00dfen. Die Platten wandern aufeinander zu und das Meer wird immer kleiner, so wie es momentan mit dem Mittelmeer passiert, das in der geologischen Zukunft der Erde ebenfalls verschwinden wird, da Afrika immer weiter auf Europa zuwandert. In der letzten Phase des Wilson-Zyklus ist der Ozean verschwunden, die Kontinente sind aufeinander geprallt und gewaltige Gebirge falten sich auf, so wie das zum Beispiel passiert ist, als Indien mit Asien kollidierte und den Himalaya bildete.<\/p>\n<p>Jetzt haben wir wieder einen gro\u00dfen Superkontinent wie in der ersten Phase und der Wilson-Zyklus beginnt von vorne. Die Kontinente sind zwar langsam, aber best\u00e4ndig in Bewegung. Die Erdoberfl\u00e4che ver\u00e4ndert sich immer und das hat durchaus Auswirkungen. Die Bildung und Zerst\u00f6rung  von Superkontinenten mag zwar f\u00fcr unsere Augen unsichtbar langsam ablaufen. Aber im gro\u00dfen Ganzen der Dinge bestimmt der Tanz der Kontinente unter anderem wie das Klima auf der Erde aussieht und war f\u00fcr einige der gr\u00f6\u00dften Massensterben in der Geschichte der Erde verantwortlich. Aber dazu dann mehr in der n\u00e4chsten Folge der Sternengeschichten. \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/7eb4c8f8f37e451b8e539d9592f37a6f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. 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