{"id":20706,"date":"2012-07-08T16:37:18","date_gmt":"2012-07-08T14:37:18","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/07\/08\/eine-lehrerin-am-cern-3-blasenkammer-selbstgebaut\/"},"modified":"2025-05-14T16:10:41","modified_gmt":"2025-05-14T14:10:41","slug":"eine-lehrerin-am-cern-3-blasenkammer-selbstgebaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/07\/08\/eine-lehrerin-am-cern-3-blasenkammer-selbstgebaut\/","title":{"rendered":"Eine Lehrerin am CERN (3): Nebelkammer selbstgebaut"},"content":{"rendered":"<p>Bettina ist eine Lehrerin aus Ober\u00f6sterreich. Zur Zeit nimmt sie an einer <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2012\/07\/eine-lehrerin-am-cern.php\">dreiw\u00f6chigen Fortbildung am Kernforschungszentrum CERN<\/a> teil. In einer Serie von Gastbeitr\u00e4gen berichtet sie hier im Blog \u00fcber ihre Erlebnisse. Die bisher erschienenen Artikel findet ihr <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/eine-lehrerin-am-cern\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<hr \/>\n<p><!--more--><br \/>\nUnglaublich: Wir sind erst f\u00fcnf Tage hier am CERN, aber es sind gef\u00fchlte zwei Wochen. Die vergangenen Tage waren bisher vollgepackt mit aufregenden Ereignissen (Higgs Boson), Vortr\u00e4gen (Peter Higgs, John Ellis, Jack Steinberger), intensiven Wissensinput, interessanten Gespr\u00e4chen mit KollegInnen aus der ganzen Welt und tollen Versuchen. Es ist wirklich einzigartig, aber auch sehr anstrengend. Das Tagesprogramm beginnt meist um 9 Uhr und endet um 18 oder 19 Uhr. Keine Sorge, das ist keine Beschwerde!<br \/>\nAm Donnerstag hatten wir einen sehr interessanten Vortrag <a href=\"https:\/\/indico.cern.ch\/getFile.py\/access?contribId=10&#038;resId=1&#038;materialId=slides&#038;confId=193928\">von Gron (Goronwy Tudor Jones) \u00fcber relativistische Kinematik und Masse<\/a>. Gleich einmal vorweg: das Konzept (von Lev Okun), das er erl\u00e4utert hat, r\u00fcttelt erstmall ordentlich an den Grundfesten des Physikverst\u00e4ndnisses, wenn es um relativistische Prozesse geht. Man lernt schlie\u00dflich auf der Uni und unterrichtet sp\u00e4ter an der Schule, dass bei Geschwindigkeiten ann\u00e4hernd der Lichtgeschwindigkeit die Masse immer gr\u00f6\u00dfer wird und dass sich somit viele Ph\u00e4nomene erkl\u00e4ren lassen. Gron erkl\u00e4rte uns, dass dies nur ein historisch richtiger Ansatz sei, der heute nicht mehr legitim ist. Man verwendet eine etwas andere Formel f\u00fcr den Zusammenhang zwischen Energie, Masse und Geschwindigkeit, die aber sowohl die Newtonische als auch die relativistische Kinematik beschreibt und dabei das Prinzip der invarianten Masse propagiert. Das hei\u00dft, dass die Masse sich nicht ver\u00e4ndert, nur weil die Geschwindigkeit gr\u00f6\u00dfer ist. Sie bleibt immer gleich. Er hat es wunderbar erkl\u00e4rt, man kann sich auch seine kleine Pr\u00e4sentation dazu ansehen. Der Ansatz ist sehr wichtig, da man sonst nie ein Teilchen wie das Higgs Boson mit dem LHC entdecken k\u00f6nnt. Man sucht ja nach einem Teilchen bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten (es entsteht bei unterschiedlichen Prozessen). Aber die Masse bleibt immer dieselbe.<\/p>\n<p>An diesem Tag durften wir auch noch eine Nebelkammer bauen und uns darin Myonen, die von der kosmischen Strahlung erzeugt werden, anschauen. Dieses Experiment kann man mit etwas Aufwand durchaus an einer Schule durchf\u00fchren. Die genaue Anleitung <a href=\"https:\/\/teachers.web.cern.ch\/teachers\/document\/cloud-final.pdf\">gibt&#8217;s nat\u00fcrlich auf der CERN Homepage<\/a>. Man braucht dazu eine \u201eKammer&#8220; (=ein dicht abgeschlossener Hohlraum), der von unten mit Trockeneis gek\u00fchlt ist. In der Kammer ist Filz mit reinem Isopropylalkohol getr\u00e4nkt. Wenn man etwas wartet und im Dunkeln mit einer Taschenlampe in die Kammer hineinleuchtet, kann man die Spuren der Myonen in dem entstandenen \u201eNebel&#8220; beobachten. Ein wirklich sch\u00f6nes Experiment!