{"id":21294,"date":"2014-01-05T09:00:17","date_gmt":"2014-01-05T08:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/01\/05\/wie-der-zufall-unser-leben-bestimmt-10-der-zufall-bestimmt-unser-leben\/"},"modified":"2025-05-14T16:13:42","modified_gmt":"2025-05-14T14:13:42","slug":"wie-der-zufall-unser-leben-bestimmt-10-der-zufall-bestimmt-unser-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2014\/01\/05\/wie-der-zufall-unser-leben-bestimmt-10-der-zufall-bestimmt-unser-leben\/","title":{"rendered":"Wie der Zufall unser Leben bestimmt (10): Der Zufall bestimmt unser Leben!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/mlodinow.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/mlodinow.jpg\" alt=\"mlodinow\" width=\"98\" height=\"150\" class=\"alignleft size-full wp-image-12792\" \/><\/a>Dieser Artikel ist Teil einer fortlaufenden Besprechung des Buchs <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3499625512\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3499625512&#038;linkCode=as2&#038;tag=astrodisimple-21\">&#8222;Wenn Gott w\u00fcrfelt: oder Wie der Zufall unser Leben bestimmt&#8220;<\/a> (im Original: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/0307275175\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=0307275175&#038;linkCode=as2&#038;tag=astrodisimple-21\">&#8222;The Drunkard&#8217;s Walk: How Randomness Rules Our Lives&#8220;<\/a>) von Leonard Mlodinow. Jeder Artikel dieser Serie besch\u00e4ftigt sich mit einem anderen Kapitel des Buchs. Eine \u00dcbersicht \u00fcber alle bisher erschienen Artikel findet man <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/category\/wie-der-zufall-unser-leben-bestimmt\/\">hier<\/a>.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br \/>\nIm <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=12791\">ersten Kapitel<\/a> des Buchs hat Mlodinow anschaulich dargelegt, wie sehr der Zufall unser Leben bestimmt und vor allem dort, wo wir nicht damit rechnen. Das <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=12809\">zweite Kapitel<\/a> hat sich mit den grundlegenden Regeln der Wahrscheinlichkeit besch\u00e4ftigt. Im <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=12832\">dritten Kapitel<\/a> pr\u00e4sentiert Mlodinow das fiese Ziegenproblem, das unser Unverst\u00e4ndnis der Wahrscheinlichkeit eindrucksvoll pr\u00e4sentiert. Das <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=12859\">vierte Kapitel<\/a> besch\u00e4ftigt sich mit den Methoden zur Berechnung von Wahrscheinlichkeiten die vor allem Blaise Pascal im 17. Jahrhundert entwickelt hat. Das <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=12947\">f\u00fcnfte Kapitel<\/a> besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, was Wahrscheinlichkeiten in der realen Welt eigentlich bedeuten. <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=12962\">Kapitel 6<\/a> erkl\u00e4rt die verwirrende Bayesschen Wahrscheinlichkeiten die f\u00fcr unser Alltagsleben von gro\u00dfer Bedeutung sind. In <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=12970\">Kapitel 7<\/a> wechselte Mlodinow von der Wahrscheinlichkeitsrechnung zur Statistik und in <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=12993\">Kapitel 8<\/a> zeigte er, wie man die Statistik nutzen kann, um die Ordnung im Chaos finden kann. <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/?p=13019\">Kapitel 9<\/a> stellte die verschiedenen kognitiven Verzerrungen vor, die uns daran hindern, den Zufall auch als solchen zu erkennen. Und im letzten Kapitel des Buchs zeigt Mlodinow, was daraus erw\u00e4chst: Der Zufall bestimmt unser Leben!