{"id":20756,"date":"2012-07-24T09:05:44","date_gmt":"2012-07-24T07:05:44","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/07\/24\/wer-hat-das-wasser-auf-die-erde-gebracht\/"},"modified":"2025-05-14T16:10:45","modified_gmt":"2025-05-14T14:10:45","slug":"wer-hat-das-wasser-auf-die-erde-gebracht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/07\/24\/wer-hat-das-wasser-auf-die-erde-gebracht\/","title":{"rendered":"Wer hat das Wasser auf die Erde gebracht?"},"content":{"rendered":"<p>Ich hoffe, ihr habt euch heute morgen die Z\u00e4hne geputzt. Wenn ja, dann habt ihr danach sicherlich auch den Mund mit Wasser ausgesp\u00fclt. Ein h\u00f6chst allt\u00e4glicher Vorgang und nicht weiter bemerkenswert. Allerdings nur so lange, bis man etwas l\u00e4nger dar\u00fcber nachdenkt. Dann wird die Sache n\u00e4mlich <i>h\u00f6chst<\/i> bemerkenswert. Dann stellt man fest, dann man sich gerade den Mund mit etwas ausgesp\u00fclt hat, dass vor Milliarden Jahren aus dem Weltall auf die Erde gekommen ist&#8230;<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWasser besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff. Beide Elemente kommen im All sehr h\u00e4ufig vor (Wasserstoff ist sogar das h\u00e4ufigste Element). Wasser selbst geh\u00f6rt zu den h\u00e4ufigsten Molek\u00fclen. Nat\u00fcrlich hei\u00dft das nicht, dass es \u00fcberall in fl\u00fcssiger Form auf der Oberfl\u00e4che von Planeten vor liegt. Aber in gefrorener Form findet man es \u00fcberall. All die Billiarden kleinen Felsbrocken, die vor 4,5 Milliarden Jahren um die Sonne kreisten und aus denen sp\u00e4ter die Planeten entstanden sind, enthielten gefrorenes Wasser.<\/p>\n<p>Die Felsbrocken kollidierten miteinander und formten gro\u00dfe Planeten. Dazu geh\u00f6rte auch die Erde. Sie entstand relativ nahe an der Sonne. So nahe, dass die meisten Felsbrocken dort nur noch wenig Eis enthielten. Als die Erde entstand, war sie also ziemlich trocken. Sie enthielt zwar ein wenig Wasser das durch vulkanische Aktivit\u00e4ten aus dem Erdinneren in die Atmosph\u00e4re gelangte. Aber die meisten Astronomen sind sich einig, dass dieses Wasser bei weitem nicht ausgereicht hat, um das zu erkl\u00e4ren, was wir heute sehen: Einen blauen Planeten, dessen Oberfl\u00e4che zu 70 Prozent mit Wasser bedeckt ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/09\/i-7dfc246c0e35b9bb05013155493b75d4-bluemarble1-29376.php\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-9df68231f14a7911a0dc531d6982f300-bluemarble1-thumb-500x500-29376.jpg\" alt=\"i-9df68231f14a7911a0dc531d6982f300-bluemarble1-thumb-500x500-29376.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Der blaue Planet (Bild: NASA, CC-BY 2.0)<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Das Wasser musste sp\u00e4ter von au\u00dfen nachgeliefert werden. Auch nach der Planetenentstehung schwirrten noch viele der urspr\u00fcnglichen Felsbrocken herum: Es handelt sich dabei um Asteroiden und Kometen. Und sie enthielten immer noch Wasser. Wir wissen heute, dass es in der Fr\u00fchzeit des Sonnensystems noch ein wenig unruhig zuging. Die \u00e4u\u00dferen Planeten hatten noch nicht die Bahnen eingenommen, die sie heute haben und sich im Rahmen der <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2009\/11\/wenn-planeten-wandern-gehen-planetare-migration.php\">planetaren Migration<\/a> ein wenig von der Sonne entfernt (bzw. im Fall von Jupiter sich ihr gen\u00e4hert). Dadurch kam es vor etwa 4 Milliarden Jahren zu etwas, dass wir heute &#8222;Late Heavy Bombardement&#8220; nennen: Die Migration der Planeten st\u00f6rte die Bahnen der Asteroiden und Kometen und f\u00fchrte dazu, dass sie verst\u00e4rkt mit der Erde kollidierten. Bei diesen Einschl\u00e4gen wurde das Wasser auf die Erde transportiert und blieb dort bis heute.