{"id":21333,"date":"2014-01-15T09:20:51","date_gmt":"2014-01-15T08:20:51","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/01\/15\/wie-macht-man-museen-wieder-lebendig-und-was-kuemmert-das-die-wissenschaftler\/"},"modified":"2025-05-14T16:13:45","modified_gmt":"2025-05-14T14:13:45","slug":"wie-macht-man-museen-wieder-lebendig-und-was-kuemmert-das-die-wissenschaftler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/01\/15\/wie-macht-man-museen-wieder-lebendig-und-was-kuemmert-das-die-wissenschaftler\/","title":{"rendered":"Wie macht man Museen wieder lebendig (und was k\u00fcmmert das die Wissenschaftler)?"},"content":{"rendered":"<p>Der bekannte Wissenschaftshistoriker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Simon_Schaffer\">Simon Shaffer<\/a> hat dem <i>Online-Standard<\/i> ein <a href=\"https:\/\/derstandard.at\/1388651002117\/Museen-koennten-wieder-lebendige-Orte-werden\">sehr interessantes Interview<\/a> zur Frage der Zukunft von Museen gegeben. Ich bin ja ein gro\u00dfer Fan von Museen und wenn ich irgendwo in einer Stadt bin, dann probiere ich zumindest immer mindestens ein interessantes Museum zu besuchen (und es gibt <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/09\/15\/was-haben-piraten-plagiate-und-zement-miteinander-zu-tun\/\">eigentlich \u00fcberall etwas zu sehen<\/a>). Erst vor wenigen Tagen war ich zum Beispiel im sehr interessanten <a href=\"https:\/\/www.thueringen.de\/denkmalpflege\/tlad\/museum\/frame_museum.htm\">Museum f\u00fcr Ur- und Fr\u00fchgeschichte Th\u00fcringens<\/a> in Weimar. Das war ein nettes Museum mit interessanten Exponaten. Aber auch ein eher &#8222;klassisches&#8220; Museum. Es gab jede Menge Dinge und diese Dinge konnte man sich ansehen. Da war nicht viel &#8222;interaktiv&#8220; oder &#8222;multimedial&#8220;. Aber das muss ja auch nicht unbedingt sein. Auch so ein klassisches Museum kann sehr spannend und interessant sein. Wichtig ist, dass ein Museum <i>lebendig<\/i> ist und das kann es auf verschiedene Art und Weise sein. Durch Forschung zum Beispiel.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<figure id=\"attachment_5644\" aria-describedby=\"caption-attachment-5644\" style=\"width: 384px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/files\/2012\/06\/28694-DSC04846.JPG\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/28694-DSC04846-768x1024-1.jpg\" alt=\"Ganz klassisch: Das Naturhistorische Museum in Wien\" width=\"384\" height=\"512\" class=\"size-large wp-image-5644\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5644\" class=\"wp-caption-text\">Ganz klassisch (aber trotzdem lebendig!): Das Naturhistorische Museum in Wien<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Interview mit dem Standard spricht Schaffer vor allem \u00fcber das &#8222;Forschungsmuseum&#8220;. Ein Museum also, dass nicht einfach nur dazu da ist, um der \u00d6ffentlichkeit irgendwas zu zeigen sondern ein Museum, dass selbst auch eine Forschungseinrichtung ist an der wissenschaftlich gearbeitet wird. So etwas gab es fr\u00fcher recht h\u00e4ufig; da fand der Gro\u00dfteil der naturwissenschaftlichen Forschung in Museen statt. Heute hat sich das ge\u00e4ndert. Schaffer f\u00fchrt das auf den Wechsel von &#8222;musealer&#8220; zu &#8222;synthetischer&#8220; Wissenschaft zur\u00fcck:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;: Damit meine ich jene Wissenschaften, die Dinge aus aller Welt \u2013 Tiere, Pflanzen, Steine und vieles andere mehr \u2013 sammelten, beschrieben, kartografierten und klassifizierten. Diese analytische Erforschung war damals in vielen Bereichen die dominante Form der Wissenschaft, auch in solchen F\u00e4chern, an die wir nicht denken w\u00fcrden: etwa den Ingenieurwissenschaften. Selbst diese Disziplinen wurden damals in den entsprechenden Museen und den Sammlungen unterrichtet. Und selbst die Medizin war damals eine museale Wissenschaft.<br \/>\n(&#8230;)<\/p>\n<p>Statt Dinge nur zu analysieren wurde es Ende des 19. Jahrhunderts m\u00f6glich, auch neue Dinge hervorzubringen. Am besten l\u00e4sst sich das wohl an der Chemie zeigen, die zun\u00e4chst ein Kernfach der musealen Wissenschaften war: Man analysierte alle m\u00f6glichen Gesteine, Kristalle, Meteoriten oder was auch immer. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Chemie von einer analytischen zu einer synthetischen Wissenschaft. &#8222;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist klar, dass die Wissenschaft heute anders funktioniert als im 18. und 19. Jahrhundert. Aber es spricht eigentlich nichts dagegen, Forschung und \u00d6ffentlichkeitsarbeit auch heute wieder st\u00e4rker zusammenzuf\u00fchren. Denn genau darum geht es ja: Ein Museum dient heute auf die eine oder andere Art immer der \u00d6ffentlichkeitsarbeit und soll einen bestimmten Bereich der Wissenschaft f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit ansprechend und verst\u00e4ndlich darstellen. Und es gibt eigentlich keinen Grund, warum man diese Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse von der wissenschaftlichen Forschung trennen sollte.