{"id":20573,"date":"2012-05-29T10:40:49","date_gmt":"2012-05-29T08:40:49","guid":{"rendered":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/29\/cosm-wie-baut-man-ein-universum-im-labor-und-was-passiert-wenn-man-es-geschafft-hat\/"},"modified":"2025-05-14T16:07:48","modified_gmt":"2025-05-14T14:07:48","slug":"cosm-wie-baut-man-ein-universum-im-labor-und-was-passiert-wenn-man-es-geschafft-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/index.php\/2012\/05\/29\/cosm-wie-baut-man-ein-universum-im-labor-und-was-passiert-wenn-man-es-geschafft-hat\/","title":{"rendered":"Cosm: Wie baut man ein Universum im Labor und was passiert, wenn man es geschafft hat?"},"content":{"rendered":"<p>Wir leben in einem Universum. Und irgendwo muss das Ding ja her kommen! Fr\u00fcher haben sich die Menschen bei der Frage nach dem Ursprung des Universums mit der (eigentlich nichtssagenden) Antwort &#8222;Gott wars!&#8220; zufrieden gegeben. Aber im Laufe der letzten Jahrzehnte ist die Kosmologie zu einer brauchbaren Wissenschaft geworden und wir haben mittlerweile eine ganz gute Vorstellung dar\u00fcber, wie sich unser Universum seit dem Anfang vor 13,7 Milliarden Jahren entwickelt hat. Wir haben auch schon einige Ideen dazu, wie dieser Anfang ausgesehen haben k\u00f6nnte (siehe z.B. <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/07\/the-hidden-reality-die-komplette-rezension.php\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/10\/der-grosse-entwurf-von-stephen-hawking-die-komplette-rezension.php\">hier<\/a>). Und es gibt Wissenschaftler, die sich \u00fcberlegt haben, wie man ein ganz Universum im Labor bauen kann.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch habe dar\u00fcber <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2011\/07\/realitat-ist-wie-mathematik-sich-anfuhlt.php\">fr\u00fcher schon einmal<\/a> geschrieben. Rein <i>theoretisch<\/i> ist die Erschaffung eines Universums kein Problem. Im wesentlichen geht es darum, viel Energie auf kleinem Raum zu konzentrieren. Dann erh\u00e4lt man ein St\u00fcckchen Raum, dass sich immer weiter ausdehnt. Allerdings nicht in unserem Universum; es schafft sich seinen eigenen Raum und koppelt sich irgendwann von unserem Raum ab. Von unserer Seite w\u00fcrde das neue Universum wie ein schwarzes Loch aussehen.<\/p>\n<p>Das klingt wie Science-Fiction (und zu der kommen wir sp\u00e4ter noch), ist aber durchaus wissenschaftlich untersuchbar. 1990 wurde in der Fachzeitschrift &#8222;Nuclear Physics B&#8220; ein Artikel mit dem Titel <a href=\"https:\/\/adsabs.harvard.edu\/abs\/1990NuPhB.339..417F\">&#8222;Is it possible to create a universe in the laboratory by quantum tunneling?&#8220;<\/a> ver\u00f6ffentlicht (Mitautor der Arbeit war der Kosmologe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alan_Guth\">Alan Guth<\/a>, bekannt f\u00fcr die Entwicklung der <a href=\"https:\/\/www.scienceblogs.de\/astrodicticum-simplex\/2010\/05\/was-knallt-beim-urknall-inflation-und-expansion-im-universum.php\">Theorie des inflation\u00e4ren Universums<\/a>, heute die Standardtheorie in der Kosmologie). Darin spekulieren sie, wie Quanteneffekte daf\u00fcr sorgen k\u00f6nnen, dass eigentlich instabile &#8222;Universumsblasen&#8220; doch stabil werden und weiterwachsen k\u00f6nnen. Diese Arbeit wird seitdem immer wieder auch von anderen Wissenschaftlern  <a href=\"https:\/\/adsabs.harvard.edu\/cgi-bin\/nph-ref_query?bibcode=1990NuPhB.339..417F&amp;refs=CITATIONS&amp;db_key=AST\">benutzt und weitergef\u00fchrt<\/a>, aktuell zum Beispiel von den amerikanischen Physikern Andrew Ulvestad und Andreas Albrecht in ihrem Artikel <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/1202.5936\">&#8222;Creating universes with thick walls&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist nicht damit zu rechnen, dass Physiker demn\u00e4chst tats\u00e4chlich ein Universum im Labor schaffen (auch wenn immer wieder mal <a href=\"https:\/\/www.casavaria.com\/hotspring\/2008\/08\/07\/193\/physicists-in-japan-plan-to-create-new-universe-in-lab\/\">entsprechende Meldungen<\/a> durch die Medien geistern). Untersuchungen dieser Art werden vor allem deswegen angestellt, um die Prozesse bei der Entstehung unseres eigenen Universums besser verstehen zu k\u00f6nnen. Aber was w\u00e4re, wenn es wirklich mal gelingen w\u00fcrde? Was w\u00e4re, wenn in einem Experiment &#8211; zum Beispiel am Teilchenbeschleuniger LHC &#8211; pl\u00f6tzlich ein neues Universum geschaffen w\u00fcrde?