<\/p>\n<p>Anfang des 19. Jahrhunderts war der gro\u00dfe Wissenschaftler Pierre-Simon Laplace noch davon \u00fcberzeugt, dass man nur genug Wissen br\u00e4uchte um die Zukunft perfekt zu kennen:<\/p>\n<blockquote><p><i>&#8222;Wir m\u00fcssen also den gegenw\u00e4rtigen Zustand des Universums als Folge eines fr\u00fcheren Zustandes ansehen und als Ursache des Zustandes, der danach kommt. Eine Intelligenz, die in einem gegebenen Augenblick alle Kr\u00e4fte kennt, mit denen die Welt begabt ist, und die gegenw\u00e4rtige Lage der Gebilde, die sie zusammensetzen, und die \u00fcberdies umfassend genug w\u00e4re, diese Kenntnisse der Analyse zu unterwerfen, w\u00fcrde in der gleichen Formel die Bewegungen der gr\u00f6\u00dften Himmelsk\u00f6rper und die des leichtesten Atoms einbegreifen. Nichts w\u00e4re f\u00fcr sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit l\u00e4gen klar vor ihren Augen.&#8220;<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Heute wissen wir allerdings, dass es so einen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Laplacescher_D%C3%A4mon\">&#8222;Laplaceschen D\u00e4mon&#8220;<\/a> nicht geben kann. Die reale Welt ist einfach zu komplex. Wir wissen, dass die Welt voll mit chaotischen Prozessen ist deren Ergebnis so stark von winzigsten \u00c4nderungen der Anfangsbedingungen abh\u00e4ngt, dass es praktisch unm\u00f6glich ist, ihr Ergebnis vorherzusagen. Mlodinow beschreibt die Grundlagen der Chaostheorie im letzten Kapitel des Buches kurz und ich spare mir eine Wiedergabe sondern verweise daf\u00fcr lieber auf meine eigene Serie zum Thema: <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/05\/was-ist-chaostheorie.php\">Einleitung<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/05\/chaotische-systeme-teil-1-der-phasenraum.php\">Teil 1<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/05\/chaotische-systeme-teil-2-der-raum-als-donut.php\">Teil 2<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/06\/chaotische-systeme-teil-3-stabile-inseln-im-chaotischen-meer.php\">Teil 3<\/a>, <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/06\/02\/chaotische-systeme-teil-4-wenn-das-chaos-immer-grosser-wird\/\">Teil 4<\/a>.<\/p>\n<p>Noch viel st\u00e4rker ist das Verhalten und Leben von uns Menschen von kleinsten \u00c4nderungen abh\u00e4ngig und das zu demonstrieren ist Mlodinows Ziel im letzten Kapitel des Buchs. Er verweist dabei auf den fundamentalen Unterschied zwischen Vergangenheit und Zukunft. <i>Hinterher<\/i> ist es meistens recht einfach zu erkl\u00e4ren, warum bestimmte Dinge so passiert sind, wie sie passiert sind. Und oft wundert man sich, warum niemand es vorhergesehen hat &#8211; es scheint doch alles so offensichtlich zu sein. Mlodinow erkl\u00e4rt das am Beispiel des japanischen Angriffs auf Pearl Harbour. In den Monaten und Wochen davor erhielten die USA jede Menge Geheimdienstberichte, die klar und deutlich zu zeigen scheinen, dass ein Angriff bevorsteht. Aber das wei\u00df man eben erst hinterher. Erst mit dem Wissen, dass es einen Angriff gab, war es m\u00f6glich, aus dem Wust an Informationen genau die herauszusuchen, die relevant sind. Das war vorher unm\u00f6glich. Im R\u00fcckblick k\u00f6nnen wir genau erkl\u00e4ren, wie Prozesse in der Vergangenheit exakt zu dem Ergebnis in der Gegenwart gef\u00fchrt haben (<a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2013\/06\/18\/das-element-wasser-ist-derzeit-sehr-dominant-das-hochwasser-in-deutschland-und-die-astrologie\/\">Astrologen sind in der Hinsicht besonders begabt<\/a>). Aber es ist uns unm\u00f6glich, all die komplexen Parameter zu \u00fcberblicken und eine entsprechende Vorhersage zu machen. Wir k\u00f6nnen nicht alle in Frage kommenden M\u00f6glichkeiten untersuchen und im realen Leben h\u00e4ngt so viel von kleinsten \u00c4nderungen ab, dass die Zahl der M\u00f6glichkeiten schnell ins Unfassbare w\u00e4chst. