{"id":21623,"date":"2014-05-03T07:30:13","date_gmt":"2014-05-03T05:30:13","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/05\/03\/die-perfekte-theorie-6-der-urknall-ist-doof-und-nichts-darf-sich-aendern\/"},"modified":"2025-05-14T16:14:15","modified_gmt":"2025-05-14T14:14:15","slug":"die-perfekte-theorie-6-der-urknall-ist-doof-und-nichts-darf-sich-aendern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/05\/03\/die-perfekte-theorie-6-der-urknall-ist-doof-und-nichts-darf-sich-aendern\/","title":{"rendered":"Die perfekte Theorie (6): Der Urknall ist doof und nichts darf sich \u00e4ndern!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/theoriebuch.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-14378\" alt=\"theoriebuch\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/theoriebuch.png\" width=\"150\" height=\"238\" \/><\/a>Dieser Artikel ist Teil einer fortlaufenden Besprechung des Buchs <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3406660479\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3406660479&#038;linkCode=as2&#038;tag=astrodisimple-21\">&#8222;Die perfekte Theorie: Das Jahrhundert der Genies und der Kampf um die Relativit\u00e4tstheorie&#8220;<\/a><a href=\"#amazoninfo\">*<\/a> (im Original <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/0349123675\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=0349123675&#038;linkCode=as2&#038;tag=astrodisimple-21\">&#8222;The Perfect Theory: A Century of Geniuses and the Battle over General Relativity&#8220;<\/a><a href=\"#amazoninfo\">*<\/a> von Pedro Ferreira. Jeder Artikel dieser Serie besch\u00e4ftigt sich mit einem anderen Kapitel des Buchs. Eine \u00dcbersicht \u00fcber alle bisher erschienenen Artikel findet man <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/category\/die-perfekte-theorie\">hier<\/a><br \/>\n\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014-<br \/>\nIm <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=14373\">ersten Kapitel<\/a> des Buchs haben wir erfahren, was eigentlich das allgemeine an der Allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie ist und wie Albert Einstein \u00fcberhaupt auf die Idee kam, sie zu entwickeln. Im <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=14401\">zweiten Kapitel<\/a> hat Einstein dann m\u00fchsamer Rechnerei endlich herausgefunden, wie er diese Theorie formulieren kann. Das <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=14423\">dritte Kapitel<\/a> hat gezeigt, dass wir aus der allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie \u00fcberraschend viel \u00fcber die Entstehung des Universums lernen k\u00f6nnen. <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=14437\">Kapitel 4<\/a> hat erkl\u00e4rt, dass man aus ihr auch faszinierende Erkenntnisse \u00fcber sterbende Sterne erhalten kann. In <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=14462\">Kapitel 5<\/a> ging es um Einsteins Gegner und die sind auch noch das Thema von Kapitel 6.<\/p>\n<p>Albert Einstein war 1955 gestorben. Seine Forschung \u00fcber eine einheitliche Theorie aller Kr\u00e4fte brachte kein Ergebnis. Alle Welt besch\u00e4ftigte sich mit der Quantenmechanik und niemand mehr mit der Relativit\u00e4tstheorie. Aber zumindest war da noch die wissenschaftliche Revolution, die Einsteins Theorien in den 1920er Jahren ausgel\u00f6st haben. Das alte Weltbild des ewig statischen Kosmos war gest\u00fcrzt und durch das Urknallmodell eines Universums mit einem Anfang ersetzt worden. Aber pl\u00f6tzlich schien auch der Urknall zu wanken und eine alternative Kosmologie zumindest in den Augen der \u00d6ffentlichkeit die Oberhand zu gewinnen. <\/p>\n<p>Verantwortlich f\u00fcr diesen Wandel war Fred Hoyle. Der britische Wissenschaftler geh\u00f6rt wahrscheinlich zu den bedeutendsten