{"id":21752,"date":"2014-05-30T15:00:30","date_gmt":"2014-05-30T13:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/05\/30\/mit-dem-fahrrad-zu-den-asteroiden-abschnitt-3-bei-eros-in-der-oberpfalz\/"},"modified":"2025-05-14T16:14:26","modified_gmt":"2025-05-14T14:14:26","slug":"mit-dem-fahrrad-zu-den-asteroiden-abschnitt-3-bei-eros-in-der-oberpfalz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/05\/30\/mit-dem-fahrrad-zu-den-asteroiden-abschnitt-3-bei-eros-in-der-oberpfalz\/","title":{"rendered":"Mit dem Fahrrad zu den Asteroiden (Abschnitt 3): Bei Eros in der Oberpfalz"},"content":{"rendered":"<p><b>Was bisher geschah<\/b><\/p>\n<p>Asteroiden waren schon immer meine Lieblingshimmelsk\u00f6rper. Sie sind nicht so sch\u00f6n gl\u00e4nzend wie die Sterne am Himmel und sie sehen nicht so beeindruckend aus wie die Planeten. Aber die Asteroiden waren der Ursprung und Anfang unseres Planeten und ohne sie g\u00e4be es kein Leben auf der Erde. Ich habe meinen ersten wissenschaftlichen Artikel \u00fcber Asteroiden geschrieben und meine Dissertation. Ich mag Asteroiden! Grund genug, mal <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=14704\">mit dem Fahrrad zu den Asteroiden zu fahren<\/a>. Ok &#8211; nicht ins Weltall. Aber nach Wien ins Naturhistorische Museum wo sich die gr\u00f6\u00dfte Meteoriten-Ausstellung der Welt befindet. Und unterwegs halte ich die Augen offen &#8211; denn Asteroiden findet man \u00fcberall. Ich habe sie in Th\u00fcringen in Weida gefunden, wo <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=1468\">Georg Samuel D\u00f6rffel sich schon im 17. Jahrhundert \u00fcber die Bahn von Kleink\u00f6rpern Gedanken machte<\/a>. Und ich hab sie im s\u00e4chsischen Plauen entdeckt <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-admin\/post.php?post=14701\">wo Sprachpuristen Anlass zu Gedanken \u00fcber die Bedeutung des Wortes &#8222;Asteroid&#8220; geben<\/a>. Heute geht die Fahrt weiter nach S\u00fcden, zu einem Ort auf den ich mich ganz besonders freue!<\/p>\n<p><b>Die heutige Reise<\/b><\/p>\n<p>Die Fahrt dorthin war allerdings grauenhaft. So eine unangenehme Radfahrt hatte ich bis jetzt noch nie. Es gab Blut, Schwei\u00df und &#8211; na ja, keine Tr\u00e4nen&#8230; aber kaputte Bremsen und jede Menge anderen \u00c4rger. <\/p>\n<p>Es fing wieder mal mit K\u00e4lte, Regen und feuchter Kleidung an. In Rehau war Mistwetter&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3182-Medium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3182-Medium.jpg\" alt=\"IMG_3182 (Medium)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-14976\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das wurde auch nicht besser, als ich an der tschechischen Grenze entlang geradelt bin.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3184-Medium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3184-Medium.jpg\" alt=\"IMG_3184 (Medium)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-14977\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und Fr\u00fchst\u00fcckspause gemacht habe:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3185-Medium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3185-Medium.jpg\" alt=\"IMG_3185 (Medium)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-14978\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und die Landschaft war heute auch eher eint\u00f6nig. Es gab Wald. Jede Menge Wald&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3186-Medium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3186-Medium.jpg\" alt=\"IMG_3186 (Medium)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-14979\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und ganz kurz mal ein bisschen Fluss &#8211; die Eger.