{"id":20953,"date":"2012-10-01T07:49:12","date_gmt":"2012-10-01T05:49:12","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/10\/01\/die-milchstrase-sitzt-in-der-mitte-einer-riesige-wolke-aus-heisem-gas\/"},"modified":"2025-05-14T16:11:11","modified_gmt":"2025-05-14T14:11:11","slug":"die-milchstrase-sitzt-in-der-mitte-einer-riesige-wolke-aus-heisem-gas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/10\/01\/die-milchstrase-sitzt-in-der-mitte-einer-riesige-wolke-aus-heisem-gas\/","title":{"rendered":"Die Milchstra\u00dfe sitzt in der Mitte einer riesige Wolke aus hei\u00dfem Gas"},"content":{"rendered":"<p>Das Universum ist viel komplexer, als es auf den ersten Blick wirkt. Das liegt vor allem daran, dass man mit dem ersten Blick kaum etwas sieht. Die ersten Blicke, die wir auf das All geworfen haben, zeigten uns nur ein paar helle Punkte am Himmel. Als wir sp\u00e4ter nochmal mit Teleskopen hin gesehen haben, haben wir schon mehr gesehen. Aber so richtig k\u00f6nnen wir das Universum erst wahrnehmen, seit wir gelernt haben, das Universum auch <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/10\/die-vielen-augen-der-astronomen.php\">au\u00dferhalb des f\u00fcr unser Auge sichtbaren Bereichs<\/a> zu betrachten. Dann zeigen sich Dinge, die wir sonst einfach \u00fcbersehen h\u00e4tten. Zum Beispiel die gigantische Wolke aus Gas, in der unsere Milchstra\u00dfe eingebettet ist!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wir wissen schon l\u00e4nger, dass es auch <em>zwischen<\/em> den Dingen im All etwas gibt. Der Weltraum ist nicht v\u00f6llig leer (auch wenn er nach menschlichen Ma\u00dfst\u00e4ben verdammt leer ist). Zwischen den Planeten unseres Sonnensystems befindet sich jede Menge Kleinkram: haupts\u00e4chlich Staub, aber auch ein paar Gasmolek\u00fcle schwirren da drau\u00dfen herum und erzeugen so sch\u00f6ne Sachen wie das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zodiakallicht\">Zodiakallicht<\/a>. Auch zwischen den Sternen gibt es die <em>interstellare Materie<\/em>. Das sind zum Beispiel die gro\u00dfen Wolken aus Gas, aus denen die Sterne entstehen. Es ist aber auch all das Zeug, das zum Beispiel bei Supernavoexplosionen durch die Gegend geschleudert wird oder das Sterne als Sternwind ins All hinaus pusten. Und konsequenterweise existiert auch ein <em>intergalaktisches Medium<\/em>, dass sich zwischen den Galaxien befindet. Es ist allerdings schwer zu untersuchen, da es so weit weg und so d\u00fcnn ist, dass es mit normalen Instrumenten kaum zu sehen bzw. zu beobachten ist.<\/p>\n<p>Vor ein paar Jahren hat das Weltraumr\u00f6ntgenteleskop Chandra <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/06\/01\/chandra-findet-hinweise-auf-die-fehlende-materie\/\">erste konkrete Messungen am intergalaktischen Medium angestellt<\/a>; damals bei einem weit entfernten Galaxienhaufen. Neue Beobachtungen mit R\u00f6ntgenteleskopen liefern nun Daten, die die Umgebung unserer eigenen Milchstra\u00dfengalaxie zeigen.<\/p>\n<p>Chandra, das europ\u00e4ische R\u00f6ntgenteleskop XMM-Newton und der japanische Satellit Suzaku haben dabei ein paar sehr, sehr weit entfernte R\u00f6ntgenquelle beobachtet. Diese Objekte befinden sich in anderen Galaxien und haben mit dem intergalaktischen Medium erstmal nichts zu tun. Die R\u00f6ntgenstrahlung allerdings, die sie aussenden, muss auf ihrem Weg zu uns dieses Medium durchqueren und wird &#8211; sofern es vorhanden ist &#8211; dabei teilweise absorbiert. Diese Absorption wollten die R\u00f6ntgenteleskope messen und haben das auch geschafft. Aus den Daten konnte man erstmals berechnen, wie viel der intergalaktischen Materie in der Umgebung der Milchstra\u00dfe existiert. Jede Menge!