<\/p>\n<p>Aber waren es nun die Kometen oder die Asteroiden, die uns das Wasser geliefert haben? Beide sind im Prinzip <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/07\/kometen-asteroiden-meteoroide-meteore-und-metorite-was-ist-der-unterschied.php\">die gleichen Objekte<\/a>, sie unterscheiden sich nur in ihrem Entstehungsort. Weiter entfernt von der Sonne gibt es mehr Eis und da kommen die Kometen her, die ja im Gegensatz zu den Asteroiden viel mehr gefrorenes Material enthalten (das dann verdampft, wenn sie in die N\u00e4he der Sonne kommen, dabei Staub vom Kometen mitrei\u00dft und so den Kometenschweif erzeugt). Man k\u00f6nnte nun denken, dass sie deswegen auch das Wasser auf die Erde gebracht haben. Immerhin haben sie ja genug davon. Aber so wie es aussieht, waren es doch die Asteroiden!<\/p>\n<p><i>Conel Alexander<\/i> von der Carnegie Institution of Washington und seine Kollegen haben sich ein paar der Meteoriten angesehen, die man auf der Erde gefunden hat (<a href=\"https:\/\/www.sciencemag.org\/content\/early\/2012\/07\/11\/science.1223474\">&#8222;The Provenances of Asteroids, and Their Contributions to the Volatile Inventories of the Terrestrial Planets&#8220;<\/a>). 86 St\u00fcck, um genau zu sein. Dabei haben sie sich besonders die Menge von Wasserstoff und Deuterium angesehen. Das Verh\u00e4ltnis dieser beiden Isotope h\u00e4ngt davon ab, wie weit entfernt von der Sonne der Felsbrocken entstanden ist. Die Me\u00dfdaten der Meteoriten konnten die Forscher au\u00dferdem mit spektroskopischen Messungen an verschiedenen realen Objekten vergleichen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass vermutlich die Gruppe der sogenannten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/CI-Chondrit\">CI-Chondrite<\/a> haupts\u00e4chlich f\u00fcr die Wasserlieferungen zust\u00e4ndig war. Sie stammen aus dem \u00e4u\u00dferen Bereich des Asteroideng\u00fcrtels zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter. Genau dort, wo auch die &#8222;Schneegrenze&#8220; verl\u00e4uft, also der Bereich, in dem das Wasser nicht verdampft und erhalten bleibt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-f9dd487b23653ac8547e04a126fc6111-Carbonaceous_chondrites.jpg\" alt=\"i-f9dd487b23653ac8547e04a126fc6111-Carbonaceous_chondrites.jpg\" \/><\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>In der Mitte ist ein CI-Chondrit zu sehen, der am 11. Januar 2000 in Kanada einschlug (<a href=\"https:\/\/science.nasa.gov\/science-news\/science-at-nasa\/2000\/ast01jun_1m\/\">Bild: NASA<\/a>)<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Also: Nun wisst ihr, wo das Wasser herkommt, mit dem ihr euch die Z\u00e4hne putzt. Denkt mal dar\u00fcber nach, wenn ihr das n\u00e4chste Mal gurgelt&#8230;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/9841b46742c3417787502daf6d54f3fa\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hoffe, ihr habt euch heute morgen die Z\u00e4hne geputzt. Wenn ja, dann habt ihr danach sicherlich auch den Mund mit Wasser ausgesp\u00fclt. Ein h\u00f6chst allt\u00e4glicher Vorgang und nicht weiter bemerkenswert. Allerdings nur so lange, bis man etwas l\u00e4nger dar\u00fcber nachdenkt. Dann wird die Sache n\u00e4mlich h\u00f6chst bemerkenswert. 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