{"id":21469,"date":"2014-02-26T10:34:53","date_gmt":"2014-02-26T09:34:53","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/02\/26\/asteroideneinschlag-auf-dem-mond-mit-video\/"},"modified":"2025-05-14T16:13:58","modified_gmt":"2025-05-14T14:13:58","slug":"asteroideneinschlag-auf-dem-mond-mit-video","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/02\/26\/asteroideneinschlag-auf-dem-mond-mit-video\/","title":{"rendered":"Asteroideneinschlag auf dem Mond (mit Video)"},"content":{"rendered":"<p>Auf dem Mond ist ein Asteroid eingeschlagen. Das ist erst mal nicht weiter au\u00dfergew\u00f6hnlich. Immerhin muss man sich den Mond nur ansehen um dort einen Krater neben dem anderen zu finden. Seit der Mond vor <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/05\/06\/der-mond-entstehung-durch-chaos\/\">4,5 Milliarden Jahren durch eine Kollision entstanden<\/a> ist, haben die Kollisionen sein Aussehen gepr\u00e4gt. Der Asteroid, der dort am 11. September 2013 eingeschlagen ist, ist aber trotzdem bemerkenswert. Einmal, weil es ein Video der Kollision gibt &#8211; und dann, weil es die bisher energiereichste Kollision war, die man beobachten konnte. Der Lichtblitz beim Einschlag war heller als alle zuvor und dauerte l\u00e4nger, als alles was man bisher gesehen hatte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Beobachtet haben die Kollision spanische Wissenschaftler von MIDAS (Moon Impacts Detection and Analysis System). So <a href=\"https:\/\/youtu.be\/zCFDkj2JtyA\">sah es aus<\/a>:<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/zCFDkj2JtyA\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/center><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=perqv4qByaI\">Hier<\/a> gibt es noch eine l\u00e4ngere Video-Erkl\u00e4rung. Der Einschlag selbst ist aber auf dem Video oben gut zu sehen. Man h\u00e4tte ihn sogar mit freiem Auge sehen k\u00f6nnen, wenn man im richtigen Moment zum Mond gesehen h\u00e4tte. Die Wissenschaftler haben diese Daten genutzt, um die Parameter des Impakts genau zu bestimmen (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1402.5490\">&#8222;A large lunar impact blast on September 11th 2013&#8220;<\/a>). Aus der Helligkeit des Lichtblitzes kann man die Energie berechnen, die beim Einschlag frei wurde. Das waren knapp 15 Tonnen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/TNT-%C3%84quivalent\">TNT-\u00c4quivalent<\/a>. Das ist vergleichsweise wenig und ungef\u00e4hr so viel, wie die st\u00e4rksten konventionellen Bomben der Armeen schaffen. Die Atombombe von Hiroshima hatte dagegen schon ein TNT-\u00c4quivalent von 13000 Tonnen und bei den modernen Atomwaffen sind es \u00fcber eine Megatonne. <\/p>\n<p>Der Asteroid der auf dem Mond einschlug war also recht klein; die Wissenschaftler sch\u00e4tzen ihn auf eine Gr\u00f6\u00dfe zwischen 60 und 140 Zentimeter. Ganz genau kann man es nicht sagen, weil man nicht wei\u00df, unter welchem Winkel und mit welcher Geschwindigkeit er aufschlug. Das h\u00e4ngt davon ab, ob es ein sogenannter sporadischer Meteorit war oder Teil eines Meteorstroms. Sporadische Meteoriteneinschl\u00e4ge finden &#8222;einfach so&#8220; statt wohingegen die Objekte Meteorstr\u00f6me (was das ist habe ich <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2013\/08\/09\/perseiden-co-alles-uber-sternschnuppen-und-meteorstrome\/\">hier genauer erkl\u00e4rt<\/a>) alle zu ganz bestimmten Zeiten im Jahr einschlagen. Die Sternschnuppen der Perseiden oder Leoniden sind zum Beispiel so ein Meteorstrom und entstammen den \u00dcberresten eines Kometen, der auf seiner Bahn durch das Sonnensystem eine Spur aus Staub und Felsbrocken hinterlassen hat. Ein passender Meteorstrom der den Einschlag auf dem Mond verursacht hat, ist allerdings nicht bekannt. Es gibt die vergleichsweise schwachen <i>September Epsilon-Perseiden<\/i> die ein paar Tage vor dem Einschlag aktiv waren aber es ist eher unwahrscheinlich, dass sie etwas mit dem Lichtblitz auf dem Mond zu tun haben. Viel eher war es tats\u00e4chlich ein sporadischer Meteorit und dann betrug seine Geschwindigkeit um die 17 Kilometer pro Sekunde. Das ist ziemlich schnell und deswegen kann auch ein vergleichsweise kleiner Himmelsk\u00f6rper so eine gro\u00dfe Wucht erreichen.<\/p>\n<p>Das war vermutlich auch der Grund, warum der Lichtblitz so lange gedauert hat. Die Kollision hat einen gro\u00dfen Krater erzeugt, der knapp 50 Meter im Durchmesser ist. Dabei wurde viel geschmolzenes Material in die Luft (naja, nicht Luft &#8211; die gibt es am Mond ja nicht) geschleudert und das leuchtete dann nochmal extra.<\/p>\n<p>Auf der Erde w\u00e4re dieser Einschlag \u00fcbrigens v\u00f6llig harmlos und vermutlich von den meisten unbemerkt verlaufen. Denn im Gegensatz zum Mond haben wir eine dichte Atmosph\u00e4re die die Asteroiden bremst und durch die Reibungsw\u00e4rme zerst\u00f6rt. Ein Objekt muss schon mehr als ungef\u00e4hr 50 Meter durchmessen, um auch tats\u00e4chlich am Boden aufzuschlagen. Ein kleiner, knapp einen Meter gro\u00dfer Asteroid w\u00fcrde irgendwo hoch oben in der Atmosph\u00e4re vergl\u00fchen und im besten Fall nur eine helle Sternschnuppe (&#8222;Feuerball&#8220;) hervorrufen. Trotzdem ist die Beobachtung solcher Objekte wichtig den daraus kann man R\u00fcckschl\u00fcsse auf die H\u00e4ufigkeit ziehen, mit der solche Zusammenst\u00f6\u00dfe stattfinden. Und genau darum finden solche Projekte wie MIDAS ja auch statt. <\/p>\n<figure id=\"attachment_13900\" aria-describedby=\"caption-attachment-13900\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/mondeinschlag.