<\/p>\n<figure id=\"attachment_7081\" aria-describedby=\"caption-attachment-7081\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/10\/01\/die-milchstrase-sitzt-in-der-mitte-einer-riesige-wolke-aus-heisem-gas\/an-enormous-halo-of-hot-gas-in-blue-around-the-milky-way-galaxy-with-a-radius-of-at-least-300000-light-years\/\" rel=\"attachment wp-att-7081\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7081\" title=\"An enormous halo of hot gas (in blue) around the Milky Way galaxy with a radius of at least 300,000 light years.\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/halo_label.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"407\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7081\" class=\"wp-caption-text\">K\u00fcnstlerische Darstellung des Halos aus hei\u00dfem Gas, der die Milchstra\u00dfe umgibt. Neben der Milchstra\u00dfe sind auch die gro\u00dfe und die kleine Magellansche Wolke zu sehen, unsere beiden Begleitgalaxien (<a href=\"https:\/\/chandra.harvard.edu\/press\/12_releases\/press_092412.html\">Bild: Illustration: NASA\/CXC\/M.Weiss; NASA\/CXC\/Ohio State\/A Gupta et al <\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Wolke aus Gas ist einige hunderttausend Lichtjahre gro\u00df; viel gr\u00f6\u00dfer als die Milchstra\u00dfe selbst. Die Gesamtmasse des Gases betr\u00e4gt zwischen 10 und 60 Milliarden Sonnenmassen (die sichtbare Materie der Milchstra\u00dfe selbst wiegt ungef\u00e4hr 180 Milliarden Sonnenmassen). Und das Gas ist hei\u00df; die Temperaturen betragen bis zu 2,5 Millionen Grad. &#8222;Hitze&#8220; ist aber hier vielleicht ein irref\u00fchrender Begriff. Trotz der gigantischen Masse ist die Wolke aus Gas enorm d\u00fcnn. Das ist keine Wolke, wie sie bei uns am Himmel zu sehen ist, sondern es handelt sich um einzelne Gasteilchen, die durchs All fliegen; mit jeder Menge Nichts dazwischen. &#8222;Temperatur&#8220; ist eigentlich nur ein anderes Wort f\u00fcr die Energie, die in den Teilchen steckt. Aber wenn ein paar Gasmolek\u00fcle in einem Kubiklichtjahr Weltraum eine Temperatur von 2 Millionen Grad haben, dann ist das zwar viel, aber deswegen ist dort im All nicht hei\u00df und hell, wie man vielleicht erwarten w\u00fcrde. Daf\u00fcr br\u00e4uchte man viel mehr Molek\u00fcle.<\/p>\n<p>Es wird noch mehr Beobachtungen brauchen, um die Gr\u00f6\u00dfe und Masse der Wolke zu best\u00e4tigen. Und jetzt wo wir wissen, was wir suchen, k\u00f6nnen wir diese Wolken vielleicht auch bei den anderen Galaxien nachweisen und einen wichtigen Teil des Universums verstehen, der uns bisher entgangen ist&#8230;<\/p>\n<p><em>P.S. Mit der dunklen Materie hat das \u00fcbrigens nichts zu tun. Die intergalaktische Materie besteht aus ganz normalem Gas, haupts\u00e4chlich Wasserstoff. Als Erkl\u00e4rung der dunklen Materie eignet sie sich nicht, daf\u00fcr ist auch viel zu wenig davon vorhanden.<\/em><br \/>\n<a href=\"https:\/\/flattr.com\/thing\/915803\/Die-Milchstrasse-sitzt-in-der-Mitte-einer-riesige-Wolke-aus-heissem-Gas\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" title=\"Flattr this\" src=\"https:\/\/api.flattr.com\/button\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/a6699642d73f427daad3c6a4f85759a8\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Universum ist viel komplexer, als es auf den ersten Blick wirkt. Das liegt vor allem daran, dass man mit dem ersten Blick kaum etwas sieht. Die ersten Blicke, die wir auf das All geworfen haben, zeigten uns nur ein paar helle Punkte am Himmel. 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