{"id":21235,"date":"2012-12-13T08:56:38","date_gmt":"2012-12-13T07:56:38","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/12\/13\/der-nil-auf-dem-titan\/"},"modified":"2025-05-14T16:11:55","modified_gmt":"2025-05-14T14:11:55","slug":"der-nil-auf-dem-titan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/12\/13\/der-nil-auf-dem-titan\/","title":{"rendered":"Der Nil auf dem Titan"},"content":{"rendered":"<p>Titan ist ein besonderer Mond. Nicht nur, dass er zu den gr\u00f6\u00dften Monden im Sonnensystem geh\u00f6rt. Nicht nur, dass er neben unserem eigenen Mond der einzig andere Mond im Sonnensystem ist, auf dem eine Raumsonde sicher gelandet ist. Titan ist auch einer der wenigen Himmelsk\u00f6rper im Sonnensystem von dem wir wissen, dass an seiner Oberfl\u00e4che Fl\u00fcssigkeiten existieren. Nat\u00fcrlich ist es hier kein Wasser. Titan umkreist den Saturn und dort ist viel zu kalt daf\u00fcr. Auf dem Titan gibt es daf\u00fcr fl\u00fcssige Kohlenwasserstoffe wie Methan und Ethan. Und die bilden beeindruckende &#8211; und seltsam vertraut wirkende Strukturen.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Titan ist wirklich ein cooler Himmelsk\u00f6rper. Und w\u00fcrde er nicht den gro\u00dfen Saturn umkreisen, mit seinen beeindruckende Ringen quasi der Promi des Sonnensystems, sondern als Planet die Sonne, dann w\u00fcrde man dem Himmelsk\u00f6rper wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit widmen. Verdient h\u00e4tte Titan sie auf jeden Fall. Der Mond ist der zweitgr\u00f6\u00dfte Mond des Sonnensystems (nur Ganymed bei Jupiter ist gr\u00f6\u00dfer) und mit einem Durchmesser von 5150 Kilometern gr\u00f6\u00dfer als unser Mond:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/12\/13\/der-nil-auf-dem-titan\/titan_earth_moon_comparison\/\" rel=\"attachment wp-att-8345\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Titan_Earth_Moon_Comparison.png\" alt=\"\" title=\"Titan_Earth_Moon_Comparison\" width=\"500\" height=\"336\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8345\" \/><\/a><\/p>\n<p>Titan hat eine dichte Atmosph\u00e4re, die viel h\u00f6her reicht als die der Erde. Aufgrund der Temperatur- und Druckverh\u00e4ltnisse existiert dort fl\u00fcssiges Methan und so wie bei uns auf der Erde ein Wasserkreislauf existiert, bei dem Wasser \u00fcber die Oberfl\u00e4che flie\u00dft, verdunstet und dann wieder abregnet, existiert auf dem Titan ein Methankreislauf.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/12\/13\/der-nil-auf-dem-titan\/atmosphericcomparison_titan_earth-de-svg\/\" rel=\"attachment wp-att-8346\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/AtmosphericComparison_Titan_Earth-de.svg_.png\" alt=\"\" title=\"AtmosphericComparison_Titan_Earth-de.svg\" width=\"500\" height=\"342\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8346\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Methan auf dem Titan bildet gro\u00dfe Seen. Der gr\u00f6\u00dfte davon tr\u00e4gt den sch\u00f6nen Name <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kraken_Mare\">Kraken Mare<\/a> und ist mit einer Fl\u00e4che von knapp 400000 Quadratkilometer gr\u00f6\u00dfer als das kaspische Meer!<\/p>\n<p>2004 erreichte die Raumsonde Cassini-Huygens den Titan. Der Cassini-Teil sollte im Orbit um den Saturn bleiben und sp\u00e4ter auch die anderen Ringe und Monde des gro\u00dfen Planeten erforschen. Huygens (benannt nach dem Astronom Christian Huygens, der den Mond 1655 entdeckte) dagegen sollte auf dem Mond landen! Und genau das tat die Sonde am 14 Januar 2005. Beim Abstieg sah die Sonde Fl\u00fcsse aus Methan, K\u00fcsten von Seen aus Teer und andere scheinbar vertraute Landschaften, bevor sie mit fast 4,5 Metern pro Sekunde am Boden aufprallte. Sie sendete noch \u00fcber eine Stunde Daten. So sieht es am Boden des Titan aus:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/12\/13\/der-nil-auf-dem-titan\/huygens_surface_color\/\" rel=\"attachment wp-att-8348\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Huygens_surface_color.jpg\" alt=\"\" title=\"Huygens_surface_color\" width=\"316\" height=\"630\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8348\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/photojournal.jpl.nasa.gov\/catalog\/PIA07232\">Das Bild<\/a> zeigt keine Gesteinsbrocken, sondern Eisklumpen, die aus einer Mischung aus Wasser- und Kohlenwasserstoffeis bestehen. In der Mitte des Bildes sind sie circa 15 Zentimeter gro\u00df und ungef\u00e4hr 85 Zentimeter von der Sonde entfernt. Kein gro\u00dfes Panaromabild also und nur ein kurzer Blick auf eine fremde, vertraute Welt.