<\/p>\n<form mt:asset-id=\"31380\" class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/astrodicticum-simplex.ulrich.digital\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/i-47ee66c9ac67a8735ca3d731816c7c6d-cosm.jpg\" alt=\"i-47ee66c9ac67a8735ca3d731816c7c6d-cosm.jpg\" \/><\/form>\n<p>Jetzt sind wir bei der oben schon erw\u00e4hnten Science-Fiction. Und genau dieses Thema hat <i>Gregory Benford<\/i> in seinem Roman <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3453170873\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=astrodisimple-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3453170873\">&#8222;Cosm&#8220;<\/a> (hei\u00dft <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/1857236270\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&#038;tag=astrodisimple-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=1857236270\">im englischen Original<\/a> genau so) beschrieben. Der Schauplatz der Geschichte ist nicht der LHC sondern der amerikanische Teilchenbeschleuniger <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Relativistic_Heavy_Ion_Collider\">RHIC<\/a>. Dort probiert die Teilchenphysikerin Alicia Butterworth ein neues Experiment aus. Aus der Kollision von Uran-Atomen soll ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Quark-Gluon-Plasma\">Quark-Gluon-Plasma<\/a> erzeugt werden. Das ist der Zustand, in dem das Universums sich in den ersten Momenten seiner Entstehung befunden haben muss. Es wird heute zum Beispiel am LHC erforscht, wurde aber &#8211; so wie im Buch &#8211; auch am RHIC. Das Experiment l\u00e4uft zuerst gut, dann aber pl\u00f6tzlich schief. Es gibt eine kleine Explosion und in den Tr\u00fcmmern ihres Detektors findet Alicia eine knapp 40 Zentimeter gro\u00dfe schimmernden Kugel, die in den Magnetfeldern des Beschleunigers schwebt. Sie entscheidet sich daf\u00fcr, sie heimlich zur\u00fcck an ihre Universit\u00e4t in Kalifornien mit zu nehmen und dort zu untersuchen.<\/p>\n<p>&#8222;Cosm&#8220; ist zwar schon alt (es erschien 1998); ich habe es aber erst jetzt entdeckt und mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen. Ich kann das Buch nur extrem empfehlen! Benford ist selbst Teilchenphysiker und wei\u00df, wovon er schreibt. Die oben erw\u00e4hnte Arbeit \u00fcber die Entstehung von Universen im Labor taucht auch im Buch auf, genauso wie jede Menge andere reale wissenschaftliche Fakten und Theorien. Das Buch ist aus mehreren Gr\u00fcnden absolut lesenswert. Einmal, weil die Handlung wahnsinnig spannend ist. Alicia und ihre Mitarbeiter wissen zuerst nicht, was sie da vor sich haben und finden erst im Laufe der Zeit heraus, dass sie bei ihrem Experiment ein neues Universum geschaffen haben. Neben dieser faszinierenden Thematik beschreibt Benford aber auch das Leben und die Arbeit der Wissenschaftler wirklich gut (klar, er ist ja selber einer). Die Arbeitschritte bei der Erforschung des &#8222;Cosm&#8220; werden genau beschrieben (ohne dass das Buch dabei langweilig werden w\u00fcrde). Und vor allem das ganze Drumherum ist \u00e4u\u00dferst realistisch. In schlechten Hollywoodfilmen kann sich der Wissenschaftler voll und ganz der Erforschung des jeweils aktuellen Mysteriums widmen. In der Realit\u00e4t und in Benfords Buch ist es nicht so einfach. Da muss man das neu geschaffene Universum schon mal im Labor zur\u00fcck lassen, weil man eine Vorlesung halten muss. Da muss man sich von anderen Arbeitsgruppen Ger\u00e4te ausleihen, weil das eigene Budget nicht reicht. Und so weiter. Auch der Umgang mit den Medien und der \u00d6ffentlichkeit wird in &#8222;Cosm&#8220; gut und realistisch beschrieben.<\/p>\n<p>Wer ein realistisches und gleichzeitig sehr originelles Science-Fiction-Buch lesen m\u00f6chte, der sollte &#8222;Cosm&#8220; auf jeden Fall lesen. Wer wissen will, wie man ein Universum baut und was danach geschieht, nat\u00fcrlich auch!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/6d29bbd796d24ed1b0b2d54b0b78a21d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben in einem Universum. Und irgendwo muss das Ding ja her kommen! 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