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/funny-pictures-captain-obvious-cat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/funny-pictures-captain-obvious-cat.jpg\" alt=\"funny-pictures-captain-obvious-cat\" width=\"499\" height=\"374\" class=\"aligncenter size-full wp-image-13031\" \/><\/a><\/p>\n<p>Trotzdem ignorieren wir den Einfluss des Zufalls und tun so, als <i>k\u00f6nnten<\/i> wir die Zukunft aus der Vergangenheit vorhersagen. Mlodinow bringt dazu ein sch\u00f6nes Beispiel aus der Wirtschaft. Er hat die Performance von 800 Fundmanagern in den Jahren 1991 bis 1995 in einem Diagramm aufgetragen. Ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte hat \u00fcberdurchschnittlich viel Gewinn gemacht; die andere H\u00e4lfte lag unter dem Durchschnitt. Und ordnet man die Manager nach ihrem Gewinn bzw. Verlust bekommt man eine sch\u00f6ne ordentliche Kurve (ich kann die Bilder hier leider nicht reproduzieren), aber man kann es sich ungef\u00e4hr vorstellen. Wir Menschen neigen nun dazu, vergangenen Erfolg als Ma\u00dfstab f\u00fcr die F\u00e4higkeiten eines Menschen anzusehen. Die Fondsmanager, die viel Geld gewonnen haben, wissen offensichtlich, wie man so etwas anstellen muss; sie sind Experten, sie sind begabt und diejenigen, die verloren haben sind offensichtlich Loser ohne Ahnung. Aber wenn das tats\u00e4chlich so ist, dann m\u00fcsste man das in der Zukunft bemerken. Deswegen hat Mlodinow die gleichen Daten noch einmal aufgetragen, nur diesmal f\u00fcr die Jahre zwischen 1996 und 2000. Wenn die erfolgreichen Manager deswegen erfolgreich waren, weil sie entsprechende bessere F\u00e4higkeiten hatten, dann m\u00fcsste sie eigentlich auch in den n\u00e4chsten 5 Jahren erfolgreich sein und gewinnen. Die zweite Kurve sollte also ungef\u00e4hr so aussehen wie die erste Kurve. Das tut sie aber nicht; sie verl\u00e4uft komplett zuf\u00e4llig und es gibt Zusammenhang zwischen der Performance von 1991-1995 und der von 1996-2000. <\/p>\n<p>Die Vergangenheit ist offensichtlich <i>kein<\/i> guter Ma\u00dfstab um daraus die Zukunft abzuleiten und trotzdem tun wir das st\u00e4ndig. Mlodinow berichtet von einem weiteren interessanten Experiment. Forscher schufen mit Hilfe von knapp 14.000 Testpersonen 9 k\u00fcnstliche Hitparaden. Sie legten den Leuten 48 Lieder unbekannter Bands vor; die Menschen konnten sich die Lieder anh\u00f6ren, bewerten und &#8222;kaufen&#8220;. Die Testpersonen wurden in 9 Gruppen eingeteilt, die isoliert voneinander arbeiteten. Bei 8 Gruppen konnten die Testpersonen sehen, wie die anderen in ihrer Gruppe die Lieder bewerteten, in der 9. Gruppe nicht (und nat\u00fcrlich wusste niemand, was au\u00dferhalb seiner eigenen Gruppe passiert). Die 9. Gruppe war der Ma\u00dfstab f\u00fcr die &#8222;intrinsische Qualit\u00e4t&#8220; der Lieder. Wenn es tats\u00e4chlich diese Qualit\u00e4t ist, die \u00fcber den Erfolg der Bands bestimmt, dann sollten die 8 anderen Gruppen unabh\u00e4ngig voneinander zu gleichen bzw. zumindest \u00e4hnlichen Ergebnissen kommen. Das war aber nicht der Fall. In allen Gruppen landeten unterschiedliche Bands an der Spitze der Hitparade und es gab keine \u00dcbereinstimmung untereinander oder mit der Kontrollgruppe. Anscheinend reichten schon kleine Fluktuationen am Anfang, um am Ende zu ganz unterschiedlichen Ergebnisse zu kommen &#8211; wie das in chaotischen und vom Zufall dominierten Systemen zu erwarten ist. Eine Band hatte aus zuf\u00e4lligen Gr\u00fcnden am Anfang des Experiments einen kleinen Vorsprung und wurde von ein paar Leuten mehr gut gefunden als die anderen Bands. Und weil wir eben davon ausgehen, dass Erfolg nicht auf Zufall zur\u00fcckzuf\u00fchren ist sondern auf F\u00e4higkeiten, denken wir uns: &#8222;Hey, die Band wird von vielen Leuten gut gefunden? Die m\u00fcssen was k\u00f6nnen; die finde ich auch gut!