{"id":20863,"date":"2012-09-06T10:33:20","date_gmt":"2012-09-06T08:33:20","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/09\/06\/zucker-im-weltall\/"},"modified":"2025-05-14T16:10:55","modified_gmt":"2025-05-14T14:10:55","slug":"zucker-im-weltall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/09\/06\/zucker-im-weltall\/","title":{"rendered":"Zucker im Weltall"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich ging eine astronomische Meldung durch alle Medien: Im Weltall hat man <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/news\/eso1234\/\">Zucker entdeckt<\/a>. Das klingt ein wenig seltsam. Was soll man sich darunter vorstellen? Schweben da kleine wei\u00dfe Zuckerw\u00fcrfelchen durchs All? Oder vielleicht dicke Brocken aus Kandiszucker? Was hat der Zucker \u00fcberhaupt im Weltraum zu suchen? Und wie um Himmels Willen entdeckt man sowas?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es geht um eine Entdeckung, die das Teleskop ALMA gemacht hat. Das steht f\u00fcr <i>Atacama Large Millimeter\/submillimeter Array<\/i>. Der Name sagt schon, dass es hier nicht um ein normales Teleskop geht. ALMA sieht den Himmel nicht so, wie unsere Augen es tun, sondern kann Millimeter- bzw. Submillimeterstrahlung wahrnehmen. Wir kennen diese Art von Strahlung auch als <i>Mikrowellen<\/i> und so wie <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/10\/28\/die-vielen-augen-der-astronomen\/\">all die anderen Bereiche des elektromagnetischen Spektrums<\/a> verr\u00e4t sie uns viel mehr \u00fcber das Universum als wir mit unseren menschlichen Augen sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>ALMA hat nach Molek\u00fclen im Weltall gesucht. Dort drau\u00dfen gibt es ja nicht nur Planeten, Sterne und Galaxien. Auch im &#8222;leeren&#8220; Raum zwischen ihnen findet man Materie. Nur sehr wenig zwar, aber ein bisschen was schwirrt da trotzdem rum. Manchmal sind es auch <a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/08\/29\/dunkelwolken-wo-das-licht-geboren-wird\/\">gro\u00dfe Wolken, zum Beispiel aus Wasserstoff<\/a>, in denen dann neue Sterne entstehen. Meistens findet man zwischen den Planeten und Sternen nur einfache Atome. Manchmal verbinden sich die Atome aber auch zu komplexeren Molek\u00fclen und genau die wollen die Wissenschaftler finden.<\/p>\n<p>Mancher fragt sich jetzt vielleicht, wie diese Molek\u00fcle \u00fcberhaupt entstehen. Im All ist ja doch <i>ziemlich<\/i> viel Platz &#8211; wie schaffen es zwei Atome da \u00fcberhaupt, sich zu treffen und zu verbinden? So etwas passiert zum Beispiel in den oben erw\u00e4hnten Wolken. Dort gibt es jede Menge Staub und Gas. Jetzt kann es vorkommen, dass ein Atom auf ein Staubkorn trifft und sich dort anlagert. Irgendwann kommt vielleicht noch ein zweites vorbei. Und ein drittes. Auf dem Staubkorn k\u00f6nnen sie dann chemisch reagieren und Molek\u00fcle bilden. Die interessante Frage ist aber, was mit den Molek\u00fclen danach passiert. Werden sie im Zuge der Planetenentstehung, bei der sich die Staubk\u00f6rner zu immer gr\u00f6\u00dferen Brocken zusammenschlie\u00dfen, einfach mit verbaut? Oder entsteht irgendwann ein Stern dessen Strahlung dann die  Molek\u00fcle verdampft? Dann l\u00f6sen sie sich vom Staub und zieen wieder alleine durchs All? Wenn ja, wie lange dauert das &#8211; und wie komplex k\u00f6nnen die Molek\u00fcle werden bevor sie wieder ins All entlassen werden?<\/p>\n<figure id=\"attachment_6632\" aria-describedby=\"caption-attachment-6632\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/eso1234b.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/eso1234b.jpg\" alt=\"\" title=\"eso1234b\" width=\"500\" height=\"281 class=\"size-full wp-image-6632\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6632\" class=\"wp-caption-text\">Glycolaldehyd (C2H4O2) Kohlenstoffatome sind dabei grau, Sauerstoffatome rot und Wasserstoffatome wei\u00df dargestellt (Bild: ALMA (ESO\/NAOJ\/NRAO)\/L. Cal\u00e7ada (ESO)).