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3187-Medium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3187-Medium.jpg\" alt=\"IMG_3187 (Medium)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-14980\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vor allem aber gab es grauenhaft beschi**ene Wege. Was da so alles als Fahrradweg durchgeht, ist erstaunlich. Trampelpfade \u00fcber irgendwelche Wiesen; Wanderwege die sich eher zum Klettern eignen anstatt zum Radfahren. Und immer ging es bergauf oder bergab. Mein Routenplaner hatte mir f\u00fcr heute ja eine weitestgehend flache Strecke versprochen &#8211; ansonsten h\u00e4tte ich mir ja auch keine 100km vorgenommen. Aber flach war es so gut wie nie. Es ging bergauf und bergab \u00fcber solche Pisten:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3192-Medium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3192-Medium.jpg\" alt=\"IMG_3192 (Medium)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-14983\" \/><\/a><\/p>\n<p>Oder solche:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3193-Medium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3193-Medium.jpg\" alt=\"IMG_3193 (Medium)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-14984\" \/><\/a><\/p>\n<p>Jetzt bin ich aber leider kein Moutainbiker und mein Fahrrad ist kein Mountainbike. Und irgendwann kam, was kommen musste und ich bin auf den glitschigen Pisten in den Stra\u00dfengraben gerutscht; mein Fahrrad solidarisch hinterher und auf mich drauf&#8230; Na ja &#8211; viel passiert ist nicht; ich bin nur ein bisschen l\u00e4diert &#8211; mein Fahrrad daf\u00fcr mehr. Es f\u00e4hrt zwar noch gut, aber der Kotfl\u00fcgel ist ab (was eigentlich kein Problem ist) und die Bremsen haben die Bergtour heute nicht gut \u00fcberstanden und bremsen nur noch unter Aufbietung aller Kr\u00e4fte und mit viel gutem Zureden. Ich vermute mal, es wohnt nicht zuf\u00e4llig irgendwo eine fahrradmechanisch begabte Person zwischen Weiden und Regensburg (oder Deggendorf\/Passau) und will mir morgen (\u00fcbermorgen) bei nem spontanen Boxenstop schnell die Bremskl\u00f6tze wechseln? Na ja &#8211; es sollte aber ab morgen <i>wirklich<\/i> nur noch flach sein, da komme ich auch ohne starke Bremsen durch.<\/p>\n<p>Aber immerhin: Mein Blutopfer hat anscheinend den Wettergott g\u00fctig gestimmt und als ich dann aus den fr\u00e4nkischen W\u00e4ldern drau\u00dfen war, fing die Sonne an zu scheinen!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3188-Medium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3188-Medium.jpg\" alt=\"IMG_3188 (Medium)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-14981\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und endlich gab es dann wieder etwas zu sehen, was kein Wald oder Feld ist: Eine Stadt! Und zwar mein Tagesziel Weiden:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3196-Medium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_3196-Medium.jpg\" alt=\"IMG_3196 (Medium)\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-14985\" \/><\/a><\/p>\n<p><b>Wo stecken die Asteroiden?<\/b><\/p>\n<p>Die Asteroiden habe ich heute in <i>Weiden in der Oberpfalz<\/i> gefunden. Denn dort wurde der Sch\u00f6pfer des <i>Astrodicticum Simplex<\/i> geboren. Nein, nicht ich. Mein Geburtsort steht zwar auch im Reiseplan, aber der kommt erst in ein paar Tagen an die Reihe. Ich spreche auch nicht von meinem Blog &#8222;Astrodicticum Simplex&#8220;, sondern von dem Objekt, nach dem ich es benannt habe. Das originale Astrodicticum Simplex ist ein astronomisches Ger\u00e4t das der Jenaer Astronom <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erhard_Weigel\">Erhard Weigel<\/a> im 17. Jahrhundert erfunden hat. <\/p>\n<figure id=\"attachment_14987\" aria-describedby=\"caption-attachment-14987\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/10422341_10203966609750141_1662343158461485087_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/10422341_10203966609750141_1662343158461485087_n.jpg\" alt=\"Ich stehe vor Weigels Geburtshaus in der Judengasse 10 in Weiden (und hab zum Gl\u00fcck daran gedacht, mir vorher noch das Blut vom Sturz aus dem Gesicht zu waschen - was ich bei n\u00e4herer \u00dcberlegung auch schon machen h\u00e4tte sollen, bevor ich im Hotel eingecheckt bin. Kein Wunder das die mich so komisch angesehen  haben...)