{"id":20628,"date":"2012-06-14T11:00:05","date_gmt":"2012-06-14T09:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/06\/14\/schwarze-locher-wachsen-auch-im-dunkeln\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:53","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:53","slug":"schwarze-locher-wachsen-auch-im-dunkeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/06\/14\/schwarze-locher-wachsen-auch-im-dunkeln\/","title":{"rendered":"Schwarze L\u00f6cher wachsen auch im Dunkeln"},"content":{"rendered":"<p>Im Zentrum jeder gro\u00dfen Galaxie sitzt ein supermassereiches schwarzes Loch. Und auch wenn ein schwarzes Loch <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/01\/schwarze-locher-sind-keine-staubsauger.php\">kein Staubsauger ist<\/a>, verschluckt es doch gerne mal den einen oder anderen Stern oder die eine oder andere Gaswolke. Was eben gerade so da ist. Man dachte deswegen auch bis jetzt, dass das Wachstum der schwarzen L\u00f6cher eng mit dem Wachstum des Sternhaufens verkn\u00fcpft ist, der sie umgibt. Die gro\u00dfe und dichte Ansammlung von Sternen in der Zentralregion einer Galaxie nennt man &#8222;Bulge&#8220; und je gr\u00f6\u00dfer der Bulge ist, desto massereicher sollte auch das schwarze Loch in seiner Mitte sein. <a href=\"https:\/\/chandra.harvard.edu\/press\/12_releases\/press_061112.html\">Neue Beobachtungen<\/a> zeigen aber, dass das nicht immer stimmen muss.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNGC 4342 und NGC 4291 sind zwei Galaxien in unserer Nachbarschaft. Sind sind zwar immer noch 75 beziehungsweise 85 Millionen Lichtjahre weit entfernt; aber aus kosmischer Sicht liegen sie gleich nebenan. Hier sind sie:<\/p>\n<form mt:asset-id=\"31757\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><a href=\"https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-20af27fbe8e5c979d4be0859dea8e625-ngc4342.jpg\" onclick=\"window.open('https:\/\/scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/wp-content\/blogs.dir\/28\/files\/2012\/07\/i-20af27fbe8e5c979d4be0859dea8e625-ngc4342.jpg','popup','width=1224,height=612,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-42206dbf154a44e52e4020230dec3481-ngc4342-thumb-500x250-1.jpg\" alt=\"i-42206dbf154a44e52e4020230dec3481-ngc4342-thumb-500x250.jpg\" \/><\/a><\/form>\n<div style=\"text-align: center;\"><em><small><a href=\"https:\/\/chandra.harvard.edu\/photo\/2012\/ngc4342\/\">Bild: X-ray: NASA\/CXC\/SAO\/A.Bogdan et al; Infrared: 2MASS\/UMass\/IPAC-Caltech\/NASA\/NSF<\/a><\/small><\/em><\/div>\n<p><\/p>\n<p>Die Bilder sind eine Mischung aus Infrarotbildern und R\u00f6ntgenaufnahmen. R\u00f6ntgenstrahlung ist wichtig, wenn man schwarze L\u00f6cher sehen will. Die sind zwar eigentlich unsichtbar. Aber wenn Material auf ein schwarzes Loch f\u00e4llt, dann macht es dass nicht auf direkten Weg sondern es spiralt zuerst um das Loch herum. Um ein aktives, fressendes Loch bildet sich also eine sogenannte &#8222;Akkretionsscheibe&#8220; aus Staub und Gas. Das Material dort bewegt sich enorm schnell, wird dabei enorm hei\u00df und gibt jede Menge Strahlung ab. Vor allem R\u00f6ntgenstrahlung. Darum kann man die Umgebung von schwarzen L\u00f6chern in R\u00f6ntgenteleskopen auch besonders gut sehen.<\/p>\n<p>Hier wurde das R\u00f6ntgenteleskop Chandra aber auf andere Art eingesetzt. Die Forscher waren an dem hei\u00dfen Gas interessiert, das sich zwischen den Sternen befindet. Je hei\u00dfer das Gas, desto schneller bewegen sich die Teilchen dort. Und desto st\u00e4rker muss die gesamte Anziehungskraft der Galaxie sein, um die schnellen Teilchen zur\u00fcckzuhalten. Ansonsten w\u00fcrden sie in den intergalaktischen Raum entkommen und die Wolken w\u00fcrden sich aufl\u00f6sen. Mit einem R\u00f6ntgenteleskop kann man die Temperatur dieser Gaswolken bestimmen und so herausfinden, wie gro\u00df die Gravitationskraft ist, die von der ganzen Galaxie ausge\u00fcbt wird.<\/p>\n<p>Warum ist das interessant? NGC 4342 und NGC 4291 haben beide zu gro\u00dfe schwarze L\u00f6cher. Sind sind deutlich gr\u00f6\u00dfer, als man es aufgrund ihres Bulges erwarten w\u00fcrde. Die Wissenschaftler vermuteten, dass beide Galaxien in Folge von Kollisionen mit anderen Galaxien, Gas und Sterne verloren haben. Was man heute noch sieht, sind nur die \u00dcberreste und daher erscheint es so, als ob die schwarzen L\u00f6cher gr\u00f6\u00dfer w\u00e4ren, als sie sein sollten.<\/p>\n<p>Die R\u00f6ntgenbeobachtung des hei\u00dfen Gases zeigte allerdings etwas ganz anderes. Die Daten legen nahe, dass beide Galaxie noch sehr viel dunkle Materie enthalten. Die sichtbare Materie allein reicht nicht aus, um zu erkl\u00e4ren, warum das hei\u00dfe und schnelle Gas immer noch da ist. Es muss noch mehr Materie vorhanden sein, deren Gravitationskraft die Teilchen festh\u00e4lt. Diese dunkle Materie umgibt die Galaxien in einer gro\u00dfen Wolke. Bei einer Kollision zwischen zwei Galaxien sollten nun vor allem diese Wolken in den Au\u00dfenbereichen betroffen sein. Man w\u00fcrde also wenig dunkle Materie erwarten. Aber genau das Gegenteil wurde gemessen.<\/p>\n<p>Die \u00fcbergewichtigen schwarzen L\u00f6cher sind also nicht auf eine galaktische Kollision zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die \u00fcberschweren schwarzen L\u00f6cher passen gut zu den \u00fcbergro\u00dfen Wolken aus dunkler Materie. Nur die Zahl der sichtbaren Sterne im galaktischen Zentrum passt nicht so ganz dazu. Die Gr\u00f6\u00dfe des Bulges scheint also nicht so eng mit der Gr\u00f6\u00dfe des schwarzen Lochs zusammen zu h\u00e4ngen, wie man bisher dachte. Die Wissenschaftler werden sich nun Gedanken \u00fcber neue Mechanismen machen m\u00fcssen, die das Wachstum supermassereicher schwarzer L\u00f6cher beschreiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So ist Wissenschaft: Immer dann, wenn die Beobachtung der Realit\u00e4t nicht mit unseren bisherigen Erkl\u00e4rungen zusammen passt, dann stehen wir kurz davor, etwas Neues zu lernen! Ich bin schon gespannt, was es diesmal sein wird.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/da352389ba3846ba94dd36f9b8ac96c1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zentrum jeder gro\u00dfen Galaxie sitzt ein supermassereiches schwarzes Loch. Und auch wenn ein schwarzes Loch kein Staubsauger ist, verschluckt es doch gerne mal den einen oder anderen Stern oder die eine oder andere Gaswolke. Was eben gerade so da ist. 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