&#8220; Und in einer anderen Gruppe ist es dann eben eine andere Band die auf diese Art zuf\u00e4llig an der Spitze landet&#8230;<\/p>\n<figure id=\"attachment_13032\" aria-describedby=\"caption-attachment-13032\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/552px-Believe_Tour_13_2012.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/552px-Believe_Tour_13_2012.jpg\" alt=\"Superstar aufgrund seiner F\u00e4higkeiten oder war es doch nur Zufall? (Bild: CC-BY 2.0)\" width=\"500\" height=\"695\" class=\"size-medium wp-image-13032\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13032\" class=\"wp-caption-text\">Superstar aufgrund seiner F\u00e4higkeiten oder war es doch nur Zufall? (Bild: <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/deed.en\">CC-BY 2.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir k\u00f6nnen das wahre Potential von Menschen als Au\u00dfenstehender selten bzw. gar nicht beurteilen. Wir sehen nur, was diese Person in der Vergangenheit geleistet hat und nehmen das als Ma\u00dfstab um die F\u00e4higkeiten der Person zu beurteilen. Dass Bruce Willis ein Hollywood-Superstar ist; Bill Gates ein Computer-Milliard\u00e4r und J.K. Rowling die erfolgreichste Schriftstellerin aller Zeiten mag mit ihren jeweiligen F\u00e4higkeiten zu tun haben. Aber w\u00e4re Willis nicht zuf\u00e4llig nach Los Angeles geflogen und dort zuf\u00e4llig bei einem Casting gelandet w\u00e4re er heute vielleicht immer noch ein Barkeeper in New York der kleine Rollen in Werbespots spielt. Wenn Rowling nach den ersten Absagen der Verlage nicht weiter gemacht h\u00e4tte, w\u00e4re sie heute immer noch unbekannt. Und auch Gates&#8216; Karriere basiert auf vielen Zuf\u00e4llen. Wenn wir diese Superstars aber heute betrachten, dann kommen wir nicht umhin zu denken, dass sie daf\u00fcr &#8222;bestimmt&#8220; waren, so gro\u00df zu werden und vergessen, dass es auch ganz anders kommen h\u00e4tte k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und andersrum funktioniert das ganze leider auch: Wir haben weniger Mitleid mit denen, die es im Leben nicht so gut haben, als wir vielleicht haben sollten, weil wir insgeheim \u00fcberzeugt sind, dass sie es eben nicht anders verdient haben. Unsere Erwartungen bestimmen, was wir denken. Wer kein Geld hat und obdachlos auf der Stra\u00dfe lebt, der muss selbst dran Schuld sein. Wer in der psychiatrischen Anstalt landet ist offensichtlich verr\u00fcckt &#8211; denn sonst w\u00e4re er ja nicht dort, oder? Mlodinow stellt einige \u00e4u\u00dferst interessante Experimente vor, die genau das belegen. Wenn Versuchspersonen dabei zusehen, wie zwei Menschen Aufgaben erledigen und das Experiment so aufgebaut ist, das beide objektiv gesehen gleich gut darin sind, dann sollten die Versuchspersonen sie eigentlich auch als gleich gut bewerten. Sagt man den Leuten aber, dass nur eine der beiden Personen f\u00fcr die L\u00f6sung der Aufgabe bezahlt, dann f\u00fchrt das dazu, dass die Leistung der bezahlten Person besser bewertet wird. Denn wer Geld kriegt, muss ja auch etwas k\u00f6nnen, oder? (und das funktioniert selbst dann, wenn man dazu sagt, dass die bezahlte Person per Zufall ausgew\u00e4hlt wurde). Und auch die Sache mit der psychiatrischen Anstalt wurde getestet: V\u00f6llig normale Menschen die sich v\u00f6llig normal verhielten wurden vom Personal der Anstalt trotzdem f\u00fcr psychisch krank gehalten und ihr normales Verhalten als gest\u00f6rt interpretiert (nur die anderen, echten Patienten erkannten den Schwindel meistens gleich&#8230;).