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich bin der Meinung, dass es enorm wichtig ist, diese beiden Aspekte in Zukunft wieder st\u00e4rker zusammen zu f\u00fchren. Und das bezieht sich nicht nur auf die Museen. Nat\u00fcrlich ist es w\u00fcnschenswert, wenn sich die Museen verst\u00e4rkt mit der Forschung selbst auseinander setzen und vielleicht regelm\u00e4\u00dfige Diskussionsveranstaltungen zu aktueller Wissenschaft durchf\u00fchren oder Workshops anbieten in denen man selbst wissenschaftlich arbeiten kann. Viele Museen machen das ja auch schon so. Aber es ist noch viel wichtiger, dass sich die Wissenschaftler selbst mit der Pr\u00e4sentation ihrer Ergebnisse besch\u00e4ftigen. <\/p>\n<p>Ein Museum ist ein Ort f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit und man <i>bem\u00fcht<\/i> sich, m\u00f6glichst viele Menschen dazu zu bewegen, das Museum zu betreten. In Universit\u00e4ten und Forschungseinrichtungen verirrt man sich als Normalsterblicher dagegen selten. Wer kein Student oder Wissenschaftler ist kommt nicht auf die Idee, eine Universit\u00e4t zu besuchen. Warum auch, dort gibts ja nichts zu sehen&#8230; Aber das sollte eigentlich nicht so sein. Universit\u00e4ten sollten genau so \u00f6ffentliche Orte sein wie Museen und man sollte genau so bem\u00fcht sein, die Menschen zu einem Besuch der Universit\u00e4t zu bewegen. Das hei\u00dft nat\u00fcrlich nicht, dass in Zukunft einfach jeder in jedes Labor und B\u00fcro marschieren kann um den Wissenschaftlern bei der Arbeit zuzusehen. Aber eine Uni sollte auch nicht mehr nur eine langweilige Ansammlung von B\u00fcros und Labors sein. Es sollte dort schon etwas zu sehen und zu erleben geben und zwar <i>immer<\/i> und nicht nur beim j\u00e4hrlichen Tag der offenen T\u00fcr. Man sollte immer die M\u00f6glichkeit haben, sich dort zu informieren oder \u00fcber alle m\u00f6glichen Themen zu diskutieren. Nicht nur Museen m\u00fcssen lebendiger werden, auch die Forschungseinrichtungen. Das, was an den Universit\u00e4ten geschieht hat massive Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Aber trotzdem existieren die meisten Unis getrennt von der Gesellschaft. <\/p>\n<figure id=\"attachment_5657\" aria-describedby=\"caption-attachment-5657\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/files\/2012\/06\/28735-DSC04880.JPG\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/28735-DSC04880-1024x768-1.jpg\" alt=\"&quot;Interaktive&quot; Ausstellung: Man kann ganz aktiv zwischen den toten Tieren herum gehen!\" width=\"512\" height=\"384\" class=\"size-large wp-image-5657\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5657\" class=\"wp-caption-text\">Auch simple Schauk\u00e4sten k\u00f6nnen &#8222;interaktiv&#8220; und &#8222;multimedial&#8220; sein &#8211; man muss nur wissen, wie!<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich denke, man darf und soll die \u00d6ffentlichkeitsarbeit nicht alleine den Museen und \u00e4hnlichen Einrichtungen \u00fcberlassen. Sie k\u00f6nnen das &#8211; trotz aller Interaktivit\u00e4t &#8211; nicht alleine leisten. Das scheint auch Schaffer so zu sehen:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Der Politik geht es heute anscheinend vor allem darum, dass Museumsbesuche junge Leute f\u00fcr die Natur- und Technikwissenschaften interessieren sollen. Man geht davon aus, dass ausgestellte Wissenschaft genau das leisten kann. Aber wie das wirklich funktionieren soll, wei\u00df niemand so ganz genau.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Wissenschaft kann eben nicht komplett vermitteln, wenn man nur die Ergebnisse der Forschung pr\u00e4sentiert. Die Wissenschaft selbst muss \u00f6ffentlich werden. Wir m\u00fcssen vielleicht nicht unbedingt zur\u00fcck zum Forschungsmuseum des 19. Jahrhunderts. Aber die Forschungseinrichtungen der Gegenwart m\u00fcssen \u00f6ffentliche Orte wie die Museen werden!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/99e90d58776f4a12a23a4500729c1851\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der bekannte Wissenschaftshistoriker Simon Shaffer hat dem Online-Standard ein sehr interessantes Interview zur Frage der Zukunft von Museen gegeben. Ich bin ja ein gro\u00dfer Fan von Museen und wenn ich irgendwo in einer Stadt bin, dann probiere ich zumindest immer mindestens ein interessantes Museum zu besuchen (und es gibt eigentlich \u00fcberall etwas zu sehen). 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