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Solche Fragen untersucht man mit ALMA und die Antworten k\u00f6nnen uns einiges \u00fcber die Entstehung von Planeten, Sternen und vielleicht auch \u00fcber die Entstehung des Lebens selbst verraten. Die Entdeckung, auf die sich die Sache mit dem Zucker bezieht, fand beim Stern <i>IRAS 16293-2422<\/i> statt. Er ist nur 400 Lichtjahre von der Sonne entfernt und in etwa so gro\u00df und schwer wie unser Stern. Er ist allerdings viel j\u00fcnger, der Stern ist noch von einer Scheibe aus Gas und Staub umgeben, die noch aus seiner Entstehungszeit in der Wolke stammt. Und in dieser Wolke haben die Astronomen Glycolaldehyd-Molek\u00fcle gefunden. Das ist nicht der Zucker, den wir uns in den Kaffee r\u00fchren, aber so etwas \u00e4hnliches. Und nat\u00fcrlich hat man die Molek\u00fcle auch nicht direkt gesehen, sondern sie auf andere Art und Weise gefunden.<\/p>\n<p>Die Molek\u00fcle, die sich in der Scheibe um den Stern befinden, k\u00f6nnen ab und zu miteinander zusammensto\u00dfen. Wenn sie das tun, werden sie durch die Energie der Kollision &#8222;angeregt&#8220;. Im Molek\u00fcl steckt also mehr Energie als vorher &#8211; wie z.B. in einem gespannten Gummiband. Nach einiger Zeit gibt das Molek\u00fcl diese zus\u00e4tzliche Energie wieder ab und nimmt seinen energetischen Normalzustand wieder ein. Die abgegebene Energie wird in Form von Strahlung ins All entlassen. Und die Wellenl\u00e4nge dieser Strahlung ist f\u00fcr jedes Molek\u00fcl anders. Man sucht also mit gro\u00dfen Teleskopen wie ALMA nach der charakteristischen Strahlung verschiedener Molek\u00fcle. Sie zu finden wird dabei um so schwieriger, je komplexer sie sind. Denn je komplizierter der Aufbau, desto mehr Arten gibt es, ein Molek\u00fcle anzuregen und desto mehr Arten von Strahlung kann es abgeben. Man sucht dann nicht mehr nach starker Strahlung bei einer einzigen Wellenl\u00e4nge, sondern nach schwacher Strahlung bei vielen verschiedenen Wellenl\u00e4ngen. Aber ALMA war erfolgreich und hat den Zucker im All entdeckt.<\/p>\n<p>Man wei\u00df noch nicht, wie es sonst so um den Stern IRAS 16293-2422 aussieht. Es ist gut m\u00f6glich, dass es dort auch Planeten gibt. Und falls die Zuckermolek\u00fcle (und all die anderen Molek\u00fcle die es dort mit Sicherheit auch noch gibt) es irgendwie auf einen Planeten schaffen, dann k\u00f6nnten sie dort bei der Entstehung von Leben eine wichtige Rolle spielen (vorausgesetzt nat\u00fcrlich, der Planet eignet sich \u00fcberhaupt f\u00fcr Leben). Die Chancen stehen nicht schlecht. Denn die Wissenschaftler konnten auch messen, wie schnell und wohin sich die Molek\u00fcle bewegen:<\/p>\n<blockquote><p><i>\u201cNicht nur sind die Zuckermolek\u00fcle am richtigen Ort, um auf einem Planeten zu landen \u2013 sie bewegen sich auch in die richtige Richtung!\u201d<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>sagt C\u00e9cile Favre von der Universit\u00e4t Aarhus in D\u00e4nemark. ALMA wird den Stern weiter beobachten&#8230;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/flattr.com\/thing\/873932\/Zucker-im-Weltall\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/api.flattr.com\/button\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this\" title=\"Flattr this\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/63c28df8973b44a2aebd50c94684dfcd\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich ging eine astronomische Meldung durch alle Medien: Im Weltall hat man Zucker entdeckt. Das klingt ein wenig seltsam. Was soll man sich darunter vorstellen? Schweben da kleine wei\u00dfe Zuckerw\u00fcrfelchen durchs All? Oder vielleicht dicke Brocken aus Kandiszucker? Was hat der Zucker \u00fcberhaupt im Weltraum zu suchen? 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