Astronomen des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeit erkl\u00e4rte, wie die Elemente in den Sternen entstehen und hat die komplette moderne Astrophysik beeinflusst. Aber Hoyle war in jeder Hinsicht genial &#8211; und hatte oft auch radikal geniale <i>falsche<\/i> Ideen. Er war zum Beispiel davon \u00fcberzeugt, dass <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2013\/04\/26\/sternengeschichten-folge-22-fred-hoyle-und-die-krankheiten-aus-dem-all\/\">Krankheiten durch Lebewesen aus dem Weltall verbreitet<\/a> werden. Und er lehnte das Urknallmodell komplett ab.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14470\" aria-describedby=\"caption-attachment-14470\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/hoyleandromeda.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/hoyleandromeda.jpg\" alt=\"Fred Hoyle war \u00fcbrigens auch ein bekannter Science-Fiction-Autor...\" width=\"460\" height=\"768\" class=\"size-full wp-image-14470\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-14470\" class=\"wp-caption-text\">Fred Hoyle war \u00fcbrigens auch ein bekannter Science-Fiction-Autor&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Begriff &#8222;Urknall&#8220; bzw. &#8222;Big Bang&#8220; stammt \u00fcbrigens von Hoyle selbst und wurde von ihm im Jahr 1949 in einer BBC-Radiosendung verwendet, um auszudr\u00fccken, wie l\u00e4cherlich er die Theorie eines Universums mit einem Anfang hielt. Hoyle fand es absurd, dass die gesamte Materie fr\u00fcher in einem einzigen Punkt vereint war und auf einmal geschaffen wurde. Inspiriert durch den Film <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Traum_ohne_Ende\">&#8222;Traum ohne Ende&#8220;<\/a> entwickelte er mit seinen Kollegen Thomas Gold und Hermann Bondi eine alternative Kosmologie, in der das Universum keinen Anfang hatte. Es war zwar nicht statisch und dehnte sich aus &#8211; die Beobachtungen von Hubble &#038; Co konnte auch Hoyle nicht ignorieren &#8211; aber es hatte keinen Anfang in der Zeit, bei dem alles entstand. <\/p>\n<p>In Hoyles <i>Steady-State-Universum<\/i> durchzog ein sogenanntes &#8222;C-Feld&#8220; das gesamte Universum durch das \u00fcberall st\u00e4ndig neue Materie geschaffen. Das All dehnte sich zwar aus, aber in den st\u00e4ndig neu geschaffenen Zwischenr\u00e4umen zwischen den Galaxien entstand dank des C-Felds auch st\u00e4ndig neue Materie und so sah der Kosmos trotzdem immer gleich aus. Mir pers\u00f6nlich erscheint es zwar ein wenig unlogisch, warum es eine Verbesserung darstellt, wenn man statt einem einzigen Ereignis bei dem Materie entsteht unz\u00e4hlige viele Ereignisse postuliert, bei denen Materie entsteht &#8211; aber Hoyle, Bondi und Gold hielten es f\u00fcr eine gute Alternative. Und da Hoyle in der \u00d6ffentlichkeit extrem popul\u00e4r war und sich sehr intensiv um die \u00d6ffentlichkeitsarbeit k\u00fcmmerte, wurde seine Theorie in der \u00d6ffentlichkeit auch sehr bekannt. In der wissenschaftlichen Gemeinschaft kam die Steady-State-Theorie dagegen nicht so gut an.<\/p>\n<p>Besonders der britische Radioastronom Martin Ryle war ein erbitterter Gegner von Hoyle. Die Radioastronomie war in den 1950er Jahren noch ganz am Anfang. Es war noch nicht lange her, dass er Ingenieur Karl Jansky herausgefunden hatte, dass man am Himmel nicht nur das Licht der Sterne beobachten, sondern auch Radiostrahlung empfangen kann, die von Sternen und Galaxien kommt. Die Astronomen ignorierten die neue Technik anfangs und es war der Hobbyastronom Grote Reber, der 1937 das erste brauchbare Radioteleskop baute und damit den Himmel kartografierte. Er fand dabei etwas, das man &#8222;Radiostern&#8220; nannte: Isolierte Punkte am Himmel, von denen jede Menge Radiostrahlung ausging und f\u00fcr die man damals kein sichtbares Gegenst\u00fcck fand.