{"id":21040,"date":"2012-10-25T08:51:15","date_gmt":"2012-10-25T06:51:15","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/10\/25\/das-2-gigapixel-bild-mit-den-84-millionen-sternen-aus-dem-zentrum-der-milchstrase\/"},"modified":"2025-05-14T16:11:26","modified_gmt":"2025-05-14T14:11:26","slug":"das-2-gigapixel-bild-mit-den-84-millionen-sternen-aus-dem-zentrum-der-milchstrase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/10\/25\/das-2-gigapixel-bild-mit-den-84-millionen-sternen-aus-dem-zentrum-der-milchstrase\/","title":{"rendered":"Das 9-Gigapixel-Bild mit den 84 Millionen Sternen aus dem Zentrum der Milchstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>In unserer Milchstra\u00dfe gibt es jede Menge Sterne. Besonders viele davon befinden sich in der N\u00e4he des galaktischen Zentrums. Da ist der sogenannte &#8222;Bulge&#8220;, eine kugelf\u00f6rmige Region aus Sternen, die sich in den Zentren aller Spiralgalaxien befindet. Im Bulge stehen die Sterne wesentlich dichter als zum Beispiel in der Region, in der sich unsere Sonne befindet. Robert Saito von der Pontificia Universidad Cat\u00f3lica in Chile und seine Kollegen aus Italien, Brasilien, Deutschland und Gro\u00dfbritannien haben nun ein bemerkenswertes Bild des galaktischen Zentrums ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<figure id=\"attachment_7485\" aria-describedby=\"caption-attachment-7485\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/10\/25\/das-2-gigapixel-bild-mit-den-84-millionen-sternen-aus-dem-zentrum-der-milchstrase\/galzen\/\" rel=\"attachment wp-att-7485\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/galzen.jpg\" alt=\"\" title=\"galzen\" width=\"500\" height=\"376\" class=\"size-medium wp-image-7485\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7485\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/austria\/images\/eso1242a\/\">Bild: ESO\/VVV Consortium, Ignacio Toledo, Martin Kornmesser<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Dieses Bild zeigt das galaktische Zentrum und hat in der Originalversion  108.200 x 81.500 Pixel (<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/images\/eso1242a\/zoomable\/\">hier<\/a> gibt es eine zoombare Version). Das ist aber noch nicht das &#8222;bemerkenswerte Bild&#8220; von dem ich vorhin gesprochen habe. Ok, es ist nat\u00fcrlich auch cool! Bilder auf denen viele Sterne zu sehen sind, sind jetzt nicht unbedingt au\u00dfergew\u00f6hnlich. Man muss nur eine Galaxie fotografieren und schon hat man ein paar hundert Milliarden Sterne auf einmal aufgenommen. Und es gibt <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/09\/26\/ein-blick-in-die-unendlichkeit-das-hubble-extreme-deep-field\/\">Bilder, auf denen tausende Galaxien zu sehen sind<\/a>. Auch die Gr\u00f6\u00dfe ist nicht so besonders. Wenn man all die Aufnahmen nimmt, die Astronomen so in ihren Schubladen liegen haben, dann kann man die auch zu gro\u00dfen Bildern zusammenbasteln. Nein, das besondere ist nicht das Bild an sich, das besondere ist die Aufl\u00f6sung, die es erlaubt, die einzelnen Sterne zu erkennen. Und das <i>wirklich<\/i> besondere ist die Tatsache, dass man die einzelnen Sterne nicht nur fotografiert hat (was relativ einfach ist), sondern auch <i>untersucht<\/i> hat. DAS hier ist das bemerkenswerte Bild, von dem ich gesprochen habe:<\/p>\n<figure id=\"attachment_7486\" aria-describedby=\"caption-attachment-7486\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/10\/25\/das-2-gigapixel-bild-mit-den-84-millionen-sternen-aus-dem-zentrum-der-milchstrase\/galzencmd\/\" rel=\"attachment