{"id":20872,"date":"2012-09-08T07:55:49","date_gmt":"2012-09-08T05:55:49","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/09\/08\/bewohnbare-monde-und-das-problem-der-finsternisse\/"},"modified":"2025-05-14T16:10:57","modified_gmt":"2025-05-14T14:10:57","slug":"bewohnbare-monde-und-das-problem-der-finsternisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/09\/08\/bewohnbare-monde-und-das-problem-der-finsternisse\/","title":{"rendered":"Bewohnbare Monde und das Problem der Finsternisse"},"content":{"rendered":"<p>In jeder guten Science-Fiction-Geschichte gibt es bewohnte Monde. Ob bei Star Wars, Star Trek oder anderswo im fiktiven Universum: nicht nur die Planeten sind besiedelt, sondern auch ihre Satelliten. Und wie sieht es in der Realit\u00e4t aus? Erstmal nicht so gut. Der Mond unserer Erde ist eine leblose W\u00fcste ohne Atmosph\u00e4re. Es gibt aber noch andere Monde&#8230;<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<figure id=\"attachment_5691\" aria-describedby=\"caption-attachment-5691\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/09\/08\/bewohnbare-monde-und-das-problem-der-finsternisse\/moons_of_solar_system\/\" rel=\"attachment wp-att-5691\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5691\" title=\"Moons_of_solar_system\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/28917-Moons_of_solar_system.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"381\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5691\" class=\"wp-caption-text\">Bild: NASA<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p>In unserem Sonnensystem sind besonders die Monde der Gasriesen Jupiter und Saturn interessant. Der Jupitermond Io zeigt aktiven Vulkanismus, der Saturnmond Titan hat eine Atmosph\u00e4re und Seen aus Methan. Auf Enceladus <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/08\/14\/cassini-enceladus-und-der-riesenring-des-saturn\/\">schleudern Eisvulkane<\/a> Teilchen ins All, die dann einen der Ringe des Saturn bilden. Und auf dem Jupitermond Europa vermutet man einen Ozean aus fl\u00fcssigen Wasser, der sich unter einer dicken Schicht aus Eis befindet. Aber ein Mond der genauso bewohnbar ist wie unsere Erde, finden wir in unserem Sonnensystem nicht. Aber das Universum ist gro\u00df und die Astronomen haben schon jede Menge Planeten gefunden, die andere Sterne umkreisen. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass diese Planeten keine Monde haben. Vielleicht ist hier einer dabei, auf dem Leben m\u00f6glich ist?<\/p>\n<p>Bis jetzt hat man noch keinen gefunden, aber <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/09\/04\/auf-der-suche-nach-bewohnbaren-monden\/\">die Suche l\u00e4uft<\/a>. Und die <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/01\/09\/die-suche-nach-extrasolaren-monden\/\n\">Methoden<\/a> <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/11\/29\/haben-extrasolare-planeten-monde-oder-ringe\/\">werden immer besser<\/a>. Es ist eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bevor der erste Exomond gefunden wird. G\u00fcnther Wuchterl, Astronom und Spezialist f\u00fcr Exoplaneten hat mir auf die Frage nach dem Zeitpunkt der Entdeckung einmal geantwortet: <i>&#8222;Es k\u00f6nnte im Prinzip jederzeit so weit sein!&#8220;<\/i> Und wenn wir die erstmal einen Exomond gefunden haben, dann stellt sich nat\u00fcrlich sofort die Frage nach der Habitabilit\u00e4t. Das ist bei Monden aber noch ein klein wenig komplizierter als bei Planeten.<\/p>\n<p>Auch da ist es schon nicht leicht. Normalerweise definiert man eine &#8222;habitable Zone&#8220;. Das ist der Bereich um einen Stern, in dem die Temperatur prinzipiell passend f\u00fcr die Existenz von fl\u00fcssigem Wasser w\u00e4re. Aber es reicht nicht, dass ein Planet nur in der habitablen Zone liegt. Er muss auch die richtige Gr\u00f6\u00dfe und Masse haben. Es muss sich um einen Planeten mit fester Oberfl\u00e4che handeln. Er muss eine passende Atmosph\u00e4re haben, nicht zu d\u00fcnn und nicht zu dicht. Und dann spielen noch viele andere kleine Details eine Rolle&#8230;<\/p>\n<p>Bei Monden kommen noch ein paar mehr solcher Details dazu. Es reicht nicht aus, dass sie einfach nur einen Planeten umkreisen, der in der habitablen Zone liegt. Ein Mond wird beispielsweise nicht nur vom Stern beleuchtet, sondern bekommt