<br \/>\nAm Nachmittag durften wir einem Vortrag <a href=\"https:\/\/www.slac.stanford.edu\/econf\/C0805263\/ProcContrib\/jarlskog_c.pdf\">von Cecilia Jarlskog<\/a> von der Universit\u00e4t Lund, Schweden, zu h\u00f6ren. Sie erz\u00e4hlte sehr lebhaft \u00fcber die beiden Forscher Marie Curie und Ernest Rutherford und wie sie zu ihrem Nobelpreis bzw. Nobelpreisen gekommen sind.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/09\/i-a594988a477be4e9808fcecd44484568-DSC04403-31983.php\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-20b7988ec02a211aada06dbc52069473-DSC04403-thumb-500x666-31983.jpg\" alt=\"i-20b7988ec02a211aada06dbc52069473-DSC04403-thumb-500x666-31983.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small>Hier kommen die Protonen raus, die im LHC kollidieren  (hoffentlich sind <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/04\/protonenmangel-der-lhc-musste-schon-wieder-gestoppt-werden.php\">genug davon da<\/a>)<\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Cecila Jarlskog war selber Mitglied im Nobelpreiskomitee und hat sehr interessante Geschichten erz\u00e4hlt, allerdings nur historische. Es gibt n\u00e4mlich die Regelung, dass erst nach 50 Jahren ver\u00f6ffentlicht wird, wer jemanden f\u00fcr den Nobelpreis nominiert hat und au\u00dferdem muss der Laureat bereits verstorben sein. Das hei\u00dft, dass kein Laureat wei\u00df, wer ihn oder sie nominiert hat. Wir haben mit ihr nat\u00fcrlich auch dar\u00fcber diskutiert, warum die Preise nur zu Lebzeiten vergeben werden und nicht posthum. Der Grund ist die Intention des Preises: Man will mit dem Preis aktuelle Forschung finanziell unterst\u00fctzt, d.h. die Arbeitsgruppe des Preistr\u00e4gers erh\u00e4lt das Geld.<br \/>\nNach einem weiteren Vortrag \u00fcber Teilchenphysik hatten wir nachmittags endlich die Gelegenheit, einen wichtigen Bestandteil des CERN zu besichtigen. Den linearen <a href=\"https:\/\/espace.cern.ch\/acc-tec-sector\/default.aspx\">Teilchenbeschleuniger LINAC<\/a>. Ohne diesen w\u00fcrde es gar keine Experimente geben! Hier ist die Protonenquelle (H_2) f\u00fcr alle Experimente. Im Beschleuniger werden die Protonen dann auf ca. ein Drittel der Lichtgeschwindigkeit mit Hilfe eines elektrischen Felder gebracht. Anschlie\u00dfend werden die Teilchen im Booster, im Protonen Synchrotron (PS) und im Super Protonen Synchrotron (SPS) weiter beschleunigt bis sie dann im LHC (Large Hadron Collider) bei 0,999999-facher Lichtgeschwindigkeit aufeinander treffen. Au\u00dfer dem LHC gibt es auch noch andere Experimente, die Protonen verwenden. Der Protonen Synchrotron wurde \u00fcbrigens bereits 1959 gebaut und ist seither in Verwendung. Eine wirklich technische Meisterleistung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/09\/i-f8e836985e38e2da06be2c2e0650badb-DSC04413-31986.php\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-947a2ce7ccbdce455c94f64ab698e964-DSC04413-thumb-500x375-31986.jpg\" alt=\"i-947a2ce7ccbdce455c94f64ab698e964-DSC04413-thumb-500x375-31986.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p>Was LehrerInnen am CERN am Wochenende machen erz\u00e4hle ich dann n\u00e4chstes Mal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bettina ist eine Lehrerin aus Ober\u00f6sterreich. Zur Zeit nimmt sie an einer dreiw\u00f6chigen Fortbildung am Kernforschungszentrum CERN teil. In einer Serie von Gastbeitr\u00e4gen berichtet sie hier im Blog \u00fcber ihre Erlebnisse. 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