wp-att-7486\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/galzencmd.jpg\" alt=\"\" title=\"galzencmd\" width=\"500\" height=\"523\" class=\"size-medium wp-image-7486\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7486\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/austria\/images\/eso1242d\/\">ESO\/VVV Consortium <\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Ok, das sieht nicht so beeindruckend aus wie das erste Bild. Es ist ein wissenschaftliches Diagramm und kein Foto echter Sterne. Aber es ist trotzdem viel cooler! Das, was man da sieht, nennt man &#8222;Farben-Helligkeit-Diagramm&#8220;. Auf der x-Achse ist die Farbe der Sterne aufgetragen. Die entspricht ihrer Temperatur. K\u00fchle Sterne leuchten rot, hei\u00dfe Sterne sind blau und normale Sterne wie unsere Sonne liegen genau in der Mitte. Die y-Achse zeigt die Helligkeit der Sterne. Farben-Helligkeits-Diagramme geh\u00f6ren zu den wichtigsten Instrumenten der Astronomie; ich habe dazu <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/07\/21\/vom-leben-und-sterben-der-sterne-das-hertzsprungrusselldiagramm\/\">einen eigenen Artikel geschrieben<\/a>, der erkl\u00e4rt, wie man an ihnen viel \u00fcber die Entwicklung von Sternen ablesen kann. Helligkeit und Farbe\/Temperatur von all den Sternen im Bulge wurden bestimmt und jeder Stern entspricht einem Punkt in diesem Diagramm.<\/p>\n<p>Dieses spezielle Diagramm enth\u00e4lt nun also die Daten von 84 Millionen Sternen! Wer es ganz genau wissen will: Es sind 84095284. Saito und seine Kollegen haben den gr\u00f6\u00dften Katalog der Sterne des galaktischen Zentrums erstellt und diese Daten grafisch umgesetzt. Damit war es m\u00f6glich, das erste Farben-Helligkeits-Diagramm zu erstellen, das den kompletten galaktischen Bulge umfasst. Im Diagramm sind die hei\u00dfen, blauen Sterne links und die k\u00fchlen roten Sterne rechts. Die hellen Sterne sind oben, die dunkleren sind unten. Nat\u00fcrlich kann man in einem Diagramm mit 84 Millionen Datenpunkten keine einzelnen Punkte mehr erkennen. Deswegen sind in schwarz Linien gleicher Sternendichte eingezeichnet, abgestuft in Schritten von 5 Prozent, ausgehend von der Region im Diagramm mit der h\u00f6chsten Sterndichte. Man sieht, dass die meisten Sterne gelbe Sterne sind. Blaue Sterne sind seltener, daf\u00fcr ist die Region gro\u00dfer, heller, r\u00f6tlicher Sterne (oben Mitte) gut besetzt. Der Bulge besteht also haupts\u00e4chlich aus \u00e4lteren Sternen. Denn rote Sterne sind tendenziell \u00e4lter als die hei\u00dfen blauen Sterne, die nur <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/02\/04\/live-fast-die-young-das-schicksal-der-grossen-sterne\/\">ein kurzes Leben haben<\/a>.<\/p>\n<p>Mit diesem Diagramm kann man nun jede Menge tolle Sachen anstellen. Es wird noch lange dauern, bis man alles komplett ausgewertet hat. Es ist nat\u00fcrlich schwierig, 84 Millionen Sterne auf einmal zu untersuchen. Aber man kann sie filtern und sich zum Beispiel nur die Sterne anzeigen lassen, die in einer bestimmten Region am Himmel liegen. Dann kann man \u00fcberpr\u00fcfen, ob die Verteilung der Sterne in etwa so aussieht, wie es die Modelle vorhersagen. Denn vieles was die Entwicklung und Entstehung des Bulges betrifft, ist heute noch unklar. Ein Vergleich von dem, was die Modelle f\u00fcr die Sternentwicklung in dieser Region vorhersagen mit dem, was tats\u00e4chlich beobachtet wird, kann \u00e4u\u00dferst hilfreich sein. Hier ist ein Beispiel:<\/p>\n<figure