\" width=\"500\" height=\"666\" class=\"size-medium wp-image-14987\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-14987\" class=\"wp-caption-text\">Ich stehe vor Weigels Geburtshaus in der Judengasse 10 in Weiden (und hab zum Gl\u00fcck daran gedacht, mir vorher noch das Blut vom Sturz aus dem Gesicht zu waschen &#8211; was ich bei n\u00e4herer \u00dcberlegung auch schon machen h\u00e4tte sollen, bevor ich im Hotel eingecheckt bin. Kein Wunder das die mich so komisch angesehen  haben&#8230;)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Wort bedeutet so viel wie &#8222;Einfacher Sternenweiser&#8220; und das erschien mir als recht sch\u00f6ner Name f\u00fcr ein Blog \u00fcber Astronomie. Au\u00dferdem hat Weigel Jena als Astronom gearbeitet, so wie ich. Er hat zwar nichts weltbewegendes entdeckt (so wie ich), sich aber sehr f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit interessiert (so wie ich). Weigel hatte sich schon damals Gedanken gemacht, wie man Mathematik und Astronomie m\u00f6glichst interessant und sinnvoll an Kinder bzw. Studenten vermitteln kann. Das alles fand ich sehr sympathisch. Und au\u00dferdem war das Wort &#8222;Astrodicticum Simplex&#8220; noch so gut wie unbekannt, als ich mein Blog gegr\u00fcndet habe und kam auf gerade Mal ein bis zwei Google-Treffer&#8230;<\/p>\n<figure id=\"attachment_14778\" aria-describedby=\"caption-attachment-14778\" style=\"width: 429px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Erhardweigel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Erhardweigel.jpg\" alt=\"Erhard Weigel!\" width=\"429\" height=\"602\" class=\"size-full wp-image-14778\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-14778\" class=\"wp-caption-text\">Erhard Weigel!<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Astrodicticum Simplex ist ein Ger\u00e4t, das man auf einem Himmelsglobus montieren kann. Markiert man damit dort einen bestimmten Stern, zeigt ein gro\u00dfer Zeiger auf die tats\u00e4chliche Position des Sterns am Himmel. Es war also so was wie ein Vorl\u00e4ufer des Laserpointers bzw. von Apps wie &#8222;Google Sky&#8220;. Weigel hat aber noch viel mehr erfunden als dieses eine Ger\u00e4t. Er war ber\u00fchmt f\u00fcr seine Vielzahl an Erfindungen und technischen Spielereien und sein Haus (das leider nicht mehr existiert) das vollgestopft mit diesen Ger\u00e4ten war, geh\u00f6rt zu den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sieben_Wunder_%28Jena%29\">Sieben Wundern von Jena<\/a>.<\/p>\n<p>Heute kennt man Weigel vor allem auch noch f\u00fcr sein Engagement um den Kalender. Ende des 17. Jahrhunderts verwendete man in Europa zwei verschiedene Kalendersysteme. In den katholischen Gegenden benutzte man den reformierten Gregorianischen Kalender den wir auch heute noch verwenden. Die Protestanten dagegen lebten noch nach dem alten Julianischen Kalender. Weigel probierte die Systeme zu vereinheitlichen und machte der evangelischen Kirche den Kompromissvorschlag zumindest das Osterdatum neu zu berechnen und zwar nicht mehr beruhend auf Dekreten des katholischen Papstes basierte sondern auf der Arbeit des Protestanten Isaac Newton. Der <i>verbesserte Reichskalender<\/i> der wenige Monate nach Weigels Tod dann \u00fcbernommen wurde, war ma\u00dfgeblich von Weigels Arbeit beeinflusst und im 18. Jahrhundert schwenkten dann schlie\u00dflich auch die evangelischen Gebiete auf den neuen Kalender um.