auch reflektiertes Licht vom Planeten ab. Das kann man bei unserem Mond gut beobachtet. Steht eine Mondsichel am Himmel, dann sehen wir nicht nur diesen sichelf\u00f6rmigen Teil der von der Sonne beleuchteten Mondh\u00e4lfte, wir k\u00f6nnen auch erkennen (vorausgesetzt die Nacht ist dunkel genug), dass der &#8222;dunkle&#8220; Teil nicht ganz dunkel ist, sondern ein wenig durch den &#8222;Erdschein&#8220; aufgehellt wird: Sonnenlicht, das von der Erde zum Mond reflektiert wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6731\" aria-describedby=\"caption-attachment-6731\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/09\/08\/bewohnbare-monde-und-das-problem-der-finsternisse\/jurvetson_-_earthshine_by\/\" rel=\"attachment wp-att-6731\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Jurvetson_-_Earthshine_by.jpg\" alt=\"\" title=\"Jurvetson_-_Earthshine_(by)\" width=\"500\" height=\"515\" class=\"size-medium wp-image-6731\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6731\" class=\"wp-caption-text\">Der Erdschein (Bild: Steve Jurvetson from Menlo Park, USA, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/deed.de\">CC-BY 2.0<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dann gibt es noch die <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2008\/05\/07\/der-mond-die-gezeiten\/\">Gezeitenkr\u00e4fte<\/a>, die einen Mond aufheizen k\u00f6nnen. Ein Mond, der starken Gezeitenkr\u00e4ften unterliegt wird regelrecht &#8222;durchgeknetet&#8220; und dadurch sehr warm. Das sieht man Jupitermond Io sehr gut, der den Gezeiten seinen extremen Vulkanismus verdankt. Wie stark die Gezeitenkr\u00e4fte sind, h\u00e4ngt von der Masse des Planeten ab und von der Masse des Sterns. Aber auch von der Bahn, entlang der Mond sich um den Planeten bewegt.<\/p>\n<p>Und dann gibt es noch die Finsternisse. Wenn wir hier auf der Erde zum Beispiel eine Sonnenfinsternis beobachten, dann verdeckt der Mond das Licht der Sonne, das auf die Erde f\u00e4llt. Genauso kann es aber auch passieren, dass ein Planet das Licht eines Sterns verdeckt, das auf einen Mond fallen w\u00fcrde. So etwas kann selten vorkommen oder oft &#8211; wieder h\u00e4ngt das von der Bahn ab, die der Mond um den Planeten einnimmt und von der Gr\u00f6\u00dfe des Planeten.<\/p>\n<p>Es ist also nicht einfach, herauszufinden wie die Bedingungen auf einem extrasolaren Mond sind. In einer <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1209.0050\">k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Arbeit<\/a> hat Ren\u00e9 Haller vom Leibniz-Institut f\u00fcr Astrophysik in Potsdam probiert, all diese Aspekte zu ber\u00fccksichtigen und in Formeln zu fassen. So fand er zum Beispiel, dass ein erdgro\u00dfer Mond, der einen jupitergro\u00dfen Planeten auf einer typischen Bahn in der habitablen Zone umkreist, im Durchschnitt 21 Prozent seiner Zeit im Schatten des Planeten verbringt. Das hat durchaus Auswirkungen auf die durchschnittliche Temperatur des Mondes.<\/p>\n<p>Fasst man alle Ergebnisse von Haller zusammen, dann kommt er zu dem Schlu\u00df, dass leichte Sterne eher keine bewohnbaren Monde habe (denn je kleiner und leichter und Stern ist, desto n\u00e4her m\u00fcssen ihm die Planeten und Monde r\u00fccken und das verst\u00e4rkt viele der oben genannten Effekte). Sterne die nur ein F\u00fcnftel der Sonnenmasse haben, k\u00f6nnen Hallers Ergebnisse nach keine habitablen Monde haben. Auch schwerer Sterne &#8211; bis zu einer halben Sonnenmasse &#8211; sind nicht unproblematisch. Hier bekommt man Probleme mit der Langzeitstabilit\u00e4t der Mondbahnen. Zum Gl\u00fcck gibt es in der Milchstra\u00dfe wirklich <i>viele<\/i> Sterne! Wir k\u00f6nnen also weiter hoffen, dass irgendwann ein echter bewohnbarer Science-Fiction-Mond entdeckt wird&#8230;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/flattr.com\/thing\/875345\/Bewohnbare-Monde-und-das-Problem-der-Finsternisse\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/api.flattr.com\/button\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this\" title=\"Flattr this\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/307fbf21ff7a4ebf81c05760734a9eea\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In jeder guten Science-Fiction-Geschichte gibt es bewohnte Monde. 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