id=\"attachment_7487\" aria-describedby=\"caption-attachment-7487\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/10\/25\/das-2-gigapixel-bild-mit-den-84-millionen-sternen-aus-dem-zentrum-der-milchstrase\/galzenmodell\/\" rel=\"attachment wp-att-7487\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/galzenmodell.jpg\" alt=\"\" title=\"galzenmodell\" width=\"500\" height=\"599\" class=\"size-medium wp-image-7487\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7487\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.aanda.org\/index.php?option=com_article&#038;access=doi&#038;doi=10.1051\/0004-6361\/201219448&#038;Itemid=129\">Bild: Saito et al. 2012<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Man sieht wieder Farben-Helligkeits-Diagramme. In gr\u00fcn sind wieder die Daten der Bulgesterne zu sehen. Nun wurden die Daten aber gefiltert. Man hat sich zwei kleine Bereiche um Bulge &#8211; sie nehmen am Himmel etwa doppelt so viel Platz ein wie der Vollmond &#8211; angesehen und nur die Daten der Sterne benutzt, die sich dort befinden. Das hat man dann mit dem verglichen, was die Modelle vorhersagen. Das sind die bunten Bilder (rote Punkte entsprechen Riesensternen, blau sind die Unterriesen, orange die normalen Sternen und violett\/hellblau die wei\u00dfen Zwerge). Perfekt ist die \u00dcbereinstimmung nicht, aber doch schon ziemlich gut. Und die neuen Daten werden die Modelle sicher noch besser machen.<\/p>\n<p>Wobei die Daten ja eigentlich nicht direkt &#8222;neu&#8220; sind. Saito und seine Kollegen haben die Sterne nicht alle selbst beobachtet. Das hat <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/12\/tolle-erste-bilder-vom-neuen-vistateleskop.php\">das VISTA-Teleskop erledigt<\/a>, das seit 3 Jahren an der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte ESO den Himmel durchmustert. Dabei wurde auch der &#8222;VISTA Variables in the Via Lactea&#8220;-Katalog &#8211; oder kurz: VVV-Katalog &#8211; erstellt. Dessen Daten <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/sci\/observing\/phase3\/data_releases\/vvv_dr1.html\">sind \u00f6ffentlich verf\u00fcgbar<\/a> und jeder der m\u00f6chte, kann damit arbeiten. Saito und seine Kollegen haben genau das gemacht und diese Daten benutzt, um das 84-Millionen-Stern-Diagramm zu erstellen.<\/p>\n<p>Die Arbeit an und mit Katalogen ist oft nicht so sexy wie die Arbeit mit &#8211; zum Beispiel &#8211; schwarzen L\u00f6chern oder fremden Planeten. Aber <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/07\/13\/die-geschichte-der-besten-sternenkarte-der-welt\/\">sie stellt das Fundament der Astronomie dar<\/a>. Und mit alle den Weltraummissionen die in Zukunft dank ihrer immer besseren Instrumente immer mehr Daten liefern werden wird dieser Teil der Astronomie immer wichtiger werden. Es wird in Zukunft genau so wichtig sein, ein den Umgang mit gro\u00dfen Datens\u00e4tzen zu beherrschen, wie ein Teleskop zu bedienen oder Differentialgleichungen l\u00f6sen zu k\u00f6nnen.<br \/><a href=\"https:\/\/flattr.com\/thing\/958396\/Das-2-Gigapixel-Bild-mit-den-84-Millionen-Sternen-aus-dem-Zentrum-der-Milchstrasse\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/api.flattr.com\/button\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this\" title=\"Flattr this\" border=\"0\" \/><\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/8f2ce6edec1c464eb2d14bfc4ad89ca1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In unserer Milchstra\u00dfe gibt es jede Menge Sterne. Besonders viele davon befinden sich in der N\u00e4he des galaktischen Zentrums. 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