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12519\" aria-describedby=\"caption-attachment-12519\" style=\"width: 239px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/astrodict-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/astrodict-1.jpg\" alt=\"Das einzige Bild eines Astrodicticum Simplex. Ein echtes Ger\u00e4t ist nicht erhalten geblieben.\" width=\"239\" height=\"300\" class=\"size-full wp-image-12519\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-12519\" class=\"wp-caption-text\">Das einzige Bild eines Astrodicticum Simplex. Ein echtes Ger\u00e4t ist nicht erhalten geblieben.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Kalender scheinen wenig mit Asteroiden zu tun zu haben. Aber Kalender haben etwas mit dem Abstand zwischen Erde und Sonne zu tun. Denn diese Distanz bestimmt, wie lange die Erde f\u00fcr einem Umlauf um die Sonne braucht und dieser Zeitraum definiert die Dauer eines Jahres. Die Probleme mit dem Kalender haben wir unter anderem deswegen, weil die Erde eben bl\u00f6derweise 365 plus ein Viertel (und noch ein bisschen was) Tage braucht und diese unrunde Zahl dazu f\u00fchrt, dass wir regelm\u00e4\u00dfig Schalttage im Kalender einf\u00fchren m\u00fcssen (f\u00fcr die Details <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/02\/29\/wo-kommt-dieser-schalttag-her\/\">siehe hier<\/a>). Und daf\u00fcr, dass der Abstand zwischen Erde und Sonne einen so fundamentalen Einfluss auf unseren Alltag hat, hat es erstaunlich lange gedauert, bis wir ihn halbwegs genau bestimmen konnten.<\/p>\n<p>Man kann zwar recht problemlos beobachten, wie sich Sterne und Planeten \u00fcber den Himmel bewegen. Aber daraus auch den Abstand zwischen Erde und Sonne zu berechnen ist ne ganz andere Sache. Im Wesentlichen l\u00e4uft es darauf hinaus, dass man die <i>Parallaxe<\/i> messen muss. Das ist der Winkel, um den sich ein Objekt scheinbar vor dem Hintergrund verschiebt, wenn man es aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Sieht man zum Beispiel einmal mit dem linken Auge auf den Daumen der ausgestreckten Hand und dann nur mit dem rechten Auge, scheint der Daumen hin und her zu springen. Das tut er nat\u00fcrlich nicht wirklich, aber dank der leicht unterschiedlichen Blickwinkel sieht es so aus. Und auch wir blicken immer unter unterschiedlichen Winkeln hinaus ins All. W\u00e4hrend sich die Erde um die Sonne bewegt, \u00e4ndert sich auch der Winkel unter dem wir auf Sterne und Planeten blicken. Dieser Winkel, die Parallaxe, ist aber umso kleiner, je weiter weg die Objekte sind. Sterne sind so wahnsinnig weit weg, dass es bis ins 19. Jahrhundert gedauert hat, bevor man \u00fcberhaupt in der Lage war, hier eine Parallaxe zu messen. Und auch bei den n\u00e4heren Planeten war es nicht gerade einfach.<\/p>\n<p>Die besten Chancen sah man bei einem Venustransit, also dem Ereignis, bei dem die Venus von der Erde aus an der Sonnenscheibe vor\u00fcber zieht. Von unterschiedlichen Orten der Erde aus beobachtet erscheint die Venus an unterschiedlichen Positionen vor der Sonne und aus der genauen Messung dieser Abweichung kann man die Distanz zwischen Erde und Sonne berechnen. W\u00e4hrend der zwei Transits im 18. Jahrhundert <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/05\/11\/der-venustransit-2012-die-jagd-auf-die-venus\/\">machten sich Astronomen weltweit auf die Jagd nach der Venus<\/a> und am Ende hatte man einen Wert f\u00fcr die Distanz zwischen Erde und Sonne.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14780\" aria-describedby=\"caption-attachment-14780\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Eros-433.