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14469\" aria-describedby=\"caption-attachment-14469\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Grote_Antenna_Wheaton.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Grote_Antenna_Wheaton.gif\" alt=\"Rebers Radioteleskop aus dem Jahr 1937 (Bild: NRAO, public domain)\" width=\"500\" height=\"629\" class=\"size-medium wp-image-14469\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-14469\" class=\"wp-caption-text\">Rebers Radioteleskop aus dem Jahr 1937 (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:Grote_Antenna_Wheaton.gif\">Bild: NRAO<\/a>, public domain)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Martin Ryle wollte diese Radiosterne genauer untersuchen und machte sich daran, m\u00f6glichst viele davon zu finden und zu kartografieren. Ryle dachte, dass es sich dabei um Objekte handelt, die sich innerhalb der Milchstra\u00dfe befinden. Fred Hoyle dagegen war der Meinung, es m\u00fcsse sich um extragalaktische Radioquellen handeln. Ryle war ver\u00e4rgert wegen Hoyles Kritik &#8211; vor allem, als er feststellen musste, das Hoyle Recht hatte. Die Radiosterne (die sich sp\u00e4ter \u00fcbrigens als die Kernregionen ferner Galaxien herausstellen sollten) waren tats\u00e4chlich au\u00dferhalb der Milchstra\u00dfe. Aber Ryle hoffte, seine Arbeit wenigstens dazu benutzen zu k\u00f6nnen, Hoyles Steady-State-Universum zu widerlegen. <\/p>\n<p>Wenn das Universum einen Anfang in der Vergangenheit hatte und fr\u00fcher alles viel dichter beieinander war, dann m\u00fcsste man um so mehr Radiosterne sehen, je weiter man in die Ferne, also in der Zeit zur\u00fcck blickt. Je weiter entfernt ein Radiostern ist, desto schw\u00e4cher ist er aber auch. Wenn Lem\u00e2itres Urknallmodell korrekt war, dann m\u00fcsste man also am Himmel deutlich mehr schwache, ferne Radiosterne finden als nahe, helle. In Hoyles Steady-State-Universum dagegen entstehen immer neue Radiosterne und ihre Zahl w\u00e4re konstant. <\/p>\n<p>Es gelang Ryle aber nicht, den Streit mit Hoyle zu gewinnen. Seine Daten schienen zwar tats\u00e4chlich zu zeigen, dass es einen Urknall gab. Aber Hoyle widersprach und kritisierte die Qualit\u00e4t der Daten. Ryle beobachtete mehr und genauer &#8211; und Hoyle kritisierte die Ergebnisse weiterhin. So ging es weiter und Hoyle war bis zu seinem Tod im Jahr 2001 von der Richtigkeit seiner Theorie \u00fcberzeugt, obwohl mittlerweile jede Menge andere Messungen die <a href=\"scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/02\/16\/den-urknall-gab-es-wirklich-teil-1-wie-die-elemente-entstehen\/\">Urknalltheorie<\/a> <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/02\/16\/den-urknall-gab-es-wirklich-teil-1-wie-die-elemente-entstehen\/\">best\u00e4tigt<\/a> hatten.<\/p>\n<p>Einsteins Relativit\u00e4tstheorie geh\u00f6rte zwar in der Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr zu den prominentesten Forschungsgebieten in der Physik. Aber sie hatte zumindest den Angriff eines der prominentesten Astronomen dieser Zeit \u00fcberstanden. Und ihre gro\u00dfe Zeit sollte erst noch kommen&#8230;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: xx-small;\"><a name=\"amazoninfo\"><\/a>*Affiliate-Links<\/span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/58b382c466044f3ea873a9b9c433665d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist Teil einer fortlaufenden Besprechung des Buchs &#8222;Die perfekte Theorie: Das Jahrhundert der Genies und der Kampf um die Relativit\u00e4tstheorie&#8220;* (im Original &#8222;The Perfect Theory: A Century of Geniuses and the Battle over General Relativity&#8220;* von Pedro Ferreira. Jeder Artikel dieser Serie besch\u00e4ftigt sich mit einem anderen Kapitel des Buchs. 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