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/mondeinschlag.png\" alt=\"So sah der Einschlag im 28cm-Teleskop von Sevilla des MIDAS-Netzwerks aus (Bild: Madiedo et al, 2014)\" width=\"500\" height=\"405\" class=\"size-medium wp-image-13900\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13900\" class=\"wp-caption-text\">So sah der Einschlag im 28cm-Teleskop von Sevilla des MIDAS-Netzwerks aus (<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1402.5490\">Bild: Madiedo et al, 2014<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch viele &#8222;Meteor-Netzwerke&#8220; die den Himmel der Erde st\u00e4ndig nach hellen Sternschnuppen und Meteoren absuchen. Aber auf dem Mond geht das ein wenig einfacher, denn hier kann man mit einem Blick eine <i>viel<\/i> gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4che sehen. Und da er keine Atmosph\u00e4re hat und auch die kleinen Himmelsk\u00f6rper beim Einschlag helle Lichtblitze erzeugen, sieht man dort eben nicht nur die gro\u00dfen Kollisionen sondern auch kleine Zusammenst\u00f6\u00dfe wie am 11. September 2013. Mond und Erde sind kosmische Nachbarn und was dem einen passiert, passiert auch dem anderen. Ber\u00fccksichtigt man die gr\u00f6\u00dfere Oberfl\u00e4che und Masse der Erde kann man aus den Einschlagsdaten auf dem Mond leicht berechnen, wie viele Einschl\u00e4ge es durchschnittlich auf der Erde gibt. Und die gesammelten Daten der spanischen Wissenschaftler zeigen hier eine Ver\u00e4nderung gegen\u00fcber dem, was man bisher angenommen hat:<\/p>\n<figure id=\"attachment_13899\" aria-describedby=\"caption-attachment-13899\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/impaktmond.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/impaktmond.png\" alt=\"Bild: Madiedo et al, 2014\" width=\"500\" height=\"383\" class=\"size-medium wp-image-13899\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13899\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1402.5490\">Bild: Madiedo et al, 2014<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Hier sieht man auf der x-Achse die Einschlagsenergie und auf der y-Achse die Zahl der erwarteten Einschl\u00e4ge mit dieser Energie pro Jahr. Der schwarze Datenpunkt stammt aus der Auswertung des Einschlags vom 11. September 2013. Die wei\u00dfen Quadrate links oben stammen aus fr\u00fcheren Mondbeobachtungen und das wei\u00dfe Dreieck rechts unten aus der Analyse des <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2013\/02\/17\/der-meteor-uber-russland-eine-zusammenfassung\/\">Meteors von Tscheljabinsk<\/a>. Die blaue Linie dagegen zeigt eine fr\u00fchere Berechnung, die um eine ganze Gr\u00f6\u00dfenordnung weniger Einschl\u00e4ge prognostiziert als die rote Linie der aktuellen Daten. Diesen Unterschied sprechen die Wissenschaftler in ihrem Artikel auch an. Sie sagen, dass die Forscher die die blaue Linie ver\u00f6ffentlicht haben mit bis jetzt noch unver\u00f6ffentlichten neuen Daten ebenfalls eine Statistik erhalten, die der roten Linie entspricht.<\/p>\n<p>Den Mond zu beobachten ist relativ einfach. Das schafft man schon mit recht kleinen Teleskopen und Kameras und Projekte wie MIDAS k\u00f6nnen so vergleichsweise schnell und billig wichtige Daten \u00fcber die gef\u00e4hrlichen Kleink\u00f6rper im Sonnensystem liefern. Und beeindruckende Videos noch dazu!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/14d61c9f705a4e63a98ed0fe5f02c1d4\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Mond ist ein Asteroid eingeschlagen. Das ist erst mal nicht weiter au\u00dfergew\u00f6hnlich. Immerhin muss man sich den Mond nur ansehen um dort einen Krater neben dem anderen zu finden. Seit der Mond vor 4,5 Milliarden Jahren durch eine Kollision entstanden ist, haben die Kollisionen sein Aussehen gepr\u00e4gt. Der Asteroid, der dort am 11. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11915,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[200,31,4581,9872,36,9884,9971,158,10242],"class_list":["post-21469","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-naturwissenschaften","tag-asteroid","tag-einschlag","tag-epsilon-perseiden","tag-meteor","tag-meteorit","tag-meteorstrom","tag-midas","tag-mond","tag-moon-impacts-detection-and-analysis-system"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21469","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21469"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21469\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21470,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21469\/revisions\/21470"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11915"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21469"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21469"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21469"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}