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Eros-433.jpg\" alt=\"Sechs Ansichten von Eros (Bild: NASA)\" width=\"500\" height=\"352\" class=\"size-medium wp-image-14780\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-14780\" class=\"wp-caption-text\">Sechs Ansichten von Eros (Bild: NASA)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber so richtig <i>genau<\/i> war der leider nicht. Besser als nichts &#8211; aber nicht so gut, wie man es sich gew\u00fcnscht h\u00e4tte. Aber man musste bis zum 20. Jahrhundert warten, bevor es genauer ging. Am 13. August 1898 entdeckte der Parlamentsstenograf und Astronom Gustav Witt den Asteroid <i>Eros<\/i>. Asteroiden waren damals keine Seltenheit mehr und Eros der 433te bekannte Kleinplanet. Aber es war der erste, der sich <i>nicht im Hauptg\u00fcrtel zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter befand<\/i>. Eros war der erste der sogenannten <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/08\/erdnahe-asteroiden-und-fuzzy-logic.php\">erdnahen Asteroiden<\/a>, also von den Himmelsk\u00f6rpern, deren Bahnen sie weit in das innere Sonnensystem hinein und in die N\u00e4he der Erde f\u00fchren k\u00f6nnen. Als Eros im Jahr 1930 der Erde am n\u00e4chsten kam, war der knapp 30 Kilometer lange Asteroid nur 15 Millionen Kilometer entfernt. Dieser vergleichsweise geringe Abstand erm\u00f6glichte eine Beobachtung der Parallaxe von Eros und daraus konnte man den Abstand zwischen Erde und Sonne so genau wie nie zuvor berechnen. Noch genauer ging es dann erst in den 1960er Jahren, als man Radarstrahlen zur Venus schickte, die dort reflektiert wurden und auf der Erde wieder registriert werden konnten. Aus der Laufzeit der Signale folgte der Abstand und daraus dann auch der Abstand zwischen Erde und Sonne.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14779\" aria-describedby=\"caption-attachment-14779\" style=\"width: 498px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Eros_rotation_Dec._3-4_2000.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Eros_rotation_Dec._3-4_2000.gif\" alt=\"Eros wurde im Jahr 2000 als erster Asteroid von einer Raumsonde umkreist. NEAR Shoemaker schaffte es 2001 sogar, dort zu landen bevor der Sonde der Treibstoff ausging (Bild: NASA)\" width=\"498\" height=\"390\" class=\"size-full wp-image-14779\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-14779\" class=\"wp-caption-text\">Eros wurde im Jahr 2000 als erster Asteroid von einer Raumsonde umkreist. NEAR Shoemaker schaffte es 2001 sogar, dort zu landen bevor der Sonde der Treibstoff ausging (<a href=\"https:\/\/near.jhuapl.edu\/iod\/20010205\/index.html\">Bild: NASA<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eros hat uns also enorm dabei geholfen, die grundlegende Struktur des Sonnensystems besser zu verstehen. Es ist schade, dass er sich langfristig auf einer chaotischen Bahn befindet und in knapp 20 Millionen Jahren mit der Sonne zusammensto\u00dfen wird. Aber ok &#8211; besser in die Sonne als auf die Erde. Das machen die Asteroiden n\u00e4mlich auch manchmal&#8230; Aber f\u00fcr heute m\u00f6chte ich nicht an Katastrophen denken, sondern werde im Geburtsort meines &#8222;Blogpaten&#8220; ein Bier auf sein Leben und seine Leistung trinken. Prost Erhard!<\/p>\n<p><b>Wie geht es weiter<\/b><\/p>\n<p>Noch weiter nach S\u00fcden! Morgen steht die l\u00e4ngste Etappe meiner Tour auf dem Programm. Es geht weiter durch Bayern, bis zur Donau und nach Regensburg. Genau rechtzeitig zum <a href=\"https:\/\/www.katholikentag.de\/\">Katholikentag 2014<\/a>&#8230; weswegen ich auch leider nicht in Regensburg selbst wohnen kann weil die ganze Stadt ausgebucht ist bzw. die Hotels Fantasiepreise verlangen. Aber ein St\u00fcck au\u00dferhalb hab ich zum Gl\u00fcck noch was gefunden.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/1c024549f34b4306816d9f62e76ba984\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bisher geschah Asteroiden waren schon immer meine Lieblingshimmelsk\u00f6rper. Sie sind nicht so sch\u00f6n gl\u00e4nzend wie die Sterne am Himmel und sie sehen nicht so beeindruckend aus wie die Planeten. Aber die Asteroiden waren der Ursprung und Anfang unseres Planeten und ohne sie g\u00e4be es kein Leben auf der Erde. 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