<\/p>\n<p>Leider gibt Titan seine Geheimnisse nicht so leicht auf. Wegen der dicken Atmosph\u00e4re kann man keine Bilder aus dem Orbit machen, wie das zum Beispiel auf dem Mars m\u00f6glich ist. Aber Radarstrahlen durchdringen die dicken Atmosph\u00e4renschichten und erlauben zumindest kleine Einblicke. Und liefern manchmal trotzdem h\u00f6chst beeindruckende Bilder. Zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/Our_Activities\/Space_Science\/Cassini_spots_mini_Nile_River_on_Saturn_moon\">dieses hier<\/a>:<\/p>\n<figure id=\"attachment_8344\" aria-describedby=\"caption-attachment-8344\" style=\"width: 372px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/12\/13\/der-nil-auf-dem-titan\/titan_s_nile_river\/\" rel=\"attachment wp-att-8344\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Titan_s_Nile_River.jpg\" alt=\"\" title=\"Titan_s_Nile_River\" width=\"372\" height=\"1957\" class=\"size-full wp-image-8344\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-8344\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/spaceinimages.esa.int\/Images\/2012\/11\/Titan_s_Nile_River\">Bild: NASA\/JPL\u2013Caltech\/ASI<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie gesagt, es ist nur eine Radaraufnahme und daher nur Schwarz-Wei\u00df. Aber Radar ist gut darin, feste und fl\u00fcssige Oberfl\u00e4chen zu unterscheiden. Fl\u00fcsse und Seen habe eine eher glatte Oberfl\u00e4che und reflektieren die Radarwellen besser. Im Radarbild erscheinen sie schwarz, genau so wie der schwarze Fluss, der sich im Bild oben durch die Gegend m\u00e4andert und tats\u00e4chlich dem Nil der Erde \u00fcberraschend \u00e4hnlich sieht.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist er nicht ganz so lang, sondern nur 400 Kilometer! Aber hey! Ein 400 Kilometer langer Fluss aus Methan, auf der Oberfl\u00e4che eines fremden Mondes? So etwas sieht man nicht jeden Tag! Der Titan ist ein h\u00f6chst faszinierender Ort und w\u00fcrde es verdienen, genauer und besser untersucht zu werden. Mit ein wenig Gl\u00fcck wird das in den n\u00e4chsten Jahrzehnten auch passieren. ESA und NASA planen eine Mission namens <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tandem_(Raumsonde)\">TandEM ( (Titan and Enceladus Mission)<\/a>, bei der nicht nur der Titan besucht werden soll, sondern auch der ebenfalls sehr faszinierende Saturnmond Enceladus, der &#8211; so wie auch Titan oder <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/11\/15\/all-diese-welten-sind-euer-auser-europa\/\">der Jupitermond Europa<\/a> &#8211; einen starken <i>Kryovulkanismus<\/i> zeigt. Der funktioniert genau so wie der Vulkanismus auf der Erde oder <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/12\/04\/gibt-es-aktive-vulkane-auf-der-venus\/\">der Venus<\/a>. Nur spielt hier nicht geschmolzenes Gestein die Rolle der Lava, sondern geschmolzenes Eis, d.h. fl\u00fcssiges Wasser oder auch fl\u00fcssiges Methan.<br \/>\nTandem wird aber fr\u00fchestens im Jahr 2030 auf dem Titan landen, wenn \u00fcberhaupt. Aber <i>wenn<\/i> die Mission stattfindet und erfolgreich ist, dann werden die Bilder beeindruckend sein. Es ist zum Beispiel geplant, eine Landeheit direkt im fl\u00fcssigen Methan des Kraken Mare abzusetzen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8347\" aria-describedby=\"caption-attachment-8347\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/12\/13\/der-nil-auf-dem-titan\/titan01-hi-1\/\" rel=\"attachment wp-att-8347\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Titan01-hi-1.jpg\" alt=\"\" title=\"Titan01-hi-1-\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"size-medium wp-image-8347\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-8347\" class=\"wp-caption-text\">K\u00fcnstlerische Darstellung des Titan: Steven Hobbs<\/figcaption><\/figure>\n<p>Man vergisst oft, dass unsere Welt nicht die einzige ist. Die vielen Planeten und Monde sind nicht nur Lichtpunkte am Himmel oder leblose Gesteinskugeln, die die Sonne umkreisen. Es sind <i>eigene Welten<\/i> und jede von ihnen auf ihre eigene Art beeindruckend. Da drau\u00dfen gibt es gigantische Wirbelst\u00fcrme auf dem Mars, Vulkanausbr\u00fcche auf der Venus, unterirdische Ozeane auf Europa, Eisvulkane auf Enceladus &#8211; oder eben riesige Methan-Fl\u00fcsse auf Titan. Es w\u00e4re wirklich toll, dort noch einmal eine Sonde hinschicken zu k\u00f6nnen. Es gibt dort drau\u00dfen so viel zu entdecken&#8230;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/bb054a9386484c5491af84858b525479\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Titan ist ein besonderer Mond. Nicht nur, dass er zu den gr\u00f6\u00dften Monden im Sonnensystem geh\u00f6rt. Nicht nur, dass er neben unserem eigenen Mond der einzig andere Mond im Sonnensystem ist, auf dem eine Raumsonde sicher gelandet ist. Titan ist auch einer der wenigen Himmelsk\u00f6rper im Sonnensystem von dem wir wissen, dass an seiner Oberfl\u00e4che [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11158,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[3049,349,5233,9888,10710,11629,12032,272,152,484],"class_list":["post-21235","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-naturwissenschaften","tag-cassin-huygens","tag-esa","tag-flus","tag-methan","tag-nil","tag-planetologie","tag-radar","tag-raumfahrt","tag-saturn","tag-titan"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21235","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21235"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21235\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21236,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21235\/revisions\/21236"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11158"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21235"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21235"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21235"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}