<\/p>\n<p>Was hei\u00dft das f\u00fcr unser Leben? Es klingt ein wenig pessimistisch, wenn der Zufall tats\u00e4chlich so eine gro\u00dfe Rolle spielen sollten. Aber Mlodinow sagt am Ende des Buches, dass wir damit eben leben m\u00fcssen. Wir m\u00fcssen probieren, uns des Zufalls bewusst zu werden, ihn nicht zu ignorieren und den einzigen Parameter zu kontrollieren, denn wir kontrollieren k\u00f6nnen: Wenn das Leben nur ein Gl\u00fccksspiel ist, dann sollten wir so oft spielen wie m\u00f6glich um die Chancen auf Gewinn zu erh\u00f6hen. Wenn wir nicht aufgeben und es immer wieder probieren, erh\u00f6hen wir unsere Chancen auf Erfolg im Leben. Wenn wir erfolgreich sein sollen, m\u00fcssen wir unsere Fehlerrate erh\u00f6hen&#8230;<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich bin mir noch nicht ganz sicher, ob der Zufall wirklich diese extrem bestimmende Rolle im Leben spielt, die Mlodinow ihm zuweist. Nat\u00fcrlich stimmt es: Bei genauer Betrachtung h\u00e4ngt enorm viel von winzigen Details ab. Ich zum Beispiel lebe heute in Jena. Da bin ich nur gelandet, weil ich nach meiner Doktorarbeit dort einen Job bekommen habe. Den habe ich aber nur bekommen, weil mein damaliger Chef in Wien den Professor in Jena kannte, der einen neuen Mitarbeiter suchte und mir davon erz\u00e4hlt hat. Die beiden kannten sich aber nur, weil sie sich zwei Jahre davor bei einer Konferenz kennengelernt haben. Dort haben sie sich aber nur kennengelernt, weil mein Chef dorthin von einem seiner ehemaligen Studenten eingeladen wurde. Und so weiter. Dass ich heute in Jena lebe, ist tats\u00e4chlich reiner Zufall und ich h\u00e4tte genau so gut irgendwo anders auf der Welt landen k\u00f6nnen. Und auch das ich heute mein Geld als Wissenschaftsautor verdiene, ist reiner Zufall (ich spar mir jetzt die Auflistung der Ereignisse die dazu gef\u00fchrt haben). Ich k\u00f6nnte also auch irgendwo anders leben und irgendetwas anderes tun. Insofern bestimmt der Zufall tats\u00e4chlich, was uns das Leben bringt. Aber wie wir mit dem umgehen, was uns der Zufall vorsetzt, h\u00e4ngt immer noch von dem ab, <i>was wir sind<\/i>. Wir sind dem Zufall also nicht ganz hilflos ausgeliefert&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist Teil einer fortlaufenden Besprechung des Buchs &#8222;Wenn Gott w\u00fcrfelt: oder Wie der Zufall unser Leben bestimmt&#8220; (im Original: &#8222;The Drunkard&#8217;s Walk: How Randomness Rules Our Lives&#8220;) von Leonard Mlodinow. Jeder Artikel dieser Serie besch\u00e4ftigt sich mit einem anderen Kapitel des Buchs. Eine \u00dcbersicht \u00fcber alle bisher erschienen Artikel findet man hier. &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;- [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11561,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,771],"tags":[176,8928,12615,244,14155,15575,15576,15861,16384],"class_list":["post-21294","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-naturwissenschaften","category-wie-der-zufall-unser-leben-bestimmt","tag-buch","tag-leonard-mlodinow","tag-ruckblick","tag-statistik","tag-superstar","tag-wahrscheinlichkeit","tag-wahrscheinlichkeitsrechnung","tag-wie-der-zufall-unser-leben-bestimmt","tag-zufall"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21294","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21294"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21294\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21295,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21294\/revisions\/21295"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11561"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21294"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21294"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21294"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}